Stolpersteine für zwei Siegburger

Inschriften erinnern an die Jüdin Ilse Fröhlich und den Gewerkschafter Karl Pierkes

Von Axel Vogel

Siegburg. Mit seiner mittlerweile international bekannten Aktion "Stolpersteine" gastierte der Kölner Künstler Gunter Demnig am Samstag wieder in Siegburg. Nachdem hier bereits 76 Stolpersteine an Opfer des Holocausts erinnern, kamen noch zwei weitere auf der Kaiserstraße in der Innenstadt hinzu. Sie sollen an die Jüdin Ilse Fröhlich und den Gewerkschaftler Karl Pierkes erinnern.

Im Sommer 1939 schreibt die Siegburgerin Ilse Fröhlich ergreifende Zeilen an ihren Vater und seine Mitarbeiterin: "Wenn Ihr diesen Brief bekommt, dann haben Rudi und ich uns erschossen. Trotz aller Schwierigkeiten sind wir zusammen gekommen. Ich danke Euch von ganzem, ganzem Herzen für alles, was Ihr für mich getan habt, denn mehr konntet Ihr wirklich nicht tun."

Ihre letzte Bitte: "Legt Rudi und mich zusammen in ein Grab." In einem Strandkorb bei Ahlbeck auf Usedom erschießen sich die Jüdin Ilse Fröhlich und ihr katholischer Verlobter, der Soldat Rudolf Marx. Beide sahen für ihre Liebe über Konfessionsgrenzen hinweg keine Zukunft mehr im nationsozialistisch beherrschten Deutschland.

Der Troisdorfer Heimathistoriker Norbert Flörken hatte das vergessene Schicksal von Ilse Fröhlich recherchiert und das Schauspielerehepaar Eva Scheurer und Rudolf Kowalski will, dass es nicht mehr vergessen wird: Darum übernahmen sie die Patenschaft für den 95 Euro teueren Stein an der Kaiserstraße 20.

Hier hatte der Vater von Ilse Fröhlich einst sein Hutgeschäft, wie überhaupt viele Juden in diesem Viertel gelebt hatten. Daran erinnern zwei Stolpersteine, die bereits neben dem von Ilse Fröhlich liegen: Sie erinnern an Alfred und Karoline Neumann, die 1941 deportiert wurden.

Auch Karl Pierkes hat Hitlers Schreckenherrschaft nicht überlebt. Im Januar 1933 war der Betriebsratsvorsitzende von Klöckner Mannstaedt Vorsitzender der Siegburger SPD geworden. 1945 kam er im KZ um.

Für den Stolperstein des aufrechten Sozialdemokraten an der Kaiserstraße 108 vor dem Gewerkschaftshaus, dem ehemaligen "Volkshaus", hatte die Siegburger SPD um ihren Vorsitzenden Frank Sauerzweig die Patenschaft übernommen.

Übrigens: Nach bislang 17 000 Stolpersteinen geht Demnigs Reise jetzt nach Toulon, Lyon, Paris, Kiew und Oslo.

Artikel vom 08.12.2008