1848 Mai 15 Rede Gottschalks in der Comité-Sitzung, Auszug

„[…] Es mag einigen Mut erfordern, in einer Frage, die eine so allgemeine Aufregung verursacht hat [Rückberufung des Kronprinzen], eine Ansicht auszusprechen, wie ich sie eben dargelegt, und sich dadurch von dem demokratischen Verein [gemeint ist die Demokratische Gesellschaft] zu trennen. Konsequenz ist aber die weiseste Politik, und wie ich mich vordem nicht an den indirekten Wahlen beteiligt habe, weil ich gegen dieselben und ihren Zweck protestierte, so kann ich mich auch heute nicht an einer Massregel beteiligen, die nicht die Frage eines politischen Systems, sondern einer Person, und deshalb ungerecht und kleinlich ist.

Sie ist ungerecht, weil diese Person allein nicht verantwortlich gemacht werden kann für die Bluttaten des 18. März, weil über das, was sie getan haben soll, bis jetzt nur Zeitungsnachrichten und Gerüchte vorliegen – und gewiss Niemand ohne Urteil und Recht verbannen und verdammen will.

Ich halte endlich die Massregel des Protestes für kleinlich, weil sie die Spitze des Systems umgeht, um eine untergeordnete Person desselben anzugreifen, weil ihr zur republikanischen Entschiedenheit der Mut der überzeugung fehlt und weil sie für die konstitutionelle Monarchie ganz zwecklos die Grundlagen derselben, die Erblichkeit des Thrones und die Heiligkeit der Staatsform in Frage stellt.

Es heisst in einem der gedruckten Proteste, dass alle Ehrenmänner durch die Rückberufung des Prinzen verletzt worden seien; - ich hoffe, Sie werden darum meine Ehrenhaftigkeit nicht bezweifeln, dass ich mich gegen derartige Proteste ausspreche; am allerwenigsten aber werden Sie mich deshalb für einen Freund des Prinzen von Preussen halten wollen.

(Lauter Beifall).“


Aus: Zeitung des Arbeitervereins Köln, Nr. 5 vom 21.05.1848.