1848 Mai 28 Artikel über die Bedeutung der Industrialisierung

„Die jetzigen Verhältnisse der Arbeiters zur Maschine.

Unter den noch nicht aufgeklärten Arbeitern hört man oft die Worte: »Die Maschinen müssen abgeschafft oder zerstört werden, sonst gehen wir noch gänzlich zu Grunde.« an diesen und noch ähnlichen Redensarten sieht man, dass die Arbeiter in den Maschinen, aber nicht in den Maschinenbesitzern ihre Feinde erblicken. Dies ist aber ein grosser Irrtum, denn die Maschinen […] haben doch keine Schuld an dem Elende der Arbeiter. […] Aber diejenigen, welche sich dieser Maschinen bedienten, um auf Kosten des Arbeiters ihre Geldsäcke zu füllen, diesen gilt der Vorwurf vollständig. Dass die Kraft der Maschinen der Arbeiter-Zahl gegenüber unendlich stärker ist, also mehr produziert und weniger Geld fortrafft als die Arbeiter, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, an Lohn erhalten, dass sie also dem Bourgeois mehr Vorteil bietet, ist allerdings wahr. Der Gewinn, welchen die Maschine hervorbringt, fliesst aber nur dem Inhaber derselben zu, und je grösser sein Kapital wird, desto mehr Mittel findet er, den Arbeiter auszubeuten oder zu beseitigen. […]

Hierdurch [die Beseitigung der Manufaktur und der Meisterbetriebe] werden die Klassengegensätze einfacher, es handelte sich nur noch um reiche und Arme. Diese letzteren bildeten das jetzige ausgebeutete und hungernde Proletariat.

Diese Klasse nun, deren Existenzmittel durch die grosse industrielle Produktion verdrängt wurden, ist die Klasse der heutigen Sklaven, die nur so lange leben, als sie Arbeit haben, als ihre Arbeit das kapital der Reichen vermehrt. Sie sind fast wie eine Ware, und daher, wie jeder gewöhnliche Handelsartikel, allen Wechselfällen des Handels ausgesetzt, also jeden Augenblick bedroht, ihre Arbeit zu verlieren. Sie werden geknechtet. […]

Es gibt nur noch Arbeits-Instrumente, da Geschlechts- und Altersunterschiede für den Fabrikherrn keine gesellschaftliche Geltung haben. Aber mit dem Fortschritte der Industrie entwickelt sich auch das Proletariat […]. Seine Rekrutierung geschieht aus Handwerkern und Bauern, aus Industriellen und Kaufleuten, weil auch diese mit grössern Kapitalisten nicht konkurrieren konnten. […]

Nur zum Nutzen des Gesamtwohles muss sie [die Maschine] verwendet werden, unser aller Kapital muss dabei gewinnen und nicht wie bisher, allein das der Reichen.

Es ist daher die Aufgabe des Staates, die gerechte Verwaltung der Maschinerie zu besorgen, Nationalwerkstätten zu errichten, wie für das Wohl ihrer Arbeiter zu sorgen.

Ein junger Arbeiter.“


Aus: Zeitung des Arbeitervereins Köln, Nr. 6 vom 28.05.1848.