1785 C.G. Neefe: „Auf die Bonnischen Mädchen“ [1]

Die sächsischen Mädel sind niedlich und schlau;

Doch nehm ich kein sächsisches Mädel zur Frau.

Ihr Mädel aus Baiern seid gut, nur zu fromm,

Könnt lange noch harren, bis werben ich komm.

Ein schwäbisches Mädel – ein herziges Ding!

Es dreht sich im Tanze hop hei sa! flink.

Doch Hüpfen und Springen thut immer nicht gut,

Der Walzer entzündet oft Wollust im Blut.

Der Steirische drohet nicht minder Gefahr,

Drum hüt ich mich auch vor der steirischen Waar.

Ich frei mir ein Mädel nach meinem Geschmack

Und kaufe nicht gerne die Katzen im Sack.

Drum nehm ich ein Weibchen vom herrlichen Rhein,

Und das soll ein bonnisches Aennichen seyn!

Die bonnischen Mädel sind wacker und treu

Und bergen fein züchtig die Reitze dabei:

Sie hängen die Tücher wohl über den Kopf,

Da gückelt vergebens der lüsterne Tropf.

Sie bethen und singen, sie freuen sich auch,

Arbeiten fein fleissig nach Teutscher Gebrauch.

Und haben sie fleissig geschafft und gethan,

Erst dann hebt das Wallen nach Poppelsdorf[2] an.

Man kostet, wie Spargel der Baumschule[3] schmeckt,

Dabei wird in Ehren geküßt und geneckt.

Man schlendert nach Vinea Domini[4] hin

Und weidet am Siebengebürge den Sinn;

Ergötzt sich im Garten am fürstlichen Schloß

Wo Nachtigalllied oft ins Herze mir floß.

Da nickt ihnen Godesberg[5] freundlichen Gruß,

Der Höflichkeitsregel verstehen wohl muß.

Sie klimmen auch öfters den Kreutzberg[6] hinauf.

O Himmel! Was gehen ihnen Bilder dort auf!

Viel Felder und Gärten und Flecken und Stadt!

Der Schnabel zu Köln[7], den der Domthurn noch hat!

Das Wimmeln im Rheine die Länge und die Queer!

Und Schiffe und Nachen dahin und daher!

Da schauen sie Siegburg[8] ins Angesicht kühn,

Bis Wolken, aus Neid, es mit Schleier umziehn.

Auch thun sie ein Blickchen in Sternenburg[9] [hi]nein.

Sie kehren zuweilen in Endenich[10] ein;

Da schwindet im Schlagbaume[11] Hunger und Durst,

da finden sie Wein, Brod, Schinken und Wurst.

Ein andermal fahren sie über den Rhein,

Auch dort ist gut Essen und kitzelnder Wein.

Sie lieben den Bäcker im röthlichen Hahn[12],

Drum hat auch kein‘ Eisscholl‘ ein Leid ihm gethan:

Wo Mädchen sich freuen, da steht es gar gut,

Da ziehet Herr Rhein auch selber den Hut.

Und haben sie sich nun geätzt und getränkt,

Gesungen, gelacht und die Glieder geschwänkt,

So kehren sie bürgerlich wieder nach Haus

Und sorgenlos träumen und schlafen sie aus.

Ruft morgens der Haushahn sein Kikeriki,

Husch! stehen sie auf und arbeiten früh.

Und werden sie Weiber, so muttern sie gern,

Deß freuen sich Gatten und herrschende Herrn.

Sie lieben die Freier, sie lieben den Mann,

Das steht dem Liebchen und Weibel wohl an!

Drum will ich aus Bonn nur ein Weibel mir freyn:

Ein Bönnisches Mädel gefällt mir allein.

 



[1] Fundstelle: C.G. Neefe, Dilettanterien, 1785, S. 70 ff, Anmerkungen Neefes in „“.

[2] „Ein nahes kurfürstliches, von Klemens August erbautes Lustschloß mit einem treflichen Garten [heute der Botanische Garten]. Die anmuthigste Doppelallee [heute Poppelsdorfer Allee] verbident dasselbe mit der Residenz.“

[3] „Einer der schönsten Spatziergänge ohnweit Bonn, wo die hohen Bäume ein schauerlich heiliges und kühles Dunkel gewähren. Ohngefähr im Kleinen das, was der Augarten bei Wien und das Rosenthal bei Leipzig ist.“

[4] „Ein kurfürstlicher Weinbaugarten am Rhein, nicht fern von der großen prächtigen Residenz.“

[5] „Das Vis à Vis der Residenz, eine starke Stunde fern. Die Trümmer eines alten Schlosses auf diesem Berge geben der gesammten Gegend ein malerisches Aussehen.“

[6] „Ein Berg, auf welchem ein schöngebautes Servitenkloster steht. Man kann dieses Kloster weit und breit sehen.“

[7] „Noch ein Denkmal in Gestalt eines Schnabels von dem Gerüst des Thurms, dieses alten vortreflichen gothischen Gebäudes. Bei heiterm Wetter kann man den ganzen Dom zu Köln und einen Theil der Stadt, 6 Stunden weit, von dem Kreutzberg aus deutlich sehen.“

[8] „Eine schöne adeliche Prälatur jenseits des Rheins, welche majestätisch auf einem hohen Berge, nahe an dem kleinen Fluß Sieg liegt, und gleichsam das Vis à Vis vom Kreutzberg bildet.“

[9] „Ein wohlangelegtes Landgut eines Privatmannes, nahe bei Poppelsdorf, am Fuß des Kreutzberges.“

[10] „Ein Dorf hinter der Baumschule.“

[11] „Das Wirthshaus dieses Dorfes.“

[12] „Der Name eines Weinhauses in der dasigen Gegend.“

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