Der GröZaZ

In seiner Vorlesung vom 17.12.1970 meinte Professor R[epgen] im Zusammenhang seiner Auslassungen über das Wesen des Zitats, dass ein Historiker auf den Schultern eines anderen stehe. R. gebührt das Verdienst, diese hübsche Metapher dem Dunkel der unverdienten Vergessenheit entrissen und der breiten wissenschaftlichen öffentlichkeit wieder in Erinnerung gerufen zu haben. Das zu Grunde liegende Bild stammt nämlich von BERNARDUS CARNOTENSIS (Bernhard von Chartres, + um 1130):

"nos esse quasi nanos humeris gigantium insidentes, ut possimus plura eis et remotiora videre non utique proprii visus acumine aut eminentia corporis, sed quia in altum subvehimur et extollimur magnitudine gigantea."

So überliefert es uns JOANNES SARISBERIENSIS (John of Salesbury , + 1180) in seinem Metalogicus, III, 4 (MIGNE PL, 199, c. 908; vgl. E. NORDEN, Antike Kunstprosa, II, Darmstadt 1958, S.717). Später taucht dieses anschauliche Bild noch zweimal auf:

einmal bei NICOLAUS DE CUSA (Nikolaus von Cues, +1464) in seiner Schrift de docta ignorantia, VI: maximum est absoluta necessitas,

und dann in jüngster Zeit in der wenig verbreiteten, anonymen DUNKELMäNNERSCHRIFT. Wider das bolschewistische Bummsen der Bonner Linken, oder: Die Heraufkunft des Antichristen (Bonn-Venusberg 1967, S.175), einem Werk, dessen Verfasserschaft einem (un)gewissen J. Rosoribus zugewiesen wird.

Dies dem grössten Zitierer aller Zeiten zur gefl. Kenntnisnahme!


zuerst abgedruckt 1971 in HISTORIX, der Zeitschrift der Basisgruppe Geschichte an der Uni Bonn.


Nachspann von 2007: "Nous nous croyons des géants, mais nous ne sommes que des nains juchés sur les épaules de nos prédécesseurs, et si nous voyons plus loin qu'eux, c'est parce que nous prenons appui sur eux." Die Metapher wird auch Pierre de Blois (Petrus Blessensis) (1135-1203) zugeschrieben.

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