Nachträge 05.08.2017

 

1688 Papst Innozenz gegen Wilhelm Egon von Fürstenberg        1

1689 April 08 de la Lande an ???: Gutachten zur Festung Bonn        3

1689 »Die Ertz-Bischofflich Chur-Fuerstliche Residentz-Stadt Bonn«        3

1808 April 30 Belagerung von Bonn im Jahre 1689        4

 

1688 Papst Innozenz gegen Wilhelm Egon von Fürstenberg1

Innocentius III. | Papa Romanus, | D[omi]N[o] Cardinali | Furstenbergio, | Propter Archiepiscopatum Coloniensem, | cui avide inhiat, | valde adversus. | Das ist: | Der von | Innocentio III. | Roemischem Pabste | Wegen des Ertz-Bischoffthums Coelln | abgewiesene | Herr Cardinal | von Fuerstenberg. | Coloniæ, 1688.

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EXtra controversiam est & omnium gentium consensu probatum, in [suff]ragiis ferendis vincere [mai]orem parten, eamque habe[at ra]tionem integri2

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Unstreitig, und von allen Nationen  einhellig erkannt ist es, daß in sachen, wo man sich der Wahl bedienen muß, die meisten und vorehmsten Vota oder Ja-Worte cincludiren und vorgezogen werden. […]

Daher auch bey der Wahl eines Praelaten derjenige vorgezogen wird, welchen der groeste und vornehmste Theil des Capituls vorschlaeget. […] Ob gleich nicht zu leugnen, daß der Ausgang offtmahls hart und widerwaertig zu seyn pfleget, wenn nemlich etliche von denen Eligenten  - so in der Wahl begriffen – auff die Zahl sehen, etliche aber das Ansehen und meriten in Consideration ziehen, daß also keine Partey der andern nach geben und weichen, ja vielmehr eine jede das prae, wie man sagt, haben will.

Also auch in der Postulation, wenn alle Capitulares unterschiedlicher Personen wegen selbige anstellen, behaelt der groeste Theil des Capituli die Oberhand, und ist alsdenn nicht noethig, daß eben alle

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uebereinstimmen, wie etliche davor halten.

So ists beschaffen, wenn theils die Election, theils die postulation alleine durch Vota geschiehet. Wenn aber die Election wohl mit der Postulation zusammen koemmt, also, daß etliche einen erwehlen, der, wie man reden moechte, im Vorschlag, andere aber einen verlangen, der nicht im Vorschlag ist, wird allerdings erfordert, daß die Zahl der Postulanten – so einen verlangen, der nicht im Vorschlag ist – zweymahl groesser sey, als derer Eligenten – so einen vorgeschlagenen erwehlen – weil sonst die Wahl vorgezogen wird, wie ausdruecklich also beschlossen. […]

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Aus diesen erhellet klar genug, daß die Constitution und Schluß Innocentii III. nicht wenig zuwider lauffe der Intention des Herrn Cardinals von Fuerstenberg. Denn weil solcher von Capitularibus nicht eligiret sondern postuliret werden koennen, nicht nur deswegen, weil er einer andern Kirchen Glied ist, dessen Bischoffthum es bishero verwaltet, sondern auch, weil er mit der Cardinals-Wuerde begabet. […] Aus 24 Capitularibus aber ihm, als einem postulanten, nur dreyzehen ihre Vota gegeben, und neun andere den Herrn Clementem Bavarum eligiret. Woraus erhellet, daß die 13 Vota der Postulanten, weil sie nicht einen noch zweymahl so grosse Zahl machen, in keine Consideration kommen koennen.

 

1689 April 08 de la Lande an ???: Gutachten zur Festung Bonn3

Mr. de la Lande ingenieur a Bonn le 8. Avril 1689

 

Monseigneur,

Je crains que vous …

1689 »Die Ertz-Bischofflich Chur-Fuerstliche Residentz-Stadt Bonn«4

Die | Ertz-Bischofflich | Chur-Fuerstliche Residentz-Stadt | Bonn | Wie solche hier in Kupfer-Riß vorgebildet zu sehen, mit beygefügter Beschreibung, was derselben Alterthum, Gestalt, Situation oder Lager, auch waß sich zu ein und anderer Zeit Denk- und Meld-würdiges damit begeben und zugetragen; Vornemlich, was massen der Cardinal von Fürstenberg unter schwebender Ertz-Bischofflich-Cöllnischer Wahl-Strittigkeit noch im verwichnen 1688. Jahr Possession in dem kurfürstlichen Pallast daselbst genomm(m)en, Französische Völcker einlogiret, auch andere Gewaltthätigkeiten verübet etc. Nachgehends solche Stadt und Vestung Bonn in diesem 1689. Jahr von Ihro Churfürstlichen Durchleucht zu Brandenburg, auch denen Hohen Alliirten formaliter belägert, so ferner ernstlich bombardirt, beschossen und bereits in einen Steinhauffen verwandelt worden, auch um so wohl von der Land- als Rhein-Seite so eng eingeschlossen wird, daß an deren Eroberung im geringsten nicht mehr zu zweiffeln ist. | Anno: | MaIntz aVCh Bonn VVettstreItten Lang | VVegen Der zVkVnftIgen KrIegsehre!5

 

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BOnna, oder Bonn, ein Uhr-alt-berühmte, dem Ertz-Bischoff und Churfürsten zu Cölln zuständig, und dessen Residentz-Stadt liegt auf einer hübschen Ebene, da sich das grosse Rhein-Gebürg, so von Bingen biß auf diese Stadt den Rhein zu beeden Seiten einfasset, wieder von einander theilet. …

1808 April 30 Belagerung von Bonn im Jahre 16896

Im Jahre 1689 hatte Bonn im Kriege mit Frankreich die härteste Belagerung auszustehen. Die Franzosen lagen in Bonn, und wehrten sich tapfer. Der Kurfürst von Brandenburg kommandierte die Belagerung, mit Oestreichischen, Brandenburgischen, Holländischen und Münsterschen Truppen. Er foderte Bonn zur Uebergabe auf, und als der französische Commandant abschlägig antwortete, ließ er am 24ten Juli abends Bonn stark beschießen. Die eben aus der Kapuzinerkirche nach Haus gehenden Einwohner hatten Noth, sich durch den Regen von Bomben und Feuerkugeln zu retten. Die erste Bombe fiel in das Hinterhaus des Gudenauer Hofes, und erschlug im dasigen Lazareth 42 Franzosen auf einmal. Binnen 4 Stunden lag die Remigius-Pfarrkirche, wie auch die Minoriten- und Franziskaner-Kirchen und Kloster in Asche. Gegen 2 Uhr Morgens stand das Kapuziner-Kloster und die Kirche völlig in Flammen, und binnen 24 Stunden Zeit war die ganze Stadt beinahe in eine Stein- und Aschenhaufen verwandelt, so daß es schwer hielt die Straßen zu unterscheiden. Eine Nonne im Kloster Engelthal läutete aus Unbedachtsamkeit gegen allen Gebrauch im Belagerungszeiten die Klocke, das feindliche Geschütz schoß darauf auch diese Kirche in kurzer Zeit zusammen.

Alle Einwohner verkrochen sich in die Keller, aber ungeachtet aller Uebel wollte der französische Commandant sich dennoch nicht ergeben. Der7 Kurfürst von Brandenburg nahm nun sein Hauptquartier auf den Kreutzberg, und ließ von daselbst, sowie auch aus den zu Kessenich errichteten Batterien die gänzlich ruinierte Stadt abermals beschießen. In der Stadt war Hungersnoth. Die französische Besatzung hatte schon über 800 Pferde geschlachtet und eingesalzen, von welchen jedoch bei 200 Stück als verdorben, in den Garten des jetzigen Hauses Nro. 858 vergraben wurden. Der Kurfürst hatte auf vielfältiges Bitten der elenden Einwohner, die Münster-, Martins-, und Gangolphskirche noch verschont, als er aber vernahm, dass das französische Lazareth und die Mehlmagazine darinn errichtet waren, lagen sie binnen 24 Stunden im Schutt. Die einzige Kapuzinessen Kirche war bei dieser Belagerung stehen geblieben. Sonst können wenige Gebäude ihr Alter über das Jahr 1689 hinaus erweisen. Am 5ten Oktober desselben Jahres räumten endlich die Franzosen die Stadt.