1584 ff Tagebuch des Caspar von Fürstenberg1

(Auszüge)

1584 Januar

06. Andreas kumbt vom Rein an, bringt her Henrich seine notroft vom churfursten [=Ernst von Bayern], und Salentin [von Isenburg] und gute zeitung, das Truchses volks, so Bon entsetzen wollen, ettlich erschlagen und durch die Acher [=Agger] gejagt. Item das Reinisch kriegsfolk ist in procinctu, in Westphaln zu zihen. Ritterschaft und lantschaft haben Truchses widerumb nerrrisch schatzung eingewilligt etc.

09. … bringt gute zeitung, Truchses weiß nicht wohin aus etc.

16. Zeitung kumbt an, Bonn sei erobert, laus Deo.

17. Zeitung kumbt an, des churfursten kriegsfolk sei albereits in Westphaln ankommen.

22. Ettlich landtsknechte bringen zeitung, Bon sei noch nicht erobert und der graf von Morß [=Moers] sterke sich. Dißen ganzen tag mit den gebettenen freunden hardt gezecht.

23. Von dem Paderbornischen canzler kumbt gewiße zeitung an, Bon sei den 15. erobert und Carll Truchses gen Brul [=Brühl]  gefenglich verfuret.

27. … gewiße zeitung, Truchses stelle sich an, als ob er unsinnig sei, habe zu Arnßberg nicht zum beißen, muße armut halber davon dannen weichen.

1584 Februar

10. … schreibt, das die sachen mit Truchses gans verloren sein.

11. … schreibt, er habe gewiße zeitung, das es mit truxes gans verloren, wiße keinen rat mehr, schlage frei uf seine madammen.

21. … wir sind zu Bonn eingezogen und meinem gnedigsten hern gar wilkum gewesen. In itinere sein wir uf das schloß Godenßperg [=Godesburg] geritten und die gesprengten ruinas besehen, zu Bon die gemachte festungen von den widderteilen besehen.

22. Bonn: Mein gnedigster her befilcht durch offentlich edict, das alles geraubt gut soll alspalt restituirt werden, sonsten soll haussuchung geschehen und straf erfolgen.

23, Sonntag, Bonn: Wir sein zu meinem gnedigsten hern gefurdert, haben audienz gehabt und ire churfurstliche gnaden aus vielen dingen vertrauwlich mit uns conferirt, und begert, wir wollen in das veltleger zihen zu herzog Ferdinandt und alda ferner deliberirn.

 

1585 März

31. Zeitung kumbt an, Truchses hab sich zu todt geraset und der graff von Moerß sei todt.

1601 April 15 Gebhard von Truchsess: Mündliches Testament2

 

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Im Nahmen der heiligen untheilbaren Dreyeinigkeit. Amen.

Kund und zu wißen seye ydermenniglichen denen gegenwertig offen Instrument fürkommet und gezeigt würdt, undt solches lesen oder hören lesen;

Daß im Jahr nach den Gnadenreichen Geburt unsers einigen Herrn Erlösers undt Seligmachers Christi, Sechzehenhundert undt Eins, …bey Herrschung und Regierung des allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten und unüberwindtlichsten Fürsten undt Herrn, Herrn Rudolphen, dieses Namens des andern erwöhlten Römischen Kaisers [… ]

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[…] auf den heutigen Palmtag, so der fünfte Martii3 zwischen zwey und drey uhren nachmittag

der Hochwürdigst Fürst und Herr, Herr Gebhardt, deß Hey[ligen] Römischen Reichs durch Italien Erzcanzlar und Churfürst zu Cölln, Herzog zu Westphalen undt Engern etc. mein gnedigster Herr, in deß hohen Stifts Strasburg Domdechaney, so Ihre Churf[ürstliche] Gn[aden] ytzo als ordentlicher Dombdechant hochermeltes Stiftes etc. Innehaben und bewohnen, obenauf in der grosen Stube, so auf den Fronhof gehet, und ans Münster stoßet,

zwar mit besorglicher Leibesschwachheit behaftet, aber doch – wie aus dem Gesprech und allen andern Umstenden wol abzunehmen gewesen – gutes Verstandes, Sinn und Vernunft, auf dem Bett liegend,

den erbetenen glaubwürdigen Herrn Gezeugen und mir, als insonderheit zu diesem actu erforderten und requirirtem Notario durch den Erenvesten undt hochgelehrten, Herrn Johann Wageßern, der Rechten Doctorn, der Stadt Strasburg Rhat und Advocaten, neben Irer Churf. Gn. Bett zum Haupten stehend, wortlichen Innhalts vortragen laßen.

Daß Ire Churf. Gn. […]

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[…] Sich anitzo wie zuvor mehrmahls aller Menschen sterblichkeit erinnert und weren derwegen bey sich genzlichen resolvirt und entschloßen, Iren letzten und liebsten Willen in Gegenwertigeit mein des Notarii undt der Siben gezeugen in vim nuncupativi testamenti offentlich zu ercleren undt anzugeben […]

[Das Testament von Dillenburg vom 08.05.1583 wird aufgehoben. Gebhard ernennt zum Erben den Herzog Friedrich von Württemberg]

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[…] sonderlich was derselben Gemahlin, der Wolgebornen Frawen, Frawen Agnesen, Erb-Truchsäßin, geborner Grefin zu Mannsfeldt etc. Widthumerweise ir lebenlang zu nießen und sonsten eigentümlich darinn verschafft und zugeeignet worden, zu effectuiren und zu volnstrecken. […]

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Und seindt diese obgeschrieben Ding zugegangen, und beschehen im Jahr […] wie obstehet, in persönlicher Gegenwart der Edlen, Ernvesten, hoch- und wolgelarten, auch ersamen und bescheidenen

1. Herr Johann Wageßers undt

2. Herrn Johann Hartlieben, genannt Walsporn, beider Rechten Doctorn und wolgedachter Statt Strasburg Rhaeten und Advokaten,

3. Herrn Doctor Jacob Bildawers, eines hoch- und ehrwürdigen thumbcapitels hochermeldtes Stifts Strasburg Rhats und Secretarii,

4. Herrn Heinrichs Nortmeyers, der thumb Probstey Secretarii,

5. Herrn Daniel Herxheimers, des gemeinen Bruderhofs Schafners,

6. Hanß Thoman Ulbergers, des

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7. Werckmeisters unser Frawen Fabric allhier und

8. Jakob Harschers, hochermeltes thumbcapitels Dormenters,

als aller hierzu sonderlichen erforderten und erbetenen glaubwürdigen Gezeugen.

1797 John Gardnor: Der Drachenfels4

[…] In our progress towards Cologne, we took a slight view of Rowland-Sheitz [=Drachenfels], which had served as a retreat to an Elector of Cologne, of the name of Thenigsche[!], who retired into it

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with a beautiful Protestant lady. The Chapter of Cologne, probably more alarmed at the Protestantism, than scandalized at the crime, blocked up the castle. The lover and his mistress, however, escaped to Strasbourg, where he married her, and sacrificed his religion at the shrine of beauty.

 

1Fundstelle:[CITATION Bru87 \p "I, 179 ff" \l 1031 ].

2Fundstelle: „Ungedruckte Urkunden Gebharden Erzbischofen und Churfürsten zu Cölln, Deßen Wahl, Vermählung mit der Gräfin Agnes von Mannsfeld und Testament betreffend. Von den Jahren 1580 bis 1601. Aus Archival-Abschriften“ in (von Moser, 1790, S. 192 ff).

3Palmsonntag 1601 war eigentlich der 15. April, aber nach dem Julianischen Kalender – dem Kalender, den die Protestanten damals benutzten - der 05. April. Demnach liegt hier eine Schreibfehler vor.

4Fundstelle: [CITATION Gar97 \p "53 f" \l 1031 ].