1517 Nov. 06 Martin Luther an Herzog Friedrich von Sachsen 1

Meynem gnedigsten und Lieben Herrn Hertzog Fridrich Churfursten zu Sachßen zu seyner gnaden Handen 2

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Ihesus 3

Gnedigster herr und furst. Alß myr euer furstliche gnaden vor dißem Jahr zusagen / thet durch den Hirsfelder, eyn new Cleyd zu geben, ßo kome ich / nue und bitt euer furstliche gnaden, desselben eyngedencken zu seyn.

Bitt aber, gnedigster herr, wie vormals, szo der Pfeffinger das außrichten sall, daß / er eß mit der that, und nit mit fruntlicher zusagung außrichte. Er / kann fast gute Worte spinnen: wirt aber nit gut tuch darauß.

Es ist auch, gnedigster herr, myr offenbart – nehmlich durch den prior zu Erffordt, / der es von euer furstliche gnaden Beychtvatter vorstanden – wie das euer furstliche gnaden solt ungnade / empfangen haben uber doctor Staupitz, unßen wirdigen lieben vatter, etlich / schreybens halben. Hab ich dasselb, als er hie geweßt und euer furstliche gnaden zu / Torgaw gesucht, mit seyner wirde geredt und furgehalten, das myrs / nit lieb were euer furstlichen gnaden ungelympf uber seyne wirden. Hab ich ynn / der warheyt ynn vielen worten, nit anders erfunden, die wyr den abent / von euer furstlichen gnaden hetten, dann das euer furstliche gnaden ym auffs beßte ynn seynem hertzen / und ym der Churfurst von Sachßen eyn lieber furst ist und vorwar / gar sunderlich euer furstliche gnaden gunstig ist, alßo das er entlich sagt: Ich meyne nit, / das ich meyn gnedigsten herrn yhe erzurnet habe: Ich hett es dann darynne / than, das ich seyn gnade zu vill gelieb gehabt. Derhalben bitt ich, / gnedigster herr, seyndhalben, als er myrs auch etlicher maß empfolen: euer firstliche gnaden wolt / sich aller gunst und trew zu ym vorsehen, wie dann anzweyfel euer furstliche / ganden dieselbe oft an ym erfunden.

Auch, gnedigster herr, das ich meyn trew euer furstliche gnaden auch erzeyge und meyn / hofekleyd verdiene. Ich hab gehört, wie daß euer furstliche gnaden nach abgang dißes / aufsatzes wollte eyne andere und villeicht schwerer auffsetzen: Szo euer furstliche gnaden / nit wolt vorachten eynes armen bettelers gebeet, bitt ich, wollte, umb gottes willen, nit laßen dahynn kummen; denn myrs von hertzen leyd / ißt und vielen euer furstlichen gnaden gunstigen, das auch diße schetzung euer furstliche gnaden letzten / tagen ßo vill gutes geruchts, namen und gunst beraubt hatt. Gott / hat euer furstliche gnaden wol mit hoher vornunfft begnadet, das sie ynn dißen sachen / weyter sicht dann ich adder villeicht alle euer furstlichen gnaden underthanen. Aber mag / doch wol seyn, ja gott will es ßo haben, das groß vornunfft zuweylen / durch weniger vornunfft gewißen werde, auff das niemand auff sich selb / sich vorlaße, sunder alleyne auff gott unßeren herrn, wilcher spar euer furstlichen gnaden / gesund unß zu gute und dornach euer furstlichen gnaden Seelen zur selickeyt. Amen.

Euer furstlichen gnaden

Underteniger Capellan

Doctor Martinus Luther

zu Wittenberg


Die Edition erfolgte nach den „Richtlinien für die äußere Textgestaltung bei Herausgabe von Quellen zur neueren deutschen Geschichte“ in Bll.f.d.Ldg, H. 102, 1966, S. 1 ff, besonders, was die Transskription von –nn und zc- betrifft. Bei „darynne“ und „dahynn“ ist das –nn beibehalten. Die Interpunktion ist der heutigen angeglichen, lediglich Luthers Doppelpunkte sind beibehalten. Auch seine Grosschreibung ist beibehalten ausser in den Fällen, in denen die moderne Rechtschreibung Kleinschreibung erfordert. Im Gegensatz zu den Richtlinien ist „gott“ und „gottes“ übernommen worden.

Literaturverzeichnis

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de Wette W.M.L. Dr. Martin Luthers Briefe, Sendschreiben und Bedenken ... [Buch].- Berlin: [s.n.], 1825.- Bd. 1.

Eberhardt E. Die Reformation in Dokumenten. Aus den Staatsarchiven Dresden und Weimar und aus dem Historischen Staatsarchiv Oranienbaum [Buch].- Weimar: [s.n.], 1967.

Enders E.L. Dr. Martin Luther's Briefwechsel [Buch].- Frankfurt: [s.n.], 1884.- Bde. 1: 1507-1519.

Irmischer J.K. Dr. Martin Luther's vermischte deutsche Schriften [Buch].- Frankfurt Erlangen: [s.n.], 1853.- Bd. 1: Deutsche Briefe.

Seckendorf V.L. von Commentarius historicus apologeticus de Lutheranismo sive de reformatione religionis ductu D. Martini Lutheri ... [Buch].- Frankfurt Leipzig: [s.n.], 1688.

Walch J.G. D. Martin Luthers Sämtliche Schriften ... [Buch].- 1749: [s.n.], Halle.- Bd. 21.


1 Referat im Hauptseminar Prof. Konrad Repgen, SS 1969.

2 Adresse nach Clemen.

3 Eigenhändige Ausfertigung im (1969) Staatsarchiv Weimar, Ernestinisches Gesamtarchiv, Religionswesen, Reg. N 86, Blatt 1; zur Datierung siehe Clemen, 1930, S.119 ff; Faksimile in Eberhardt, 1967, S.10.


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