CASSIUS DIO: Romaika istoria

65,18-23 (dt)

All diese Beschlüsse (über Ehrungen für Tiberius und Germanicus) waren kaum angenommen worden, als eine furchtbare Nachricht aus Germanien kam, die sie zum Abbruch der Siegesfeiern zwang. Denn gerade zu jener Zeit war Folgendes im Keltenland (d.h. Germanien) geschehen: Die Römer besassen zwar einige Teile dieses Landes, doch kein zusammenhängendes Gebiet, sondern wie sie es gerade zufällig erobert hatten; deshalb berichtet auch die geschichtliche überlieferung darüber nichts. Ihre Soldaten bezogen hier ihre Winterquartiere, Städte wurden gegründet, und die Barbaren passten sich ihrer (d.h. der römischen) Lebensweise an, besuchten die Märkte und hielten friedlich Zusammenkünfte ab.

Freilich hatten sie auch nicht die Sitten ihrer Väter, ihre angeborene Wesensart, ihre unabhängige Lebensweise und die Macht ihrer Waffen vergessen. Solange sie also nur allmählich und auf behutsame Weise hierin umlernten, fiel ihnen der Wechsel ihrer Lebensweise nicht schwer, ja sie fühlten die Veränderung nicht einmal.

Als aber Quintilius Varus den Oberbefehl über Germanien übernahm und sie zu rasch umformen wollte, indem er ihre Verhältnisse kraft seiner Amtsgewalt regelte, ihnen auch sonst wie Unterworfenen Vorschriften machte und insbesondere von ihnen wie von Untertanen Tribut eintrieb, da hatte ihre Geduld ein Ende. Die Anführer versuchten sich wieder der früheren Herrschaft zu bemächtigen, und das Volk wollte lieber den altgewohnten Zustand als die fremde Tyrannei. Eine offene Empörung vermieden sie zwar, weil sie die grosse Zahl der Römer sowohl am Rhein als auch im Innern ihres eigenen Landes sahen. Vielmehr empfingen sie Varus, als ob sie all seine Forderungen erfüllen wollten, und lockten ihn so weit vom Rhein weg in das Gebiet der Cherusker und zur Weser.

Auch hier verhielten sie sich so friedlich und freundschaftlich, dass sie ihn zu dem Glauben verleiteten, sie würden auch ohne militärischen Zwang die Knechtschaft ertragen. Daher hielt er auch seine Legionen nicht, wie es doch in Feindesland angebracht gewesen wäre, zusammen, sondern stellte zahlreiche Mannschaften zur Verfügung, wenn sie (d. h. die Germanen), weil sie selbst zu schwach seien, ihn darum zum Schutz gewisser Landesteile, zur Ergreifung von Räubern oder zum Geleit von Lebensmittelfuhren ersuchten. Die eigentlichen Häupter der Verschwörung und Anstifter des Anschlages und des Krieges waren aber vor allem Arminius und Segimerus, die ihn ständig begleiteten und oft auch seine Tischgäste waren.

Als er nun voll Selbstvertrauen war, nichts Böses erwartete und allen, die die Vorgänge mit Misstrauen betrachteten und ihn zur Vorsicht mahnten, nicht nur keinen Glauben schenkte, sondern sie sogar zurechtwies, weil sie sich grundlos beunruhigten und jene Männer verleumdeten, da erhoben sich als Erste einige entfernt von ihm wohnende (Stämme), und zwar nach abgesprochenem Plan, damit Varus, wenn er gegen diese zöge, auf dem Marsche leichter überrumpelt werden könne, da er ja durch Freundesland zu ziehen glaubte, und damit er nicht, wie bei einem plötzlichen allgemeinen Losschlagen, besondere Sicherheitsvorkehrungen treffe. Und so geschah es; sie begleiteten ihn beim Aufbruch, blieben dann aber zurück, um, wie sie sagten, die Streitkräfte der Bundesgenossen zusammenzuziehen und ihm so schnell wie möglich zu Hilfe zu kommen, übernahmen ihre Truppen, die irgendwo bereit standen, liessen die bei ihnen jeweils stationierten und vorher angeforderten (römischen) Soldaten umbringen und zogen nun gegen ihn, als er schon in schwer passierbare Gebirgswälder geraten war.

Und kaum hatte es sich herausgestellt, dass sie Feinde statt Unterworfene waren, da richteten sie auch schon unermessliches Unheil an. Das Gebirge war nämlich reich an Schluchten und uneben, die Bäume standen dicht und überhoch gewachsen, sodass die Römer schon vor dem feindlichen überfall mit dem Fällen der Bäume, dem Bauen von Wegen und Brücken, wo es sich erforderlich machte, grosse Mühe hatten. Sie führten auch viele Wagen und Lasttiere mit sich, wie mitten im Frieden. Dazu folgten ihnen nicht wenige Kinder und Frauen sowie der übrige riesige Tross, sodass sie schon deshalb weit auseinander gezogen marschieren mussten.

Gleichzeitig brachen noch heftiger Regen und Sturm los und zersprengten sie noch mehr; der Boden, um die Wurzeln und unten um die Baumstämme herum schlüpfrig geworden, machte jeden Schritt für sie zu einer Gefahr, und abbrechende und herabstürzende Baumkronen schufen ein grosses Durcheinander. Während sich die Römer in einer derart verzweifelten Lage befanden, kreisten sie die Barbaren, die ja alle Schleichwege kannten und unvermutet selbst aus den dichtesten Wäldern hervorkamen, von allen Seiten zugleich ein. Anfangs schossen sie nur von weitem, dann aber, als sich keiner wehrte und viele verwundet wurden, begannen sie den Nahkampf. Denn da sie (d. h. die Römer) nicht irgendwie geordnet, vielmehr mitten zwischen den Wagen und dem unbewaffneten Tross marschierten, sich auch nicht so leicht zusammenschliessen konnten und so den immer wieder angreifenden Feinden jeweils an Zahl unterlegen waren, erlitten sie viele Verluste, ohne selbst dagegen irgendetwas auszurichten.

Sobald sie einen geeigneten Platz gefunden hatten, so weit dies in einem Waldgebirge überhaupt möglich war, schlugen sie dort ein Lager auf, dann verbrannten sie die Mehrzahl der Wagen und alles andere, was sie nicht unbedingt brauchten, oder liessen es zurück, brachen dann am anderen Morgen in etwas besserer Ordnung auf, sodass sie bis zu einer Lichtung kamen; doch war ihr Abzug nicht ohne blutige Verluste geblieben. Von dort brachen sie erneut auf und gerieten wieder in die Wälder, wehrten sich zwar gegen ihre Angreifer, doch brachte gerade dies ihnen die Verluste; denn wenn sich auf dem engen Raum Reiter und Fusssoldaten zusammenschlossen, um sie gemeinsam anzugreifen, kamen sie zu Fall, weil sie entweder über einander oder auch über die Baumwurzeln stolperten.

So brach der vierte Tag ihres Marsches an, als erneut ein starker Regen und ein furchtbarer Sturm sie überfielen, sodass sie weder vorwärts kommen noch fest auf der Stelle stehen, ja nicht einmal ihre Waffen gebrauchen konnten. Denn Pfeile, Wurfspiesse, sogar auch die Schilde waren, da alles völlig durchnässt war, kaum zu benutzen. Die Feinde dagegen, die grösstenteils leicht bewaffnet waren und ohne Gefahr die Möglichkeit zum Angriff und Rückzug hatten, traf das weniger. Dazu konnten sie, da ihre Zahl sich stark vergrössert hatte - denn von den übrigen, die vorher noch vorsichtig gewesen waren, eilten viele herbei, hauptsächlich um Beute zu machen -, jene, deren Zahl sich bereits verringert hatte - denn viele waren in den vorhergehenden Kämpfen gefallen -, (jetzt) leichter umzingeln und niederhauen.

Da entschlossen sich Varus und die übrigen hohen Offiziere aus Furcht, lebendig gefangen oder gar von ihren unerbittertsten Feinden umgebracht zu werden, zumal sie bereits verwundet waren, zu einer furchtbaren, aber notwendigen Tat: sie töteten sich selbst.

Als dies bekannt wurde, da gab auch jeder andere, selbst wenn er noch bei Kräften war, seinen Widerstand auf. Die einen folgten dem Beispiel ihres Feldherrn, die anderen warfen ihre Waffen weg und liessen sich von dem ersten besten töten, denn an Flucht war überhaupt nicht zu denken, selbst wenn man es noch so gern gewollt hätte. So wurde denn ohne eigene Gefahr alles niedergemetzelt, Mann und Ross, und ***

Exzerpt des Zonaras (12.Jhdt.): *** Und die Barbaren erstürmten sämtliche Kastelle ausser einem; dieses aber hielt sie so lange auf, dass sie weder den Rhein überschritten noch nach Gallien einfielen. Vielmehr konnten sie nicht einmal dieses (Kastell) in ihre Gewalt bringen, da sie sich nicht auf die Belagerung verstanden und zudem die Römer zahlreiche Bogenschützen hatten, von denen sie unter sehr starken Verlusten zurückgedrängt wurden.

Als sie dann die Nachricht erhielten, dass die Römer am Rhein Wache hielten und dass Tiberius mit einem starken Heer im Anmarsch sei, liessen die meisten vom Kastell ab; die Zurückgebliebenen entfernten sich etwas von ihm, um nicht durch plötzliche Ausfälle der Besatzung Schaden zu erleiden, und behielten die Anmarschwege scharf im Auge, in der Hoffnung, durch Lebensmittelknappheit die übergabe zu erzwingen. Die römische Besatzung aber harrte aus, solange sie genügend Proviant hatte, und hoffte auf Entsatz. Als ihnen aber niemand zu Hilfe kam und der Hunger sie quälte, warteten sie eine stürmische Nacht ab und zogen ab. Es waren wenige Soldaten, viele ohne Waffen. Und ***

Fortsetzung bei Cassius Dio: **** sie kamen auch an deren erstem und zweiten Wachtposten vorbei; als sie sich aber dem dritten näherten, wurden sie bemerkt, da die Frauen und Kinder aus Erschöpfung und Angst und wegen der Dunkelheit und Kälte andauernd die Männer zurückriefen. Und sie wären alle zugrunde gegangen oder auch in Gefangenschaft geraten, wenn sich die Barbaren nicht zu sehr mit dem Erraffen der Beute aufgehalten hätten. Denn so gewannen die Stärksten einen grossen Vorsprung, und indem die Trompeter, die bei ihnen waren, das bei schnellem Marsch übliche Signal bliesen, erweckten sie beim Feinde den Glauben, dass sie von (L. Nonius) Asprenas geschickt seien. Daher liessen diese von der Verfolgung ab, und als Asprenas von dem Vorfall hörte, kam er ihnen tatsächlich zu Hilfe. Später kamen auch einige Gefangene zurück, die von ihren Verwandten losgekauft worden waren; doch war ihnen dies nur unter der Bedingung gestattet worden, dass sie ausserhalb Italiens blieben.


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