L. F. FLORUS: Abriss der römischen Geschichte

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[...] Sed difficilius est provincias optinere quam facere; viribus parantur, iure retinerentur. Igitur breve id gaudium. Quippe Germani victi magis quam domini erant, moresque nostros magis quam arma sub imperatore Druso suspiciebant;
postquam ille defunctus est, Vari Quintili libidinem ac superbiam haud secus quam saevitiam odisse coeperunt. Ausus ille agere conventum, et incautus edixerat, quasi violentiam barbarum lictoris virgis et praeconis voce posset inhibere. At illi, qui iam pridem robigine obsitos enses inertesque maererent equos, ut primum togas et saeviora armis iura viderunt, duce Armenio arma corripuit;
cum interim tanta erat Varo pacis fiducia, ut ne prodita quidem per Segesten unum principum coniuratione commoveretur. Itaque improvidum et nihil tale metuentem ex improviso adorti, cum ille - o securitas! - ad tribunal citaret, undique invadunt;
castra rapiuntur, tres legiones opprimuntur. Varus perditas res eodem quo Cannensem diem Paulus et fato est animo secutus. Nihil illa caede per paludes perque silvas cruentius, nihil insultatione barbarum intolerantius, praecipue tamen in causarum patronos. Aliis oculos, aliis manus amputabant, unius os sutum, recisa prius lingua, quam in manu tenens barbarus "tandem" ait, "vipera, sibilare desisti."
Ipsius quoque consulis corpus, quod militum pietas humi abdiderat, effossum. Signa et aquilas duas adhuc barbari possident, tertiam signifer, prius quam in manus hostium veniret, evulsit mersamque intra baltei sui latebras gerens in cruenta palude sic latuit. Hac clade factum, ut imperium, quod in litore Oceani non steterat, in ripa Rheni fluminis staret.

Doch es ist schwieriger, Provinzen zu behalten, als sie zu schaffen. Mit bewaffneter Macht erringt man sie, durch Gerechtigkeit erhält man sie sich. So war die Freude nur kurz. Denn die Germanen waren eher besiegt als gebändigt, und sie achteten unter dem Feldherrn Drusus unsere Lebensart mehr als die Militärmacht.

Nachdem dieser gestorben war, begannen sie, die Gier und den Hochmut des Quintilius Varus nicht weniger als seine Grausamkeit zu hassen. Er wagte es, einen Landtag abzuhalten, und erliess unvorsichtig Vorschriften, als könnte er der Gewalttätigkeit der Barbaren durch die Ruten des Liktors und die Stimme des Herolds Einhalt gebieten. Jene dagegen, die schon längst wegen ihrer roststumpfen Schwerter und der untätig herumstehenden Pferde murrten, griffen, sobald sie der (römischen) Togen gewahr wurden und der Gerichtsentscheidungen, die schlimmer als die Waffen wüteten, unter der Führung des Arminius zu den Waffen.

Derweil vertraute Varus dem Frieden so sehr, dass er sich nicht einmal beunruhigte, als Segestes als einziger der Fürsten die Verschwörung verriet. So griffen sie den Ahnungslosen und nichts derartiges Befürchtenden überraschend an, als jener - welche Sorglosigkeit! - Leute vor Gericht lud, und von allen Seiten brachen sie herein.

Das Lager wurde ausgeraubt, drei Legionen wurden überwältigt. Varus folgte dem allgemeinen Untergang mit gleichem Schicksal und in gleichem Geist wie (L. Aemilius) Paulus am Tag (der Schlacht) von Cannae.

Nichts war blutiger als dieses Gemetzel in Sümpfen und Wäldern, nichts war unerträglicher als der Hohn der Barbaren, besonders aber gegenüber den Gerichtsherren. Den einen stachen sie die Augen aus, den anderen hieben sie die Hände ab; einem wurde der Mund zugenäht, zuvor aber die Zunge herausgeschnitten. Diese hielt ein Barbar in der Hand und sagte: "Endlich hast du Natter aufgehört zu zischen."

Selbst der Leichnam des Konsuls, den die Soldaten aus Ehrfurcht beerdigt hatten, wurde wieder ausgegraben. Feldzeichen und zwei Legionsadler besitzen die Barbaren noch heute; bevor der dritte in die Hände der Feinde geraten konnte, riss ihn der Standartenträger ab, steckte in ihn die öffnungen seines Wehrgehenks und verbarg sich so im blutigen Sumpf. Diese Niederlage bewirkte, dass die (römische) Herrschaft, die an der Küste des Ozeans nicht halt gemacht hatte, am Rheinufer ihre Grenze fand.


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