Verwirrung um die Varusschlacht


Neue Bodenfunde nähren Zweifel, ob Varus und seine Legionen im Jahr 9 n. Chr. wirklich in Kalkriese nahe Osnabrück den Tod fanden. Zwar kamen dort seit 1989 jede Menge antiker Waffenschrott sowie eine Rasensodenmauer zutage, hinter der sich angeblich der Cheruskerfürst Arminius verschanzte, um das Heer der Feinde seitlich aus dem Hinterhalt anzugreifen - 20 000 Legionäre fanden damals den Tod. Doch die aktuellen Grabungsergebnisse, vorige Woche vorgestellt, sorgen nun für Verwirrung: Neben dem Erdwall verlaufen typisch römische Spitzgräben. "Sie sind zwei Meter tief und wurden von uns über eine Länge von 50 Metern verfolgt", erklärt die Archäologin Susanne Wilbers-Rost; zudem habe in der Nähe eine römische Spitzhacke ("Dolabra") gelegen. Die Forscherin geht davon aus, dass die Germanen die römische Ausschachtungstechnik nachahmten. Der Urgeschichtler Peter Glüsing aus Münster dagegen hegt nun grundsätzlich Zweifel an dem bisherigen Kampfszenario. Womöglich sei Kalkriese in Wahrheit ein "Militärlager der Römer" gewesen, das mit der Schlacht des tiberischen Feldherrn Caecina 15 n. Chr. in Verbindung steht. Am Mittwoch dieser Woche treffen sich die Arminius-Forscher zum Krisengipfel in Detmold, um die neuen Grabungsschätze zu erörtern, zu denen auch ein reichverziertes Silberblech gehört. Hauptfrage: Wo und wie vollzog sich die Varuskatastrophe wirklich?

DER SPIEGEL 46/2006


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