VELLEIUS PATERCULUS: Historia Romana

II, 117 ff (lat/dt)

Funestae ex Germania epistulae caesi Vari trucidatarumque legionum trium totidemque alarum et sex cohortium nuntium attulerunt.

Varus Quintilius illustri magis quam nobili ortus familia, vir ingenio mitis, moribus quietus, ut corpore, ita animo immobilior, otio magis castrorum quam bellicae assuetus militae, pecuniae vero quam non contemptor, Syria, cui praefuerat, declaravit, quam pauper divitem ingressus dives pauperem reliquit.

Is cum exercitui, qui erat in Germania, praeesset, concepit esse homines, qui nihil praeter vocem membraque haberent hominum, quique gladiis domari non poterant, posse iure mulceri.

Quo proposito mediam ingressus Germaniam velut inter viros pacis gaudentis dulcedine iurisdictionibus agendoque pro tribunali ordine trahebat aestiva.

At illi, quod nisi expertus vix credat, in summa feritate versutissimi natumque mendacio genus, simulantes fictas litium series et nunc provocantes alter alterum in iurgia, nunc agentes gratias, quod ea Romana iustitia finiret feritasque sua novitate incognitae disciplinae mitesceret et solita armis discerni iure terminarentur, in summam socordiam perduxere Quintilium, usque eo, ut se praetorem urbanum in foro ius dicere, non in mediis Germaniae finibus exercitui praeesse crederet.

Tum iuvenis genere nobilis, manu fortis, sensu celer, ultra barbarum promptus ingenio, nomine Arminius, Sigimeri principis gentis eius filius, ardorem animi vultu oculisque praeferens, assiduus militae nostrae prioris comes, iure etiam civitatis Romanae decus equestris consequens gradus, segnitia ducis in occasionem sceleris usus est, haud imprudenter speculatus neminem celerius opprimi, quam qui nihil timeret, et frequentissimum initium esse calamitatis securitatem.

Primo igitur paucos, mox pluris in societatem consili recepit; opprimi posse Romanos et dicit et persuadet, decretis facta iungit, tempus insidiarum constituit.

Id Varo per virum eius gentis fidelem clarique nominis, Segestem, indicatur; obstabant iam fata consiliis omnemque animi eius aciem praestrinxerant: quippe ita se res habet, ut plerumque, cui fortunam mutaturus est deus, consilia corrumpat efficiatque, quod miserimum est, ut quod acciderit etiam merito accidisse videatur et casus in culpam transeat.

Negat itaque se credere speciemque in se benevolentiae ex merito aestimare profitetur; nec diutius post primum indicem secundo relictus locus.

Ordinem atrocissimae calamitatis, qua nulla post Crassi in Parthis damnum in externis gentibus gravior Romanis fuit, iustis voluminibus, ut alii, ita nos conabimur exponere; nunc summa deflenda est.

Exercitus omnium fortissimus, disciplina, manu experientiaque bellorum inter Romanos milites princeps, marcore ducis, perfidia hostis, iniquitate fortunae circumventus, cum ne pugnandi quidem aut egrediendi occasio iis, in quantum voluerant, data esset immunis, castigatis etiam quibusdam gravi pöna, quia Romanis et armis et animis usi fuissent, inclusus silvis, paludibus, insidiis, ab eo hoste ad internecionem trucidatus est, quem ita semper more pecudum trucidaverat, ut vitam aut mortem eius nunc ira nunc venia temperaret.

Duci plus ad moriendum quam ad pugnandum animi fuit; quippe paterni avitique exempli successor se ipse transfixit.

At praefectis castrorum duobus quam clarum exemplum L. Eggius, tam turpe Ceionius prodidit, qui, cum longe maximam partem absumpsisset acies, auctor deditionis supplicio quam proelio mori maluit. At Vala Numonius, legatus Vari, cetera quietus ac probus, diri auctor exempli, spoliatum equite peditem relinquens fuga cum alis Rhenum petere ingressus est. Quod factum eius fortuna ulta est; non enim desertis superfuit, sed desertor occidit.

Vari corpus semiustum hostilis laceraverat feritas; caput eius abscisum latumque ad Maroboduum et ab eo missum ad Caesarem gentilicii tamen tumuli sepultura honoratum est.

Unheilvolle Briefe aus Germanien (Varus ist getötet, drei Legionen, ebenso viele Reitergeschwader und sechs Kohorten sind niedergemetzelt) brachten schlechte Kunde.

P. Quinctilius VARUS stammte aus einer eher bekannten als vornehmen Familie, ein milder Mann, ruhig im Charakter, körperlich und geistig recht schwerfällig, eher an den Lageralltag als an den Kriegsdienst gewöhnt; das reiche Syrien, das er als armer Statthalter betreten hatte, sagte, er habe es arm als reicher verlassen.

Als dieser das Heer, das in Germanien stand, kommandierte, stellte er sich vor, dass Menschen, die ausser Stimme und Aussehen sonst nichts Menschliches hatten und die mit Schwertern schon nicht gebändigt werden konnten, mit dem Gesetzbuch besänftigt werden könnten.

Mit diesem Vorsatz ging er mitten nach Germanien hinein wie unter Männer, die sich über die Süsse des Friedens freuen; indem er auf dem Statthalterstuhl Recht sprach und Ordnung schaffte, zog er das Sommerlager in die Länge.

Aber jene Leute - man kann es kaum glauben - waren bei all ihrer Wildheit äusserst verschlagen, ein Volk aus Lüge geboren; bald täuschten sie erfundene Rechtshändel vor, bald luden sie sich zu Prozessen vor, bald bedankten sie sich dafür, dass die römische Justiz dem ein Ende setze, dass ihre Unbeherrschtheit durch seine neue Disziplin nachlasse und dass das, was gewöhnlich gewaltsam entschieden worden sei, jetzt auf dem Rechtsweg beendet werde; kurzum, sie lullten Quinctilius in sträfliche Sorglosigkeit ein. Das ging so weit, dass er sich einbildete, er spräche als Stadtprätor mitten in Rom Recht und sei nicht Kommandant im tiefsten Germanien.

Es gab damals einen adligen jungen Mann, behände und aufgeweckt, entschlossen zu allem, namens ARMINIUS, der Sohn des Sigimer, des Fürsten dieses Volkes. Arminius zeigte in Miene und Augen Feuer, ein ständiger Teilnehmer an früheren Kriegszügen, zu Recht auch eine Zierde des Römischen Staates, der nach dem Reiterstand strebte. Dieser nutzte die Trägheit des Feldherrn für ein Verbrechen, indem er recht klug spekulierte, dass niemand leichter überrumpelt werden könne als der, der nichts Böses ahnt, und dass der häufigste Anfang des Unglücks die Sicherheit sei.

Zuerst weihte er nur wenige, dann mehr Männer in seine Pläne ein; er überzeugt sie davon, dass es möglich sei, die Römer zu besiegen; er vereint Beschlüsse und Taten, er bestimmt den Zeitpunkt für die Falle.

Das wird Varus von einem zuverlässigen Mann, dem berühmten Segestes, hinterbracht; aber das Schicksal verhinderte alle Beschlüsse und hatte seinen Sinn abstumpfen lassen: weil es sich ja meistens so verhält, dass das Böse die Pläne des Menschen, den der Gott vernichten will, durchkreuzt und bewirkt, dass das, was passiert, ganz recht geschieht und dass der blinde Zufall in Schuld übergeht.

Varus will das nicht glauben und behauptet, den Schein nach dem Wohlwollen beurteilen zu können; und nicht viel später verliess er die Stelle.

Die Geschichte dieser grässlichen Katastrophe, wie es keine grössere - in fernen Ländern - für die Römer gegeben hat nach der Niederlage des Crassus gegen die Parther, haben andere in dicken Büchern beschrieben; auch wir werden es versuchen; jetzt muss man trauern.

Die tapfersten aller Truppen, führend im römischen Heer in Disziplin, Kraft, Kriegserfahrung, ist eingekreist worden von der Schlaffheit des Kommandanten, der Treulosigkeit des Gegners, der Ungeeignetheit des Ortes. Nicht einmal die Chance zu kämpfen oder davonzukommen ist denen gegeben worden, wie sehr sie es auch gewollt hatten; übel sind sie bestraft worden, weil sie römische Waffen trugen und wie Römer dachten; eingeschlossen war das Heer von Wäldern, Sümpfen, von Fallen. Hingemetzelt wurde es von demjenigen Feind, den es so immer nach Art des Viehs abgestochen hatte, sodass Wut oder Gnade über Leben und Tod entschieden.

Dem Feldherrn stand der Sinn mehr nach Sterben als nach Kämpfen. Allerdings hat er sich selbst durchbohrt - wie sein Vater und sein Grossvater.

Aber von den beiden Lagerpräfekten gab der eine, L. Eggius, ein gutes Beispiel ab, der andere, Ceionius, ein schlechtes: Weil der grösste Teil des Heeres vernichtet war, wollte er als Urheber der Kapitulation lieber hingerichtet werden als im Kampf sterben. Auf der anderen Seite: Vala Numonius, ein Legat des Varus, ansonsten bedächtig und erfahren, machte sich nach dem Verlust der Reiterei und unter Zurücklassung des Fussvolks daran, mit den Alen zum Rhein zu kommen. Diese seine Tat hat das Schicksal bestraft; er hat die zurückgelassenen Männer nicht überlebt, sondern der Deserteur ist gefallen.

Den halbverbrannten Leichnam des Varus hatte der wütende Feind verstümmelt; sein Kopf war abgeschlagen und dem Marbod gebracht worden. Der schickte ihn an den Cäsar (Augustus); dennoch ist er ehrenvoll im Familiengrab beigesetzt worden.

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