ZDF

Sendung am 29. März 2009

Der Sieg im Teutoburger Wald


Gründungsmythos der Deutschen?

Die "Varusschlacht" im Jahre 9 n. Chr. wurde als Geburtsstunde der Deutschen gefeiert. Die Germanen waren kein einheitliches Volk, sondern setzten sich aus einer Vielzahl - auch verfeindeter - Stämme zusammen. Aber die Eroberung Germaniens war Teil der Expansionspolitik von Kaiser Augustus. Doch bei der "Varusschlacht" wurde das bis dahin siegreiche römische Heer von den Germanen, unter Führung des Arminius, geschlagen.

Informationen zu den Gästen:

Ein Jubiläum im Jahre 2009: Vor 2000 Jahren schlug der Cherusker Arminius im Bündnis mit anderen germanischen Stämmen die Weltmacht Rom in den Wäldern des Teutoburger Landes.

Die Protagonisten der Schlacht

Diese Schlacht wäre heute längst vergessen, wenn nicht im Kloster Corvey im Jahre 1507 ein Dokument gefunden worden wäre, das fast wie eine moderne Reportage das Kriegsgeschehen darstellte. Tacitus: De origine et situ Germanorum liber. Seither lassen uns die Ereignisse nicht mehr los. Nicht nur die Humanisten stritten sich über den Ort des Geschehens und besonders über die Figur des Anführers, den Tacitus Arminius nannte und welche Bedeutung er für die "Deutschen" gehabt habe. Aber zum grossen Mythos wurde der Sieger gegen Rom erst durch Martin Luther, der ihn Hermann nannte.
Seither geistert die Schlacht im Teutoburger Wald mit seinen Protagonisten, dem Verlierer Publius Quinctilius Varus auf der Seite des Imperiums und Arminius alias Hermann der Cherusker auf der Seite der Aufsässigen, durch den Nebel der deutschen Mythen. Das Eigenartige dabei aber ist bis heute: Nichts Genaues weiss man nicht. Die Aufzeichnung Tacitus entstanden, wie andere römische Quellen auch, erst Jahrzehnte nach dem Untergang der römischen Legionen und archäologische Beweisstücke liegen erst seit kurzem vor.
Gründungsmythos der Deutschen?
Ausgehend von dem Terra X-Zweiteiler "Der Kampf um Germanien", der zum ersten Mal die historischen Fakten der Geschehnisse und die Darstellung der "Helden" spannend und wissenschaftlich exakt opulent erzählt, fragt das nachtstudio: Wie kam es zu diesem am Ende doch 30-jährigen Krieges eines Kampfes gegen Rom? Und welche Konsequenzen hatte der Sieg im Teutoburger Wald? Ist er tatsächlich der Gründungsmythos der Deutschen geworden, vielleicht sogar ganz Europas? Oder sind die Ereignisse im 21. Jahrhundert schon so weit weggerückt, dass solche Mythen in den Medien wieder in Erinnerungen gerufen werden müssen, um einem immer mehr an Geschichte interessierten jungen Publikum vorzuführen, wie es einmal war?
Darüber diskutiert im nachtstudio Volker Panzer mit seinen Gästen: Peter Arens, Prof. Dr. Alexander Demandt, Dr. Marcus Junkelmann und Prof. Dr. Herfried Münkler.

Buchtipps:

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