D-Zug dritter Klasse

Mit dem Buch "D-Zug dritter Klasse", welches 1938 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, beschreibt Irmgard Keun auf humorvolle Weise das Zusammentreffen Personen verschiedener Gesellschaftsschichten auf einer Bahnreise.

Die Handlung des Buches spielt in einem D-Zug, der von Berlin über Köln nach Paris fährt. In einem Abteil dritter Klasse treffen sieben Personen aufeinander, die alle grundverschieden sind und im Laufe der Geschichte alle die Geschichte ihres Lebens erzählen und von dem Ereignis berichten, welches sie zu dieser Zugfahrt bewegte.

Die Geschichte beginnt mit Lenchen, die mit ihrem Gatten Karl und ihren Tante Camilla unterwegs ist. Sie erzählt, dass sie in Godesberg am Rhein geboren sei und nach zwei Jahren an der Schauspielschule in Köln nach Hamburg kam. Sie berichtet von den zwei anderen Männern ausser Karl in ihren Leben, zu denen sie nur noch schriftlichen Kontakt hält, da beide aus beruflichen Gründen weggezogen sind. Beide hatten allerdings versprochen, sie zu heiraten, und wissen nichts von den jeweils anderen zwei. Lenchens erster Freund war ein Mann namens Bruno Gottlob, den sie in Hamburg kennenlernte. Dieser arbeitete in der Kaffeebranche und wurde von seiner Firma nach Brasilien versetzt; dennoch versprach er ihr, dass er ihr Geld schicken und sie schliesslich auch nach Brasilien holen wolle; den ersten Teil seines Versprechens hielt er auch ein, bei dem zweiten blockte Lenchen jedoch ab.

Sie war inzwischen mit einem Engagement nach Konstanz gekommen und hatte dort den Redakteur Alfred Lieder kennengelernt, welcher allerdings nach kurzer Zeit und dem Versprechen, sie zu heiraten, nach Nürnberg ging und dort eine neue Stelle annahm. Auch Lenchen bekam eine neue Stelle und lernte auf Grund dieser ihren Mann Karl kennen, der, nachdem er in ihre Wohnung gezogen war, ihre Mitbewohnerin zum Auszug bewegte. Mit diesem lebt sie einige Zeit zusammen bevor er von einem Onkel 9000 Mark erbt und sich entschliesst, mit diesen im Ausland eine neue Existenz aufzubauen. Da auch Lenchen ihre Tante Camilla ins Ausland zu Verwandte bringen soll, da sie die deutsche Verwandtschaft ständig mit Besuchen belästigte, beschliessen Lenchen und Karl, das Geld in einer Thermoskanne, aufgrund der "Devisengesetzgebung", welche untersagte, mehr als tausend Mark mit über die Grenze zu nehmen, und in Begleitung von Camilla nach Paris zu fahren.

Anschliessend berichtet ein Obsthändler aus Köln von seinem Besuch einer Silberhochzeit in Berlin und dem vorangegangenen "Ehekrach" mit seiner Frau. Er sagt, dass er der Meinung sei, im benebelten Zustand in Berlin eine junge Dame aus dem Fenster geworfen zu haben und fahre nun weiter nach Paris, um der Polizei zu entkommen. Doch Karl überzeugt ihn soweit, dass es auch möglich sei, dass er alles nur geträumt habe, und sie steigen an einem Bahnhof aus und kaufen eine Berliner Zeitung. Nachdem sie darin keine Meldung finden, ist der Obsthändler zufrieden und widmet sich gemeinsam mit Karl einigen alkoholischen Getränken.

Ein weiterer Reisegast ist ein junger Mann, der, nachdem er wegen eines Bewerbungsgespräches in Würzburg war, in seinem Hotelzimmer Schmuck findet und diesen verkauft. Daraufhin wird er verhaftet und zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, welche er gerade abgesessen hat und nun auch auf dem Weg nach Paris ist.

Der letzte Reisende, der seine Geschichte erzählt, ist ein Regierungsrat, der seiner Meinung nach zu früh pensioniert wurde und anschliessend mit seiner Schwester zusammen lebte. Nach einigen unglücklichen Ereignissen auf einer Silvesterparty fühlt er sich von seiner Schwester und deren neuer Freundin, seiner Frau bedrängt und verfolgt, und er entschliesst sich zu Verwandten nach Versailles zu fliehen.

Während der ganzen Reise erzählen sich die Fahrgäste ihre Geschichte, bis drei Stationen vor Paris Tante Camilla sich ihre Koffer geben lässt und, ohne dass jemand es merkt, den Zug verlässt und auf dem Bahnhof bleibt, mitsamt den 9.000 Mark aus der Thermoskanne, die ihr Lenchen zugesteckt hatte, und den dreihundert Mark, die der Regierungsrat über die Grenze geschmuggelt haben wollte. Daraufhin steigt Karl am nächsten Bahnhof aus, um zurück zu fahren. Die anderen erreichen Paris, jedoch kommt es hier zu einem Höchstmass an Verwirrung: der Obsthändler wird im Zug vergessen, der Regierungsrat wartet am Bahnhof auf Karl und Lenchen, und der junge Mann begleitet Lenchen.

Dieser Roman ähnelt dem "kunstseidenen Mädchen" sehr, da die Autorin auch hier viel mit Farben und den Vorstellung des Lesers zu einem bestimmte Themas arbeitet. Ausserdem handelt auch diese Geschichte hauptsächlich von einem jungen Mädchen, welches am Theater arbeitet und viel in der Weltgeschichte herumreist. Auch in ihrer Beziehung zu Männern ähneln sich die beiden Hauptcharaktere, während Lenchen eher unschuldig ist und die Männer nicht nur ausnutzt wie Doris es tut. Auch sind einige Handlungsschauplätze ähnlich.