Tobias Vetter: Die Rezeption von Irmgard Keuns Exilroman Nach Mitternacht

Das Abbild zeigt Irmgard Keuns Roman Nach Mitternacht in seiner Erstausgabe im Querido-Verlag Amsterdam 1937.
Gesehen in: Serke, Jürgen: Die verbrannten Dichter. Weinheim 1992, S. 219

Arbeit zur Zwischenprüfung in der neueren germanistischen Literaturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im März 2000

Vorwort

2. Zeitgenössische Rezeption

2.1 Ludwig Marcuse: Fünf Blicke auf Deutschland

2.2 Klaus Mann: Deutsche Wirklichkeit

2.3 Klara Blum: Irmgard Keun

2.4 Zwischenzusammenfassung

3. Späte Rezeption

3.1 Wolfgang Fabian: Irmgard Keun: Nach Mitternacht

3.2 Irmtraud Schreck: Nacht ohne Hoffnung

3.3 Zwischenzusammenfassung

4. Moderne Rezeption

4.1 Gert Sautermeister: Irmgard Keuns Exilroman Nach Mitternacht

4.2 Dorothee Römhild: Weibliche Mittäterschaft und Faschismuskritik in Irmgard Keuns Roman Nach Mitternacht

4.3 Presseschau

4.4 Li teraturgeschichten und Literaturlexika

5. Zusammenfassung

6. Quellenverzeichnis


1. Vorwort

Die Schriftstellerin Irmgard Keun ging nicht bereits 1933, sofort nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, ins Exil wie viele andere deutsche Künstler. Obwohl im ersten Regierungsjahr der NSDAP der gesamte Vorrat an Keun-Büchern des Universitas-Verlages beschlagnahmt worden war, die Schriftstellerin also keine finanziellen Einnahmen durch ihre Bücher mehr erwarten konnte, verliess sie erst 1936 Deutschland, nachdem der Verlag Allert de Lange ihr um den Jahreswechsel 1935 / 1936 Hilfe angeboten hatte [1] . In der Zeit zwischen 1935 und 1937 schrieb sie Nach Mitternacht [2] . Der Roman erschien erstmals 1937, und zwar beim Querido-Verlag in Amsterdam [3] .

Noch im selben Jahr wurde Nach Mitternacht ins Niederländische und Dänische übersetzt und in Amsterdam beziehungsweise Kopenhagen veröffentlicht. Nur ein Jahr später lag der Roman auch in Englisch, Norwegisch, Russisch und Französisch vor. Er wurde 1938 in London, New York, Oslo, Leningrad und 1939 in der dritten Auflage in Paris herausgegeben. [4] 1980 publizierte der Düsseldorfer Claasen-Verlag im Zuge der Wiederauflage aller Keun-Romane auch Nach Mitternacht erneut. [5] Schliesslich wurde der Roman 1981 sogar durch Wolf Gremm verfilmt [6] .

Obwohl Nach Mitternacht bei der Erstveröffentlichung sehr erfolgreich war, ist der Name Irmgard Keun heute eher unbekannt. Doch wie beurteilten und beurteilen Literaturkritiker den Roman? Die Entwicklung der Rezeption von Nach Mitternacht will ich im folgenden darstellen. Durch die Untersuchung diverser Rezensionen erhoffe ich auch einen Begründungsansatz, der erklärt, warum der früher so erfolgreiche Roman heute ziemlich in Vergessenheit geraten ist.

Ich werde dabei unterscheiden zwischen der zeitgenössischen Rezeption, der späten und der heutigen Rezeption. Zu diesen drei Kategorien habe ich einige Beispieltexte analysiert. Als Beispiele für die zeitgenössische Rezeption habe ich mich für

Ludwig Marcuses Fünf Blicke auf Deutschland, Klaus Manns Deutsche Wirklichkeit und Irmgard Keun von Klara Blum entschieden. Exemplarisch für die späte Rezeption von Nach Mitternacht habe ich Irmtraud Schrecks Nacht ohne Hoffnung und Irmgard Keun: Nach Mitternacht von Wolfgang Fabian untersucht. Die heutige Rezeption will ich anhand von mehreren Zeitungsartikeln aus den 90er Jahren, einen kurzen Blick in Literaturlexika und Literaturgeschichten sowie durch Interpretationen von Gerd Sautermeister und Gertrud Römhild ergründen.

Zunächst werde ich die jeweils wichtigsten Aspekte der einzelnen Rezensionen herausarbeiten und direkt im Anschluss oder in gesonderten Zwischenzusammenfassungen im Vergleich zu anderen Rezensionen auffällige Aspekte kurz erwähnen. In der abschliessenden Zusammenfassung will ich die Ergebnisse im überblick darstellen und einen Blick in die Zukunft der Keun-Rezeption wagen.

2. Zeitgenössische Rezeption

2.1 Ludwig Marcuse: Fünf Blicke auf Deutschland (1937) [7]

Ludwig Marcuse befasst sich im ersten, einleitenden Teil seiner Fünf Blicke auf Deutschland mit den Problemen der Exilliteratur im Allgemeinen und räumt dabei zwei m&oum l;gliche Einwände gegen Exilliteratur generell aus. Der erste von ihm vermutete Vorbehalt anderer Kritiker könnte lauten: Was wissen die Leute in London, Paris, in Zürich, Prag und Moskau von Deutschland? (S.82). Marcuse entgegnet: Mir scheint: alles! (ebd.) Er begründet seine Ansicht mit der Kontinuität eines jeden Landes, die durch keinen radikalen Umbruch völlig gebrochen werden könne. Das Volk ist nicht nach vier Jahren ein anderes Volk (ebd.). Wer Phantasie habe und das Volk kenne, könne überall über Deutschland schreiben (ebd.).

Der zweite von Marcuse vermutete Einwand gegen Exilliteratur ist, dass die Sicht auf Deutschland durch die Brille des Exils verschleiert, das Bild von Deutschland also verfälscht werde. Das führe dazu, dass viele Autoren im Exil mit den Herrschern in Deutschland abrechneten. Marcuse räumt ein, dass es sehr schwierig sei, dem unvollendeten deutschen Schicksal einen ordentlichen Romanschluss zu geben (S. 82). Worauf es aber ankomme, sei etwas Hintergründigeres: Nämlich nicht nur die rein politischen Aspekte literarisch darzustellen, sondern auch eine unerforschte Masse [...] aus der Hitler-Nacht in das Licht des europäischen Tages zu reissen (S. 82/83). Das heisst, das Leben in Deutschland zu beschreiben, ohne sich auf die Politik zu beschränken, zum Beispiel den Alltag, der ja trotz der politischen Umstände in veränderter Form weiterbesteht. Irmgard Keuns Lösung sei diesbezüglich die beste, so Marcuse (S. 83), der Keun dadurch über andere Exilautoren stellt.

Das Konzept der Erzählerin, eine unscheinbare Susanne mit einem mit ihrer Physiognomie kontrastierenden Teufelsblick (S. 84) auszustatten, sei gelungen. In Nach Mitternacht steckten nämlich z wei Erzählerinnen: Sanne und Irmgard Keun, schreibt Marcuse. Auf die einsame Sanne mitsamt ihrem Franz, einem etwas schlappen Christus, der einen Mord begeht, hätte man auch ganz gut verzichten können. Die Irmgard Keun aber illuminiert herrlich den Schimmel, der auf einem grossen Volke liegt (ebd.).

Das Exil wertet Marcuse als für die Arbeit Keuns wohltuend: Während die Zeitungen in Deutschland zu nahe am Geschehen seien, also keinen überblick hätten, sei bei Irmgard Keun das Gegenteil der Fall. Ihre Schilderung werde diejenige der Zeitungen überdauern:

Man findet diese Herren und Damen weder im Völkischen Beobachter noch auf den Seiten der Blätter, die ihn bekämpfen. Aber wenn erst alles vorbei sein wird, werden sie so aussehen; im Panoptikum der Nachwelt. Die Dichterin hat sehr grossen Abstand genommen, was sie als Dichterin legitimiert. Sie sieht schärfer, als alle die tausend Reporter, die am liebsten ihre Augen direkt auf das Objekt legen würden (S. 83).

2.2 Klaus Mann: Deutsche Wirklichkeit (1937) [8]

Auch Klaus Mann schrieb 1937 eine äusserst positive Kritik zu Nach Mitternacht. Er zeichnet Irmgard Keuns Buch aus, indem er sagt, es sei ein Dokument [9] . Das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen, denn er kritisiert die teilweise zu romanhafte Zurechtmachung. Mann mag generell lieber gut geschriebene Bücher (S. 167), nicht solche, deren Autoren den Sprachstil bewusst vereinfachen, um Kritikern der fehlenden Sprachkunst entgegnen zu können, dass gerade das ja beabsichtigt sei, da die Romanfiguren aus einfachen Verhältnissen stammten (vgl. S. 167) Dennoch räumt Klaus Mann ein, dass dieser Trick, den auch Irmgard Keun anwendet, in diesem Roman seinen Zweck erfüllt (S. 167). Klaus Mann bringt so indirekt sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, dass der Roman leicht in Unterhaltungsliteratur kippen könnte, dass dies aber nicht geschehe.

Die im Exil lebenden Schriftsteller, die nach Ansicht Manns das Dritte Reich bekämpfen (S. 166), seien Deutschland zwar noch nicht [...] entfremdet, doch es bestünde Gefahr, dass es so komme (ebd.). Irmgard Keun aber, die ja erst später als viele andere Autoren ins Exil gegangen ist, nämlich 1936, sie also erzählt nun den ihr Vorausgegangenen von Deutschland. Der Roman hat eine sehr eindringliche Wirkung auf Mann, weil er die Darstellung von Irmgard Keun für authentisch hält: Und ein Schauer läuft uns über den Rücken, während wir spüren und erkennen: Ja, so ist es. (S. 168). An anderer Stelle ergänzt Mann, diese Schilderung des Alltags sei die Wahrheit, und nichts als sie (S. 169).

Diese Authentizität erreiche Keun vor allem durch die Details, die exakte Beschreibung eines kleinbürgerlichen Milieus. Mann lobt auch das Weglassen des Pathos, was geschlechtsspezifisch sei: Frauen haben oft eine besondere, nüchtern unbestechliche [...], eindringliche Art des Beobachtens (S. 167).

2.3 Klara Blum: Irmgard Keun (1939) [10]

Das erste, was dem Leser bei Klara Blums Rezension auffällt, ist der besonders aggressive Ton, in dem sie über den Nationalsozialismus schreibt. Das ist zwar an und für sich nicht verwunderlich, doch lasen sich die anderen Rezensionen wesentlich moderater. Klara Blum verwendet gleich im ersten Absatz ihrer Rezension bei der Beschreibung der Wirkung des Romans Wörter aus dem militärischen Sprachgebrauch (Reihen, tödlich treffend, entschlossene Kämpferin, mit vollem Einsatz). Weitere Beispiele werden in anderem Zusammenhang noch genannt werden.

Auch Klara Blum lobt Irmgard Keuns Roman. Mit dem Exil habe für die Schriftstellerin eine neue Schaffensperiode begonnen, die durch eine gereifte dichterische Kraft gekennzeichnet sei, was besonders für Nach Mitternacht gelte. Dies macht Blum vor al lem an den Figuren des Romans fest, aber auch an der Gestaltung der Umwelt, dieses Hitlerreichs (S. 118).

Blum erkennt die einfache Erzählweise (backfischhaft, treuherzig plaudernd (S. 119)) als passend an. (vgl. S. 118). Die Erzählerin vergleiche Radionachrichten und eigene Beobachtungen. Blum lobt die Realitätsnähe von Nach Mitternacht. Sie schreibt:

Man sieht seine [des Hitlerreichs] grausigen Lächerlichkeiten und blutigen Tragödien greifbar vor sich, man atmet seinen Geruch von Blut und Angstschweiss ein, man hört in einer aufwühlenden Szene schildert es Irmgard Keun im Klingeln der Strassenbahn den Schrei der hingerichteten Freiheitshelden. (S. 119).

Ein Freiheitsheld wird nach Ansicht von Klara Blum auch Irmgard Keun durch ihren Roman. Denn keine dichterische Darstellung wird den Feind so vernichtend treffen wie die realistische (S. 120). Im Exil wird aus Keun als unpolitisch[e] Autorin eine klarblickende Antifaschistin. Keun sei eine erbitterte Kämpferin, ihr Roman Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag ins Gesicht des Hitlerfaschismus (S. 118) eine Formulierung, die an eine militärische Hetzparole erinnert. Obwohl die Erzählerin Sanne völlig harmlos sei, treffe Keun durch sie hindurch den Feind mit vernichtender Stärke mitten in seine freche Stirn (ebd.). Die einfache Sprache, das Plaudern, hat nach Blums Auffassung die Bedeutung, den Menschen aus der Masse mit einem Ruck hochzureissen, sein Selbstbewusstsein zu stärken (S. 119). Keun wende sich unbewusst oder bewusst an die einfachen Frauen und Mädchen:

Schau her, was diese mächtigen Herren für Schweine und niederträchtige Jammerlappen sind. Du glaubst vielleicht, dass nur ganz besondere Menschen sie durchschauen und bekämpfen können? Aber siehst du, ich kann es auch und doch bin ich eine von euch. Ich schwatze und kichere genau so gerne wie du und Grete und Anna, und die Männergeschichten interessieren auch mich ganz riesig, und was dich freut, freut auch mich, und was dich wurmt, wurmt auch mich entsetzlich. Und trotzdem kann ich diese Herren durchschauen und bekämpfen. Also kannst auch du es. Probier es nur.

Irmgard Keuns Roman sei also ein effektiver Beitrag zur Bekämpfung des Hitler-Regimes. Blum hofft auf weitere Beiträge Keuns zum Kampf: Was sie bisher geleistet hat, ist gut und wichtig. Was sie leisten wird, ist besser und wichtiger (S. 118).

2.4 Zwischenzusammenfassung

Alle hier besprochenen Rezensenten sind sich einig darin, dass Nach Mitternacht authentisch ist. Die Rezensenten, die bereits vor Irmgard Keun ins Exil gegangen sind, nehmen das Buch dankbar auf, auch als einen Bericht von innen, direkt aus ihrem Heimatland heraus. Während Ludwig Marcuse und Klaus Mann schon eher resigniert zu sein scheinen und Marcuse sogar bereits an die Zeit nach der NS-Herrschaft denkt und auf die dann verbreitete Sicht, di e Keun jetzt schon zeige, hofft, klingt Klara Blum wesentlich kampfesmutiger, als glaube sie, das Hitler-Regime sei noch zu stürzen, auch aus dem Exil heraus, auch durch die Künstler. In ihren Augen müssen Exilianten kämpfen, und Irmgard Keun habe besonders dazu beigetragen, da sie die einfachen Frauen zum Widerstand aufrufe.

Ein Grund für die in ihrer Ausprägung unterschiedliche Rezeption der drei Rezensenten könnte sein, dass 1937 die Greuel des nationalsozialistischen Regimes noch nicht so offenkundig waren, was sich in den zwei folgenden Jahren und mit dem Kriegsbeginn 1939 sicherlich geändert hat. Ein schnelles Ende der NS-Herrschaft war 1939 wohl etwas ausser Sicht geraten, verglichen mit 1937.

3 Die späte Rezeption von Nach Mitternacht

3.1 Wolfgang Fabian: Irmgard Keun: Nach Mitternacht (1956) [11]

Anlässlich der Neuauflage von Nach Mitternacht im Verlag der Nation im Jahr 1956 rezensierte Wolfgang Fabian in der DDR-Zeitung Neues Deutschland Irmgard Keuns Roman.

Fabian äusserte sich nicht nur distanziert gegenüber Nach Mi tternacht, er kritisiert ihn sogar deutlich. Zwar müsse der Leser bei der Lektüre schmunzeln und nach der Lektüre nachdenken, da die Nazigrössen [...] verspottet, der Lächerlich preisgegeben werden. Irmgard Keun sage durch ihre Erzählerin auch die Wahrheit, aber und hier setzt seine Kritik an - nicht eindeutig genug. Denn durch Keuns ironische Wortspiele würde die selbstmörderische Unterwerfung unter Hitlers Demagogie, die Grossmannssucht des kleinen Mannes, das also, was die Autorin tatsächlich blossstellen wolle, verniedlicht. Fabian kann zwar Keuns Absicht erkennen, doch er meint, Keun sehe tatenlos zu. Sie verspotte, sei aber zu gleichgültig, als wolle sie sagen: Seht, das sind die Spiesser, die rettungslos Verlorenen, so waren sie damals, so bleiben sie. Sie hält ihnen einen Spiegel vor und lacht sie aus.

Diese Haltung Fabians steht im deutlichen Kontrast zu der zeitgenössischen Rezeption. Fabian sagt, die Erzähltechnik, die von den drei zuvor besprochenen Rezensenten hochgelobt wurde, sei bildlich gesprochen - ein Schuss, der nach hinten losgehe: Anstatt die NS-Herrschaft und ihre Folgen zu kritisieren, verharmlose Keun eben diese.

3.2 Irmtraud Schreck: Nacht ohne Hoffnung (1957) [12]

Irmtraud Schreck fühlt sich durch Nach Mitternacht an Keuns früheren Roman Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften erinnert. In beiden Werken erkennt sie das hintergründige Doppelspiel der Worte, den satirische[n] Stachel, durch den scheinbar naive Gedanken gleichsam `zwischen die Zeilen´ geschmuggelt würden (S. 144). Dadurch entstünden zwei geistige Horizonte (ebd.), nämlich die direkte Bewertung (ebd.) durch die Erzählerin und die dahinterstehende Bewertung der Irmgard Keun. Im Vergleich zu Keuns früherem Roman hätten die Figuren in Nach Mitternacht allerdings ihr harmloses Gesicht verloren (ebd.).

Durch die Anlage ihres Romans (d. h. hier vor allem: durch die Wahl einer naiven Erzählerin) könne nur durch die Technik des zweiten Horizonts (ebd.), nur durch die Waffe der Ironie (ebd.) die Wahrheit (a. a. O.) über Deutschland sagen. Doch Irmgard Keun spürt selbst, dass die Nadelstiche der Ironie als Waffe gegen ein System der Barbarei nicht ausreichen (ebd). Im Laufe der Erzählung weiche die Ironie daher einer direkten Schilderung der Erlebnisse in einer Atmosphäre des Grauens (ebd.). Der dadurch verschwindende zweite Horizont werde aber bald ersetzt durch Heinis Zynismus (145). Schreck stösst sich allerdings an Susannas, d. h. hier Keuns folgender Aussage: Die edelsten Instinkte des deutschen Volkes sind [durch die Möglichkeit der Denunzierung, Anm. T.V.] geweckt und werden sorgsam gepflegt (ebd.). Schreck kritisiert, der Faschismus sei kein komischer Ausbruch der Instinkte, sondern ein Aufbruch des deutschen Imperialismus zum Kampf für die Errichtung der Weltherrschaft (145). Die Denunzierungen seien materialistischer Motivation gewesen.

Schreck stellt fest, dass niemand im Roman wirklich gegen das Regime kämpfe (vgl. S. 145). Durch Keuns Roman werde aber dem Leser bewusst: Unvermögen der Kleinbürger, der Barbarei wirksamen Widerstand entgegenzusetzen (S. 146).

Schreck zweifelt an, ob es überhaupt künstlerisch möglich ist, das Wesen des Faschismus aus der Sicht eines unwissenden kleinbürgerlichen Mädchens, nur mit der Technik des zweiten Horizonts realistisch zu spiegeln (ebd.). Sie verwendet zwar nicht den Ausdruck bezweifeln, sondern wir wollen die Frage unbeantwortet lassen (ebd.), doch wäre Keun nach Ansicht von Schreck die realistische Spiegelung des Faschismus gelungen, dann wäre die Frage ja beantwortet. Um es noch klarer herauszustellen: Irmgard Keun schildert nach Auffassung Schrecks den Faschismus nicht realistisch, sondern nur einen kleinen Ausschnitt aus diesem Inferno (ebd.), das heisst: nur das Kleinbürgertum.

Auch glaubt Schreck, dass das Leben im Exil sich auf den Roman ausgewirkt habe. Die Einsamkeit der Emigration, die Erschütterung über das Schicksal Deutschlands finden in diesem Roman ihren Niederschlag. Als einzige schwache Hoffnung erscheint Franz und Susanna die Flucht ins Ausland nach Mitternacht, zu jener Stunde, da der Mensch den Tag erwartet (ebd.).& nbsp; Erstens widerspricht Schreck in dieser Textpassage anderen Auffassungen, nach denen sich das Exilleben nicht wesentlich auf das Schreiben auswirke. In den zeitgenössischen Rezensionen wurde ja gerade die Authentizität von Nach Mitternacht gelobt. Und zweitens schwingt im zweiten Teil der Passage Kritik an Keun mit, die statt wirklich gegen das Regime zu kämpfen ins Ausland fliehe wie Franz und Susanna, und auch wie Keun. Doch wer schon schreibt, es erscheint als die einzige Lösung, der schliesst zumindest eine andere, wahrscheinlich sogar bessere Lösung nicht aus. Und dadurch kritisiert Irmtraud Schreck den zu zaghaften, wenig effektiven Kampf Keuns.

3.3 Zwischenzusammenfassung

Zwanzig Jahre nach dem Erscheinen von Nach Mitternacht reagieren die Rezensenten deutlich distanzierter auf Irmgard Keuns Roman, verglichen mit der zeitgenössischen Rezeption. Während Mann, Marcuse und Blum den Roman dankbar als Dokument, ja als Mittel zum Kampf gegen den Faschismus aufnahmen, verneinen Fabian und Schreck die Kampftauglichkeit von Nach Mitternacht. Sie sind der Auffassung, Keun habe sich nicht entschieden genug gegen den Nationalsozialismus gewandt, um ihn zu bekämpfen. Dies liege auch an der Erzähltechnik, die nicht geeignet sei für diesen Zweck. Sowohl in der Beurteilung des Inhalts als auch derjenigen der Technik stehen sich also die zeitgenössischen und die frühen Rezensenten kontrastierend gegenüber.

4. Heutige Rezeption

4.1 Gert Sautermeister: Irmgard Keuns Exilroman Nach Mitternacht [13]

Gert Sautermeister hält Irmgard Keuns Roman für besonders gelungen, und zwar sowohl ästhetisch als auch inhaltlich. Die Bedeutung seiner Untersuchung von Nach Mitternacht, also auch seines positiven Urteils wird dadurch deutlich, dass der 1981 veröffentlichte Text acht Jahre später erneut abgedruckt wurde.

Die Erzähltechnik sei eine Mischung aus Naivität und Kunst. Die Kunst bestünde neben der nicht chronologischen Struktur vor allem in den vielen originellen Metaphern (S. 455). Der Naivität der Erzählerin entspringe so ein scharfblickender Sarkasmus (ebd.).

Mit dieser Technik könne Keun jeden Rezipienten ansprechen: [...] derartige Erzählweisen könnten bei gebildeten wie ungebildeten Lesern aufgeklärtes Vergnügen an der Ich-Erzählerin und kritisches Missvergnügen über ihre Umwelt wecken (S. 456). < /o:p>

Keun zeige, wie gefährlich das Leben für den privaten Menschen in der öffentlichkeit sei. Selbst früher sichere Nischen der Privatsphäre (Toiletten im Café) seien zwar noch vorhanden, aber durch die politischen Umstände auch nicht ungefährlich. Keun illustriere, wie der Faschismus dem Individuum das Individuelle nehme. Dies sei allerdings ohne Komplizenschaft der Bürger nicht möglich.

Der Nationalsozialismus biete den Menschen eine ungeahnte Möglichkeit, sich selbst Vorteile zu verschaffen: die Denunziation. Das Denunziantentum zeige aber zugleich, dass das Volk der NS-Ideologie entgegengesetzt sei, weil es eben keine homogene Masse darstelle (vgl. S. 459 ff). Sautermeister ist dabei der Ansicht, die Aussage anderer Rezensenten, Keun schildere hier nur das Kleinbürgertum sei falsch, da die kleinbürgerliche Struktur innerlich weitverbreitet sei, und zwar auch unter höher gestellten Bürgern (vgl. S. 465).

Das Volk geniesse die ästhetisierung der Politik, die darzustellen eine Intention Keuns sei. Zum ironischen Standpunkt der Erzählerin kann [es] sich nicht aufschwingen (S. 468). Intellektuelle passten sich entweder an das faschistische System an (wie Sannas Bruder Algin, ein ursprünglich nicht faschistischer Schriftsteller, der auf seine luxuriöse Selbstdarstellung nicht verzichten wolle), oder brächten sich unter Loyalität zu ihrer Ideologie um, wie der Journalist Heini, der zugleich eine sinnbildliche Vorwegnahme des KZ (S. 471) sei.

Keun erkenne in ihrer ästhetischen Zeitdiagnose (ebd.) sehr früh die Mitschuld der vieler Menschen im Dritten Reich (S. 459). Durch ihre Volkskunst werde Keun zu einer Gegenspielerin der von den Nationalsozialisten geförderten Volkskunst. Die Pösie der Sprache verleiht [...] der Nacht das Gesicht, das der anbrechende Tag haben wird (S. 473). Fast genau so formulierte es Ludwig Marcuse in seinen Fünf Blicke[n] auf Deutschland.

Doch Irmgard Keun kritisiere den Faschismus nicht nur, sie lege auch ein oppositionelles Konzept vor, schreibt Sautermeister weiter: Im Spiegel ihrer Erzählweise zeichnet sich das wahre Gesicht des geschminkten Faschismus ab wie umgekehrt im Spiegel des ungeschminkten Faschismus diese Erzählweise als humaner Gegenentwurf, als einlösbare Utopie kenntlich wird. (S. 457). Es zeichnen sich die wahren Konturen der bestehenden schlechten und einer realisierbaren besseren Welt ab (S. 475). Keun sei durch Nach Mitternacht gelungen, womit Thomas Mann sich beim Doktor Faustus schwertat: Die Darstellung einer humanen Utopie (ebd.).

Zum Schluss stellt Sautermeister die Frage, ob Keun möglicherweise auch heute noch aktuell sei und beantwortet sie indirekt bejahend. Die in Nach Mitternacht insbesondere durch Sanna verkörperte Nonkonformität des Charakters sei nämlich die entscheidende Stärke, die das Kippen der bürgerlichen Demokratie in den Faschismus vermeide (S. 475).

Höher kann ein Kritiker einen Roman kaum bewerten: Erzähltechnisch, ästhetisch, konzeptionell und inhaltlich ist Sautermeister voll des Lobes über Nach Mitternacht. Er bewertet den Roman höher als Thomas Manns Doktor Faustus. Zugleich weist er auf die ausserordentliche Wirkung hin: Sogar heute sei die Aktualität des Romans noch nicht verjährt.

4.2 Dorothee Römhild: Weibliche Mittäterschaft und Faschsimuskritik in Irmgard Keuns Roman Nach Mitternacht (1994) [14]

Dorothee Römhild führt einen bisher noch nicht genannten Aspekt in die Keun-Rezeption ein. In ihrem Text Weibliche Mittäterschaft und Faschismuskritik in Irmgard Keuns Roman Nach Mitternacht, der der literaturwissenschaftlichen Methode der Gender Studies zuzuordnen ist, untersucht Römhild vor allem die Rolle der Frauen in diesem Roman.

Dabei kommt sie zu folgenden zwei zentralen Aussagen: 1) Keun verweigert den Frauen die pauschale Rolle des Opfers des Nationalsozialismus. 2) Dabei entwirft sie jedoch ein klischeehaftes Frauenbild.

Römhild schreibt:

Mit ihrer fiktionalen Darstellung nazistischer Alltagswirklichkeit, deren Stärke zweifellos in der subtilen Beobachtung kleinbürgerlicher Verhaltensweisen liegt, trägt Keun wenngleich Nach Mitternacht keineswegs mit einer differenzierten Analyse des Faschismus zu verwechseln ist immerhin zum Verständnis seiner soziologischen Bedingtheit bei. N icht unproblematisch ist jedoch das bevorzugte Ziel ihrer Kritik: Insbesondere durch die pervertierende Brechung der faschistischen Mutterschaftsideologie im Bild der phallozentrischen Allmutter reproduziert Keun bekannte Phantasmagorien des Weiblichen. (S. 107).

Keun reduziere die älteren Frauen auf die schlechtesten Eigenschaften des Wertes Mütterlichkeit (ebd.). Ob Betty Raff, Frau Silias, Frau Aaron oder Tante Adelheid sie alle presse Irmgard Keun in ein einziges Rollenschema, was durch die immer gleichen, mindestens ähnlichen Metaphern (Stroh, kratzig, ...) (S. 111) beschrieben werde. Die Frauen würden schliesslich politisiert durch die Triebunterdrückung: Tante Adelheid vergöttert ja den schwitzenden Führer [15] , muss ihren dahinzielenden sexuellen Trieb aber unterdrücken.

Die jungen Frauen hingegen stelle Keun als aufsässig[e] Mädchengestalten dar, die wegen ihres entlarvenden Blick[es] ein Widerstandspotential [verkörpern], das gleichermassen gegen die Macht der Mütter wie gegen die politische Diktatur gerichtet ist (s. 112).

Doch die beabsichtigte Wirkung bleibe aus, der Roman sei nicht konsequent genug. Denn die politischen Implikationen schlagen mindestens in dem Masse in Verschleierung um, wie die Ursachen spezifisch weiblicher Mittäterschaft hinter biologistisch gefärbten Symptomen verborgen bleiben. (S. 111).

In der Literaturwissenschaft sei Irmgard Keun fast ausschliesslich in der feministischen Forschung und/oder im Zusammenhang mit der Beschäftigung mi t deutschsprachiger Exilliteratur genannt. Die Autorin sei eine Randfigur des konventionellen Literaturbetriebs geblieben.

Dorothee Römhild gelangt durch einen anderen Ansatz als Sautermeister, nämlich den der Gender Studies, auch zu einem anderen, negativen Urteil. Zwar lobt Römhild Keuns Ansatz der Entlarvung der Frauen als Mitschuldige, kritisiert aber zugleich die tatsächliche, eher verschleiernde Darstellung. Im Gegensatz zu Sautermeister hält sie den Roman für keine differenzierte Darstellung des Faschismus.

4.3 Presseschau

In den neunziger Jahren befassen sich die Zeitungen aufgrund zweier Ereignisse erneut mit Irmgard Keun: Wegen des Tages, an dem die Schriftstellerin 90 Jahre alt geworden wäre einerseits und des Erscheinens der Keun-Biographie von Gabriele Kreis andererseits.

Anlässlich des 90. Geburtstages von Irmgard Keun bezeichnete die Frankfurter Rundschau Irmgard Keun als literarische[n] Geheimtip [16] . Schon in der Unterzeile des Artikels (Spurensuche gegen das Vergessen) wird ja deutlich, wie es zumindest in den Augen Anna Barbara Hagins, der Verfasserin des Artikels - um das Werk der Schriftstellerin steht. Nach Mitternacht bezeichnet die Verfasserin als eines ihrer besten Bücher. Bei dieser kurzen Erwähnung belässt sie es allerdings, ohne ihr Urteil zu begründen.

Im Kölner Stadtanzeiger war zu lesen, dass die Stadt Köln die Autorin ehrt: Demnächst wird eine der 124 Ratsturmfiguren, die herausragenden Kölner Persönlichkeiten gewidmet sind, an Keun erinnern. [17] Auf lokaler Ebene findet also durchaus eine Würdigung statt.

Zur Keun-Biographie von Gabriele Kreis meint die Süddeutsche Zeitung, die Autorin habe durch ihr Buch noch unberührtes Gebiet für nachfolgende Entdecker gelassen: Nachdem die erste Biographie Wahrheit ermittelt hat, muss die endgültige auch die Dichtung erkunden. [18] Kreis lege also den Schwerpunkt auf das Leben Keuns, gehe aber fast gar nicht auf ihr künstlerisches Werk ein.

Die Frankfurter Rundschau regte an, Irmgard Keun wieder [zu] lesen [19] . Bezüglich Nach Mitternacht hebt die Tageszeitung die Bedeutung des Romans hervor, der ja auch in fremde Sprachen übersetzt worden war. Die präzise Diagnose der Entwicklung in Deutschland verstand man im Ausland, insbesondere unter den Emigranten, als Aufruf zum Kampf gegen den Faschismus (vgl. Klara Blum). Doch zur Veränderung sei es zu spät gewesen. Wem sein Leben lieb gewesen sei, der habe fliehen müssen, so die FR.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte anlässlich des Buches von Gabriele Kreis über Irmgard Keun ebenfalls einen lobenden Arti kel: Sie war von Anfang an konsequente Naziverächterin unerschrocken und doch frei von jeglicher Märtyrer-Pose. Mit ihrem Band Nach Mitternacht schuf sie einen der wichtigsten deutschen Exilromane: über die Realität, den Alltag des Dritten Reiches. [20]

Völlig aus dem Rahmen fällt Die Zeit, die sich ebenfalls bei Erscheinen der Biographie zu Irmgard Keun äusserte. Die Hamburger Wochenzeitung bezeichnet die Bücher, die die Schriftstellerin vor 1936 schrieb, als wesentlich bedeutender als ihr Exilwerk. Die NS-Herrschaft bedeutete das Ende einer vielversprechenden Karriere. [...] Der Rest ist Nachklapp, zumindest was trotz neuer amüsanter Bücher, darunter Das Mädchen, mit dem die anderen [sic!] nicht verkehren durften, Kind aller Länder und D-Zug dritter Klasse das bürgerliche Leben der Irmgard Keun betrifft. [21] Der politischen Dimension der Romane wird also überhaupt keine Bedeutung beigemessen, lediglich das amüsante Element ist erwähnenswert. Nach Mitternacht, das mehrere andere Rezensenten als überaus bedeutsam für die deutsche Literatur bezeichneten, nennt die Autorin dieses Artikels nicht einmal im Zuge der Auflistung des Nachklapp[s]. Vielleicht könnte man der Autorin mildernde Umstände zugestehen, weil sie sich, offensichtlich unter Zeitdruck stehend, nicht genügend mit dem Thema auseinandergesetzt hat, worauf wiederum ihre falsche Bezeichnung des Romans Das Mädchen, mit dem die Kinder [nicht: die anderen] nicht verkehren durften hinweist. Sollte diese Spekulation sich bestätigen, könnte das aber auch heissen, dass Die Zeit Irmgard Keun nur eine untergeordnete Rolle zugewiesen hat.

Dass die Zeitungen sich in den neunziger Jahren überhaupt noch mit Irmgard Keun befassen, zeigt, dass der Schriftstellerin sehr wohl eine gewisse Bedeutung für die deutsche Literatur zugemessen wird. Insbesondere die Frankfurter Rundschau kämpft gegen das Vergessen Keuns. Einen Bezug zur Gegenwart, wie ihn Gert Sautermeister herstellte, spricht allerdings keine Zeitung aus. Am Beispiel der Zeit wird zugleich aber auch deutlich, dass das Werk Keuns leicht verkannt werden kann.

4.4 Literaturgeschichten und Literaturlexika

In Walther Killys Literatur Lexikon findet sich ein ausführlicher Eintrag zu Irmgard Keun und auch zu ihrem Buch Nach Mitternacht, der die Verdienste der Schriftstellerin als sehr hoch einstuft: In den Exilromanen rückt die politische Lebenswirklichkeit zunehmend in den Mittelpunkt. So entlarvt die junge Sanne Moder [...] auf ihre verzweifelt-komische Art die uniformierte Männerherrlichkeit und die menschliche Erbärmlichkeit im Alltag des Dritten Reichs. [...] Die im Exil entstandenen, in Deutschland weitgehend unbekannten Romane K.s trugen massgeblich bei zu der spektakulären Wiederentdeckung der Autorin Anfang der 80er Jahre. Nach Mitternacht gilt heute als einer der grossen Romane über den Alltag im NS-Deutschland. [22]

Ein sehr kurzer Eintrag behandelt Nach Mitternacht im Neue[n] Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945. Der Roman beschreibt den täglichen Faschismus aus der Sicht einer unpolitischen, ratlosen, zwischen die Klassen gefallenen jungen Frau. [23] Dass dieses Lexikon, dessen Erfassungsbereich ja laut Titel auf die Zeit nach Kriegsende begrenzt ist, Nach Mitternacht überhaupt erwähnt, zeugt von der Bedeutung des Buches, die jedoch im Text nicht genügend zum Ausdruck kommt. Die Dimension, die beispielsweise Sautermeister dem Roman zugestand, wird hier nicht aufgezeigt oder nicht gesehen.

Einen zwei Seiten langen Text bietet Metzlers Autoren Lexikon über Irmgard Keun. Um so enttäuschender ist es, dass Nach Mitternacht nur mit einem einzigen, wenngleich positiv urteilenden Satz erwähnt wird: Keun schildert aus der Unmittelbarkeit des eigenen Lebens ein Stück deutsche Wirklichkeit, wie Klaus Mann schon 1937 seine Rezension des Romans Nach Mitternacht (1937) überschrieb, der auf eindrucksvolle Weise das alltägliche Leben in Hitler-Deutschland, die banale Grausamkeit literarisch dokumentiert [...]. [24]

In Viktor Zmegacs Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart findet sich gleich an mehreren Stellen etwas zu Irmgard Keun, darunter auch sehr ausführliche Angaben. Besonders treffend ist auch die Information zu Nach Mitternacht: Der Roman sei authentisch. Aus der entlarvenden common-sense-Perspektive der neunzehnjährigen Ich-Erzählerin Sanna schildert sie insbesondere das im Kleinbürgertum blühende Denunziantentum Sie vergegenwärtigt ferner, wie die von der rauschhaften Theatralik des öffentlichen Lebens überdeckte allgemeine Demoralisiserung auch die bürgerlichen Intellektuellen, die als Auswege nur noch Anpassung oder Selbstmord sehen, erfasst. [25]

Gross ist allerdings auch die Anzahl derjenigen Literaturlexika und Literaturgeschichten, in denen Irmgard Keun nicht eingetragen ist, wie zum Beispiel in Hans Gerd Rötzers Geschichte der deutschen Literatur, obwohl Keun hier thematisch gleich unter mehreren Kapiteln einen angemessenen Platz hätte finden können [26] , in Frenzels Daten deutscher Dichtung [27] und in der Geschichte der Deutschen Literatur von von Saalfeld, Kreidt und Rothe [28] . Auch im dtv-Atlas Deutsche Liter atur sucht man vergebens nach Irmgard Keun, obwohl dort eine Vielzahl von Exilautoren Erwähnung finden [29] .

5. Zusammenfassung

Seit seinem Erscheinen 1937 hat der damals sehr erfolgreiche Roman Nach Mitternacht von Irmgard Keun unterschiedliche Bewertungen erfahren. Literaturkritiker und Autoren in den 30er Jahren, die das Leid des Exils mit Keun teilten, bewerteten den Roman durchweg positiv als effektiven Beitrag gegen den Nationalsozialismus. In der Ausprägung dieser Bewertung gab es Unterschiede: Einige Verfasser sahen in Nach Mitternacht insbesondere eine vorweggenommene historisch-distanzierte Dokumentation des Alltags im Dritten Reich, Klara Blum fasste hingegen das Buch als Beitrag zum aktiven Kampf gegen den Faschismus auf, da Keun die einfachen Frauen zum Widerstand mobilisieren wolle.

In den fünfziger Jahren hatte sich das Meinungsbild ins Gegenteil gekehrt; es kam hier zu seinem Tiefpunkt. Keun und ihrem einst hochgelobten Roman wurde vorgeworfen, nicht direkt genug zu sein und in ihrer Inkonsequenz das Gegenteil seiner eigentlichen Intention hervorzurufen: Die Verschleierung und Verharmlosung des Faschismus in Deutschland. Wolfgang Fabian meinte, Keun habe durch ihren Roman höhnisch den Zeigefinger ausgestreckt und auf die Schuldigen gezeigt, selbst jedoch nichts zur Veränderung der politischen Umstände beigetragen.

Ein Grund für diese zu der zeitgenössischen Rezeption konträre Bewertung könnte sein, dass die Rezensenten das Ausmass der NS-Herrschaft noch nicht abschätzen konnten. Es kam allerdings schlimmer als ein jeder hätte erwarten können, und als das Totschweigen der Ereignisse gebrochen wurde, richtete sich die Wut der Nazi-Gegner und vielleicht auch schon der nächsten Generation auch gegen nicht besonders effektive Kämpfer, so scheint es.

Heute ist Irmgard Keun immer noch umstritten. Während Dorothee Römhild die Vorwürfe der Verschleierung, die in den fünfziger Jahren gegen Keun erhoben wurden, durch eine andere Herangehensweise (die der Gender Studies nämlich) untermauert, findet die Rezeption in Gert Sautermeisters Interpretation 1981 ihren positiven Höhepunkt. Sautermeisters Text ist allerdings offenbar besonders bedeutend, weil er acht Jahre nach seiner Erstveröffentichung erneut publiziert wurde.

Auch die Verfasser und Herausgeber von Literaturgeschichten und Literaturlexika bewerten Keun unterschiedlich. Während man in vielen Nachschlagewerken nach einem Eintrag zu der Autorin und / oder zu ihrem Roman Nach Mitternacht vergeblich sucht, loben andere den Roman als eine[n] der grossen Romane über den Alltag im NS-Deutschland (Killys Literatur Lexikon, a. a. O.).

In der Presse wurde Keun in den neunziger Jahren mehrmals erwähnt. Das ist zwar sicherlich bemerkenswert, doch Anlass war zum einen der Tag, an dem Keun 90 Jahre alt geworden wäre, woraufhin die Zeitungen vor allem biographisch gefärbte Texte abdruckten, zum anderen das Erscheinen der Keun-Biographie von Gabriele Kreis. Es scheint also oft nur das tragische Leben der Irmgard zu interessieren, nicht das literarische Werk.

Eine Tendenz der Bewertung des Romans ist nicht eindeutig auszumachen. Wie am Beispiel Dorothee Römhilds deutlich wurde, hat sich ein einhelliges, lobendes Urteil bis heute nicht durchsetzen können, die Vorwürfe, die in den 50er Jahren gegen den Roman erhoben wurden, werden teilweise bis heute genährt. Der bedeutende Text von Gert Sautermeister sowie Literaturlexika und Literaturgeschichten urteilen, sofern die beiden letztgenannten überhaupt über Irmgard Keun und Nach Mitternacht informieren, aber eher positiv. Bei allen Vorbehalten prognostiziert hat es den Anschein, als setze sich die gute Aufnahme langsam durch. Das sagt jedoch allein nichts über diejenige Rolle aus, die die Schriftstellerin mit ihrem Roman für die breite öffentlichkeit noch spielen wird.

Dennoch steht es um die Anerkennung von Nach Mitternacht nicht zum besten. Zwar ist nicht auszuschliessen, dass Irmgard Keun noch eine anerkanntere Rolle in der deutschen Literatur zugesprochen bekommt, die sich dann auch auf die breite Leserschaft auswirken könnte. Doch zu diesem Durchbruch fehlt noch einiges: Zu viele Literaturwissenschaftler schätzen Keuns schriftstellerisches Werk zu gering. Zur Zeit sieht es jedenfalls danach aus, als ginge es Irmgard Keun und Nach Mitternacht wie dem steinernen Abbild der Schriftstellerin, das die Stadt Köln zu Ehren der Autorin am Ratsturm anbringen liess: Zuerst staunt das Publikum über die neue Figur. Doch im Laufe der Zeit entdeckt man erste Risse, allmählich verfärbt sich der Stein grün, das Profil wird langsam unkenntlich, die Statue gerät schliesslich in Vergessenheit. In ferner, vielleicht auch in naher Zeit wird man vorbeigehen an dieser Figur wie an den meisten anderen, sie nicht zur Kenntnis nehmen, und wenn doch, dann mit Blick auf das Namensschild grübelnd: Keun wer war das denn?

Quellenverzeichnis

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  • Zmegac, Viktor (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bd. III/1: 1918-1945. 2. Auflage, Weinheim 1994.



[1] Vgl.: Steinbach, Dietrich: Zeittafel zu Leben und Werk. In: Keun, Irmgard: Nach Mitternacht. Mit Materialien. Ausgewählt und eingeleitet von Dietrich Steinbach. 1. Auflage, Stuttgart 1999, S. 170.

[2] Vgl.: Steinbach, Dietrich: Nach Mitternacht ein Zeitroman der Literatur des Exils. In: Irmgard Keun: Nach Mitternacht. Mit Materialien. Ausgewählt und eingeleitet von Dietrich Steinbach. 1. Auflage, Stuttgart 1999, S. 139.

[3] Vgl.: Dietrich Steinbach: Zeittafel zu Leben und Werk, S. 170.

[4] Vgl.: Roloff, Gerd: Irmgard Keun Vorläufiges zu Leben und Werk. In: Amsterdamer Beiträge zur Neueren Germanistik. Bd. 6: Zur Exilliteratur in den Niederlanden 1933-1940. Herausgegeben von Hans Würzner. Amsterdam 1977, S. 45-68

[5] Vgl.: Steinbach: Zeittafel zu Leben und Werk.

[6] Vgl.: Internet Movie Data Base (http://www.imdb.com)

[7] Marcuse, Ludwig: Fünf Blicke auf Deutschland. In: Das Wort. Literarische Monatszeitschrift. Heft 7, Moskau 1937, S. 82.

[8] Mann, Klaus: Deutsche Wirklichkeit. In: Keun, Irmgard: Nach Mitternacht. Mit Materialien. Ausgewählt und eingeleitet von Dietrich Steinbach. 1. Auflage, Stuttgart 1999, S. 166-169. Zuerst erschienen in: Die Neue Weltbühne, 23. Jahrgang, 22. 4. 1937, Nr. 17.

[9] Mann, Klaus: Deutsche Wirklichkeit. S.169.

[10] Blum, Klara: Irmgard Keun. In: Internationale Literatur, Jg. 9, 1939, Heft 6

[11] Fabian, Wolfgang: Irmgard Keun: Nach Mitternacht. In: Neues Deutschland (Beilage), 1956, Nr. 270, S.8

[12] Schreck, Irmtraud: Nacht ohne Hoffnung. In: Neue Deutsche Literatur (NDL), 1957, Heft 4, S. 143-146

[13] Sautermeister, Gert:Irmgard Keuns Exilroman Nach Mitternacht. In: Wulf Köpke / Michael Winkler: Exilliteratur 1933-1945. Darmstadt 1989, S. 451-474. Zuerst veröffentlicht in Fritsch, Christian / Winckler, Lutz (Hg.): Faschismuskritik und Deutschlandbild im Exilroman. Berlin 1981, S. 15-35

[14] Römhild, Dorothee: Weibliche Mittäterschaft und Faschismuskritik in Irmgard Keuns Roman Nach Mitternacht. In: Diskussion Deutsch. Zeitschrift für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in Ausbildung und Praxis. 1994, Nr. 136, S. 105-113

[15] Vgl.: Keun, Irmgard: Nach Mitternacht. Mit Materialien. Ausgewählt und eingeleitet von Dietrich Steinbach. 1. Auflage, Stuttgart 1999, S. 57/58.

[16] Hagin, Anna Barbara: Sie war nicht der Typ ihrer Zeit. Spurensuche gegen das Vergessen: Irmgard Keun. In: Frankfurter Rundschau, 28. Januar 1995

[17] Kaltwasser, Ute: Zum Schluss war sie einsam und arm. Schriftstellerin Irmgard Keun wäre 90 geworden. In: Kölner Stadtanzeiger, 6. Februar 1995

[18] Oberembt, Gert: Irmgard Keun, Romanheldin. Eine Biographie der Schriftstellerin. In: Süddeutsche Zeitung, 6./7. Juli 1991

[19] Mozer, Isolde I.: Sie hält es ganz fest in der Hand, ihr kleines Leben. Irmgard Keun wieder lesen: über Schreibfräuleins mit Ambitionen und frühe Girlies. In: Frankfurter Rundschau, 18.11.1997

[20] Weinzierl, Ulrich: Sie wollt stets ein Glanz sein. Eine fast vollständig erfreuliche Irmgard-Keun-Biographie. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. August 1991.

[21] Duhm-Heitzmann, Jutta: Keine von uns. Eine Biographie Irmgard Keuns. In: Die Zeit, 10. April 1992

[22] Killy, Walhter (Hg.): Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Bd. 6, Gütersloh/München 1990.

[23] Moser, Dietz-Rüdiger (Hg.): Neues Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur seit 1945. München 1990.

[24] Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. von Bernd Lutz. Stuttgart/Weimar 1994.

[25] Zmegac, Viktor (Hg.): Geschichte der deutschen Literatur vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bd. III/1: 1918-1945. 2. Auflage, Weinheim 1994, S. 237.

[26] Vgl.: Rötzer, Hans Gerd: Geschichte der deutschen Literatur. Epochen, Autoren, Werke. Bamberg 1992.

[27] Vgl.: Frenzel, Herbert A. und Elisabeth: Daten deutscher Dichtung. Chronologischer Abriss der deutschen Literaturgeschichte. Bd. 2: Vom Realismus bis zur Gegenwart. 25. Auflage, München 1990.

[28] Vgl.: Saalfeld, Lerke von/ Kreidt, Dietrich / Rothe, Friedrich: Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1989.

[29] Vgl.: dtv-Atlas Deutsche Literatur. Hrsg. von Horst Dieter Schlosser. 8. Auflage, München 1999


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