Unterscheidung von Faserarten anhand einfacher Untersuchungsmethoden

übersicht:

Die Griffprobe:

Methode, um Naturfasern voneinander zu unterscheiden:

Die Brennprobe:

Kleine Faserproben werden mit einer Pinzette kurz in die Flamme gehalten und nach dem Entflammen sofort wieder daraus entfernt.
Das Verhalten der Flamme beim Einbringen der Faser (Entflammung), die Art des Verbrennens, der Geruch und der Verbrennungsrückstand werden beobachtet.

Eine Einteilung nach Cellulose-, Eiweiss- und Synthesefasern ist möglich:

Cellulosefasern (Baumwolle, Flachs, Viskose):

Die Fasern entflammen leicht, verbrennen schnell mit heller, leuchtender Flamme.
Es riecht nach verbranntem Papier.
Als Rückstand bleibt eine leicht hellgraue Flugasche

Eiweissfasern (Schafwolle):

Schwere Entflammbarkeit; die Wollfaser weicht bei Annäherung an die Flamme zurück.
Langsames Verbrennen bei kleiner, sehr leicht erlöschender Flamme ist charakteristisch.
Ein Zischlaut ist beim Verbrennen zu hören.
Geruch nach verbrannten Haaren (Horn).
Als Verbrennungsrückstand bleibt eine schwarze, kohlige Masse.

Synthesefasern:

Polyester: Faser weicht schmelzend vor der Flamme zurück und bildet dabei eine Schmelzperle. 
Bei erneuter Annäherung an die Flamme entzündet sich die Faser und verbrennt zu einer hellen glasigen Masse. Diese verhärtet sich beim Abkühlen. 
Ein süsslich-aromatischer und stechender Geruch entsteht.
Polyamid: Gleiches Flamm- und Brennverhalten wie Polyester. 
Aus dem Schmelzrückstand lassen sich im warmen Zustand Fäden ziehen. Beim Erkalten wird er hart, dunkel und glasig. 
Der entstehende Geruch ist süsslich.
Polyacryl: Die Faser zieht sich beim Entflammen schmelzend zusammen und verbrennt zu einer dunklen, schnell erhärtenden Schmelze. 
Der Geruch ist stechend.

Hinweise zur Sicherheit:

Beim Verbrennen können gesundheitsschädliche Dämpfe entstehen (z.B. bei Polyacryl Blausäure). Allerdings sind die Gefahren zu relativieren, da nur mit sehr kleinen Mengen gearbeitet wird.
Arbeit unter dem Abzug!

Schwelprobe - Trockene Destillation:

Die Faserproben werden in einem trockenen Reagenzglas über dem Bunsenbrenner erhitzt. (Abzug!)

Dabei verfärben sich die Fasern dunkelbraun und zersetzten sich in ihre Grundbaustein. In den aufsteigenden Dampf wird ein Indikatorpapier gehalten, das sich charakteristisch verfärbt:

Faserart: pH-Wert:  
Baumwolle 3 sauer
Flachs 3 sauer
Schafwolle 9,5 alkalisch
Viskose 3 sauer
Polyester 3,5 sauer
Polyamid 10 alkalisch
Polyacryl 10 alkalisch


Die Dämpfe der Cellulosefasern reagieren sauer, die der Eiweiss- und Synthesefasern, mit Ausnahme des Polyesters, alkalisch. Alle stickstoffhaltigen Fasern reagieren alkalisch.

Die Laugenprobe:

Dieser Versuch dient als Nachweis für tierische Fasern (Schafwolle und Seide), da diese mit 10%iger Natronlauge reagieren.
Einige 1-2 cm lange Faserteile werden in ein Reagenzglas geschoben, mit einigen Millilitern 10%iger Natronlauge versetzt und über dem Bunsenbrenner erhitzt.
Man beobachtet, dass nur Wolle und Seide sich auflösen.

Die Säureprobe:

Mit diesem Versuch kann Kunstseide (Viskose, Polyamid u.a.) von echter Seide unterschieden werden.
Hierzu gibt man die jeweilige Faserprobe in ein Reagenzglas, beträufelt sie mit einigen Millilitern 96%iger Essigsäure und erhitzt das Ganze über dem Bunsenbrenner.
Echte Seide löst sich im Gegensatz zur Kunstseide nicht auf.

Die Saugprobe:

Die Benetzungsfähigkeit der Textilfasern wird als Unterscheidungskriterium herangezogen.
Zur Versuchsdurchführung wird ein Stück des jeweiligen Gewebes auf ein Haushaltspapier gelegt und mit einem dicken Tropfen Tinte beträufelt.

(Quelle: Pfeiffer 1995, S. 21-23)
 

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