ALKOHOLISMUS

Während Alkoholismus früher als übermässige Aufnahme von Alkohol definiert wurde, unterscheiden neuere Definitionen zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit. Alkoholmissbrauch ist eine über den soziokulturellen Normen liegende oder zu unpassender Gelegenheit (z.B. Teilnahme am Strassenverkehr) erfolgte Alkoholaufnahme. Alkoholabhängigkeit wird dagegen die körperliche oder psychische Abhängigkeit von Alkohol, die sich in Toleranzsteigerung, Entzugserscheinungen, unwiderstehlichem Verlangen nach Alkohol, Kontrollverlust, Chronizität und Progredienz des Leidens sowie psychosozialen Folgen, wie Umweltkonflikten, Persönlichkeitsveränderungen und sozialem Abstieg, äussert, genannt. Darüber hinaus können eine Reihe körperlicher Schäden Folge der Alkoholabhängigkeit sein, z.B.

- Herz: Kreislauf beeinträchtigt

- Leber: Ansammlung von Giften

- Nieren: übermässige Ausscheidung; benötigte Flüssigkeiten werden dem Körper entzogen;

- Gehirn: Gedächtnisverlust; nachteilige Persönlichkeitsveränderungen

- Speiseröhre: Gefahr von Blutungen

- Lunge: 50 % der Tbc-Patienten sind Alkoholiker

- Magen: Verdauung beeinträchtigt

- Bauchspeicheldrüse: teilweise zerstört.

Das Risiko schwerer Organschäden nimmt erheblich zu, wenn Alkohol zusammen mit Medikamenten genommen wird, besonders mit so üblichen Haushaltsmedikamenten wie Schmerztabletten und Allergiemitteln. Bei deren Vermischung wird in vielen Fällen die Wirkung des einen oder des anderen Bestandteils um das Vielfache verstärkt, wenn die falsche Mischung gebraucht wird. Die bereits geschwächte Leber muss dann mit einer Dosis fertig werden, die weit über das hinausgeht, was sie ungefährdet verarbeiten kann, ohne selbst weiteren Schaden zu nehmen.

Trotz der vielfältigen Gefahren des Alkohols und der Tatsache, dass Alkoholismus als Krankheit 1968 in einem Urteil des Bundessozialgerichts als solche anerkannt wurde, gilt Alkohol nicht als Sucht-, sondern nur als Genussmittel, der sich schon in geringen Mengen durch teils erregende, teils dämpfende Effekte auf das Zentralnervensystem und die Psyche auswirkt. Hierin sind auch die Ursachen für Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit zu sehen. Obwohl neuerdings auch genetische oder biochemische Reaktionen als Ursache für erhöhten Alkoholkonsum untersucht werden, muss nach dem heutigen Erkenntnisstand eher davon ausgegangen werden, dass die Ursachen in Persönlichkeitsstörungen und Einflüsse des sozialen und kulturellen Umfeldes zu suchen sind. Dabei wird niermand von heute auf morgen zum Alkoholiker. Bis ein Mensch nicht mehr ohne Alkohol leben kann, braucht es Jahre des übermässigen Alkoholkonsums. Zuerst gewöhnt sich die Psyche an die Alkoholwirkung (z.B. Alkohol als Seelentröster) und nach einer längeren Gewöhnungszeit kommt schliesslich auch der Körper nicht mehr ohne Alkohol aus. Der alkoholkranke Mensch hat die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verloren und ist kaum in der Lage, sich selbst von der Sucht zu befreien. Das Verlangen nach Alkohol bestimmt sein gesamtes Denken und verändert sein Verhalten.

Voraussetzung für den Erfolg einer der vielfältigen Therapiemöglichkeiten ist die Bereitschaft des Kranken, seine Krankheit zu erkennen und zuzugeben. Wer über Monate oder Jahre viel getrunken hat, sollte den Alkohol unter ärztlicher Betreuung in einer Klinik absetzen, weil komplizierte Entzugssymptome auftreten können. Meist sind bereits Herz-Kreislauf-Störungen vorhanden, oder die Leberfunktion ist eingeschränkt. Auftreten können auch Krampfanfälle oder sogar ein Delirium. Solch eine Entgiftung ist nicht schmerzhaft. Sie wird medikamentös gestützt und dauert etwa eine Woche. Nach der Entgiftung beginnt der Hauptteil der Therapie. Um sein Verhalten umzustellen, braucht der Abhängige bei fortgeschrittener Abhängigkeit in der Regel eine mehrere Monate währende vollstationäre Entwöhnungstherapie, die auch unabhängig von einer Entgiftung angewandt werden kann. In der Regel folgt auf den stationären Entzug die ambulante Betreuung durch Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen und um die Gefahr eines Rückfalls einzuschränken auch durch Medikamente bis die Sucht irgendwann unter Kontrolle ist.