Zeitzeugen, Bilder und Dokumente erzählen über Irmgard Keun

(Zusammenfassung der Seiten 29-33 in Beutel/Hagin)

Auf den fünf Briefen auf den Seiten 29 bis 33 des Buches "Zeitzeugen, Bilder und Dokumente erzählen - Irmgard Keun" geht es um die Diskussion, die aufgrund der beiden Bücher Irmgard Keuns, "Gilgi, eine von uns" und "Das kunstseidene Mädchen", entstanden ist.

Vier der fünf Briefe wenden sich jeweils an die Geheime Staatspolizei (Gestapo), der letzte Brief ist von Irmgard Keun selber an das Landgericht Berlin gerichtet.

Im ersten Brief, geschrieben am 11.2.1934, bittet die Polizeiverwaltung Berlin die Gestapo um Mitteilung, was alles über Irmgard Keun und deren Verleger bekannt ist. Indirekt wird die Gestapo aufgefordert, die oben genannten Werke aus den Regalen einer hiesigen Buchhandlung zu nehmen, da sie für ein nationalsozialistisches Volk nicht geeignet sind.

In dem Brief vom 19.9.1934 versucht die "Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums" eine Beschlagnahmung des Buches "Gilgi, eine von uns" in der Leihbibliothek "Figaro" in Berlin durchzusetzen. Der Autor begründet dieses Vorhaben mit der Tatsache, dass in einer Passage des Textes das Ansehen der Postbeamtinnen herabgesetzt wird, da sie mit Prostituierten verglichen werden.

Der nun folgende Brief, der am 1.10.1934 geschrieben wurde, ist eine Reaktion auf den vorangegangenen. Der Präsident der Reichsschrifttumskammer bittet von der Beschlagnahmung des Buches abzusehen. Seiner Meinung nach ist in dieser Textpassage keine Beleidigung des Beamtenstandes zu erkennen.

Im vierten Brief, geschrieben am 15.12.1934 von der Staatspolizeistelle für den Bezirk Oppeln, bittet der Autor um Antwort auf die Frage, ob die vorläufige Beschlagnahmung des Buches "Gilgi, eine von uns" in der Leihbücherei Kreuzburg beibehalten werden soll und ob das Buch in die Verbotsliste aufgenommen werden soll.

In dem abschliessenden Brief vom 29.10.1935 fordert Irmgard Keun Schadensersatz, da ihre beiden Bücher ohne Gerichtsurteil beschlagnahmt wurden. Sie fordert vom Landgericht Berlin einen nicht genannten Geldbetrag, da ihr Monatseinkommen infolge der Beschlagnahmung von mehreren 1000 DM auf weniger als 100 DM sank.