Irmgard Keun Ihre Werke

Entscheidend für ihre schriftstellerische Karriere war die Begegnung mit Alfred Döblin. Seine Ermutigung zum Schreiben war der unmittelbare Impuls für ihre ersten Romane: Gilgi eine von uns (Bln. 1931), der recht schnell eine Auflage von 30.000 Stück erreichte und Das kunstseidene Mädchen (Bln. 1932), der weniger erfolgreich war. Beide Romane wurden 1933 von den Nationalsozialisten auf die Schwarze Liste gesetzt und als Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz bezeichnet. Ihre Romane handeln von vielen historischen Ereignissen, vom Ende des Kaiserreichs bis hin zur Nachkriegszeit. Sie beschreibt in ihren Romanen die Zeitgeschehnisse und Verhältnisse aus der Sicht des einfachen Bürgers. Keun versucht die deutsche Wirklichkeit mit dem eingeschränkten Blickwinkel eines einfachen Bürgers zu beschreiben, dabei wird keine Deutung der politischen und sozialen Struktur hinter dem Alltagsleben versucht. Die naive Sichtweise, die Beobachtungsschärfe sowie der Witz und die Schlagfertigkeit der Ich-Person wirken duch die sprachlichen Gesten wie ein normales Drauflosreden. Gilgi eine von uns: Durch den Titel ist eine Identifikation mit der Person möglich. Gilgi (sowie Doris in dem Roman Das kunstseidene Mädchen) weisen typische Merkmale damaliger Personen auf. Gilgi hält Schönheit und Tüchtigkeit für die wichtigsten Dinge im Leben und stellt ihr Leben dementsprechend um, scheitert am Ende aber kläglich. Die Exilromane: In den Exilromanen wird die politische Lebenswirklichkeit in den Mittelpunkt gerückt. In dem Roman Nach Mitternacht deckt eine junge Frau die Männerherrschaft und die menschliche Erbärmlichkeit im Dritten Reich auf. In dem Roman Kinder aller Länder wird die Situation eines Mädchens im Exil beschrieben, das ohne Pa ss und mit ständigem Wechsel ihres Aufenthaltortes lebt. Viele Romanfiguren haben Ähnlichkeit mit realen Personen aus Keuns Leben.
aus: Walther Killy; Literatur Lexikon