2. Geschichte des Autobahnbaus in Deutschland

2.1. Die ersten Autobahnen in Deutschland

Der Autobahnbau begann nicht, wie vielfach angenommen, in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern schon einige Jahre früher. Die erste "Nur-Kraftwagen-Strasse" plante man bereits im Kaiserreich Deutschland um 1909. Prinz Heinrich von Preussen gründete zu dieser Zeit die "Automobil-Verkehrs- und Uebungsgesellschaft", kurz "AVUS". Das Automobilfahren war damals ein Luxus, der nur den Reichen möglich war, so dass die erste Renn- und Teststrecke noch aus Privatvermögen bezahlt werden musste. Nach 4 Jahren hatte Prinz Heinrich es geschafft, die nötigen finanziellen Mittel zu beschaffen und zwischen 1912 und 1913 wurden in Berlin zwischen der Bahnlinie Halensee-Nikolassee und dem Teltowkanal zwei Spuren der ca.19,5 km langen Strecke fast fertiggestellt. Durch den Ersten Weltkrieg kam das Projekt jedoch in Vergessenheit, bis schliesslich 1920 der bekannte Industrielle Hugo Stinnes, von der unvollendeten Anlage hörte. Kurz entschlossen erwarb er diese und baute sie zu einer 4-spurigen Strecke mit Restaurants, Werkstätten und Tribünen aus. Schon 1921 wurde dann die berühmte Berliner AVUS mit der ersten Automobilausstellung der Nachkriegszeit eröffnet.

Als die Anzahl der Automobile immer grösser wurde, waren die Kommunen und Landesbehörden gezwungen, dem steigenden Verklehr durch entsprechende Strassenbaumassnahmen gerecht zu werden. Am 6. November 1926 wurde die Gesellschaft "HAFRABA"gegründet. Der Name dieser Gesellschaft rührt von ihrem grossen Hauptziel her: eine Autobahn quer durch das Deutsche Reich zu bauen, von den Hansestädten über Frankfurt bis nach Basel. Willy Hof wurde als Geschäftsführer gewählt und unter seiner Leitung plante man den Bau eines umfassenden Autobahnnetzes. Dieses Netz sollte über zwei Nord-Süd-Linien, drei West-Ost-Linien und über eine Diagonale von Hamburg nach Breslau verfügen. Finanziert werden sollte das Projekt von den Mitgliedern der Gesellschaft. Diese Investitionen sollten dann durch eine Mautgebür und durch den Betrieb verschiedenster Restaurants und Tankstellen wieder eingefahren werden. Drei Experten planten zunächst eine "Nur-Autostrasse" durch das Rheintal. 1929 begannen daraufhin die Bauarbeiten im Abschnitt Köln - Bonn. Im Jahre 1932 wurde dann diese erste Autobahn vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer mit den Worten: "So werden die Strassen der Zukunft aussehen" eröffnet (Anhang, Bild 1).

Als dem Reichstag am 4. Juli 1930 die Pläne der HARABA über ein privates Netz von Autobahnen vorlegt wurden, sprachen sich KPD und NSDAP, die zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit im Reichstag hatten, noch dagegen aus und das gesamte Projekt wurde wieder verworfen. Niemand konnte zu dem Zeitpunkt wissen, dass die Autobahn einmal ein gigantisches Bauvorhaben der 1933 an die Macht gekommenen Nationalsozialisten werden sollte, das mit grossem propagandistischen Aufwand umgesetzt wurde.

2.2. Autobahnbau in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1942

Als 1933 Adolf Hitler an die Macht kam und durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 in Deutschland

6 Millionen Menschen ohne Arbeit waren, kamen die Pläne der "HAFRABA" den Nationalsozialisten wie gerufen. Die Autobahnpläne wurden Hitler durch einen Bauunternehmer namens Fritz Todt nähergebracht. Fritz Todt war schon seit 1923 einer der führenden Anhänger der NSDAP und er war begeistert von der Idee, ein ganzes Netz von "Nur-Kraftwagen"- Stra&s zlig;en zu bauen. Er selbst war Mitglied der "HAFRABA" und kannte alle Unterlagen, weil er seinerzeit einen Teil des Autobahnprojektes geplant hatte. Hierbei handelte es sich um eine Autobahn von München an den Chiemsee. Als Todt sein Projekt vorstellte, war Hitler begeistert und im April 1933 bekam Willy Hof, der Geschäftsführer der HFRABA, die Zusage, dass sein gesamtes Autobahnprojekt in die Tat umgesetzt werde. Hitler nahm nun die Autobahn voll und ganz in sein sogenanntes Aufbauprogramm mit auf. Die NSDAP vermarktete die Autobahn zu Propagandazwecken als Idee des Führers und als "Geschenk für das Volk". Im August 1933, nur wenige Monate nach der Machtergreifung Hitlers, wurde dann die "HAFRABA" durch Mitgliederbeschluss zur "GEZUVOR" der Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen. Anfang stand noch Willy Hof als Vorsitzender an ihrer Spitze, als er jedoch merkte, dass seine Ideen und Vorschläge nicht beachtet wurden, trat er enttäuscht zurück und Fritz Todt übernahm die Führung. Als Hitler 1933 durch die sogenannte "Gleichschaltung" die Gewerkschaften abgeschafft hatte und die nationalsozialistische "Deutsche Arbeitsfront" (DAF) gegründet wurde, konnten Arbeiter zwangsweise in jeden Teil Deutschlands geschickt werden. Am 23 September 1933 wurde südlich von Frankfurt am Main durch Hitler der symbolische erste Spatenstich zur ersten "Reichsautobahn" gesetzt. In demagogischer Art und Weise wurde dem deutschen Volk suggeriert, dass der "Führer" die Arbeitslosigkeit mit dem Autobahnbau abschaffen werde und eine friedliche Entwicklung für Deutschland bringe (Anhang, Bild 2). Von nun an entstanden in ganz Deutschland überall dort, wo Autobahnen gebaut wurden, Arbeitslager, in denen die teilweise zwangsverpflichteten Arbeiter unter zum Teil primitivsten Bedingungen und bei minimaler Entlohnung untergebracht waren. In den ersten beiden J ahren des Reichsautobahnbaus wurden aus propagandistischen Gründen nahezu alle Arbeiten von Hand - ohne die auch damals schon verfügbare Grosstechnik - durchgeführt ( Anhang, Bild 3). Doch die Arbeitslosigkeit wurde nicht, wie durch die NSDAP behauptet, durch den Bau der Autobahnen sondern durch die gigantische militärische Aufrüstung und die damit verbundenen Aufträge an die Rüstungs- und Bauindustrie beseitigt. Es waren nie mehr als 130.000 Menschen gleichzeitig am Bau der Autobahnen beteiligt. Legende ist auch, dass die Autobahnen von den Nazis als Militärstrassen für Panzer und andere Kriegsfahrzeuge geplant wurden. Die schweren Panzer hätten die glatten Steigungen nicht geschafft und aufgrund ihres Gewichtes den Beton, der dafür nicht berechnet war, beschädigt. Das Militär riet eigentlich vom Bau der Autobahnen ab, da man befürchtete, Angreifer aus der Luft könnten den hellen Betonstreifenals Orientierung nutzen. Ausserdem liess sich das Kriegsmaterial viel schneller und kostengünstiger mit der Bahn transportieren.

Der Bau der Autobahn wurde ausserordentlich schnell voran getrieben. 1935 war das erste Teilstück von Frankfurt nach Darmstadt fertig, 1936 waren es schon 1000-Reichsautobahn-Kilometer und 1938 sogar schon 3000 km. übrigens war schon in den 30er Jahren eine Autobahn in West-Ost-Richtung quer durch Mecklenburg und Vorpommern geplant, die südlich von Schwerin von der auch damals schon vorgesehenen Autobahn Berlin-Hamburg über Güstrow und Neubrandenburg bis Stettin verlaufen sollte (Anhang, Bild 4).

Zu dieser Zeit wurde der Autobahnbau in Deutschland von anderen Staaten und von der Fachwelt bewundert. In den USA wurden sogar 65.000 km Autobahn nach deutschem Vorbild gebaut.

Als der Verlauf des Zweiten Weltkrieges den Reichsautobahnbau 1942 stoppte, waren ca. 3800 km fertiggestellt. Ein Weiterbau nach einem - wie man damals glaubte - "Endsieg& quot; war geplant und so kam es, dass mitten in der Landschaft Brückenbauwerke ohne Anschluss standen. Das kurz vor Kriegsende vor den Alliierten fliehende Militär versuchte, einen Teil des Autobahnnetzes zu zerstören. Es wurden rücksichtslos nahezu alle Brücken gesprengt, um dem Gegner den Weg abzuschneiden. Ausserdem wurden viele Autobahnkilometer durch Bombenangriffe der Allierten zerstört.

2.3. Autobahnbau in der Bundesrepublik Deutschland bis 1990

Sofort nach dem Sieg über Deutschland begannen die Westallierten mit der Wiederherstellung der Autobahnen. So kam es, dass innerhalb kürzester Zeit und zwar von 1945 bis 1949 alle Brücken, die bei der Flucht der Deutschen gesprengt worden waren, neuaufgebaut und wieder befahrbar gemacht wurden. Grösstenteils wurden in dieser Zeit auch alle Strecken die durch Bombenangriffe oder anderer Kriegseinwirkungen zerstört worden waren, wiederhergestellt. 1948 begann man mit den Planungen eines ersten Autobahnneubaus und zwar von Nürnberg über Würzburg nach Frankfurt. Doch das Gebirge erschwerte die Planungen sehr, denn die Steigungen durften wegen der erwarteten höheren Geschwindigkeiten nicht zu hoch und die Kurvenradien nicht zu eng sein. Nach einem enorm langen Planungsverfahren war eine 215 km lange Trasse gefunden und im Mai 1955 begannen die Bauarbeiten des Abschnitts Stockstadt-Hösbach. Es dauerte weitere 3 Jahre, bis dieser Teilabschnitt eröffnet werden konnte. In den fünfziger Jahren wurden auch in anderen Teilen der Bundesrepublik Autobahnprojekte geplant und gebaut. Eines der wichtigsten war wohl das bereits 1927 entworfene Frankfurter Kreuz. Durch die Kleeblattform war es möglich, kreuzungsfrei die Strecke Hamburg-Basel mit der Strecke Köln-Würzburg zu verbinden.

Um die enormen Kosten zu decken, die der Autobahnbau verursachte, trat im April 1955 das Verkehrsfinanzgesetz in Kraft. In diesem Gesetz wurde festgelegt , dass ein Teil der Mineralölsteuer nur für den Auf- und Ausbau von Autobahnen verwendet werden sollte. Neben dem Neubau von Autobahnen wurde es erforderlich, das gesamte Autobahnnetz der 30erJahre zu erneuern, um dem sprunghaft ansteigenden Automobilverkehr der "Wirtschaftswunder"-Zeit gerecht zu werden. Die Autobahnen wurden noch breiter (von 24 Meter auf 30 Meter), die Steigungen geringer und die Kurvenradien grösser, um höhere Geschwindigkeiten zu ermöglichen. Zwischen 1970 und 1975 wurde dann auch das erste dreispurige Stück Autobahn zwischen Köln und Bonn erbaut . Das Netz der Bundesautobahnen auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland wurde von 2110 km (1949) auf insgesamt 8822 km (1990) befahrbare Strecke erweitert.

2.4. Autobahnbau in der DDR bis 1990

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die Autobahnen in der DDR wegen der mangelnden Wirtschaftskraft weitestgehend unverändert. Die zerstörten Brücken und Teilabschnitte wurden zwar auch hier erneuert, doch einen so umfangreichen Neubau wie in der Bundesrepublik gab es nicht zu verzeichnen. Die Breite der Fahrspuren blieb so, wie sie in den dreissiger Jahren gebaut worden war. Ein Neubau von Autobahnen erfolgte lediglich zwischen Berlin und Rostock (A 19) und zwischen der A 19 und Hamburg (A 24), wodurch die Verbindung von Berlin nach Hamburg hergestellt wurde. Die A 24 wurde von der Bundesrepublik gefordert und auch von ihr finanziert, denn wegen der Teilung Berlins wollte man die Versorgung Westberlins und den Personenverkehr mit Kraftfahrzeugen erleichtern.

Insgesamt befanden sich die meisten Autobahnen auf dem Gebiet der DDR zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung in einem vergleichsweise schlechten baulichen Zustand. Nach den vierzig Jahren, in denen an den Autobahnen der DDR nicht sehr viel verändert worden war, konnten diese dem grossen Verkehrsaufkommen, das in Folge der Wiedervereinigung entstanden war, nicht mehr Stand halten und eine umfangreiche Erneuerung und Verbesserung wurde notwendig. Dies setzte man dann mit den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit in die Tat um.

Erstellt von Robert Pitschmann (ComanBlair) am 16.04.98

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