KaDeWe: Seit 90 Jahren einkaufen wie im Paradies

Von Corinna Matthies

Es gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor, die Gedächtniskirche oder der Fernsehturm. Es wurde mehrfach "geliftet" und wird täglich von rund 80 000 Menschen besucht: das Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe. In diesen Tagen feierte das Traditionshaus am Tauentzien seinen 90. Geburtstag.

"Seit der Eröffnung am 27. März 1907 durch den Kommerzienrat Adolf Jandorf hat sich viel verändert. Damals waren Schöneberg und Charlottenburg noch selbständige Städte, viele Berliner kauften vor allem bei Wertheim an der Leipziger Strasse", erzählt Wilhelm Stratmann, Verkaufsdirektor vom KaDeWe. Mit ihm stiessen gestern neben anderen Schauspielerin Lotti Huber und ihr Kollege Friedrich Schönfelder auf den "Runden" an.

Bei der Eröffnung lag der von Architekt Emil Schaudt geplante Einkaufstempel mit 24 000 Quadratmetern Verkaufsfläche noch am Rande des vornehmen Westens der Stadt. Doch schnell avancierte das Warenhaus nach amerikanischem Vorbild und einem riesigen Sortiment von der Stecknadel über das Modellkleid bis hin zu Kaviar und Champagner zur ersten Berliner-Shopping-Adresse. Das Geheimnis: Das KaDeWe verfügte vom Start weg über Einrichtungen, die erst viel später in anderen Warenhäusern auftauchten. So gab es einen Frisiersalon, eine Bank, einen Erfrischungsraum, einen Tee- und Lesesalon sowie einen Masssalon für feine Damengarderobe. 1927 wurde das KaDeWe in das Hertie-Unternehmen eingegliedert. Dann kam der Krieg. 1943 stürzte ein US-Flugzeug in den Lichthof, das Haus wurde fast völlig zerstört.

Nach dem Krieg, die umliegenden Häuser am Wittenbergplatz lagen noch in Schutt und Asche, setzte das KaDeWe ein Zeichen für den Aufbauwillen der Berliner. Zur Neueröffnung der ersten zwei Etagen am 3.Juli 1950 kamen 180 000 Kunden. Die Frauen seien wie Raubtiere über die Ladentische hergefallen, berichtete die Lokalpresse. Sechs Jahre später begann der Verkauf in der Lebensmittelabteilung. Mit der Inbetriebnahme der inzwischen als Schlemmerparadies international bekannt gewordenen 6.Etage war der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen.

1976-1978 wurde das Haus erneut umgebaut und auf 44 000 Quadratmeter erweitert. Die dritte und bislang grösste Modernisierungswelle begann 1991. Das Gebäude wurde um ein Glaskuppel-Restaurant (7.Etage) erweitert. Bis September 1996 wuchs die Verkaufsfläche damit auf 60 000 Quadratmeter.

Heute ist das KaDeWe das grösste Warenhaus auf dem europäischen Kontinent. über 380 000 verschiedene Artikel werden den täglich rund 80 000 Kunden aus aller Welt angeboten. Bei soviel Zuspruch kann der 100. Geburtstag ruhig kommen.


09. April 1997

©Berliner Morgenpost 1997