MARLENE

MEIK`S TRIBUTE TO THE GODDESS OF THE CENTURY

Einleitung:

Es ist beinahe unmöglich, die Wirkung Marlene Dietrichs auf das Publikum des 20. Jahrhunderts zu beschreiben. Ohne Zweifel war ihr einzigartiger Stil nicht nur von ihrem atemberaubenden Aussehen geprägt. Ihr fesselnde Erotik und der gleichzeitig distanziert-kühle Glamour, das faszinierende Gesicht und die aussergewöhnliche Stimme machten sie zu einem der grössten Stars des Jahrhunderts.

Marlene hatte den Ruf, ausserordentlich sexy zu sein, aber sie war viel zu intelligent, um ein einfaches "Sexobjekt" zu sein. Sie lebt in unserer Erinnerung als Leinwandgöttin, Ikone und Legende weiter. Nach Marlenes Tod schrieb Elfriede Jelinek: "Diese Frau wurde nicht vom Blick geschaffen, so wie jeder-sie-haben-will, eine für viele, sondern sie taucht auf, wird gezeigt, ihre Flügel heben sich, und, tatsächlich, sie schaut zurück!"

Diese Webseite versucht nicht, eine tiefgreifende Biographie darzustellen. Diese Homepage ist eine Hommage an die Frau, deren Mythos mich vor einigen Jahren, im Alter von 15, packte.

Ihre Filme, ihre Songs und ihr politisches Engagement gegen Hitler haben Marlene unsterblich gemacht. Sie überwand alle Grenzen, die die Gesellschaft so eng um Sprachen, Nationen und auch um die Rollen der Geschlechter gezogen hat. Kenneth Tynan schrieb: "Sie hat Sex, aber kein bestimmtes Geschlecht". Marlene war unvergleichl ich und es wird nie wieder eine solche Persönlichkeit geben.

Die Biographie der Dietrich (1901 - 1992)

Als Marlene Dietrich im Mai 1992 starb, verlor die Welt die schillerndste Ikone der Filmgeschichte. Schon lange vor ihrem Tod wurde die Dietrich zur Legende. Sie wollte uns immer glauben machen, Der blaue Engel (1929/30) wäre ihr erster Film gewesen. Doch bevor sie "Lola Lola" in einem der berühmtesten Filme aller Zeiten spielte, trat sie von 1922 bis 1929 in 17 Stummfilmen auf.

1. BERLIN - DIE ANFÄNGE
Es kann keine Legende ohne Ursprung geben: Marie Magdalene Dietrich wurde am 27. Dezember 1901 in Schöneberg geboren (als sie US-Staatsbürgerin wurde, machte sie sich selbst um 3 Jahre jünger). Ihre Mutter Wilhelmina Elisabeth Josephine Dietrich, geborene Felsing, war die Tochter eines Juweliers; ihr Vater Louis Erich Otto Dietrich war Offizier. Marie Magdalene war das zweite Kind der Dietrichs, ihre erste Tochter Elisabeth wurde 1900 geboren. 1907 starb Maries Vater. Einige Jahre später heiratet die junge Witwe Dietrich Eduard von Losch, der während des 1. Weltkriegs starb. Nach dem 1. Weltkrieg nannte Marie Magdalene sich bereits "Marlene". Sie begann, Violine in Weimar zu studieren, beendete diese Ausbildung allerdings nie.

In den frühen 20er Jahren wurde Marlene Schülerin des Max-Reinhardt-Seminars. Ab 1922 trat sie in zahlreichen Theaterproduktionen auf. Sie spielte ihre erste Nebenrolle in Der grosse Bariton im Theater am Kurfürstendamm und bekam Parts in Die Büchse der Pandora und Der Widerspenstigen Zähmung. Im selben Jahr - 1922 - spielte die Dietrich ihre ersten Filmrollen: Sie bekam Nebenrollen in den Stummfilmen So sind die Männer und Tragödie der Liebe. Am 17. Mai 1923 heiratete sie Rudolf Sieber und im Dezember 1924 kam ihre Tochter Maria zur Welt. Obwohl jeder von den beiden sein eigenes Leben mit eigenen Affären führte, blieben Marlene und Rudolf Ehepa rtner und gute Freunde, bis "Rudi" 1976 starb.

II. DER LIEBLING VON BERLIN
Nachdem sie 1926 bedeutende Bühnenrollen in der Komödie Duell am Lido und in der Revue Von Mund zu Mund gespielt hatte, wurde sie zum Liebling von Berlin. 1927 hatte Marlene ein Engagement in Wien. Sie spielte im "Theater in der Josefstadt" und in den "Wiener Kammerspielen" und drehte ihren ersten wichtigen Stummfilm Café Elektric. Danach kehrte sie nach Berlin zurück und spielte die Hauptrollen in den Stummfilmen Ich küsse Ihre Hand Madame, Die Frau nach der man sich sehnt, Das Schiff der verlorenen Menschen und Gefahren der Brautzeit. Auf der Bühne spielte Marlene Hauptrollen in Mischa Spolianksys Revue Es liegt in der Luft (1928, für diese Revue nahm sie ihre ersten beiden Songs auf Platte auf, einer davon war ein ganz offensichtlich lesbisches Duett mit Margo Lion, die zu jener Zeit ein beliebter Star in Berlin war) und in Georg Kaisers Zwei Krawatten.

III. DER BLAUE ENGEL
Im August 1929 kam der Filmregisseur Josef von Sternberg, ein gebürtiger österreicher jüdischer Abstammung, von Hollywood nach Berlin, um einen Film mit Emil Jannings, basierend auf Heinrich Manns "Professor Unrath", zu drehen. Von Sternberg war noch auf der Suche nach der weiblichen Hauptdarstellerin. Eines Abends, als er eine Vorstellung der Revue Zwei Krawatten besuchte, wurde er auf Marlene aufmerksam. Er wollte sie für seinen Film haben. - Im November 1929 begannen die Dreharbeiten zu dem Film Der blaue Engel. Marlene Dietrich spielte "Lola Lola", die skandalöse Nachtclubsängerin in einem der ersten deutschen Tonfilme. Komponist der Dietrich-Songs für diesen Film war Friedrich Holländer. Der blaue Engel, immer noch bewundert und einer der zeitlosesten Filmklassiker aller Zeiten, war der Beginn von Marlenes Weltkarriere. Paramount und von Sternberg wollten den neuen Superstar in Hollywood. Marlene folgte ihrem Ruf...

IV. HOLLYWOOD - DIE MAGISCHEN JAHRE
Im April 1930 kam Marlene per Schiff in New York an. Direkt nach ihrer Ankunft in Hollywood drehte ihr "Svengali" Josef von Sternberg mit ihr einen Marlene Dietrich Trailer, um sie dem amerikanischen Publikum vorzustellen. Was folgte, war die faszinierendste Zusammenarbeit der gesamten Filmgeschichte: Die Dietrich und von Sternberg drehten zusammen sechs Filme in Hollywood, jeder dieser Filme wurde einzigartig und unvergleichlich. Diese Filme machten aus Marlene eine Legende und aus Josef von Sternberg ein Enigma. Der erste dieser Filme war Morocco (Marokko) und wurde im Sommer 1930 gedreht. Die Premiere von Morocco fand im November 1930 statt. In diesem unsterblichen Filmklassiker trat die Dietrich mit Frack und Zylinder auf, was damals eine Sensation war. Dieses androgyne Erscheinungsbild wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Dietrich-Images. Zwei Jahrzehnte später schrieb Kenneth Tynan: "Sie hat die Gebärden eines Mannes, die Charaktere, die sie spielt, lieben die Macht und tragen Hosen. Marlenes Männlichkeit wirkt auf Frauen und ihre sexuelle Ausstrahlung wirkt auf Männer." Nach Morocco und ihrem nächsten Film Dishonored (Entehrt/X 27, 1931), in dem sie eine österreichische Spionin während des 1. Weltkrieges darstellte, war der "Dietrich-Charakter" gefestigt: Die einsame femme fatale, deren Vergangenheit sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Die Frauen, die Marlene darstellte, waren intelligent und unabhängig (wie Marlene auch privat war).

In ihrem nächsten Film Shanghai Express (Schanghai-Express, 1932) zeigte sie erneut eine Variation des "Dietrich-Charakters": Marlene spielte eine berüchtigte Prostituierte, die während des chinesischen Bürgerkrieges von Peking nach Shanghai flieht. Shanghai Express war der erfolgreichste Dietrich/von-Sternberg-Film. Nun war Marlene Hollywoods führende Beherrscherin der Begierde, eine Ikone voll Stil, Geheimnis und Ausstrahlung. Ihr vierter US-Film wurde zu einem der merkwü rdigsten Filme in Marlenes gesamter Karriere: Blonde Venus (Die blonde Venus, 1932). Wieder trug sie Frack und Zylinder, diesmal in weiss. Marlene selbst hatte die Idee für die Handlung dieses Films: Blonde Venus ist der einzige Film, in dem Marlene je eine Mutter spielte (mit der einzigen Ausnahme von The Lady is Willing zehn Jahre später, wo sie das Kind allerdings erst adoptieren musste). Blonde Venus wurde vor allem wegen seiner einzigartigen Nachtclubszene unsterblich: In einer dieser Szenen schlüpft Marlene aus einem Gorilla-Kostüm und singt "Hot Voodoo".

Song of Songs (Das Hohelied, 1933) war Marlenes erster Tonfilm, bei dem nicht Josef von Sternberg Regie führte: Regisseur dieses ungewöhnlichen Films war Rouben Mamoulian. In Deutschland wurde der Film verboten, weil er angeblich "undeutsch" war. Trotzdem wollte Göbbels Marlene "heim ins Reich" holen und machte ihr im Laufe der 30er Jahre mehrere diesbezügliche Angebote. Natürlich schlug die Dietrich alle Angebote der Nazis aus. 1934 war Josef von Sternberg wieder Marlenes Regisseur: The Scarlet Empress (Die scharlachrote Kaiserin/Die grosse Zarin) wurde zum wohl aussergewöhnlichsten Historiendrama aller Zeiten. Marlene spielte darin die deutsche Prinzessin Sophie-Frederike, die in Russland zu Katharina der Grossen wurde. Der letzte Dietrich/von-Sternberg-Film war The Devil is a Woman (Der Teufel ist eine Frau/Die spanische Tänzerin, 1935). Marlene spielte eine spanische Tänzerin namens Concha Perez, aber die Rolle entsprach ihrem Charakter ganz und gar nicht. Merkwürdigerweise bezeichnete sie ausgerechnet The Devil is a Woman als ihren Lieblingsfilm.

V. TRILBY OHNE SVENGALI
Nachh ihren ersten sieben Filmen, die ausschliesslich Dramen waren, hatte die Dietrich Gelegenheit, ihr Talent für Komik unter Beweis zu stellen: Frank Borzage war Regisseur der von Ernst Lubitsch produzierten, intelligenten Gaunerkomödie Desire (Sehnsuc ht/Perlen zum Glück, 1936). Marlene spielte darin eine glamouröse Juwelendiebin, die das Herz Gary Coopers gewinnt. Sie bewies in diesem Film, dass sie auch ohne ihren "Svengali" Josef von Sternberg grossartig war. The Garden of Allah (Der Garten Allahs, 1936) war Marlenes erster Farbfilm. Regie führte Richard Boleslawski, Produzent war David O. Selznick. Marlene war faszinierend wie immer, aber der Film war nichts anderes als kitschig. Marlene spielte eine traurige Frau mit dem furchtbaren Namen Domini Enfilden, die in die Wüste geht, um zu sich selbst zu finden. Dort verliebt sie sich in Boris (Charles Boyer), ohne zu wissen, dass er ein geflohener Mönch ist... Zu dieser Zeit war Marlene die höchstbezahlte Schauspielerin der Welt. Ihr nächster Film Knight Without Armour (Tatjana, 1937) wurde in England gedreht. Zurück in Hollywood, spielte Marlene eine ihrer besten Rollen in Ernst Lubitschs melancholischem Film Angel (Engel, 1937). Marlene stellte Lady Maria Barker dar, die sich einen One-Night-Stand in Paris genehmigt. Kurz darauf kommt jener Auserwählte zu ihr nachhause - er ist ein alter Freund ihres Ehemannes. - Obwohl Marlenes Darstellung brilliant war, wurde Angel kein Erfolg und im Mai 1938 druckte der Hollywood Reporter eine rotgerahmte Anzeige, die Hollywoods berühmteste Schauspielerinnen "Kassengift" nannte: Joan Crawford, Bette Davis, Greta Garbo, Katherine Hepburn und - Marlene Dietrich!

Aber 1939 feierte Marlene ein sensationelles Comeback mit Destry Rides Again (Der grosse Bluff, 1939). Regisseur war George Marshall, Produzent war Jö Pasternak. Der grossartige Western verlieh MD ein völlig neues Image: Jetzt war sie nicht mehr die distanzierte, unnahbare, kühle Venus, sondern die rauhe Saloonsängerin, die lauthals nach den "Jungs im Hinterzimmer" fragt. Publikum und Presse waren erstaunt. Das war eine völlig ungeahnte Facette von Marlene Dietrich. - Es war im selben Jahr - 1939 -, als Marle ne die US-Staatsbürgerschaft annahm. Die deutsche Presse nannte sie fortan "Vaterlandsverräterin". Zu jener Zeit nahm sie auch eine Reihe unsterblicher Songs auf, wie "You Go To My Head", eine sehr sinnliche und fast sentimentale Version von "Falling in Love Again" sowie Cole Porter´s Klassiker "You Do Something To Me".

Seven Sinners (Das Haus der sieben Sünden, 1940) war ihr nächster Film. Regie führte Tay Garnett. In diesem Film trug Marlene die Uniform der Navy und sang "You Can Bet Your Life the Man´s in the Navy". Nach Seven Sinners trat die Dietrich in einer Reihe von Filmen auf, die mit ihren Filmen aus den 30er Jahren in keiner Weise mithalten konnten: The Flame of New Orleans (Die Abenteurerin, 1941), Manpower (Herzen in Flammen, 1941), The Lady is Willing (1942), The Spoilers (Die Freibeuterin, 1942) und Pittsburgh (1942).

VI. LILI MARLENE - DER 2. WELTKRIEG
Die Dietrich fühlt sich mitverantwortlich für das, was Hitler der Welt antat. Schliesslich war sie selbst Deutsche. Sie entschloss sich, aktiv im Kampf gegen Hitler mitzuhelfen. Ihre Arbeit mit der U.S.O. führte sie nach Nordafrika, Italien und zu vielen anderen Schauplätzen dieses sinnlosen, grausames Krieges. Sie unterhielt die amerikanischen Truppen, verbrachte viel Zeit mit ihnen an der Front und riskierte ihr eigenes Leben. Sie half auch in den Hospitals und machte Radiosendungen. Damals nahm sie auch ihr berühmtes Lied "Lili Marleen", das sie bis zu ihrem Lebensende begleiten würde, in ihr Repertoire auf. Für ihre Tapferkeit während ihrer Arbeit mit der U.S.O. bekam sie Auszeichnungen von den USA, Frankreich und Israel.

VII. DIE NACHKRIEGSJAHRE
1946 drehte Marlene ihren ersten Nachkriegsfilm: Martin Roumagnac (1946) war ein französischer Kriminalfilm, bei dem George Lacombe Regie führte. Marlenes Co-Star war Jean Gabin, den sie "die Liebe meines Lebens" nannte. Der Film wurde zum absoluten Flop. Marlene kehrte zurück nach Hollywood. Sie spielte eine Zigeunerin in Mitchell Leisens Golden Earrings (Goldene Ohrringe, 1947). Obwohl Golden Earrings kein Meisterwerk ist, so ist der Film doch sehr sehenswert und Marlene hatte ganz offensichtlich Spass an ihrer Rolle der verführerischen Zigeunerin Lydia. 1948 zeigte MD dann wieder allen, was in ihr steckte: In Billy Wilders grandioser, sarkastischer Komödie A Foreign Affair (Eine auswärtige Angelegenheit/Eine auswärtige Affäre) spielte sie "in den Ruinen von Berlin" eine dubiose Nachtclubdame mit Nazi-Vergangenheit. Für Billy Wilder war es nicht einfach, die überzeugte Antifaschistin Marlene für diesen Part zu gewinnen. In A Foreign Affair gab die Dietrich drei Songs zum Besten: "Illusions", "In the Ruins of Berlin" und - am grossartigsten von allen "Black Market". Im selben Jahr wurde Marlene zur "glamourösesten Grossmutter der Welt", als ihre Tochter Maria ihren ersten von vier Söhnen zur Welt brachte.

Der nächste grossartige Dietrich-Film war Stage Fright (Die rote Lola, 1949/50). Regie führte Alfred Hitchcock. Marlene spielte in diesem Kriminalfilm eine äusserst suspekte Theaterschauspielerin. In Stage Fright hatte sie auch wieder Gelegenheit zu singen, neben Cole Porters Songs "The Laziest Gal in Town" auch eine neue Erkennungsmelodie, "La vie en rose". Hitchcock nannte Marlene einen "absoluten Profi". Er erlaubt ihr sogar, Anweisungen auf dem Set zu geben, was für Hitchcock mehr als ungewöhnlich war. Dietrichs nächster Film No Highway in the Sky (Die Reise ins Ungewisse, 1951) wurde - wie auch Stage Fright - in England gedreht. Marlene kehrte wieder nach Amerika zurück. Im November 1951 nahm sie ihre erste Langspielplatte für die Columbia in New York auf. Das Album hiess "Marlene Dietrich Overseas". Marlene nahm 12 Songs in deutscher Sprache auf, unter anderem "Sei lieb zu mir", "Sag mir Adieu" und "Ach, Fräulein Annie wohnt schon lang nicht hie r". Manche Kritiker nennen diese "Overseas"-Aufnahmen heute noch "Marlenes bestes Album". - Dietrichs nächster Film Rancho Notorious (Engel der Gejagten, 1952) war - in ihren eigenen Worten - ein sehr schlechter Film. Marlenes Zeit als Filmgöttin war vorbei. Eine Veränderung war überfällig. Marlene Dietrich beschloss, wieder auf die Bühne zu gehen!

VIII. EIN NEUES ABENTEUER
Im Dezember 1953 trat MD zum ersten Mal in ihrer neuen Karriere als Diseuse im Hotel Sahara in Las Vegas auf. Der Erfolg war erwartungsgemäss überwältigend. Im Juni 1954 trat sie im legendären "Café de Paris" in London auf. Ihr Freund Sir Nöl Coward schrieb eigens ein Gedicht für diesen Anlass. Marlenes tiefe, verrauchte Stimme und ihre aussergewöhnlichen Roben sorgten in aller Welt für Schlagzeilen. Bevor sie den Rest der Welt mit ihrer einzigartigen Bühnenshow für sich einnahm, drehte sie noche einige Filme: in Around the World in 80 Days (In achtzig Tagen um die Welt, 1956) trat sie als Gaststar auf, in The Monte Carlo Story (Die Monte-Carlo-Story, 1956/57), gedreht in Italien, spielte sie eine Zockerin. Ihr Filmpartner war Vittorio de Sica, aber trotz der beiden klangvollen Namen wurde der Film langweilig. Dafür waren Marlenes folgende Filmrollen umso faszinierender: In Orson Welles` grossartigem film noir Toch of Evil (Im Zeichen des Bösen, 1957/58) stellte sie eine zigarrenrauchende, mexikanische Puffmutter dar. Dies war eine von Marlenes eigenen Lieblingsrollen. Nachdem sie mit ihrem Freund Welles zusammengearbeitet hatte, drehte sie einen Film mit einem anderen alten Freund: Billy Wilder, den sie bereits seit den 20er Jahren kannte und mit dem sie 10 Jahre zuvor A Foreign Affair gedreht hatte, war Regisseur von Witness for the Prosecution (Zeugin der Anklage, 1957/58). Marlenes glänzende Darstellung der Christine Vole in diesem Klassiker des Gerichtssaalthrillers war eine ihrer grössten Charakterrollen.

IX. DIE SINGENDE LEGEND
1959 gab Marlene eine Reihe von Konzerten in Südamerika. In Rio de Janeiro wurde sie von 25.000 Fans stürmisch begrüsst, als sie am Flughafen ankam. Der Enthusiasmus der Cariocas war überwältigend. Marlene nahm hier auch ihre berühmte LP "Dietrich in Rio" auf. Sie wiederholte ihre Südamerika-Triumphe im "Theatre de l´Etoile" in Paris kurz darauf. Ein Kritiker schrieb: "Marlene hat Paris zur Kapitulation gebracht". 1960 riskierte sie es sogar, für eine Reihe von Konzerten nach Deutschland zurückzukehren. Viele Deutsche schimpften sie immer noch "Vaterlandsverräterin" und wollten nicht, dass Marlene in Deutschland singt. Doch schliesslich gewann die Dietrich, wie sie es immer tat und beendete ihre Tournee mit triumphalen 62 Vorhängen in München. Die Welt liebte Marlenes heisere Stimme, ihre unvergesslichen Konzerte - ob in Jerusalem oder Kopenhagen, "standing ovations" waren obligatorisch.

1961 spielte die Dietrich ihre letzte grosse Filmrolle als Generalswitwe in Stanley Kramers Judgment at Nuremberg (Das Urteil von Nürnberg, 1961), eine Rekonstruktion der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. 1962 sprach sie den Kommentar zu The Black Fox, einer Dokumenation, die Adolf Hitlers Biographie mit Göthes Erzählung vom "Reineke Fuchs" verband. Danach kehrte Marlene den Filmstudios den Rücken zu (sie trat nur noch zweimal im Film auf, als Gaststar in Paris When It Sizzles/Zusammen in Paris, 1964 und in ihrem letzten Film Just a Gigolo, 1978). Jetzt war ihre Arbeit als Diseuse ihre Hauptkarriere. Und in den frühen 60er Jahren veränderte sie ihre Konzerte ganz entscheidend: Erotik und Sex spielten fast keine Rolle mehr, der Hauptteil ihrer Konzerte war jetzt sehr ernst. "Lili Marlene" gehört ihr schon seit den frühen 40er Jahren, aber nun erweiterte sie ihr Repertoire um neue Antikriegs- und Protestsongs, zum Beispiel Bob Dylans "B lowin´ in the Wind", Charles Meerewoods "White Grass" und - am berühmtesten - Pete Seegers "Where Have All the Flowers Gone". Sie sang noch weitere sehr ernste Songs wie Gilbert Beceauds "Marie Marie" oder das hebräische Klagelied "Shir Hatan".

X. DIE KöNIGIN DER WELT
Jetzt gehörte ihr die ganze Welt. Bis 1975 tourte Marlene durch alle Kontinente. Einige besondere Höhepunkte waren ihre Konzerte in Warschau, Moskau und Leningrad im Jahr 1964, ihre Auftritte in Jerusalem und Tel Aviv 1960 und 1966, ihre Broadway-Triumphe 1967 und 1968, sowie ihre Japan-Konzerte im Jahr 1974. Im Jahr 1972 liess MD im New London Theatre ein Konzert für das Fernsehen aufzeichnen. Titel des TV-Specials war Marlene Dietrich: I Wish You Love. Nachdem er dieses Konzert gesehen hatte, schrieb Cecil Beaton: "Die alte Kämpferin ändert ihre Tricks nie, weil sie weiss, dass sie wirken, und weil sie sie selbst erfunden hat." Aber im September 1975 stürzte die "alte Kämpferin" auf der Bühne in Sydney, Australien, und brach sich einen Oberschenkel. Dies bedeutet das Ende ihrer Bühnenkarriere. Sie lebte jetzt ziemlich einsam in Paris, die meisten Freunde waren verstorben oder sie lebten nicht mehr lange: Ernest Hemingway, Edith Piaf, Erich-Maria Remarque, Jean Cocteau, Sir Nöl Coward... - 1978 spielte die Dietrich ihre letzte Filmrolle in David Hemming´ Just a Gigolo mit David Bowie.

XI. PARIS - DIE LETZTEN JAHRE
Nach Abschluss der Dreharbeiten zu Just a Gigolo wollte MD nicht mehr fotografiert werden. Der Grund war nicht, dass Marlene nicht mit dem Alterungsprozess zurecht kam, sie wollte nur die Legende, die ihr Leben war, nicht zerstören. 1982 hatte Maximilian Schell die Gelegenheit, Marlene an 6 Nachmittagen zu interviewen. Er verwendete Teile dieses 18-Stunden-Gesprächs für seine gefeierte Dokumentation Marlene: A Feature, die 1984 zum internationalen Erfolg wurde. Auf die Frage, warum sie sich nicht mehr fotografieren lassen wolle, antwortete die Dietrich: "Weil ich es nicht will! Tempi passati... Man hat mich zu Tode fotografiert". Nun, das war ihre Version. In Wahrheit aber war sie zur Unsterblichkeit fotografiert worden. Marlene: A Feature verbindet Ausschnitte aus ihren Filmen, Konzerten und Nachrichtenberichten aus aller Welt mit ihren Kommentaren von den Tonbändern, teils sentimental, teils sarkastisch. Diese Collage wurde zu einer faszinierenden Billanz des Mythos Marlene.

Am 6. Mai 1992 starb MD in ihrer Pariser Wohnung. Und doch: Sie bleibt unsterblich. Denn blaue Engel sterben nie...

Quelle: http://www.ivnet.co.at/streif/index.htm - nicht mehr auffindbar