Der Buchbinder / Das Scriptorium

von Carina (9a, 1996) und Kerrin (7a, 2002)

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Foto: Helmut Jahn (1996), Norbert Flörken (2002)

Carina:

Mit "Gott zum Grusse" wurde man an jedem der Stände, die liebevoll im mittelalterlichen Stil aufgebaut wurden, empfangen. An den vielen verschieden Ständen wurden Berufe wie z.B. die des Schmiedes oder des Steinhauers dargestellt und deren Arbeiten auch verkauft. Für Essen und Trinken auf mittelalterliche Weise wurde auch gesorgt, und die gute alte Deutsche Mark wurde als Silberling bezeichnet.

Auch bei der Buchbinderin gab es viel zu sehen und zu lernen. Dort hat man über den Beruf selber vieles erfahren und erklärt bekommen, wie man früher Papier hergestellt hat und daraus später Bücher gemacht hat.

Wie die Buchbinderin erklärt hat, wurde die alte Leibwäsche solange getragen, bis sie einem regelrecht vom Körper fielen. Diese Fetzen wurden dann gesammelt und zerkleinert in Wasser aufgelöst. War alles in einzelne Fasern aufgelöst, wurde mit einem Stab umgerührt, um die Fasern im leichteren Wasser zu verteilen. Dadurch kann man sie mit einem Fasersieb, auf dem ein Rahmen aufgesetzt ist, herausfischen. Nachdem das Wasser durch das Sieb geflossen ist und nur die Fasern übrig geblieben sind, wird der aufgesetzte Rahmen abgenommen, und man sieht, dass der Rahmen für die Form des späteren Blattes benötigt wurde.

Auf ein Stück Wolle wird das Ganze dann abgerollt und aufgehangen, wenn es trocken genug ist, um es abzuziehen. Ist das Papier getrocknet, wird es in der Hälfte geknickt und mit einem Stück Tierknochen glatt gestrichen. Die Hälften Papier werden dann zu einem Buch geheftet. Das ganze funktioniert so, dass man die Papiere an einen Heftstuhl legt und mit einer bestimmten Stechart mit Faden und Nadel zusammenfügt. Dabei wird um einen dickeren Streifen am Rücken des späteren Buches gestochen. Diesen Streifen kann man später wieder herausziehen oder bei dicken Büchern zur Unterstützung darin lassen.

Im Mittelalter war ein Buch etwas sehr Wertvolles, da nicht viele Menschen lesen und schreiben konnten. Deshalb hat man die Bücher eingebunden, damit sie beim ständigen Anfassen nicht verschleißen. Das einbindende Material war Leder, welches mit einem Kleber befestigt wurde, der aus Tierinnereien und Knochen bestand. Da es trotzdem passierte, dass Bücher sich nach außen wölbten und einzelne Blätter ausrissen, wurde das Leder um das Buch geschlagen und an der Vorderseite befestigt. Damit war ein Buch mit viel Mühe und Not fertiggestellt und konnte verkauft werden.

Die häufigste Berufskrankheit der Buchbinder war übrigens, dass Fingernägel ausfallen oder abfaulen. Nach dieser kleinen Einführung in die Arbeit eines Buchbinders verabschiedete man sich mit einem "Gehabt euch wohl" und konnte sich zu einem anderen Stand und damit zu einem neuen Beruf begeben.

Kerrin:

Im Scriptorium werden alle Schriftarten gezeigt, und wie sie entstehen. Die Pergamentblätter werden mit einer Schrift namens "französische Bastarde" beschrieben. Die Bastarde ist eine Schrift, bei der die Buchstaben zusammenhängen. Der erste Buchstabe des ersten Wortes (=Initial) wird immer sehr kunstvoll gemalt. Dieses Bild kann sich über einen Grossteil des Blattes ausdehnen.

Damit man die äussere Form der Schrift bekommt, schreibt man mit einer sogenannten "Bandungfeder". Dieses Gerät hat Ähnlichkeit mit einem grossen Füllfederhalter, dessen Feder sehr breit ist.


siehe auch: Der Papyrer


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