Ein französischer Kriegsgefangener schreibt später:

Zwei Schritte vom Lager der Franzosen entfernt befindet sich offensichtlich noch eine anderes, verwaistes Lager. Ich bin erstaunt, es offen zu finden. Im Inneren herrscht grosse Unordnung wie nach einer Verwüstung. ... Es ist von einem Drahtzaun umgeben, wie ein schlecht unterhaltener Kaninchenstall. Dort haben zig russische Kriegsgefangene gelebt, wenn man das "leben" nennen kann, und ein wahrhaftes Martyrium durchlitten. Lange Zeit habe ich, da ich keine andere hatte, die graue Stoffhose eines von ihnen getragen. Sie war von Kugeln durchlöchert und wies noch zahlreiche Blutspuren auf. Ihr Besitzer war - das stand fest - durch die Gewehrkugeln seiner Mörder getötet worden, und unser Kommandoführer war stolz darauf, einer von ihnen zu sein. Ja, er rühmte sich sogar, Befehlshaber gewesen zu sein.

Jeden Morgen war er als Erster beim Appell gewesen und hatte mit seinem Revolver in der Hand die armen Kerle terrorisiert, wobei er die Nachzügler mit Füssen trat. Seine Leute ermunterte er, von ihren Waffen Gebrauch zu machen. ... Und so geschah es, dass jeden Abend die Leichen von sieben oder acht dieser Unglücklichen, deren Schuld einzig darin bestand, Russen zu sein, heimgeschleppt wurden. Am Morgen hatte man sie gewaltsam zu den Arbeitsstellen getrieben, wo sie ausgehungert und krank zusammenbrachen, und dann waren sie von unbeschreiblich brutalen Menschen mit Gewehrkolben totgeschlagen worden. ...

Ein belgischer Priester besuchte mich, ... und von ihm erfuhr ich die Einzelheiten über den langen Leidensweg der Russen, deren Lager sich düster vor mir ausbreitete.
[...]
Das Schicksal der [französischen] Kameraden war jedoch zu jener Zeit in keiner Weise vergleichbar mit dem, was die 150 Russen erlitten hatten. ... Und die deutschen Zivilisten, die sie bei der Arbeit eingesetzt hatten, trauerten den Zeiten nach, wo sie ihren Befehlen mit Stockschlägen oder Schlägen mit der Schaufel Nachdruck verleihen konnten, wie zum Beispiel jener, der eines Tages einem Mongolen mit seinem Spaten den Schädel spaltete und anschliessend den armen kleinen Körper auf einen Misthaufen schleifte.


Fernand MASSON: "Als Kriegsgefangener zwischen Weser und Ems"; zitiert nach JUNK, S. 33 ff.

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