1965 Nov 28 Fred TSCHAN an Elisabeth Erdmann-Macke[1]

„Verlasse ich Gunten, warte ich schon mit Interesse auf den Moment, wo das Heidenhaus erscheint. Da muß ich einen Moment halten, muß das Terrain überblicken, wo das Glück mich, den elenden Stümper, mit dem übergro­ßen Meister bekannt machte. Ich weiß noch, wie ärgerlich ich war, als der bildschöne junge Herr im eleganten Schwarz auf mich zukam und sich als eventueller Kollege, als Maler Macke, vorstellte. Ich gab zur Antwort, ein Maler sei ich nicht, nur ein Malheur. Die Antwort gefiel ihm, und er meinte, so schlimm sei die Sache nicht. Er lachte und sagte, er wolle mir nur zeigen, ich solle ihm Pinsel und Palette anvertrauen, und er zeigte mir so lieb und schön, wie man Haus und Berge und den farbigen Herbstwald behandelte. Das war für mich ein übergroßes Ereignis, das mir einen gro­ßen Eindruck gemacht hat. Einige Stunden später trafen wir uns wieder im Atelier von Louis, und der gute August fand auch dort gute Worte für meine dortigen Bilder. In meinem winzigen Restchen Verstand, der mir noch geblieben ist, wimmeln die herrlichen Gedanken, die mich an den großen August binden. Komme ich dann zum Haus in Hilterfingen, werfe ich einen Blick zum kleinen Weg, den August einst benutzte, um seine Söhnchen zur Taufe in die Kirche zu bringen.“

[1] Elisabeth Erdmann-Macke: Begegnungen, S. 92.