1934 April 30 Vor dem „Tag der Arbeit“ in Alt-Troisdorf

f. Troisdorf: Ganz Troisdorf war am Montag [=30.4.34] eifrigst damit beschäftigt, den gesamten Ort auf das festlichste zu schmücken. Kaum ein Haus war ohne Fahnenschmuck, und fast allenthalben waren die Unterhäuser völlig hinter dem frischen jungen Maiengrün der Birken verschwunden. Geschäftig wurden bis in den späten Abend die letzten Vorbereitungen für die Ausschmückung getroffen, die denn auch ein Ausmaß erreichte, wie sie Troisdorf bisher nie sah. Konnte sich das Hohns-Geloog als bewährte treue Hüterin schöner überlieferter alter Volkssitten einen schöneren Resonanzboden wünschen, als er ihm hier durch die Mithilfe aller Stellen und der gesamten Bevölkerung geschaffen wurde. Was Wunder, daß an der Mailehenversteigerung des Geloogs Anteil genommen wurde, wie es sich die Geloogs-Jungen früher nicht in ihren kühnsten Träumen gedacht hätten. Und es wurde ein scharfes Wettbieten für die Kürung der Maikönigin, so daß sogar die Bevölkerung – oder waren es nur die jungen Mädchen? – auf der Straße regsten Anteil nahm. Namen schwirrten durch die Menge, zahlen wurden genannt, die „Kurse“ ziehen mächtig an, eine Hochkonjunktur in einigen wenigen stark gefragten „Werten“. Erst spät kann die die „Zuteilung“, hier der Zuschlag, erfolgen. Erst raunend von Mund zu Mund wird es geflüstert, später erfährt man die Bestätigung: Die Untergauführerin der JM [=Jungmädel], Frl. Grete Hochherz, wurde zur Maikönigin gekürt. Maikönig wurde Sturmbannführer Heinr[ich] Keil.
Und dann zieht das Hohns Geloog zum Marktplatz, wo sich inzwischen tausende Menschen angesammelt haben. Ein Wald von Hakenkreuzfahnen wogt an hohen Masten, Beleuchtungs- und Lautsprecheranlagen sind angelegt, und alles ist zur Aufstellung des Maibaumes vorgerichtet. In festlichen Zuge mit der Stahlhelmkapelle holt das Geloog die riesige Birke unter dem Jubel der Bevölkerung ein und festlich wie kaum je zuvor wurde der mächtige Maibaum geschmückt. Die schwere Arbeit des Aufrichtens verkürzt und versüßt die Musik, und nachdem sicher Jubel über das glückliche Gelingen legt, tanzt der BdM Volkstänze unter dem gewaltigen Maibaum. Mit dem dem Geloog gestifteten neuen Fähndel führt der stramme Fähnrich das althergebrachte Fähndelschwenken vor, um dessen schneidiges Gelingen ihn viele seiner Vorgänger beneiden dürften. Festliches Feuerwerk, Volkstänze des BdM, Gesänge der HJ und das Geloog entbietet seinem Maikönigspaar unter dem neuen schmucken Fähndel eine herzliche Sängerovation. Und dann dröhnt weithin über die festlich-freudige Menge Bürgermeister Reinartz‘ Stimme: Am Ende eines schweren, aber erfolgreichen Aufbaujahres schaue man zuversichtlich dem neuen entgegen. Die Arbeit, der einzige Adel, den das deutsche Volk noch zu vergeben habe, solle morgen [=1.5.34] gefeiert werden. Der Tag solle ein Feiertag aller schaffenden Deutschen werden, an dem alle Anteil nehmen sollen. Ein Tag der Volksgemeinschaft, der darlegen soll, daß Einer für Alle und Alle für Einen stehen. Zur Feier des Tages greife man auf die uralte deutsche Sitte der Feier des Wiederwachens der Natur zurück, und so habe man auch hier die alte überlieferte Sitte der Kürung der Maikönigin durch das Hohns Geloog beibehalten. Es freue ihn, der Bevölkerung das Maikönigspaar Untergauführerin Frl. Grete Hochherz und Sturmbannführer Heinr[ich] Keil vorstellen zu dürfen.
Nachdem er das paar unter Böllerschüssen und Feuerwerk zu seinen Ehrenplätzen unter dem Fähndel des Geloogs geführt hatte, gedachte er des Führers, der uns dieses Fest wieder geschenkt habe, und nachdem das Sieg-heil auf den Kanzler verklungen war, sang die Menge das Horst-Wessel-Lied.
Dann wurde die übertragung der Feier vom Brocken abgehört, und anschließend begab sich das Königspaar in zahlreicher Begleitung zum Waldkaffee Ravensberg, wo der Troisdorfer Männergesangverein sein herkömmliches Maiansingen in der gewohnten schönen Weise abhielt. Die hier schon ohnehin festliche Stimmung erreichte mit der Einführung des Königspaares ihren Höhepunkt. Im traditionellen Stammlokale Hohn feierte derweil das Hohns Geloog den maianfang, und auch hier erreichte das Stimmungsbarometer den Höchststand beim Eintreffen des Königspaares. In glänzender Fröhlichkeit vergingen die Stunden nur zu schnell, aber die Freude wird lange nachklingen über den schönen Verlauf.


Fundstelle: Zeitung vom 2.5.34.