„Schutzhaft“, Verfolgung und tödliche Hiebe

Ausstellung zur NS-Geschichte aus Anlass der Pogromnacht

von DIETER KRANTZ

Rhein-Sieg-Rundschau, 07.11.2008

TROISDORF. Wenn Norbert Flörken sagen hört, dass doch die 30er Jahre „gar nicht so schlecht waren", weckt das den Widerspruch des pensionierten Geschichtslehrers und Historikers: „Wenn man zur falschen Personengruppe gehörte, wurde es eng und gefährlich.“ Die Nazis, so das Resultat seiner jahrzehntelangen Forschungen, „wollten gar keine 'Volksgemeinschaft'." Juden und Kommunisten wurden ebenso ausgegrenzt wie schon 1933 Behinderte und Kranke. Wie das Leben in Troisdorf in dieser Zeit aussah, ist Gegenstand der Ausstellung „Von der Machtergreifung zur Pogromnacht“, die zum 70. Jahrestag der Pogrome vom 9. und 10. November 1938 am Sonntag (17.30 Uhr) im Bürgerhaus am Wilhelm-Hamacher-Platz eröffnet wird.
Veranstalter ist die Stadt Troisdorf, aus deren Archiv wichtige Dokumente zu Themen wie Kirche, Vereinswesen oder Brauchtum in die Ausstellung eingeflossen sind. Fast täglich hat daher in den vergangenen Monaten Norbert Flörken mit Hans Luhmer, Hubert Hannemann und Matthias Dederichs vom Stadtarchiv beraten. Andere Themen konnte Flörken aus eigenen Beständen bestücken.
Mit der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten 1932 beginnt die anspruchsvolle Schau, die vom Besucher intensives Hinsehen und Lesen der vielen Dokumente verlangt; die Pogromnacht 1938 markiert den Schlusspunkt.
„Wir hätten die gesamte NS-Zeit nicht stemmen können", sagt Tanja Gaspers, die als Leiterin des Amts für Zentrale Dienste und Personal auch für das Archiv zuständig ist. Wahlergebnisse von 1933 sind nun nachzulesen, weitere Tafeln zeigen, wie schnell die Verfolgung derer einsetzte, die als Feinde angesehen wurden. Das furchtbare Los des Anton Hamacher zählt dazu, der 1933 im SA-Heim totgeschlagen wurde, aber auch die Verfolgung von Mitgliedern der KPD und SPD, die 1933 in „Schutzhaft“ genommen und vielfach misshandelt wurden. „Opfer des Nationalsozialismus im weiteren Sinne“ sind für Flörken auch die Altenrather, deren Dorf 1938 zum Truppenübungsplatz wurde.
Die Perfidie der Tötungsmaschinen wird in den Briefen deutlich, die aus Euthanasieanstalten wie Hadamar die Angehörigen behinderter Menschen erreichten, eine furchtbare Sprache sprechen die Tafeln zur Verfolgung der Juden. Von 54, die irgendwann zwischen 1933 und 1945 in Troisdorf lebten, wurden 34 ermordet. „Damit niemand denkt, wir hätten auch gedanklich 1938 aufgehört", so Flörken, bleibt ihr Tod nicht ausgespart. „Am 24. 7. trifft bereits wieder ein Transport mit 1000 Juden hier ein“, haben die Täter im russischen Lager Maly Trostinez im Jahr 1942 festgehalten. „Darunter“, so kommentiert Flörken, „waren die Troisdorfer Juden.“ Jüngstes Opfer war der 16-jährige Günter Meier.


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