1670 »Der Chur-Cöllnischen Bauren ›Vater Unser‹«[1]

 

Wann der Frantzose kehret ein,

So gruͤsset er uns auß lauter Schein

Man hoͤret bald zu selben frist:

Was du hast, Vater, das auch ist

Darauff antwortet denn der Baur:

Der Teuffel hole dich, du loser Laur.

Gewißlich dich noch strafen wird

Der maͤchtig uͤberall regiert

Ich glaub nicht, das man einen find

Unter diesen Kriegs-Gesind

Ach Gott! es lebet ja kein Volck auff Erden

Durch welche mehr gelaͤstert werde

Sie thun uns grosse uͤberlast

Und sagen: alles, was du hast

Ach, lieber Gott, wenn sie nur kuͤndten

Zu Pluͤndern sie sich auch unterstuͤnden

Wenn du sie wollest alle erschlagen

So wollen wir mit freuden sagen

Wenn wir loß wuͤrden dieser Pein

Wir armen Bauren wuͤrden seyn

Weiß anders nicht, wohin dieß Volck gehoͤrt

Als in die Hoͤll, des Himmels gar nicht werth

Sie nehmen alles Gut und Haabe

Und schneiden uns rein vom Munde abe

Das man sie all in einer Nacht

Erschlagen muͤcht mit gantzer Macht

Diß alles haben wir verschuld

Doch nim uns wieder auff zu Huld

Ach! Ach der hochbetruͤbten sachen

Daß sie uns noch groͤsser machen

Mit den Toͤchtern sie Muthwillen treiben

Und ligen so wol bey unsern Weibern

Daß sehen unsre Augen schier

Doch muͤssen alles Ihnen wir

Das macht wol grosse Ungedult

Wann wir auch zahlen ihre Schuld

Niemand sein Pferd mehr brauchen kann

Es heist: Bauer, span eilend an

Sie prassen stets, die Boͤsewicht

Und lassen uns in unsere Stuben

Unbillig schmertzlich uns man dringt

Und offters manchen Haußmann bringt

Laß, Herr, bey uns nicht bleiben

Die solche schmaͤlerey treiben

Daß mache uns armen leuten kundt

Und loͤse uns zu dieser Stund

Laß geschwind die Frantzosen mit großen Schaaren

Mit ihren Anhang zu 1000 Teuffel fahren.

 

 

Vater

 

Unser

 

der du bist

 

im Himmel

 

Geheiliget werde

 

dein Nahme

 

Zu komme uns

 

dein Reich

 

Dein Will geschehe

 

Wie im Himmel

 

also auch auff Erden

 

Unser taͤglich Brod

 

gib uns heute

 

Und vergib uns

 

unser Schuld

 

als wir

 

vergeben

 

unsern Schuldigern

 

Und fuͤhre uns

 

Nicht

 

in Versuchung

 

Sondern erloͤse uns

 

von allem Ubel

 

Amen.

 

 

 



[1] Fundstelle: zeitgenössischer Druck; HAB Wolfenbüttel, Signatur t-317 4o Helmst. 23.

 

zurück © 2017 by nf established 14.05.2017 Valid XHTML 1.0 Transitional Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Lizenz.
BilderGalerie