Kurkölnisches Regiment bei Kriegsvorfällen seit dem Ausmarsch aus Bonn[1]

vom 26. Juli 1794 bis den 15. Sept. 1796.

 

Aus einem handschriftlichen Tagebuch des damaligen kurkölnischen Regiments-Auditors, jetzigen Oberbürgermeisters Herrn Windeck in Bonn.

 

Nachdem der Obristlieutenant von Brixen mit dem Ueberrest des Bataillons am 6. Apr. 1794 aus Oestreich nach Bonn zurückgekehrt, so befaßte sich derselbe mit Formation des aus 2 Bataillonen – jedes von 6 Füsilier-Compagnieen und 1 Grenadier-Compagnie – bestehenden Regiments.

Die Compagnie war 153 Köpfe unterm Feuergewehr.

Dazu kam noch das erforderliche Artillerie-Personal zu 4 Sechspfündner-Geschützen unter dem ans münsterschen Diensten übernommenen Unter-Lieut[enant] Barthels, und der erforderliche Train. Das 1te Bataillon hieß später Leib-, das 2te Oberst-Bataillon und ersteres führte Major Feußer, letzteres Hauptmann Freiherr von Ledebur.

Am 26. Juli 1794 verließ das Regiment das Lager bei Plittersdorf in der Gegend von Bonn und setzte sich nach Coblenz in Marsch.

Am 27. und 28ten stand dasselbe in Coblenz; am 29ten trat es den Marsch zum Armee-Corps des K[aiserlich] K[öniglich] G[eneral] F[eld] M[arschall] L[ieutenant] Baron Melas nach der Position bei dem sogenannten Marterthal auf der Straße nach Trier an.

Den 4ten August stand solches zu Wittlich und Umgebung. <209> 9ten im Feldlager bei Föhr.

12ten bei Wittlich.

Ein Regiments-Befehl vom 10ten Sept. macht bekannt, daß der Kurfürst auf die Zufriedenheit, welche F. M. L. Melas über das Wohlverhalten des kurkölnischen Regiments in der ersten feindlichen Gelegenheit bezeigt, die Stiftung einer Verdienstmedaille sich vorzunehmen komme.

Ende Septembers stand das Lager bei Kaisersesch und Mitte Oktobers war das Regiment mit dem Melasschen Armee-Corps zum Rhein zurückgegangen.

[Anfang Oktober 1794 verlässt Kurfürst Max Franz für immer Bonn; die Franzosen marschieren ein.]

Am 16. Oct. kommt schon bei der Besatzung von Ehrenbreitstein ein vom Major Feußer ausgegangener Bataillons-Befehl vor.

So wie nun das Leibbataillon auf Ehrenbreitstein verblieb, so wurde anfangs November das Oberst-Bataillon unter dem Regiments-Commandeur Oberst-Lieutenant von Brixen zur Besatzung von Mainz gezogen.

Am 11. Nov. befand sich bei Mainz ein Detaschement des Regiments, zur Arbeit commandirt, zuerst im Feuer, wobei die Gemeinen Campernas, Hulmann, W. Weber, Kunz, Flohr, Dusch, Dreßen, Metzel, Reuschenbach, Beul, Boußan, Gerlach, Geeger und Bengesen sich wohlverhielten.

Der Kurfürst von Köln war eben an diesem Tage in Mainz, besuchte die Wachtparade, konnte jedoch wegen des Nebels nichts vom Gefecht bemerken.

21. [November] Der Typhus nimmt unter der Mannschaft zu als Folge der schlechten Quartiere und starken Wachtdienstes, der die Hälfte des Bataillons täglich in Anspruch nimmt.

Die ganze Mannschaft geht fast barfüßig einher; zur Abhülfe dieses Elends kommt sich der Obristlieutenant dringend zu verwenden. Zugleich beklagt sich derselbe bitter über das Quartieramt bei dem Festungscommando, und trägt darauf an, demselben begreiflich zu machen, daß die kurkölnischen Soldaten keine Hunde noch Sträflinge seyen, sondern Soldaten, die in jedem Betracht ihre Schuldigkeit thun werden, <210> und menschliche Behandlung verdienen. Erfolge keine Abhülfe, so sähe man sich gedrungen, beim Armee-Commando Klage zu führen.

Dec. 4. Die Bitte, unsere in einem Gefechte vom 1.[2] erhaltene Verwundete aus dem K. K. Spital unserm Regimentsarzt Velten zu überlassen, wird gestattet.

14. Der Kurfürst läßt dem Bataillon wegen Wohlverhaltens im Gefecht vom 1. dieses seine Zufriedenheit bezeigen und Wein unter die Mannschaft vertheilen.

20. Davon faßt die Mannschaft in der Weißenauer Flesche 144 Maas.

1795.

Monat Jänner. Die Krankheit reißt fürchterlich bei dem Bataillon ein. Im Spital hat die Besatzung überhaupt 1.500 Kranke; Beschwerden über Verfahren und Behandlung der Kranken kommen zur Sprache. Die Kranken vermehrten sich auf 2.300. Täglich sterben 30 im Spital, ohne diejenigen auf dem Transport nach Heidelberg etc.; alles was in den Dunstkreis dieser Krankenanhäufung kommt, sieht sich angesteckt. Vom kurk. Bataillon sind Fähnrich Plettenberg, Lieut. Florem, v. Dallwigh, Ernst und Chirurg Albrecht schon erkrankt. Theurung der Lebensmittel und Holz und Mangel an Stroh erhöhen noch das Elend.

Der Kurfürst schenkt jedem Verwundeten unseres Bataillons einen Ducaten, und weis't monatlich 4 Rthlr. zur Erziehung eines Soldaten-Waisenkinds an.

Man ist immer auf Vermehrung aber nicht Verpflegung der Garnison bedacht.

Oberst v. Brixen kämpft mit Verdruß in seinen unerschütterlich rastlosen Bemühungen, gegen diese Leiden des gemeinen Mannes sich aufzuwerfen. <211> Die Krankheiten wüthen im Februar noch fort. Viele Gemeine und der kurkölner Chirurg Albrecht sind wieder ein Opfer der Krankheit geworden.

März 9. Der Kurfürst von Köln nimmt sich mit Fürsorge der Kranken an.

Die Pflege im Spital wird dadurch täglich besser.

Die kurkölner diensttauglichen Soldaten betragen kaum mehr die Hälfte.

Böller, der beste Führer im Bataillon, ist gestorben. Unterl[ieutenant] de Krahe ist nach Westphalen beurlaubt, um sich von der Krankheit zu erholen.

Den 6. April 1795. Bei einem Ausfall auf ein feindliches Werk vor der Festung, welches zerstört wurde, hatte die Besatzung heute 18 Todte und 143 Verwundete. Der sehr um die Festung verdiente K. K. Obrist Marquis de Chastelair erhielt eine bedenkliche Schußwunde am Kopf und 3 seiner Ingenieur-Offiziere und 2 von der Inf. wurden verwundet.

Die Krankheit ist zwar noch häufig, aber wenig bösartig.

19. Apr. war schon die Casseschuld des Bataillons 3158 fl.

30. Wurde Morgens bei Tagesanbruch der Hartenberg durch 2 Bataillons der Garnison und 5 Bataillons der großen Armee emportirt, und dann sich darauf logirt. 1 Bataillon Warasdiner und das Bataillon Kurköln waren hierbei zur Arbeit verwendet.[3]

Die Mannschaft unseres Bataillons hat sich hierbei wohlverhalten; von den Offizieren haben Hauptmann von Ledebur und Oberlieutenant Velten Gelegenheit gehabt, bei dem Bau der neuen Verschanzung um das Ingenieurcorps sich verdient zu machen, worüber von demselben folgendes Zeugniß dem Bataillon zugefertigt wurde:

Wir Endesgefertigte bezeugen hiermit zur Steuer der Wahrheit dem Herrn Grenadier-Hauptmann Baron von Ledebur, daß derselbe bei dem Angriff auf die Hardtmühle, <212> wo er mit seiner Grenadier-Compagnie zu Demolirung der feindlichen Verschanzungen bestimmt war, so zweckmäßig als rühmlich vorgegangen ist, auch unter heftigster feindlicher Kanonade die Aufsicht bei Erbauung einer Batterie freiwillig übernahm und diesen Bau so glücklich als standhaft vollführte, wodurch Vieles zur Repoussirung der feindlichen Kolonnen beigetragen wurde.

Da wir dieses freiwillige, muthvolle und löbliche Betragen bewundert haben, so können wir nicht ermangeln, gedachtem Herrn Hauptmann Baron von Ledebur dieses Attestat anzubieten, auch ihn der fernern Gnade seines Landesherrn anzuempfehlen.

Signatum Mainz den 2. Mai 1795.

L[ocus] S[igilli] Marq[uis] de Chastelair, Obristlieutenant und Genie-Director.

L. S. Manimi, Ingenieur-Major.

L. S. Carl Fuhaucanie, K. K. Geniecorps-Hauptmann.

L. S. Destomenstern, Capt[ain] Ingenieur.

L. S. A. Gaubert-Weidenthal, Oberlieutenant im K. K. Geniecorps.

 

Von den Unteroffizieren hat der Korporal Vettler aus Bonn vom K. K. Obristlieutenant Marquis von Chastelair das rühmliche Zeugniß erhalten, daß er sich durch Anführung der Freiwilligen zum vordersten Bau und sogar durch Vorführung der Seraßaner – auch Rothmäntler genannt – einer Denkmünze würdig gemacht habe. Von den Gemeinen hat sich besonders Wickel von Obristlieutenant Compagnie dadurch rühmlich hervorgethan, daß er, ohngeachtet ihm eine Kanonenkugel seinen Hut auf‘m Kopfe ganz zerrissen und den Kopf selbst etwas verwundet, nicht eher von der Arbeit abgehen wollte, bis der Obristlieutenant ihm dieses selbst befohlen.

Unter-Lieutenant Pfeiffer ging bei diesem Gefecht mit <213> 10 Freiwilligen selbst freiwillig in die Hardtmühle vor, um in den Mauren Schießscharten einzuhauen, welches im Gefecht zum obern Hartenberg großen Nutzen leistete und die Rothmäntler deckte.

Obristlieutenant v. Chastelair schenkte dreien unserer gemeinen Grenadiere 3 Kronenthaler, anderen noch 2 Kronenthaler, und unterzeichnete doppelten Arbeitslohn für die kurkölnischen Grenadiere, ein zufälliges Glück, weil die beiden Compagnieen Eng. v. Wydenbruck und Obristlieutenant noch gefährlichere Arbeiten fertig machten, nur nicht unter Chastelairs Augen.

Ueberhaupt kostet das gewonnene kleine Terrain 1.000 Mann an Todten und Verwundeten. Ein französischer Emigrant Turpin[4], soll die Idee zur Attaque vorgeschlagen haben.

Von Kurköln waren 400 Mann an diesem Tage im Feuer.

 

Nach einem Regimentsbefehl vom 2ten Mai haben Sr. Kurfürstl. Durchlaucht auf den von der Affaire erstatteten Bericht durch den der Blessirten wegen eigens hierher geschickten Leib-Medicus Roser für die Mannschaft vom Feldwebel abwärts 100 Ducaten zur Vertheilung überschickt, wovon für jeden Mann 1 fl. 5 kr. ausfällt; die Blessirten empfangen überdieß noch jeder einen Ducaten und die beiden Gemeinen Metzer und Euler von Obristlieutenant-Comp. einen zweiten Ducaten, weil sie sich dadurch, daß sie auch blessirt immer fort arbeiteten, ausgezeichnet haben. Dem Korporal Bettler, welcher sich bei den Freiwilligen ausgezeichnet hat, wofür noch auf eine besondere Belohnung angetragen ist, werden 9 fl. gegeben, um sich anstatt der bei der <214> Arbeit zerhauenen Stiesel andere anzuschaffen. Der Rest wird zur Pflege des schwer blessirten Feldwebel Koch verwendet, für dessen Familie Ihro Kurfürstliche Durchlaucht auf den unglücklichen Fall, daß er sterben sollte, die Versorgung übernehmen.

4. Mai. Auch unter den Pferden herrscht schon einige Zeit eine Seuche, was die kurkölnische Bespannung ganz außer Dienst setzt.

11. starb der brave Feldwebel Koch aus Bonn an seinen Wunden, und wurde am 12. mit allen Kriegsehren begraben.

14. erhielt das Bataillon das so sehnlichst gewünschte Geld von den Ständen.

15. Erhält der Obristlieutenant die Versicherung, daß uns aus den K. K. Magazinen in Betreff der Montirungen und Bespannungen ausgeholfen werden soll.

17. Endlich langen von den westfälischen Ständen 8.000 Rthlr. an, wovon die vom Kanzler von Albini vorgeschossene Summe, allein nicht alle Schulden getilgt wurden.

Der Oberl. Gallenkamp befindet sich bei seiner Blessur so gut als möglich.

Die Krankheit und Sterblichkeit läßt noch nicht nach.

9. Juni. Durch 12.800 fl., die aus Westfalen angekommen, ist der Geldverlegenheit nun abgeholfen worden.

10. Heute ließ der Feind hinter Laubenheim einen Luftballon aufsteigen.

27. erhielt der Obristlieutenant den Befehl, 4 Compagnieen unbeschadet der Offiziere zu reduciren, weil die Mannschaft so zusammen geschmolzen, daß dieses füglich geschehen könne, und es der Dienst erheische, weil man die entlehnten münsterschen Offiziere, ohne ihren Schaden zu ihren Regimentern abgehen läßt.

Die feindliche Desertion ist seit kurzem häufiger; die Furcht vor der Vendée befördert diese Desertion und sollen neuerdings 24 Bataillons dahin von der franz. Armee zurückgeschickt werden. <215> Den 4. August. Die freie Luft, welche das kurkölnische Bataillon nun im Lager im vormaligen englischen Garten der Favorite genießt, hat einen sehr wohlthätigen Einfluß auf die Gesundheit der Mannschaft.

Krankheit und Sterblichkeit sind beim Bataillon abnehmend und Reconvalescenz zunehmend.

11. Durch ein kurfürstliches Handschreiben vom 4. ds. sind die münsterschen Offiziere angewiesen, zu ihren Regimentern abzugehen.

17. Trifft der Befehl vom General ein, die Compagnieen bis auf Zehn zu reduciren.

Das dem Obristlieutenant von Brixen unter‘m Leibe blessirte Pferd, welches derselbe vom Kurfürst erhalten, hat seine Wunde nur wenige Stunden überlebt.

Nach dem im September die K. K. Armee vom Niederrhein an den Main zurückgegangen, so erfolgten nun an diesem wieder glückliche Operationen zur Offensive, worüber

am 25. Oct. 1795 zu Mainz ein te Deum laudamus unter 3maliger Abfeuerung von Geschütz und Kleingewehrfeuer abgehalten wurde.

26. Oct. rückte F. M. Graf Clarfayt[5] mit dem zweiten Treffen seiner Armee in hiesiger Gegend ein; sein Hauptquartier ist Flörsheim, die Truppen lagern am rechten Mainufer.

Schlachtfeld bei Bodenheim.

Am 29. Oct. 1795. wurde der Feind überall aus seinem verschanzten Lager bei Hechtsheim, Laubenheim u. s. w. glücklich herausgeschlagen.[6]

Das kurkölner Bataillon hatte die Ehre, die Tête der 3ten Kolonne zu bilden, und hat sich überaus brav gehalten – nähere Details werden als an andern Stellen beschrieben, hier übergangen. In den Dörfern, welche die Kurkölner durchzogen, wurde die beste Ordnung gehalten und folgten <216> dieselben nicht dem feigen Beispiel von 200 Mann der belgischen Legion Erzherzog Carl, welche sich bei den Kurkölnern befanden, und beim ersten Widerstand umkehrten, sondern drangen muthig vorwärts.

Die Obrist-Compagnie verlor allein 20 Mann an Todten und Verwundeten. Der Hauptmann derselben so wie Ober-Lieutenant Dupuis wurden verwundet.

Die vom kurköln. Bataillon eroberten 3 Kanonen wurden in den Parc abgegeben; noch ist‘s ungewiß, ob wir als Siegszeichen Theil daran bekommen werden.

Wiewohl der Feind viele Munition in die Luft gesprengt, so wird doch das in Brezenheim gefundene Munitions-Depot auf 7 Millionen geschätzt; in Kreuznach ist eine ganze Feld-Apotheke, in Oppenheim über 1.000 Malter Korn und sogar der 8sitzige Staatswagen des Merlin von Thionville erbeutet worden.

Der Regimentsarzt Velten wird zu den verwundeten Kriegsgefangenen: 288 Gemeinen, 1 Obrist, 1 Obristlieutenant und 14 Offizieren befehligt.

Unser Obrist konnte beim Ausmarsch keinen hinlänglichen Vorspann erhalten, und so konnten die Kanonen nur mit 3 Pferden bespannt werden, und mußten Kessel und Zelte von der Mannschaft auf dem schweren Marsch getragen worden.

Das Bataillon wird jetzt wieder von den Landständen im 3ten Monat ohne Geld gelassen.

Das Bataillon erhielt Befehl, auf Bartenheim zu marschiren, und trotz aller vernünftiger Vorstellung, die harte Ordre, zu campiren.

Die kleinen Staabspartheien bleiben in Mainz zurück.

10. Nov. 1795. Wurde die feindliche Stellung an der Pfriem angegriffen; unsere Mannschaft hatte dabei keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen, weil der Feind so gar leicht wich.

Jedoch zeichnete sich unsere Artillerie aus und zwang den Feind zum Rückzug.

Indessen ist unsere Kanonenbespannung sehr schlecht, und <217> wir laufen Gefahr, im Avanciren damit nicht voran kommen zu können, oder sie im Retiriren zu verlieren.

Heute verloren wir wiederum ein Pferd.

11. Nov. An diesem Tage war das Bataillon in einem heftigen Gefecht in Kreuznach.

Vorzüglich brav zeigten sich die Hauptleute Eng. v[on] Wydenbruck und Hundhausen, Unterlieutenant Hartig und Tils. Letzterer gerieth schwer verwundet in Gefangenschaft.

Oberlieutenant Müller wurde, mit vielen Kartätschkugeln durchbohrt, todt gefunden. Der Verlust dieses Offiziers ist für den Dienst sehr wichtig; er war zuverlässig, brauchbar, fleißig, still und verträglich, tapfer und kaltblütig vor dem Feind, und von dem besten moralischen Character.

Ueberhaupt verdient das ganze Offizier-Corps ausgezeichnetes Lob; die Offiziere sind unermüdet im Dienst, wiewohl sie jetzt in der abscheulichsten Witterung alles zu Fuß machen müssen.

Der Feind verläßt Stromberg, welches von uns besetzt wird.

Das Bataillon erhält die Nachricht, daß der schwer verwundete Fähnrich Tils in Windsheim von den Franzosen mit einer Wunde in der linken Brust und zwei Hieben in der Hand auf Parole zurückgelassen und von seinem Bruder Rittmeister von Waldeck-Dragoner gefunden worden.

15. Derselbe wird heute bis Bingen getragen, und sodann zu Wasser auf Mainz transportirt; er hat einen Musketenschuß durchs Schlüsselbein; die Kugel ist ihm durch einen französischen Chirurgus im Rücken ausgeschnitten worden, er klagt über Mißhandlung der gemeinen Soldaten, die ihn aufm Wege, den er entkräftet zu Fuß machen mußte, herumstießen. Dagegen rühmt er die Sorgfalt des feindlichen Generals Marceau, der ihn in sein eigenes Quartier bringen und dort verbinden ließ, und ihn noch beim Abmarsch besuchte; von ihm hören wir, daß der Gefreite Walter, der sich so brav gehalten, mit einem Säbelhieb am Kopf gefangen ist. <218> Ueber das tapfere und rühmliche Benehmen der kurkölnischen Truppen in dem Gefecht vom 11ten dieses nahm der Stadtmagistrat von Kreuznach Veranlassung, dem Bataillon folgendes Zeugniß zum Beweis seines dankbaren Anerkenntnisses zuzufertigen:

  Wir Bürgermeister und Rath der kurpfälzischen Oberamts-Stadt Kreuznach ertheilen dem kurkölnischen Herrn Hauptmann Baron von Wydenbruck und dem Herrn Hauptmann v. Hundhausen[7] mit Vergnügen das schuldige Zeugniß, daß dieselben den 11ten dieses bei der Wiedereinnahme unserer Stadt unter dem Commando Sr. Exzellenz des Herrn Rheingrafen von Salm-Grumbach an dem vorgestrigen Tage sich besonders mit ihren durch einen forcirten Marsch von Kirchheim-Polanden ermüdeten Truppen hervorgethan und ausgezeichnet haben.

Unsere Erretter, das Corps braver Reichstruppen, commandirt von dem tapfern Herrn Rheingrafen, erschienen in dem Augenblicke vor unsern Thoren, als die zwei Anhöhen, welche Kreuznach dominiren, nebst der Stadt schon an den mit Uebermacht rasch vordringenden Feind verloren waren; die Franzosen hatten sich schon in Masse unter dem Schutz ihrer Kanonen und Haubizen, womit die Stadt und Gegend unaufhörlich bestrichen worden durch das Binger-Thor und unsre Straße gedrängt, die Nahe-Brücke, welche die Stadt miteinander verbindet, genommen, besetzt, als teutscher Widerstand und Tapferkeit ihrem Sieg hier Ziel setzten. Vorwärts ihr Brüder! riefen die zur Hülfe herbei eilenden muthigen Teutschen, und trotz dem hartnäckigsten Widerstande waren sie wieder Meister der Brücke. Mit verdoppelten Schritten eilten au der Spitze ihrer tapfern Krieger die<219> beiden oben bemeldeten Herrn Hauptleute herbei, lösten die schon mit Verlust im Feuer gewesenen übrigen braven Reichstruppen vom Gefecht ab, attaquirten anfangs der hohen Straße muthig den Feind, verjagten ihn aus der Stadt, trieben ihn bis auf den Martinsberg und behaupteten nachher mit dem Rest ihrer braven und muthigen Truppen den gefährlichsten Posten, das Binger Thor, welches der Feind nochmals zu forciren suchte. Zwei Kanonen hatte derselbe gegen solches aufgeführt, bestrich nicht allein unaufhörlich diesen Platz mit Haubizen und Kartätschen, sondern schleuderte überdies noch dreimal zurückkehrend Tod und Verderben aus kleinen Feuerrohren auf diesen einen Punkt; allein teutsche Tapferkeit, teutsche Standhaftigkeit und teutscher Heldenmuth, welche die braven Truppen beseelten, erhielten diesen wichtigen Posten, mit demselben unsere Stadt und unsere geängstigte Gegend, denn in der einbrechenden Nacht sah nach seinen fruchtlos gemachten Versuchen der Feind sich hierauf genöthigt, nach weiter eingetroffenem Succurs alle Anhöhen um unsere Stadt, und mit denselben zugleich seine vorteilhaften Stellungen zu verlassen.

Welches wir ewig mit dem wärmsten und schuldigsten Dank erkennen, und zur Ehre der beiden Herrn Hauptleute von Wydenbruck und von Hundhausen bezeugen, daß dieselben den schönsten Antheil an diesem entscheidenden für uns so wichtigen Tage haben.

Urkundlich unserer eigenhändigen Unterschriften und vorgedruckten größern Rathssiegels.

Kreuznach den 13. Nov. 1795.

L. S. Churpfälzischer Stadtrath:

Michel Schneegans, Stadtbürgermeister.

Anton Cremer.

S. P. Herberg.

I. P. Holzbacher.

I. Mich. Freys.

P. I. Erbeller.

Mich. Schneegans jun., Stadtschreiber Verw[alter] <220>

 

15. Nov. Die Offiziere sind noch ohne Bagage.

Der Feind hat nach den Rapports der Patrouillen Bacharach, Stromberg, Sponheim, Meisenheim und Lautherek verlassen.

Unsere hiesige Position scheint blos defensiv zu sein, um dem Feind den Uebergang über die Nahe zu verwehren.

Bei Oggersheim wurden dem Feind 6 Kanonen und ein Luftballon genommen.

Das Hauptquartier des F. M. Graf Clairfayt ist in Frankenthal.

Kreuznach, 21. Nov. Das Bataillon steht noch hier.

Die am 29. Oct. verwundeten Hauptmann Müller und Fähnrich Bothmar, wiewohl ihre Wunden noch nicht geheilt, sind wieder beim Bataillon eingerückt.

Oberlieutenant Velten ist krank in Mainz, die Fähnriche von Dallwig und Hartig sind mit ihren Wunden auf der Besserung.

25. Nov. Die Mannschaft des Bataillons ist zum Verwundern bei schwerem Dienst gesund und willig.

29. Heute trifft die große Armee mit 36 Bataillons Inf. und 20 Divisionen Cavallerie in hiesiger Gegend ein, womit das Ganze allhier in 64 Bataillons Inf. und 30 Div. Cavallerie besteht. F. M. Clairfayt ist heute hier durchpassirt um die Vorposten zu visitiren.

F. M. Wurmser wird den Posten von Kaiserslautern besetzen.

1. Dec. Gestern rückte der Feind vom Hunnsrücken gegen die Nahe und über Kirn gegen Meisenheim und trieb das Corps des General Fürst von Hohenlohe bei Bingen ganz über die Nahe.

Heute Morgen attaquirte der Feind den Posten bei Kreuznach. Nach der gestern vom G[eneral] F[eld] Z[eug] M[eister] Graf Wartensleben[8] gemachten Disposition sollte Kreuznach bloß als eine tête de pont dienen, um unsere davor stehenden Vorposten aufzunehmen, wonach die Stadt verlassen und die Position vom Galgenberg gegen Bingen hin mit der Nahe vor der Fronte genommen werden sollte. <221> Unser Bataillon sollte die Arriergarde machen.

Der Feind attaquirte in 3 Colonnen jede von einer Division – jede von 5.000 M[ann] – sehr langsam und vorsichtig dergestalt, daß es 11 Uhr Mittags war, als wir die Stadt nach und nach verließen, ohngeachtet er die Nacht nur auf 1 Stunde von uns entfernt war. Der Rückzug geschah in der beßten Ordnung und ganz langsam. Die Brigade hatte dabei nur 8 Mann verloren; allein auf‘m Weg in die Position kam der Befehl vom Feldmarschall die Stadt, es koste was es wolle, wieder zu nehmen.

Nun hatte der Feind schon alle dominirenden Berge mit Geschütz und Infanterie besetzt, und in die Stadt selbst 2 Bataillons geworfen.

Die Stadt hat gegen den Hunnsrücken hin eine schlechterdings unhaltbare Lage, die Brücke in der Stadt ist vom Martinsberg den Kartätschen, so wie vom Schloßberg – der vom Hunnsrücken her befahrbar und von der Stadt überaus steil ist – dem Kleingewehrfeuer ausgesetzt, und das linke Naheufer dominirt bis Bingen das rechte aufs allervortheilhafteste. Vermuthlich hatte der Feldmarschall das Local nicht gesehen, welches schon als höchst widrig von allen Generalen geschildert war. Er bestand auf der Wiedereroberung der Stadt und schickte fatalerweise den General Niese mit 2 Bataillons zur Unterstützung; dieser mit dem Rheingraf Salm drängten – gegen des Oberst von Brixen bündigste Vorstellung, daß eine Masse von 6 Bataillons in so enger Stadt und gegen eine Brücke, die kaum 8 Mann Breite hat, nicht nur nichts nützen könnte, sondern vielmehr des Gemisches wegen ohne alle Disposition hereingetrieben, vom Kartätschen- und Haubizenfeuer sehr viel leiden müsse – alles durcheinander in die Stadt, aus welcher die Besatzung freilich im ersten Augenblick gleich zersprengt war; aber der Feind sammelte seine Truppen unter dem vortheilhaftesten Schutz seines Geschützes, welches beide Thore beschießen konnte, sogleich wieder, und legte dann mit Vortheil einen neuen Sturm an, wodurch dann auch die große, ganz unordentliche Masse desto leichter und mit viel <222> größerm Verluste geworfen wurde. Hierzu kam noch der Fehler, Cavallerie vorrücken zu lassen, die nur durch die beiden im Kartätschschuß gelegenen Thore Mann vor Mann gegen eine große Truppe Cavallerie defiliren konnte. Als nun der Choc, wie‘s anders nicht möglich war, zurückkam, wurden mehre Infanteristen in den engen Gassen und auf der von Kartätschen bestrichenen Brücke von der Cavallerie zertreten, und weil nirgends Soutien gestellt waren, alles wieder über die Nahe geworfen.

Dem so bestimmten Befehl zu gehorchen, setzte man nichts destoweniger nochmals tapfer an, und trieb die Feinde abermals im Sturmschritt angreifend bis vor die Thore; allein unter dem höchsten Vortheil des Terrains und seiner Artillerie konnte der Feind unmöglich seinen Plan unausgeführt lassen , und er jagte dann auch zum 3tenmal uns aus der Stadt und dießmal wars, daß wir dann so viel verloren, wonach wir endlich in die bestimmte Position abrückten.

Das kurkölnische Bataillon hat dabei verloren:

Hauptmann Werner gefangen, Oberlieutenant von Pfeiffer verwundet, und gefangen 50 Mann, worunter die beßten Unteroffiziere sind. Ob Werner lebend oder tod in Feindes Händen sei, wußte man nicht. Sein Posten war dießseits der Brücke, um den Feind, im Fall er wieder kommen sollte, aufzuhalten und zurück zu zwingen. Die große Masse hatte sich aber in den engen Gassen so gehäuft, daß derselbe an dieselbe angeschlossen herüber kommen konnte, und weil Hauptmann Werner seinen erhaltenen Befehl erfüllen wollte, mußte er übel wegkommen. Lieut. von Pfeiffer ist auf der Brust leicht blessirt, und gefangen sind Feldwebel Schmitt, Fourier Esch, der mit den Freiwilligen ging und die Corporale Hildenbrand und Weißfeld. Eine unserer Kanonen ist demontirt, ein Munitionswagen zerschossen, 2 Mann und 2 Pferde von der Artillerie von unserem Bataillon getödtet worden, und Dieß in 4 Schüssen.

Unsere Artillerie hat sich brav gehalten und treffliche Dienste geleistet. <223> Hauptmann v. Hundhausen, Oberlieutenant v. Pfeiffer und Unterlieutenant Dupuis haben sich unter den Freiwilligen ausgezeichnet, worunter besonders Pfeiffer angerühmt worden. Bis hierher wollte derselbe trotz seiner starken Contusion nicht vom Bataillon weg, weßhalb ihm das Commando der Wernerschen Compagnie anvertraut worden.

Werner Compagnie verlor                    26 Mann

1te Grenadier                                        10

2te Grenadier                                        8

Eng. Wydenbruck und Hundhausen    6.

 

Nach geendigtem Gefecht rückte das Bataillon um 4 Uhr Nachmittags auf unsern Allarmplatz, wo wir ohne Essen und Trinken die ganze Nacht bivouakirten.

Wellstein, 2ten Dec. Das Bataillon rückt in seine Kantonnirung ein. Die Armee nimmt die Position hinter die Nahe.

Das fränkische – Reichstruppen – Bataillon Boineburg verlor an diesem Tage 349 Mann.

Hätte Oberst v. Brixen für seine Person nicht kluge Dispositionen gemacht, wo es der Augenblick erforderte, ohne höhere Anordnung abzuwarten, so wären vielleicht keine 50 Mann davon gekommen.

Die Hauptstellung der Armee war bei Erbes-Büdesheim. Die feindlichen Patrouillen gingen bis Volksheim.

3. Kurköln. Bataillon ist gegen den Feind das vorderste aller Infanterie.

Der Feldmarschall ordnete von hier einen Angriff in 4 Kolonnen mit beiläufig 16 Batterieen Infanterie und 20 Escadrons Cavallerie, wobei kurköln. Bataillon sich auch befand. G. F. M. L. Graf Erbach formirte 2 Kolonnen um 4 Uhr Morgens außer hiesigem Orte. Doch die ausgeschickten Patrouillen fanden keinen Feind mehr vor uns; derselbe hatte sich schon in der Nacht durch Kreuznach zurück[ge]zogen. Kurkölnisches Bataillon, was in jedem Gefecht vor muß, hat nun auch noch den lästigen Vorpostendienst. <224>

Den 4ten. Gestern vertrieb General Kray den Feind bis Lautereck.

Unsere Verwundeten sollen aus Mainz zurückgebracht werden; das Depot von uns ist noch Nauenheim im Darmstädtischen.

6. Des Feldmarschalls Hauptquartier ist Alzey.

Dießseits Kreuznach stehen nur noch die äußersten feindlichen Vorposten. Unser halbes Bataillon giebt täglich Dienst, indem die K. K. Bataillone nur 130 Mann auf Piquet geben. Der Grenadier Anton Kayser kommt verkleidet als selbst ranzionirt aus der Gefangenschaft zurück. Der Obrist ließ ihm einen Ducaten auszahlen. Nach seiner Aussage ist Kreuznach entsetzlich geplündert worden.

8. Dec. Das Bataillon wird zu einer Demonstration, welche unser Corps d‘Armee gegen Kreuznach macht, gebraucht, indessen die Generale Kray, Haddyck und Nauendorf auf den Feind gegen Odernheim, Meisenheim und Lautereck losgerückt sind.

Der Zug der Armee geht gegen Kirn und Oberstein.

Der Feind stand beim Rückmarsch noch auf den Höhen jenseit der Nahe.

9. Es kommen mehre selbst ranzionirte zu unserer Fahne zurück, wiewohl sie leichter hatten, zur Heimath zurückzukehren.

Vorgestern verlor Gen. Marceau 5 Kanonen und 500 Gefangene bei Kirn.

12. Gen. Nauendorf hat bereits Oberstein besetzt und ein Theil seines Corps Birkenfeld. Das Hauptquartier ist in Fürfeld.

13. Heute Morgen 3 Uhr verließ der Feind Kreuznach.

Unser Hauptmann Werner ist nach Aussage der Selbstranzionirten in Wittlich mit den übrigen Gefangenen wohlbehalten angekommen.

Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht von Köln erließen an den Oberst von Brixen d. d. Mergentheim den 20. Nov. 1795 folgendes gnädige Handschreiben: <225>

Das bei allen Gelegenheiten erprobte, und von allen Vorgesetzten, so meine kurkölnische Contingents-Truppen unter ihrem Commando gehabt haben, bezeugte Wohlverhalten erwähnten meines Contingents setzt mich in die Verlegenheit, selben meine Zufriedenheit über dieses so ruhmwürdige Betragen sattsam beweisen zu können. Indessen habe ich die nach der dermaligen Formation des Contingents abgehenden Offiziers-Chargen folgendermaßen wieder besetzt, als:

1) Lieutenant Geißler wird Capitain-Lieutenant, statt des gebliebenen Capitains Longo.

2) Der Lieutenant Gallencamp ist eben wegen der noch von seiner ruhmvoll erhaltenen Blessur fortdauernden Felddienst-Undienstbarkeit als Capitain-Lieutenant einstweilen zum Locostand zu transferiren.

3) Unterlieutenant von Reuschenberg wird wegen seines tapfern ausgezeichneten Verhaltens bei der Belagerung von Ehrenbreitstein zum Oberlieutenant ernannt, und ich zweifle nicht, daß er durch sein Betragen und Application im Dienst den durch seine Tapferkeit erworbenen Ruhm zu erhalten trachten wird.

4) Da Lieutenant Müller auf dem Schlachtfeld dem Dienst eher entrissen worden, als ihm das wegen seines guten Betragens sowohl, als bei allen Gelegenheiten gezeigten Application, Eifer und Fähigkeit vorzüglich verdiente Avancement zu Theil werden konnte, so werden die ihm im Rang folgenden Unterlieutenants von Waldenfels, Pape, Pfeiffer zu Oberlieutenants ernannt.

5) Zu Unterlieutenants werden die Fähnrichs: Felix, Hartig, von Bothmar, Moraß, von Geismar, Krahe und von Plettenberg ernannt, und in Rücksicht sowohl seines eigenen als seiner beiden Brüder Wohlverhaltens ernenne ich den Feldwebel Velten zum Fähnrich, so wie auch den bishero seine Dienste als Wachtmeister-Lieutenant wohlverrichteten Niegelmann, jedoch so, daß er fortfahre, die Dienste als Regiments-Adjutant während dem Kriege fortzuleisten. <226>

6) Wird der 13jährige Cadet Dupuis wegen seines ausgezeichneten Wohlverhaltens zum Fahnen-Cadet mit 15 fl. monatlicher Gage ernannt.

PS.

Auch, lieber Getreuer, haben wir dem von dem Major von Ledebur wegen seines Fleißes und seiner Geschicklichkeit belobten Chirurg Fischer als Bataillons-Chirurgus nebst seiner Gage eine monatliche Zulage von 5 fl. gnädigst verbilliget, welches wir auch zu eurer Nachricht und desfalls von unserm Contingents-Rechnungsführer, Hauptmann Syassen zu verfügender Zahlung bedeuten und Euch etc. etc.

Max Franz, Churfürst.

 

15. Dec. Heute Vormittags sind die feindlichen Truppen vor Dierbach von der Avantgarde des General Borros mit Verlust vor 30 Zusammengehauenen und 30 Gefangenen zurückgeworfen worden.

Von Kreuznach ist dagegen der Feind bis Hargesheim eine Stunde vorgedrungen.

General v. Nauendorf steht in der Gegend von Trarbach.

Die mit uns cantonnirenden Truppen werden häufig krank, wo die unsrigen gesund bleiben.

16. Dec. Heute Nacht hat sich die feindliche Armee zurückgezogen und den Sohnwald nur mit der Arriergarde besetzt gehalten.

In dem vom Feind verlassenen Kreuznach hat manche schreiende Gewaltthat und Plünderung Statt gefunden. Nur der General Bernadotte wird sehr gerühmt, und beklagte derselbe bitterlich, daß er gegen dieses überhand genommene Unwesen nichts vermöge, und gab den mit Klagen gekommenen geplünderten Leuten seine Börse und Leinwand.[9] <227> 17. Der Feind wurde heute in seiner Stellung bei Dierenbach und Koppstein angegriffen und durch den ganzen Sohnwald bis hinter Argenthal vertrieben.

Der sogenannte Ellerkopf war mit dem Bataillon von Bamberg besetzt.

Gegen Abend 6 Uhr kamen 3 feindliche Bataillons mit entsetzlichem Geschrei und klingendem Spiel, wobei auch noch Attaque geblasen wurde, auf die Bamberger angestürmt, welche sich genöthigt sahen, mit Zurücklassung ihrer beiden Kanonen die Flucht zu nehmen. Da jedoch die Division von Waldeck-Dragoner die Attaque hörte, jagte sie darauf los, hieb gegen 50 Feinde nieder und machte 120 Mann Gefangene.

General v. Kray wurde in der Gegend von Kirn angegriffen; er verlor viel, schlug aber zuletzt den Feind zurück und machte 200 Gefangene.

General Nauendorf hat den Feind von dem sogenannten stumpfen Thurm, wo viele zusammengehauen wurden, vertrieben und seinen Marsch gegen Trier gerichtet.

20. Dec. Das kurkölnische Bataillon erhielt um halb 1 Uhr Mittags den Befehl, sogleich aufzubrechen und nach Eckweiler zu marschiren. Dieser Marsch war einer der schlimmsten in dieser Regenwitterung; die Mannschaft verlor größtenteils die Schuhe, und obwohl wir bisher auf den stärksten Märschen wenig Marode hatten, so mußten doch diesmal 50 auf dem Wege liegen bleiben. Die Kanonen mußten wir mit Bedeckung von einer Compagnie weit zurücklassen, und es war 1 Uhr Nachts als wir in Iperscheid halt machten.

Den 21. marschirt das Bataillon ¾ Stunde weiter auf Eckweiler, wo General Graf Erbach ist, in Cantonnirung.

Gen. Marceau trägt dem Gen. v. Kray einen <228> Waffenstillstand an, welchen dieser für sich und unser Corps angenommen und welcher bis Nachts 12 Uhr währt.

Man verzweifelt im Hauptquartier, daß der Feind über die Mosel zu bringen sein werde; er verstärkt sich noch immer hier, aber Geschütz und Magazin schickt er zurück.

Gen. v. Nauendorf hat auf seinem Zuge nach Trier eine Schlappe bekommen; er verlor unter andern 3 Compagnieen von Pellegrini, die mit dem Major Streukowitz gefangen wurden. Unsere Kanonen sind nun wieder beim Bataillon eingetroffen; allein man muß bei dem Gedanken eines Rückzugs erschrecken, weil die Pferde äußerst entkräftet sind und kein Vorspann zu haben ist.

Den 23. Es scheint der Hunnsrücken werde, wenn er nicht durch Unterhandlungen erlangt wird, mit den Waffen nicht erobert werden, weil man rücksichtlich eines Waffenstillstandes unterhandelt.

Gen. Graf Erbach erhält durch ein Schreiben des Generals von Kray die Nachricht, daß mit dem feindlichen General Marceau ein Waffenstillstand mit sehr vorteilhaften Bedingnissen für die F. M. Wurmsersche Armee eingeleitet sey, dessen Bestätigung nun von den beiderseitigen General en chefs Clairfayt und Jourdan abhinge.

Das Bataillon kommt 2 Stunden weit auf den 3ten Tag ganz auf Piquet.

Es ist schon übereingekommen worden, daß die Vorposten sich aller Feindseligkeiten gegen 12stündige Aufkündigung enthalten sollen. Dieses scheint jedoch blos die Vorposten der Generale Kray und Haddyck zu begreifen, da der von seinem Obersten, welcher die Vorposten zwischen uns hier und General Fürst Hohenlohe befehligt, so eben zurückgekommene Major von Kaiser Husaren sagt, daß man dort von nichts wisse, und daß gestern noch einige Gefangene gemacht worden.

Die beiden Generale Haddyck und Bernadotte bestellten sich auf gestern Morgen zu einer Unterredung. Der Oberst von Brixen ritt mit Ersterem auf die Vorposten; <229> allein Gen. Bernadotte ließ sich durch seinen Adjutanten entschuldigen, daß er aus der Ursache sich nicht selbst einfinden könne, weil er zum General en chef berufen worden; er habe jedoch den General-Adjutanten zur Unterhandlung mit dem Generalbevollmächtigt. General Haddyck, etwas empfindlich, daß General Bernadotte nicht selbst gekommen, sagte nun ganz kurz, daß er ihm habe Vorschlägen wollen, den Waffenstillstand so zu verlängern, daß er 12 Stunden vorher aufgekündiget, jeden Tag aufhören könne. Der Adjutant nahm dieses im Namen seines Generals an, und verhieß die heiligste loyauté von ihrer Seite.

General Bernadotte ließ nochmals eine persönliche Unterredung anbieten, die aber General Haddyck ablehnte.

Das Bataillon war heute Nacht im Sohnwald, dem sogenannten Koppstein gegenüber, auf Vorposten. Der Dienst und die Subsistenz für die Truppen ist sehr beschwerlich, weil weder Fleisch noch Gemüß zu haben ist. Hauptmann Werner hat mit den übrigen Kriegsgefangenen Hoffnung, bald ausgewechselt zu werden.

24. Dec. Unsere Quartiere sind äußerst schlecht, das Land ist ganz ausgezehrt und die Mannschaft liegt so übereinander, daß in Kurzem ansteckende Krankheiten daraus entstehen müssen; es scheint, daß man uns Reichstruppen meistens auf Postirungen verwenden werde, wozu wir aber nicht mobil genug sind.

25. Alles ist ruhig.

Der Obrist v. Brixen dankt im Namen des ganzen Contingents in den rührendsten und dankgefühlvollsten Ausdrücken Sr. Kurfürstl. Durchlaucht beim bevorstehenden Jahresschluß für alle die wichtigen und vielen Wohlthaten und großmüthigen und väterlichen Gesinnungen, womit Hochdieselben sich an unserm Kontingent vor allen andern Fürsten dieses Jahr ausgezeichnet haben.

Wir wünschen uns eine baldige Erlösung aus hiesiger Gegend, sey‘s auch mit den Waffen in der Hand, zu <230> erringen, weil gar nichts mehr von Lebensmitteln zu haben, und von Winterquartier gar keine Rede ist.

26. Hauptmann Werner ist mit mehrern Kriegsgefangenen in Mainz eingetroffen; sie dürfen aber so lange nicht dienen, bis die Auswechselungs-Scheine aus Frankreich kommen.

27. Heute Morgens hat Gen. Kray den G. F. M. L. Graf Erbach benachrichtigt, daß er auf Befehl des F. M. Gr. Clairfayt dem Feind heute, sobald ein dahin geschickter Offizier zurückkommen werde, den Waffenstillstand aufkündigen würde. Nachmittags berichtet er demselben aber, daß F. M. v. Wurmser den Waffenstillstand eingegangen und daß er folglich von der hier angetragenen Aufkündigung sich loszusagen habe; er bemerkte, daß der General Graf v. Bellegarde von Seiten der Wurmserschen Armee die Unterhandlung gemacht und der Waffenstillstand sei gegen 10tägige Aufkündigung.

31. Dec. Nach einem Generalsbefehl des F. M. Graf Clairfayt d. d. Kreuznach vom heutigen Tag wird die Einstellung der Feindseligkeiten anbefohlen und den Generalen, Staabs- und Oberoffizieren, schärfstens verboten, sich ohne des Feldmarschalls Erlaubniß, oder in seiner Abwesenheit ohne diese des G. F. Z. M. Gr. Wartensleben mit Leuten vom Feind in Correspondenz, oder auch in mündliche Unterredung einzulassen, und ist jeder Offizier, der diesen Befehl übertritt, dem Armee-Commando zur Bestrafung anzuzeigen, jeder Gemeine aber ohne weiteres mit 50 Stockstreichen abzustrafen; sollten jedoch Offiziere oder Leute vom Feind herüber auf unsere Vorposten kommen, so sind selbige abzuweisen, und wenn sie nicht zurückgehen wollen, zu arretiren, und dem Feind unter Arrest zurückzuschicken.

Der Major Pokorni vom Generalstaab ist mit der Ratification des vom Gen. Kray und Major Plonquet verhandelten Waffenstillstandes an den General en chef Jourdan nach Kirberg abgegangen.

Gen. Gr. Erbach ist heute auf Befehl des F. M. Gr. <231> Clairfayt von hier nach Mainz abgereis‘t, um das Commando über die Reichstruppen zu führen, so lange der Feldmarschall mit Urlaub in Wien sein wird.

Die Brigade des Rheingrafen Salm kommt an die Nahe zu stehen auf Postirung. In jedem Fall trifft uns das schlimmste Loos, da wir in der ausgezehrtesten, durch Häufung der Truppen mit Krankheit schon angesteckten Gegend stehen.

Das Interims-Commando übernimmt G. F. Z. M. Graf Wartensleben. Unser Depot wird in Frankfurt ins teutsche Haus, weil es ohne Rücksicht in Mainz abgeschafft ist, transportirt.

1796.

Jan. 2. Durch Generalsbefehl des in Abwesenheit des commandirenden F. M. Excellenz befehligenden G. F. Z. M. Gr. Wartensleben wurde der Armee bekannt gemacht, daß das Hauptquartier am 3ten dieses nach Mainz verlegt wird, wonach der Ordonanzcours aufzustellen ist.

Die Kriegscasse und das Generalkriegscommissariat kommt nach Wiesbaden, das Fuhrwesencorps zur Nidda, die Packreserve zu Keltersbach.

Jan. 3. Unser Bataillon ist von der ganzen Infanterie allein in der hiesigen Gegend zum Soutien der Vorposten bestimmt.

Der eben angekommene General Graf Mercantin versichert Obrist von Brixen, daß er zum Soutien für ihn und General Fürst Hohenlohe bestimmt sei.

 

Vorposten-Commandanten sind:

General Fürst Hohenlohe vom Rhein bis Sieversbach.

General Graf Mercantin von da bis Kirn, wo General Kray an ihn und an Kray General Graf Nauendorf anschließt.

General Mercantin hat unter sich:

10 Escadrons K. K. Husaren,

6 Compagnieen Rothmäntler,

6 Compagnieen Warasdiner,

und zum Soutien gemeinschaftlich Kurköln. <232> Der größte Theil der Armee bezieht die Winterquartiere jenseit des Rheins.

Das Hauptquartier geht heute von Kreuznach nach Mainz.

Sponheim, 6. Jan. 1796. Der Obrist v. Brixen rückt heute mit der 1ten Grenadier-Comp. hier ein; die übrigen Compagnieen haben die Ortschaften Mantel, Brauweiler, Treizen, Rüdesheim und Winzenheim.

Die Mannschaft ist sehr abgerissen, wir sind ohne Bespannung, der Oberst steht um Verlegung nach dem Rhein an.

Cassel [=Mainz-Kastel] 22. Jänner. Das Bataillon rückt hier ein.

Wir liegen äußerst schlecht und elend; es sollen nur 1.000 Mann hier liegen und man hat 13 bis 1400 Mann aufeinander gepfropft, nebst allen räudigen und unheilbaren Pferden, wovon bereits die andern Pferde angesteckt sind.

Die Häuser sind im elendsten Zustande, die Bürger größtenteils Bettler; das Bataillon muß in Häuser, wo nur 2 oder 3 Mann liegen, Holz, Stroh, Oehl, Salz hergeben.

Obgleich 2 Offiziere zusammenliegen, bekommen solche keine Stube geheizt.

Die auf eine dringende Vorstellung erlaubte Verlegung des Bataillons auf nächste Dörfer unbeschadet des Dienstes ist wieder keine Erholung. Die Offiziers vom Oberlieutenant abwärts sollen ¾ Klafter hartes Brennholz empfangen.

Auch das Leibbataillon von Ehrenbreitstein und sein Commandeur erfreuen sich der Zufriedenheit unseres Kurfürsten, und folgt hier ein gnädigstes Handschreiben Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht von Köln an den Obristwachtmeister von Ledebur auf Ehrenbreitstein d. d. Mergentheim den 26ten Jan. 1796.

Lieber Herr von Ledebur!

Ich habe ihr Schreiben vom 9. und 12ten d. M. nebst beigefügter Monatstabelle erhalten. Für den mir überschickten Plan der Belagerung von Ehrenbreitstein empfangen Sie meinen Dank. Ich kann nicht anders als Ihnen meinen Beifall über diese so gut gerathene Zeichnung zu <233> erkennen geben, und es gereicht Mir zur besondern Zufriedenheit, daraus zu sehen, wie nützlich Sie die Ihnen gegönnte Muße anzuwenden, und sich in militärischen Kenntnissen immer mehr und mehr zu vervollkommnen trachten.

Ihr wohlaffectionirter

Max Franz, Churfürst.

 

22. Apr. Heute gehet Sr. K. H. Erzherzog Carl mit G. F. M. L. Bellegarde, Obrist Schmitt und Major Graf v. Wratislaw zur Besichtigung unseres Vorposten-Cordons ab.

2. Mai. Der vom Armee-Commando als General im Hauptquartier angewiesene in K. K. Dienste getretene Prinz Friedrich von Oranien hat als Brigade die Ungarischen Regimenter Zstarray und Samuel Giulay bekommen.

14. Mai. Das Bataillon marschirt von Cassel ab nach Sauerschwabenheim, Groß-Wintersheim und Elzheim.

Des Erzherzogs Karl K. H. kamen auf den Schloßplatz, um dasselbe defiliren zu sehen, und versicherten den Obrist v. Brixen in den gnädigsten Ausdrücken ihres Wohlgefallens.

Das Depot und die Casse bleibt in Mainz.

Täglich marschiren Truppen durch Mainz.

24. Mai kommt das Bataillon in Spredlingen,

25. im Lager von Kreuznach. Aus dem hungrigen Wolff an der Chaussee zwischen die fränkischen und Mainzer Truppen unter der Brigade des Rheingrafen Salm, und unter das Commando des General Graf Mercantin, dessen Corps an das des General Baron Kray anstößt und ans 3 Brigaden, nemlich Solm-Grumbach, Hohenlohe und Monfrault besteht. Hauptmann Eng. v. Wydenbruck bleibt als krank zurück.

28. wird von hier abmarschirt ins Lager zwischen Allefeld und Gebrath, um dort den Paß, so von der sogenannten Landhütte aus dem Sohnwalde nach Kreuznach führt, zu besetzen; neben uns stehen Kaiser-Husaren.

29. hört man schießen, wegen eines Festes zum <234> Andenken des Sturzes von Robespierre [am 28. Juli 1794] von den Franzosen gefeiert.

31. Mai. Mittags um halb 1 Uhr hört man, nach geendigtem Waffenstillstand, seit 5 Monaten wieder zuerst schießen.

2. Juni 1796 wird Kirn von K. K. Truppen besetzt.

3. Wird Kirn wieder verlassen, indem die große Armee wegen Vordringen des Feinds über den Rhein geht.

4. Erhalt das Bataillon Ordre, auf die Anhöhe von Tanbach zu marschiren. Morgens 3 Uhr wird abmarschirt. Das Regiment Carl Schröder löst uns ab. Bei Ankunft in Tanbach geht die Bagage auf Sponheim zurück, weil der Feind mit einem Durchbruch droht. Das Bataillon muß bivuakiren.

Nachts vom 6. auf den 7. marschirt das Bataillon auf Sobernheim und Wald-Bökelheim.

Vom 7. auf den 8ten ins Lager bei Kreuznach, zwischen Hackenheim und Poffenheim auf den Galgenberg.

9. Kommt Ordre, die Stellung zu verlassen. Nachmittags kommt der Befehl zum Marschiren.

Das Bataillon bezieht das Lager auf der Anhöhe zwischen Schwabenheim und Elzheim vor dem Greifenklauer Hof.

11. Bricht Morgens 9 Uhr das Bat[aillon] auf nach Mainz, wo dasselbe vor den Hechtsheimer Linien auf der Anhöhe von Hechtsheim das Lager bezieht mit dem ganzen Mercantinschen Corps.

12. Die Franzosen rücken zu Algesheim und Bubenheim ein.

14. Mit Tagesanbruch hört man stark und anhaltend kanoniren. Nachmittags zieht sich G. F. M. L. Graf Mercantin ins verschanzte Lager vor Mainz.

Das Bataillon marschirt zwischen Weißenau und heil. Kreuz schon zum Drittenmal mitten in die junge Frucht ins Lager.

15. Das Bat. rückt Morgens 4 Uhr in die Linien, um 7 Uhr wieder ins Lager. <235> Dann wieder vorwärts in die Linien in der Ecke der Laubenheimer Verschanzung.

20. Jun. Die Niederlage des feindlichen Armeecorps, so am 15ten dieses G. F. M. L. Werneck bei Wetzlar angriff, hat die Befreiung von Ehrenbreitstein zur Folge gehabt, welches sich am 18. d. mit der siegreichen K. K. Armee wieder in Verbindung sah.

Gestern wurde eine feindliche Patrouille von 12 Chasseurs hier eingebracht; nach deren Aussage stehen uns 3 kleine Lager bei Odernheim, Wurstadt und Kreuznach entgegen.

22. Der Feind steht noch immer hinter der Selzbach.

25. Wurde von einem Piquet Kaiser-Husaren von 40 Pferden und 1 Offizier ein feindliches Piquet von 100 Pferden bei Obersuntheim überfallen, und 42 Pferde ohne Verlust erbeutet.

3. Juli. Unser Regimentsdepot geht gegen Wertheim zu, wohin Hauptmann Wydenbruck und Fähnrich Tils krank nebst Chirurg Heiß folgen.

Die Franzosen sind vom Niederrhein und der Sieg wieder im Vorrücken; G. F. M. L. Werneck befindet sich auf dem Rückzug gegen Würges. Unsere Bagage und Casse zieht sich nach Aschaffenburg zurück.

12. Zeigt sich schon ein kleines franz. Lager auf der Höhe vor Wiesbaden gegen Mainz und an der Straße nach Schwalbach.

Feindliche Vorposten erscheinen bei Bieberich und Delkenheim.

Rheingraf Salm hat das Commando in Cassel, und Oberst von Brixen wird das Brigade-Commando von 4 fränkischen Kreisbataillons anvertraut, welche mit kurkölnischem Bataillon die Besatzung des linken Flügels der Hechtsheimer Verschanzungen zu bestreiten haben.

15. Verläßt das Mercantinsche Corps auch Mayn-Bischofsheim und die Post ist gehemmt.

23. Nachmittags recognoscirt der Feind bis Hochheim.

24. General Marceau, welcher die Blocade <236> commandirt, besetzt diesen Posten, wodurch wir dann auch von dieser Seite umzingelt wurden. Dießseits bleibt der Feind hinter der Selz; die Communication mit Mannheim ist daher unsicher aber nicht gesperrt.

27. Juli. Mit Tagesanbruch rückt der Feind von Selz gegenüber den Verschanzungen auf die Höhe von Ebersheim, wo er lagert. Wir bleiben im Besitz der Dörfer Nackenheim, Bodenheim, Laubenheim, Hechtsheim, Marienborn, Drais, Fintheim, Bretzenheim, Budenheim, Gonsenheim und Mombach.

89. Der Gouverneur General Neu macht bei Tagesanbruch mit 6 Bataillons Infanterie und 3 Escad. Cavallerie einen Ausfall in 3 Kolonnen gegen die feindliche Stellung bei Ebersheim nach der Disposition, um den Feind gegen die Selz zu drücken. Anfangs gings gut; aber wegen Mangel an Cavallerie, deren der Feind viele hatte, und wegen Fehler in der Disposition wurden die Kolonnen plötzlich wieder bis Hechtsheim, Gonsenheim und Bretzenheim geworfen. Wir machten 120 Gefangene, verloren aber 150 Mann und 60 Pferde, welches, weil wir nur 5 schwache Escadrons haben, ein empfindlicher Verlust ist. Am Ende waren wir froh, die alte Position wieder zu bekommen.

30. Der Feind nimmt Bodenheim und Nackenheim.

1. August erscheint feindliche Cavallerie zwischen Rhein und Main im Darmstädtischen, so sich bei Bischoffsheim und Ginsheim postirt.

Unsere nach Aslheim zum Holzschlag geschickte Mannschaft von 100 Mann Infanterie und 60 Mainzer Husaren wurden eingeschlossen, aber Nachts durch ein Detaschement aus der Festung befreit. Holz war das erste, was in der Festung mangelte; nach der Hand schickten wir täglich nach Budenheim zum Holzfällen, welches der Feind, wiewohl er‘s leicht konnte, nicht hinderte.

2. Der Feind rückt näher an die Mainspitze, wo täglich geplänkelt wird.

3. Nachts kommt Befehl, die innere Seite aller Redouten u. s. w. der Linien zu demoliren, womit fortgefahren <237> wird, bis alle Werke der zweiten Linie und hintern Seiten der ersten geschleift waren.

5. August beginnt der Feind mit Bauern rund um die Festung seine Verschanzung, und konnte nur von den Auen beunruhigt werden.

14. In der Nacht legte der Feind unserm Lager gegenüber eine große Redoute an, die morgen mit vielem Geschütz beschossen wird. Der Bau, so schon tief in der Erde war, wird indessen fortgesetzt und das Beschießen ließ nach; doch konnte der Feind sein Geschütz einführen.

19. Nimmt der Feind Drais und Fintheim.

20. Geschieht ein Ausfall ins Darmstädtische. Der Zweck ist ebensowenig aus der Disposition, so nur den Marsch 3 Kolonnen auf die Bleiau bestimmt, als aus dem Erfolg zu entnehmen. Er geschah mit 7 Bataillons und 200 Husaren unter Commando des Rheingrafen Salm und Grafen Wittgenstein unter Direction des Gouverneur Gen. Neu, und hätte durch bessere Disposition, durch Eintreibung von Vieh, Demolirung der feindlichen Werke, Zerstörung der Mainbrücke und Gefangennehmung vieler feindlichen Truppen uns erheblichen Vortheil schaffen können. Da aber Niemand wußte, wo er nach gestürmtem feindlichen Lager Halt machen sollte, weil gegen Hochheim nicht einmal eine Demonstration gemacht wurde, die feindliche Artillerie also frei Spiel hatte, so waren wir gleich wieder geworfen und mußten, von 3 Bataillons geschlagen, mit nichts als 46 Gefangenen ohne andern Vortheil zurückkehren. Wir verloren 414 Mann und 47 Pferde.

26. Ersuchte der feindliche General Bonami den Vorposten Commandanten, ihm die Höhen von Fintheim zu überlassen, weil er sie sonst auf Befehl des Generals Marceau nehmen müsse. Der Herr Gouverneur versagte es, und sogleich waren sie genommen, besetzt und behalten; die Garnison verlor dabei einige Leute.

27. Morgens nimmt der Feind die Anhöhen von Hochheim; die Garnison macht einen Ausfall mit Cavallerie und Geschütz, mußte ihm am Ende solche doch überlassen. <238>

28. Aug. Nachts allarmirt uns der Feind bei Laubenheim, wobei er einen unserer Cavallerie Corporal-Posten aufheben wollte.

29. Allarmirt der Feind wiederum.

30. Geschah die Entzündung eines Laboratoriums am Schlosse, wodurch 37 Mann der Artillerie verunglückten, und größtentheils in dortiger Gegend die Fenster zerschmettert wurden.

2. Sept. kömmt durch einen an Geheimrath von Zweht durch den General Marceau gekommenen Brief die erste verblümte Nachricht, daß die K. K. Armee im Anmarsch sei.

3. Macht der Feind einen raschen Anfall auf den Posten von Marienborn, wodurch 1 Offizier und 60 Rothmäntler gefangen wurden; er neckte dann den ganzen Tag die Vorposten und verwundete viele, nur beunruhigte er unsere Holzfuhren nicht.

5. Gab sich ein feindlicher Parlamentair viele Mühe, in die Festung gelassen zu werden, welches ihm aber nicht gestattet wird; er erzählt, der Feind stände in München und F. M. Bender commandire in Böhmen; sonst sei alles bei der Armee ruhig.

6. Neckt der Feind wieder die Vorposten bei Marienborn; man bemerkt wenige Soldaten im Lager bei M[ain-] Bischoffsheim.

7. Bringt ein Bamberger Soldatenweib, das sich beim Holzfällen durch die feindlichen Vorposten geschlichen, die Nachricht, daß die Kaiserlichen bei Würzburg vorgerückt. Man bemerkt vom Observatorium große Bewegungen im feindlichen Lager, und daß Pontons und Kanonen zurückgeführt werden; Nachts ist großes Feuer bei Rüsselsheim, welches zwei brennende Mainbrücken sind.

8. Mit Tagesanbruch sehen wir im Darmstädtischen keinen Mann mehr. Der Gouverneur bekommt von Sr. K. H. dem Erzherzog Carl von Aschaffenburg die Nachricht von der Ankunft der Armee und Befehl, die Garnison marschfertig zu halten. Wir sehen, daß sich auf der andern Seite das <239> Geschütz meistens verloren. Nachts halb 12 Uhr wird der Ausfall auf morgen befohlen.

9. Sept. Morgens 4 Uhr versammeln sich 3 Kolonnen von 12 Bataillons und 3 Escadrons vor Cassel.

Die 1te von 2 Bataillons unter Commando des Obrist von Zschok nimmt ihren Weg über Bieberich auf das Chausseehaus auf der Schwalbacher Straße.

Die 2te unter Gen. Maj. von Milius, wobei wir – Kurköln – mit 1 Escadron Husaren ohne leichte Infanterie die Avantgarde hatten, nimmt ihren Weg ebendahin über Wiesbaden.

Die 3te unter Gen. von Wittgenstein von 4 Bataillons, nimmt ihren Weg über Erbenheim gegen die Platte.

Der Feind hatte Nachts seine Stellung verlassen, und sich auf die Höhe der Platte gesetzt. Wir stießen zuerst in Wiesbaden auf seine Vorposten, die er an dem Saum des Waldes hatte. Die 2 kurköln. Compagnieen unter Befehl des Oberlieutenant von Pfeiffer und Hauptmann von Hundhausen, welche die Avantgarde des Bataillons machten, drangen mit rühmlicher Entschlossenheit rasch vor, und wir beschossen ihn so wirksam, daß er mit 2 Haubizen und Achtpfündnern wich; es wurden nun noch 3 Compagnieen nachgeschickt, und der Feind ließ sich, obwohl er gegen uns 3 Bataillons haben mogte, auf eine unbegreifliche Art werfen, und bis gegen Schwalbach forttreiben. Denn nachdem er erst über den Wald war, kam erst die leichte Infanterie zur ersten Kolonne dahin nach.

Oberst v. Brixen vermag die Bravour der gesammten Mannschaft nicht genug zu rühmen, wovon einige Plänkler bis in Schwalbach eindrangen, wobei sich doch 3 Bataillon und 4 Escad. vom Feind gesetzt hatten, und wir würden viel schweres Gepäck und Geschütz vom Feind am steilen Berg genommen haben, wenn General Milius nicht für gut befunden, die 4 übrigen Bataillons seiner Kolonne 2 Stunde hinter der Avantgarde zurückzulassen, welches verhinderte, so <240> rasch vorzurücken, als es nach der schlechten Vertheidigung des Feindes möglich war.

Wir fanden auf dem Wege 2 schwere Kanonen von Königstein.

Von dieser Kolonne ist außer unserm Bataillon und der Cavallerie nichts ins Feuer gekommen, und obwohl dieß sehr lebhaft war, so haben wir doch nur einen leicht Verwundeten.

Die 3te Kolonne vertrieb den Feind von der Platte und besetzte den Gebirgsrücken. Dieser Berg, die Hitze des Tags, hat die Mannschaft äußerst ermattet. Nachmittags, als das Bataillon in der sogenannten Schwedenschanze vor Langen-Schwalbach stand, bekamen wir Ordre zum Rückmarsch in die Linien vor Mainz.

10. Sept. Rückt das Bataillon wieder ein, weil es wegen gar zu großer Ermattung gestern die Linien nicht erreichen konnte.

Während der Blokade hat das Bataillon weder vor‘m Feind, noch durch Krankheit etwas verloren; nur 5 Mann desertirten beim Holzfällen, und ein kaiserl. Fuhrknecht ging mit 2 Pferden zum Feind über.

Die übrigen Bataillons verloren viel mehr und die Cavallerie gegen 100 Pferde. Nach dieser Blokade brachen Wechselfieber aus, woran wir 31 Mann und den Oberlieutenant Hartig krank in eigener Verpflegung haben. Lieutenant von Waldenfels thut wegen Brustleiden keine Dienste.

Die Theurung war in Mainz groß; der Soldat aber hatte aus dem Approvisionement gute Kost; an Salz, frischem Fleisch und Holz würden wir bald Mangel erlitten haben.

10 Bataillons der hiesigen Garnison werden sich heute mit der Armee vereinigen.

Neuhof, 15. Sept. Das kurköln. Bataillon wird mit 3 Bataillons Stuart, Kaunitz und Lascy unter Commando des Generals Simbschen beordert, nach Neuhof zu marschiren und zu den dort bereits stehenden 2 Bataillone Lascy und Callenberg, dann 2 Compagnieen Wurmser <241> Frei-Corps, wozu noch das Regiment Zeschwitz Kürassier kommt, zu stoßen.

General Neu, welcher das ganze Corps der Mainzer Garnison befehligt und durch Cavallerie der großen Armee verstärkt ist, hat sein Hauptquartier in Schwalbach.

Der Feind hat seine Vorposten dießseits Limburg im Zollhaus, und der Obrist von Bussy in Kirberg.

Das Bataillon steht im Bivouac.

Außer unserm Bataillon sind alle Reichstruppen in Mainz geblieben und bestehen aus beiläufig 5.000 Mann.

Neuhof, 15. Sept. Das hier gestanden habende Corps erhält Ordre zum Marsch nach Kirberg.

Die Armee des Generals Jourdan steht hier an der Lahn; die Avantgarde besteht aus der Division des Generals Marceau und ist eine Stunde von diesem Fluß.

Das Hauptquartier Sr. K. H. des Erzherzogs war gestern in Münster. G. F. M. L. Hotze stand bei Selters; die Avantgarde desselben unter Commando des Generals Spiegelberg griff den Feind bei Nauheim an, wurde aber wegen Uebermacht des feindlichen Geschützes bis hinter Kirberg zurückgeworfen. Der General Simbschen schickte derselben heute Nachts 2 Bataillon Lascy und Callenberg mit 1 Division von Zeschwitz und 2 Cavallerie-Kanonen zur Unterstützung.

Auch General Milius wurde gestern angegriffen bei Holzhausen an der Straße von Schwalbach und mit einigem Verlust zurückgeschlagen.

 

Damit nun schließt sich das Tagebuch vom kurkölnischen Obristbataillon unter dem verdienten Obrist v. Brixen. […] Das kurkölnische Oberstbataillon unter Oberstlieutenant von Ledebur, welches mit der Besatzung auszog, wurde nun in das Herzogthum Westphalen verlegt.

Literaturverzeichnis

Windeck. (1834). Kurkölnisches Regiment bei Kriegsvorfällen ... 1794-1796. In L. Bleibtreu (Hrsg.), Denkwürdigkeiten aus den Kriegsbegebenheiten bei Neuwied von 1792 bis 1797 (S. 208 ff). Bonn: Georgi.

 


[1] Fundstelle: (Windeck, 1834); ULB Düsseldorf; urn:nbn:de:hbz:061:1-73887 – oder BSB München; urn:nbn:de:bvb:12-bsb10727801-4.

[2] Der von den K. K. und Reichstruppen so tapfer abgeschlagene Sturm auf die Zahlbacher Schanze, das mörderische Gefecht, was so viel Blut kostete, jedoch den Teutschen den Sieg ließ.

[3] Ueber dieses Gefecht beziehen wir uns auf eine besondere Anlage.

[4] Befand sich auch als Major des Ingenieur-Corps zu einer andern Zeit bei der Königl. preußischen Armee und soll ein verdienstvoller Offizier gewesen sein, welchen der Verfasser in Neuwied bei dem von Saarbrücken ausgewanderten Baron Richard von Ueberherrn kennen lernte.

[5] François Sébastian Charles Joseph de Croix Graf von Clerfait und von Carbonne, auch Clerfayt oder Clairfait, (* 14. Oktober 1733 auf Schloss Bruille im Hennegau (Österreichische Niederlande); † 21. Juli 1798 in Wien) war ein österreichischer Feldmarschall.

[6] Auf Anlage des amtlichen Berichte der K. K. Armee und der Reichstruppen unter Feldmarschall Graf Clairfayt wird sich hier bezogen.

[7] Hauptmann von Hundhausen wurde bei Auflösung des Erzstifts Köln in Großherzogl. hessische Dienste übernommen, wohnte 1806 – 1808 den Feldzügen in Preußen und Polen bei, wurde späterhin Cantons Commandeur in Westphalen und starb zuletzt pensionirt in Worms.

[8] Wilhelm Ludwig Gustav Graf von Wartensleben (* 11. Oktober 1734 in Hessen-Kassel; † 21. April 1798 in Wien) war ein kaiserlich-österreichischer Feldzeugmeister, zuletzt Kommandierender General in Siebenbürgen.

[9] Dieses achtungswürdige, menschenfreundliche Benehmen thut dieser würdige General auch am Niederrhein, besonders in Neuwied, bei jeder Veranlassung bewiesen, und so waren es diese Tugenden der Menschlichkeit und Großmuth, besonders in Hannover, welche eine so günstige Meinung von demselben in Schweden vorbereiteten.

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