Adelheid von Geldern

 

Steht bei Bonn am alten Rhein

Ein verfallen Klösterlein,

Das der edle Graf von Geldern

Reich bedacht mit Gut und Feldern,

Seine Tochter Adelheid

Zur Aebtissin eingeweiht.

 

Das war eine fromme Frau,

War die frömmst‘ im ganzen Gau.

Hatte freudig hingegeben

Irdisch Gut und junges Leben

Gott und Frau Cäcilia,

Die sie oft im Traume sah.

 

Einer Nonne, jung und hold

Prangend in der Locken Gold,

Wollte kein Gesang gelingen;

Strafe mocht‘ es nicht erzwingen;

Immer blieb es ein Geschrei,

Wie von Teufels Klerisei.

 

Als sie einst im hohen Lied

Falsche Töne nicht vermied,

Gab die Frau, in Gott verloren,

Einen Schlag ihr an die Ohren,

Daß sie schwer mit Krämpfen rang

Und von Stund an göttlich sang.

 

Flehend bitten laßt uns ja

Gott und Frau Cäcilia,

Daß zu unsrer Ohren Labe

Auferstehn aus ihrem Grabe

Die Aebtissin wieder mag,

Schaltend bis zum jüngsten Tag.

 

K. Simrock

aus: Karl Simrock: Rheinsagen aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter, Bonn (Weber) 1837, Seite 143 f.