2000 Nov 29 Dynamit Nobel mit deutlichem Gewinnsprung

BILANZ Troisdorfer Konzern hat sich vom Sprengstoffhersteller zum High-Tech-Unternehmen gewandelt

Von Klaus Elsen

 TROISDORF. Der Umbau der Dynamit Nobel (DN) vom traditionellen Industriekonzern zum industriellen High-Tech-Unternehmen ist weit fortgeschritten und Sprengmittel spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Begleitet wurde der Strukturwandel im gerade abgelaufenen Gesch�ftsjahr 1999/2000 von Umsatz- und Gewinnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich. Entsprechend selbstbewusst kommentierte der neue DN-Vorstandschef J�rg Deisel gestern den Gesch�ftsbericht bei der Vorstellung in K�ln: „Wir geh�ren in technologisch anspruchsvollen Nischenm�rkten zu den Top-Unternehmen im globalen Wettbewerb." DN geh�rt zur Frankfurter „mg technologies".

Der DN-Konzern-Umsatz stieg in den vergangenen zw�lf Monaten um 291 Millionen Euro (569 Millionen Mark) auf knapp 2,7 Milliarden Euro (5,2 Milliarden Mark), was einem Plus von zw�lf Prozent entspricht. Gleichzeitig stieg der Gewinn vor Steuern um 51 Prozent auf 242 Millionen Euro (473 Millionen Mark). Die Umsatzrendite erh�hte sich sich von knapp sieben auf stattliche neun Prozent. Bei einer Bilanzsumme von 1,85 Milliarden Euro (3,6 Milliarden Mark) erh�hte sich das Eigenkapital des Troisdorfer Unternehmens auf 677 Millionen Euro (1,3 Milliarden Mark). Trotz anhaltender Rationalisierungen kletterte die Zahl der Mitarbeiter um knapp 300 auf 16 256. Davon sind zwei Drittel an den verschiedenen DN-Standorten im Inland besch�ftigt.

Der Umsatz der DN und ihrer Tochterunternehmen wie Chemetall, CeramTec oder Menzolit verteilt sich auf die Gesch�ftsfelder Kunststoffe (33 Prozent), Spezialit�tenchemie (29 Prozent), Pigmentchemie (13 Prozent), Sprengmittel (14 Prozent) und Hochleistungskeramik (11 Prozent). Vor zw�lf Jahren - nachdem DN vom Flick-Konzern verkauft und aufgeteilt worden war - hatte der Konzern einen Umsatz von rund einer Milliarde Mark. Damals wurden noch drei Viertel des Gesch�ftes mit Sprengmitteln und Wehrtechnik gemacht. Diese Zeiten sind l�ngst vorbei. Im Gesch�ftsfeld Sprengmittel ging der Umsatz um vier Prozent auf 383 Millionen Euro zur�ck, R�stungsg�ter tragen nur noch mit 71 Millionen Euro (minus 30 Prozent) zum Gesamtumsatz bei.

Wichtigster Partner der DN ist mittlerweile die Automobilindustrie. Knapp 35 Prozent des Umsatzes werden als Zulieferer f�r Autokonzerne erwirtschaftet. Im Gesch�ftsbereich Kunststoffe sind es sogar 90 Prozent, sagte Deisel. „Wir geh�ren mit unseren thermoplastischen Bauteilen zu den gro�en Automobilzulieferern in Europa." Vorzeigemodelle mit DN-Produkten an Karosserie und im Innenraum sind von Daimler-Benz die Sund E-Klasse, der Audi A 6 und nat�rlich der Smart, zu dem DN immerhin 29 Prozent beisteuert. Der Smart wird im lothringischen Hambach gebaut. Das dortige DN-Zulieferwerk st��t mittlerweile an seine Kapazit�tsgrenzen und soll erweitert werden. Mit dem Kauf der Emplast SA in Argentinien hat DN auch auf dem s�damerikanischen Kontinent als Autozulieferer Fu� gefasst. In der Hochleistungskeramik - produziert werden Bauteile f�r Elektronik, Maschinenbau und Medizintechnik - erwirtschaftete DN bei einem Umsatz von 300 Millionen Euro einen Gewinn von mehr als 44 Millionen Euro. Expandierende M�rkte sieht Deisel hier vor allem in der Medizin und im Fahrzeugbau.

Kein Wunder, dass Deisel bei seinem Ausblick auf das neue Gesch�ftsjahr Automobilindustrie, Life-Science und Elektronik als die Branchen nannte, in denen DN bevorzugt expandieren will. Deisel: „Wir setzen dabei auf internes und externes Wachstum." Im Klartext: Der Konzern wird auch in Zukunft Firmen einkaufen, um seine Wettbewerbsposition zu verbessern. Gleichzeitig werden Unternehmensteile verkauft, so Deisel, „die nicht �ber das von uns angestrebte Wachstumspotenzial verf�gen". Dazu geh�rten im abgelaufenen Gesch�ftsjahr die Produktion von PVC-Stabilisatoren und das Galvanikgesch�ft. Mit dem australischen Sprengmittelhersteller Orica hat DN die komplette �bernahme der Sprengmittelproduktion f�r Bau und Bergbau in Troisdorf und W�rgendorf vereinbart.

(Generalanzeiger Bonn, 29.11.2000)