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 Adelich Hauß undt Capel: Schloss Auel im Aggertal

 

 Der Rittersitz ist der großen Geschichte des Malteser-Ordens verbunden

 

 von Marie-Luise Mettlach

 [eine Veröffentlichung des Schloss Auel Hotels, Wahlscheid]

 "Jetzt besichtigt man die Auen/

 Tut sich Wald und Fluss beschauen,/

 Schießt dann nach des Hirsches Kronen/

 Mit Vergnügen und Patronen./

 Doch der schönste aller Sporte/

 In des Teiches kühlem Orte/

 War das Rudern mit dem Kahn/

 Auf der nassen Wasserbahn. . ."

 Mit diesen launigen Versen hielt Emma von Bülow, die spätere Gräfin zu Berlepsch in Hübenthal bei Witzenhausen in Hessen den "Besuch des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, Majestät Wilhelms II. als Prinz Wilhelm von Preußen" in Haus Auel in Wahlscheid Bz. Köln am 12. Juli 1879 fest.

 Was den Prinzen und seine Reisegesellschaft vor 115 Jahren entzückte: die liebliche Aggerlandschaft mit ihrem Wasser- und Waldreichtum -- sie hat, trotz der inzwischen durch sie führenden, stark befahrenen Bundesstraße von Overath nach Siegburg bis heute viel von dem ursprünglichen Reiz bewahrt, der auch den ersten Bewohner des Rittersitzes Auel dorthin gezogen haben mag.

 Vor 600 Jahren erwähnt?

 "Auel" ist nach H. Dittmaier ein Namenwort, das sich von "ouva" = Wasserland ableitet und bedeutet "eine von drei Seiten von Wasser umgebene Flußwiese".

 Möglicherweise ist der 1391 urkundlich erwähnte "Peter van me Auel" der erste Besitzer eines festen Hauses an diesem Ort; sicherer sind die Kenntnisse über die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts dort ansässigen von Meuchen, nach denen das Haus auch Meuchenauel genannt wurde (im Volksmund Michelauel). Ihr Wappen war "im rothen Felde ein silberner Querbalken mit drei gestürzten Eisenhütlein von blauer Farbe, auf dem Helme ein schwarzer, rothaufgeschlagener Hut, besteckt mit zwei Elefantenrüsseln, von denen der rechte silbern, der linke blau gefärbt ist. Die Becken sind von silber und blau.

 Wilhelm von Meuchen, der 1500 starb, vererbte das Gut Auel seinem jüngsten Sohn Friedrich, der mit einer Witwe von Selbach, geb. Stael zu Holstein, verheiratet war. Da beider Sohn Johann nur Töchter hatte, erlosch mit ihm das Haus Meuchen im Mannesstamm. Um die Mitte des 17. Jh. wird die Familie von der Reven als Eigentümer von Auel genannt. 1645 verband sich Heinrich von der Reven zu Auel mit Anna Margaretha von Hammerstein, der Erbin des oberhalb von Auel gelegenen Rittersitzes Honrath. Beider Tochter Josepha Gertrud, heiratete 1702 Johann Gerhard Stael von Holstein zu Eulenbroich. Noch im gleichen Jahr wurden Auel und Honrath an Johann Caspar Proff zu Menden verkauft.

 Auel vor 1755

 Wie der möglicherweise schon mehrfach umgebaute "viel gemeine hof" zum Auel nach dem Erwerb durch Johann Caspar von Proff zu Menden aussah, ist uns durch eine Zeichnung überliefert, die sich im Historischen Archiv des Erzbistums Köln befindet. Das grün und rot kolorierte Blatt gibt unter dem Titel "Wahrhafte Abbildung des Hauß und Rittersitz Auels im Kirspel Honrath Bergischen Ambts Blanckenberg gelegen auff die arth, wie Es Vor dem Jahr 1755 erbaut gewesen" ein anschauliches Bild der rechteckigen, völlig geschlossenen Anlage. Im Vordergrund ist ein Weg eingezeichnet, von dem aus eine Brücke über den "weyer rings um das Hauß" zum Eingang an der Längsseite des Baukomplexes führt. Dieses vordere Torhaus ist, wie das ihm gegenüberliegende ("Der hintere Außgang ), mit einem gewölbten Dach versehen und mit einem offenen Glockentürmchen gekrönt. Rechts an den Eingang schließt sich das "breu-Hauß", links "back-hauß und pferdtstall" an. Links neben dem "hinteren Außgang" sind "Heu- und Kuhstall", rechts davon das "halbmans Hauß" zu sehen, daneben das "spühlhauß". Als einziges zweistöckiges Gebäude wird an der Westseite der Anlage das Herrenhaus "Hauß Auel" mit zwei Kaminen, hervorgehoben, daneben - wieder einstöckig - die "Hauß Capel". Auf der dem Haus gegenüberliegenden Seite des Innenhofes ist "die scheur" zu sehen.

 Alte Bausubstanz verwendet

 Caspar von Proff zu Menden starb 1720. Seinem Sohn, Peter Joseph von Proff zu Menden, genügte das Haus in der ererbten Form nicht mehr. Nach 1755, so belegt eine zweite Zeichnung, ließ er das Haus "umbauen und reparieren". Wen er dabei als Baumeister in Anspruch nahm, ist nicht bekannt. Denkbar wäre eine Mitwirkung des J. W. de Warth, der Anfang des 18 Jh. in Hennef/Sieg die heute noch erhaltenen Anlagen Lindenhof und "Proffenhof"` und ähnliche Gebäude in der Region erbaute. Der Umbau, der im Jahr 1763 beendet war, hat im wesentlichen das Gesicht der heutigen Anlage bestimmt. Das Blatt zeigt im Vergleich mit der oben zitierten Zeichnung, daß Peter Joseph von Proff alte Bausubstanz verwendet und nicht, wie vielfach angenommen, nach Abriß vorhandener Bauten auf altem Grundriß neu gebaut hat.

 Was Pläne erzählen

 Der eher laienhafte Plan (man beachte die perspektivischen Ungenauigkeiten, wie z.B. den schiefsitzenden Kamin auf dem Haupthaus) rückt die Veränderungen in den Vordergrund, die dem Zeichner offenbar besonders wichtig waren. Es ist zu vermuten, daß es sich bei den beiden Blättern um Darstellungen im Auftrag der damals neu errichteten Pfarrei Neuhonrath handelt, da sie zusammen mit den Akten der Pfarrgründung aufbewahrt wurden.

 Die Umbauten beginnen, von links nach rechts gesehen, am hinteren Ausgang. Das ehemalige "halbmans-hauß" wurde mit einem hohen Dach mit zwei Fenstern in Höhe des Torhaus-Fensters und einem Dachfenster versehen. Eine neue Zweckbeschreibung fehlt. Das ehemals eingeschlossene "spühlhauß" wurde der Höhe des Herrenhauses angeglichen und auf dem linken Dachfirst mit einer Wetterfahne geschmückt. Auf der Dachfläche vermerkt der Zeichner die Veränderungen: "ahn platz des spühlhauß anhang mit Leyen (?) gedeckt". Im Erdgeschoß ist eine Tür eingezeichnet. Das Haupthaus schließt sich in der Zeichnung ohne Trennung an; dort scheinen jedoch vor allem die baulichen Veränderungen an der Kapelle dem Zeichner wichtig. Auf der Dachfläche lesen wir:

 "Hauß Auel undt Capel bißhero mit pfannen bedeckt, drinnen zwei Altär und ein Cantzel befindtlich. noch zwei beichtstuhl."

 Die Kapelle ist über dem First mit einem turmartigen Dachreiter gekrönt: "Thurm sambt dreyen glocken". Die "Capel" weist an der Längsseite der Anlage außen als besonderes Merkmal eine bis zum Weiher hinunterführende vorgebaute "latrina hinter dem Altar" mit einem kleinen Fensterchen auf. An die Kapelle schließt anstelle des ehemals eingeschossigen Brauhauses die in gleicher Weise wie auf der gegenüberliegenden Seite das "halbmans-Hauß mit Dachausbau, versehene "Wohnung des HofMeisters (?)" an. Die Stallgebäude am unteren Ende der Anlage blieben unverändert. Sie wurden 1865 abgebrochen; der beim Umbau 1763 unverändert gebliebene und damit wohl älteste Teil des Aueler Rittersitzes ging dadurch unwiederbringlich verloren. Übrig blieb die bis heute bestehende dreiflügelige barocke Anlage. Bemerkenswert ist es, daß Angaben über Umbauten am Herrenhaus selbst in der o.g. Zeichnung völlig fehlen.

 Zufluchtsort der Katholiken

 Die Neugestaltung der Kapelle und die damit verbundenen Umbauten hatten einen real-historischen Hintergrund.

 Um 1645 wurde das Kirchspiel Wahlscheid, zu dem Auel gehörte, evangelische Kirchengemeinde Augsburger Konfession. Katholisch blieben u.a. die Familie von Ley (Haus Honsbach), die Besitzer von Burg Schönrath, des Rittersitzes Honrath und von Haus Auel sowie die Bewohner von ca. 38 Höfen. Die weitverstreuten Katholiken, die ab 1689 zunächst vom Augustinerkloster Rösrath, ab 1711 vom Minoritenkloster Seligenthal betreut wurden, kamen zunächst in der Hauskapelle von Haus Honsbach zum Gottesdienst zusammen. Als diese zu klein geworden war, stellte Johann Caspar von Proff die Hauskapelle von Haus Auel zur Verfügung. 22 Jahre lang fanden dort Gottesdienste statt. Durch Missionierung wuchs die katholische Kirchengemeinde ständig, so daß der Neubau einer katholischen Pfarrkirche immer dringender wurde. 1730 verpflichteten sich Adam Maximilian von Ley, Besitzer des freiadeligen Gutes Honsbach, und Peter Joseph Proff, Besitzer des freien Rittersitzes Auel, zur ideellen und materiellen Unterstützung des Projektes. 1732 wurde der Grundstein zur Pfarrkirche in Neuhonrath gelegt.

 Patronat gilt bis heute

 Bereits 1735 stellte sich heraus, daß die Gemeinde die anfallenden Kosten nicht würde tragen können. So traf man sich am 19. Juni 1735 in Haus Auel zu einer Verhandlung, als deren Ergebnis die beiden Adeligen die offenstehenden Rechnungen beglichen. Aus Dankbarkeit wurde ihnen: "ihren Familien und Erben das Patronat mit dem Recht der Präsentation des Pfarrers der neu errichteten Pfarrkirche Neuhonrath und des Pastorats freiwillig und ewiglich übertragen". Dieses "Jus Patronatum", das bis heute gilt, (bei der Neubestallung des Neuhonrather Pfarrers Ende der 70er Jahre mußte der Eigentümer von Haus Auel gefragt werden), wurde am folgenden Tag, wiederum in Auel unter gleicher Beteiligung, vor dem Notar Joes. Engelbert Pütz bestätigt. Wenige Wochen später, am 5. Juli 1735, fand wiederum eine Versammlung "in dem der Kapelle des Hauses Auel gegenüberliegenden Saalzimmer" statt, bei der 31 "katholische Eingesessene" die Verträge genehmigten. Eine endgültige finanzielle Sicherstellung der neuen Pfarrei bewirkten Adam Maximilian von Ley und Peter Joseph von Proff 1738 durch die Verpflichtung zu einer jährlichen Rente.

 Im gleichen Jahr wurde die neue Kirche St. Mariä Himmelfahrt eingeweiht; bis dahin hatten die Gottesdienste noch in der Aueler Kapelle stattgefunden. Über die Einweihung, bei der das Allerheiligste feierlich von Haus Auel in die neue Kirche nach Neuhonrath übertragen wurde, ist uns ein Brief des Franz von Ley an seinen Vater vom 23. September 1738 erhalten:

 "Indemb wir gestrigen abend glücklich wiederumb hier angekommen. gehorsambst berichte, daß vorgestern die Benediktion der newhonrather Kirchen in größter solemnitet geschehen sein: dann Herr Oberlandsdinger und hofrath proff hat einen lieutenant und eyif reuther vom Taxischen regiment darzu begehret welche die begleithung des venerabily vom awel dorthin gethan; also sowohl mit musquetten aiß böllern den gantzen Tag durch gefeuret; soforth eine bande musicanten dabey gehabt und 68 personen des mittags aufhauß auel gespeißet; alles also ist passiret ohne die geringste unordnung, und sehr viele leuthe haben von freuden geweinet...es hatt gedauert von 7 uhren biß halbe eins. . .und ist wacker getrunken und meines Vattern garnicht dabey vergeßen worden..."

 Prozessionen und Büßertreffen

 Die dem Hl. Nepomuk geweihte Aueler Hauskapelle behielt jedoch auch nach der Errichtung der Neuhonrather Pfarrkirche öffentliches Interesse. In einem Visitationsbericht mit Inventarverzeichnis über die Neuhonrather Pfarrkirche heißt es am 15.7.1943 [eher:1743, der Setzer] unter Punkt 61: "D rius [eher: Dnus, der Setzer] de Proff habet Savceilum publicum in nobili arce Auwel." (Herr von Proff hat eine öffentliche Kapelle im adeligen Hause Auel.)

 Die Neugestaltung der Kapelle trug möglicherweise gewandelten Nutzungsformen Rechnung. Spätestens ab 1759 gab es einen eigenen Hausgeistlichen auf Haus Auel, für dieses Jahr ist der Eremit "Bruder Elias zu Auel" als Hausgeistlicher belegt. Regelmäßige Meßfeiern scheinen allerdings nicht dort stattgefunden zu haben. In einem Brief an den Generalvikar fragte Peter Joseph von Proff 1759 an, warum dieser nicht wolle, daß das Allerheiligste in die Kapelle des genannten Hauses getragen werde ("... cur Sanctissimum Sacramentum ad Capellam Castri Dicti ferre noluerit ...")

 1763 wird anläßlich einer Begehung des Neuhonrather Pfarrbezirks durch einen Mönch des Klosters Bödingen an der Sieg von einigen Pfarrangehörigen die Frage gestellt, ob man in Haus Auel noch die Messe hören könne. Er antwortet, dort werde an Sonn- und Festtagen lediglich eine Messe für die Schlossbewohner gelesen.

 Sicher ist jedoch, daß die jährlichen Fronleichnamsprozessionen nach Auel führten und dort eine feierliche Messe gelesen wurde. Diese Prozessionen fanden noch bis zum Anfang des 19. Jh. im zwei-Wochen-Turnus statt. Zwischen den beiden Prozessionsgängen wurde in der Aueler Kapelle ein zweitägiges Treffen der "Pönitenten" (Büßer) abgehalten.

 Von gutem und schlechtem Fisch

 Peter Joseph von Proff ( 1699 - 1766) war pfälzisch-jüdischer [eher: jülichscher, der Setzer] Hofrat und, wie schon sein Vater, kurfürstlicher Landdinger (d.i. Vorsitzender des Landgerichts) des Landes und Amtes Blankenberg. Ihm wurde 1835 die zum Rittersitz Honrath gehörende Fischerei in der Agger für 12 Jahre verpachtet.

 Der Text des Pachtbriefes wirft ein Licht auf den Fischreichtum des Flüßchens:

 "... Der Pächter übt die Fischerei zwischen dem Rittersitz Honrath und dem Rittersitz Auel, den er zu eigen besitzt, gegen eine jährliche zu Martini fällige Pacht von 16 Talern kölnisch zu 52 Albus aus ... Der Pächter hat außerdem 30 Pfund Lachs unentgeltlich und darüber hinaus gegen Anforderung guten Fisch pro Pfund für 6 Albus und schlechten pro Pfund zu 3 Albus 4 Heller zu liefern ..."

 Verpächterin war seine jüngere Schwester Maria Anna von Proff, vertreten durch ihren Vormund, Johann Jakob Condoné, kurfürstlicher Geheimer Rat und Jülichscher Ritterschaftssyndicus. Wenige Wochen später verpachtete Peter von Proff die zu beiden Rittersitzen gehörende Fischerei an drei Hofbesitzer weiter, zu "24 Talern zu 52 Albus an Martini, 30 Pfund Lachs und die Verpflichtung, guten Fisch gegen 6 Albus das Pfund, schlechten gegen 3 Albus abzugeben." Nicht erkennbar ist leider, was damals "guter" und was schlechter" Fisch war.

 Nach dem Tode des Peter Joseph von Proff fielen die beiden Häuser Auel und Honrath an seine Tochter Maria Johanna Josepha von Proff. Die Verbindung zwischen den beiden Rittersitzen, die 1645 durch die Vermählung Heinrichs v.d. Reven zu Auel mit der Erbin von Honrath, Anna Margaretha von Hammerstein, in eine Hand gekommen waren, soll durch einen unterirdischen Gang gesichert gewesen sein. In einem Teil des Ganges, so erinnert sich die heutige Eigentümerin von Haus Auel, Tatjana von la Valette St. George, hat vor noch nicht langer Zeit die Feuerwehr Übungen abgehalten.

 M. J. Josepha von Proff heiratete 1756 den aus einer jülichschen Beamtenfamilie stammenden Nicolaus von Doetsch. Sein Vater, Johann von Doetsch, war als kölnischer Bürger in die Ritterzunft aufgenommen worden; er selbst wurde am 24. Dezember 1759 vom österreichischen Kaiser Franz Josef in den erblichen Adelsstand erhoben. Nach seiner Heirat nannte er sich Herr zu Firmenich, Auel und Honrath. Beider einzige Tochter, Maria Anna Josepha von Doetsch, brachte durch Heirat den Besitz in die Familie von Broe ein. Der Freiherr von Broe amtierte sechs Jahre als Bürgermeister in der unter der französischen Oberhoheit aus den alten Kirchspielen Honrath und Wahlscheid gebildeten Mairie Wahlscheid. Aus der Ehe gingen keine männlichen Nachkommen hervor.

 Von Wasser und Grün umgeben

 Neue Besitzerkontinuität begann, als 1818 Franziska von Broe den ehemaligen Ulanen-Lieutenant im bergischen Dienste, Philipp von la Valette St. George, ehelichte. Wie Haus Auel zu dieser Zeit aussah, zeigt die Katasteruraufnahme vom 1824. Deutlich ist der vom Wasser umgebene, geschlossene Komplex zu sehen; die Ein- und Ausfahrten sowie die hinführenden Wege sind eingezeichnet, aber auch die umfangreichen, symmetrischen Parkanlagen an der Rückseite des Hauses, die in einem großen Rondell ihren Abschluß fanden. Sie sind heute, wie ein zu diesem Park hinführender Seitenflügel, verschwunden, nur unmittelbar hinter dem Hause ist noch ein kleiner Garten. Die Hausweiher wurden zugeschüttet, dem heutigen Eingang gegenüber sind noch zwei Teiche erhalten. Immer noch schön und repräsentativ ist die Kastanienallee an der Bergseite, die früher von Haus Honrath aus zum Eingang führte. Heute ist die Durchfahrt nicht mehr gestattet; die stattliche Allee hat ihre Funktion verloren.

 Eine ebenfalls 1824 angefertigte Liste weist den umfangreichen, zu Haus Auel gehörenden Landbesitz nach, mit Weideflächen und Ackerland, Holzungen, Wiesen und Gärten und einem "Lustgarten von 137 Ruthen und 70 Fuß". Das Burghaus selbst wird mit "150 Ruthen, 90 Fuß" angegeben.

 La Valette und Malta

 Der Großvater des jungen Philipp von la Valette St. George, Jean Paul de la Valette St. George, geboren am 8.6.1740 in Bayonne, war damals als junger Offizier nach Köln gekommen und hatte, nachdem er sich dort 1762 mit Gertrude van Snyders vermählt hatte, Burg Sülz in der Nachbarschaft von Auel erworben. Er gilt als Stammvater des deutschen Zweiges der französischen Adelsfamilie, die durch des Großmeister des Johanniter- und späteren Malteserordens, Jean Parisot de la Valette, im 16. Jh. Weltgeschichte machte:

 Im Jahre 1565 wurde die Insel Malta von türkischen Truppen unter Soliman II belagert und angegriffen. Das Fort St. Elmo an der Spitze der Insel wurde "zum Schauplatz eines der größten bewaffneten Zusammenstöße in der Kriegsgeschichte".

 Der 1494 in der Provence geborene Jean Parisot von la Valette hielt mit der kleinen Besetzung von zweiundfünfzig Rittern und 800 Mann der Übermacht der Türken stand. Zum Dank wurde die neugegründete Hauptstadt der Insel "eine der bedeutendsten geplante Städte der Renaissance" nach ihm benannt. Über die Grundsteinlegung schrieb der Architekt der auf dem Reißbrett entstandenen Stadt Valletta in sein Tagebuch:

 "... Am 28. März 1566 begann die neue Stadt auf der Insel Malta. . . Danach wurde der Grundstein gelegt, auf den das Heilige Kreuz des Ordens mit seinen acht Ecken eingemeißelt war. Und der Großmeister schenkte mir eine goldene Kette. Auch die lateinische Inschrift des Grundsteins ist überliefert: "Fra Jean de la Valette, Großmeister des Hospitaliter-Ordens von Jerusalem, eingedenk der Gefahr, welcher ein Jahr zuvor seine Ritter und das maltesische Volk während der Belagerung durch die Türken ausgesetzt waren, und nach Beratung mit den Häuptern des Ordens über den Bau einer neuen Stadt... legte nach Anrufung des Allmächtigen Gottes. . . den Grundstein der Stadt auf dem Hügel, welcher von den Einheimischen Sceberras genannt wird, und wünschte, nachdem er ihr als Stadtwappen einen goldenen Löwen auf rotem Schild verliehen, daß sie nach seinem Namen Valletta genannt werde." "

 Kaiserliche Gäste kamen

 Nicht weltgeschichtliche, aber durchaus regionale Bedeutung erlangte der Sohn von Franziska von Broe und Philipp von la Valette St. George, der 1831 geborene Dr. phil. und Dr. med. Adolf Johann Hubert von la Valette St. George zu Auel. Der geheime Medizinalrat, Professor und Rektor der Bonner Universität, wurde 1886 durch Wilhelm I. von Preußen in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Die Urkunde, die sich im Besitz der Freiherren von la Valette in Schloss Auel befindet, ist vom preußischen König und deutschen Kaiser eigenhändig unterschrieben. Er hatte wohl als Kronprinz zu den Studenten des beliebten Universitätslehrers gehört.

 Prof. Dr. von la Valette fuhr, wie sich alte Wahlscheider erinnern, bis zur Eröffnung der Bahnlinie zweispännig zum Dienst. Gekrönte Häupter brachte er als Gäste mit nach Auel. Über die Besuche aus dem Kaiserhaus gibt es eine Reihe von Anekdoten, bis hin zu der Geschichte eines von den Wahlscheidern eigens für den Kaiser gebauten "Drieshüschens" (Toilette), das der hohe Gast jedoch nicht benutzte.

 Unverständnis der hohen Herren (und Damen) für ländliche Schönheiten spricht aus einer weiteren Anekdote:

 "Ein Mitglied der Kaiserlichen Familie hatte angeblich den August Piel, damaliger Gärtner auf Haus Auel, gefragt, warum die Wasserpflanzen auf dem Weiher so große Blätter aufwiesen. August, ein Original, soll geantwortet haben: Do jon de Fisch dronger, wenn et räänt."

 Wie heiter es bei solchen Besuchen zuging, davon gibt auch das bereits in Auszügen zitierte Gedicht von Emma von Bülow einen lebhaften Eindruck. Auch hier spielt die "Droschke des Herrn von la Valette" eine nicht unerhebliche Rolle; mit ihr wurden die hohen Gäste in Bonn abgeholt. Die Reisegesellschaft wird aufgezählt, und, für obrigkeitsgläubige Untertanen leicht respektlos über den prominentesten Gast gesagt:

 "Dann gab es da einen Prinz Wilhelm von Preußen,/

 Gewöhnlich Königliche Hoheit geheißen,/

 Doch werden wir das um der Silben Massen,/

 Bei Nennung des Namens oft unterlassen."

 Nach einem Abstecher in Siegburg, wo man sich in einer Konditorei mit Kuchen, Selters und Bier eindeckte und schließlich von der Polizei hinausgeworfen werden sollte, ging die Fahrt weiter bis nach Auel:

 "Muße, laß mich nun verschnaufen,/

 Und in Auel vor Anker laufen,/

 Laß mich ruhen und indessen,/

 Butterbrod mit Rauchfleisch essen. . ./"

 Die Fischzucht wird besichtigt, dann "die Auen". Neckisches Rudern auf dem Teich.

 "Wo Herr Otto la Valette/

 Greulich und blamieren tät",

 es folgt ein "längeres Menu", ein von der Abfahrt unterbrochenes Croquetspiel - man genießt die ländlichen Lustbarkeiten und unterhält sich auf der Heimfahrt mit Gesellschaftsspielen.

 Der "Alte Baron"

 Der "Alte Baron" war aber nicht nur in den höheren Kreisen beliebt: Neben dem Försterhaus von Schloss Auel lehrte er die Wahlscheider Kinder das Bogenschießen und wurde von ihnen scherzhaft der "Mösche-Scheeß-Ühm" (Spatzen-Schieß-Onkel) genannt, weil er nie ohne seine Flinte auf dem Rücken ausging.

 Nach dem Professor, der 1910 verstarb, wurde sein Sohn Otto (1865 - 1935) Eigentümer des Aueler Besitzes.

 Er vererbte diesen unter Übergehung seines Sohnes Paul an seinen Enkel Johann AdoIf Desiderius Baron von la Valette St. George (geb. 1921) weiter. Dieser wandelte das stets gastliche Haus, in dem u.a. Napoleon 1811 anläßlich der Inspektion der Rheinarmee und Zar Alexander auf der Durchreise von Rußland nach Paris zum Abschluß der Heiligen Allianz im Jahre 1815 eingekehrt waren, in ein Hotel um. Seit seinem Tode sind seine beiden Töchter, Tatjana von la Valette St. George und ihre in Amerika lebende Schwester Désirée von la Valette St. George Eigentümer.

 Historisch interessierte Gäste können im Hotel "Schloss Auel" nach Wunsch im "Napoleon"- oder "Kaiser Wilhelm" Zimmer wohnen, und das Gästebuch weist auch berühmte Persönlichkeiten unserer Zeit aus, wie Theodor Heuss, Wieland Wagner, Henry Ford II., Shirley Temple und viele andere.

 Wassergraben - Wiesenrondell

 Wer heute Auel besucht, nähert sich von einer nicht historischen Seite. Der Zugang vom Aggertal aus irritiert: Ehe man das heute "Schloss Auel" genannte Anwesen erblickt, gleitet das Auge zunächst an einem diskreten neuen Restaurant-Anbau vorbei zu den neuen Fischteichen --- letzten Überresten des Wassergrabens, der einst die ganze Burg umgab, die sich bis hierhin erstreckte. Zwei mit Steinkugeln bestückte schlichte Vierkantsäulen markieren den Eingang zum Schloss, das im Sommer fast hinter den schönen alten Bäumen verschwindet.

 Ein Wiesenrondell mit jahreszeitlich wechselndem Blumenschmuck, von Kieswegen umgeben, gibt den Blick auf das Haupthaus frei. Zweigeschossig, mit rechteckigen Fenstern, einem kleinen Giebel über der Mittelachse und einem hohen Mansarddach (der Dachstuhl mußte vor ca. 100 Jahren nach einem Brand erneuert werden), beherrscht der Hauptflügel das Bild. Die Seiten sind mit einfachen Walmdächern versehen; der südliche Teil ist von der Wetterfahne, der nördliche vom großen Dachreiter der Kapelle gekrönt.

 Wappen erzählen die Geschichte

 Das weiß verputzte Gebäude wird von vier in prächtigen Farben prangenden Wappen belebt, an denen sich die Geschichte des Hauses und der Besitzer ablesen läßt:

 Jonann Caspar von Proff und Maria Felicitas von Keyner, die ersten gesicherten Eigentümer, mit der Jahreszahl 1715, über dem Haupteingang, am Giebel darüber das Allianzwappen des Peter Joseph von Proff und seiner zweiten Frau, Maria Anna von Bardenhewer, mit der Jahreszahl 1763, dem Jahr der großen Erneuerung. Über der Tür des linken Seitenteils prangt das Wappen des Ehepaars von Doetsch und von Broe, über der Tür des rechten, das der Eheleute von Broe und von la Valette. Ein fünftes Wappen ist auf der Gartenseite über der schlichten Tür angebracht: la Valette und Niesewand (die Mutter des Prof. Adolf von la Valette war eine geborene von Niesewand).

 Die beiden Seitenflügel, die seit dem Abbruch der Stallgebäude 1865 mit den zugemauerten ehemaligen Durchfahrten enden, sind, nach einer Restaurierung in barockisierendem Stil, eingeschossig, schlicht und mit Mansarddächern gedeckt. Die beiden Dachreiter mit den geschweiften Hauben, die früher einmal die Durchfahrten krönten, bilden heute einen heiteren symmetrischen Auftakt der freundlichen Anlage, die vor allem durch die "malerische Führung der Dachlinien" gewinnt.

 Private Atmosphäre lädt ein

 Tritt man durch die wie die Fenster des Haupthauses mit Haustein umfaßte Tür ein, so meint man, in ein adeliges Privathaus zu kommen. Die Hotelrezeption befindet sich im ersten Stock und so kann sich der Besucher zunächst einmal in Ruhe umschauen. Rechts vom Eingang steht eine Tür offen. Ein kleiner Flur, in dem auf einem antiken Schreibtisch 52 Gebetbücher säuberlich geordnet stehen, führt zur Kapelle, deren Tür ebenfalls offen steht. Der Blick gleitet zum prächtigen Rokoko-Altar, auf dem eine Kerze brennt.

 Golddekoration

 Gebetbücher und Kerze sind deutliche Zeichen, daß diese Kapelle mit ihrer alten Tradition auch heute noch ein Raum des Gebetes ist -- vornehmlich allerdings bei Hochzeiten, die auf Haus Auel besonders gerne gefeiert werden. Die Kapelle atmet Kühle und Wärme zugleich. Kühl sind die rosa gestrichenen, weiß abgesetzten Wände und die vom Obergeschoß aus zugängliche Empore.

 Wärme strahlt der Altar mit seiner prächtigen Golddekoration, der strahlen-umkränzten Statue des Hl. Nepomuk und dessen Bildnis im Altarfuß aus. Wertvolle alte Gemälde schmücken die Wände; ein kleiner Seitenaltar "aus der Zeit um 1700, wohl aus der alten Kapelle herrührend", wie ihn Edmund Renard noch 1907 sah, ist nicht mehr vorhanden.

 Antiquitäten

 Die ehemaligen Wohnräume im Erdgeschoss, auch der "Saal gegenüber der Kapelle", sind heute geschmackvoll mit antiken Möbeln und Antiquitäten eingerichtete Gesellschaftsräume. Ein etwas verborgenes Dasein fristet die einzige noch erhaltene alte Treppe des Hauses, die wahrscheinlich aus dem Jahr 1763 stammt. Sie führt im linken Seitenteil des Hauptgebäudes, dem ehemaligen Spülhaus, geschwungen nach oben, ist mit einem zweiwülstigen Handlauf und einer kräftigen, breit gestalteten Basis-Volute ausgestattet. Eine neuere Treppe geht von der Eingangshalle des Hauses aus. Sowohl im Haupthaus als auch im nördlichen Seitenflügel befinden sich die Gästezimmer.

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 Schloss Auel Hotel Restaurant GmbH

 53797 Lohmar-Wahlscheid

 tel 02206-60030

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Bilder von Schloß Auel

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