Kleine Leser entdecken Anne Frank

Das Troisdorfer Bilderbuchmuseum präsentiert Originalillustrationen von Angela Barrett zu dem weltberühmten Tagebuch - Erstmals wird die Geschichte einem jüngeren Publikum nahe gebracht

Von Tina Kretschmer

Troisdorf.

"Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch nie bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, du wirst mir eine grosse Stütze sein." Millionen Menschen haben diesen Satz gelesen. Es ist am 12. Juni 1942 der erste Eintrag, den Anne Frank in ihr Tagebuch macht. Allerdings beschäftigen sich Leseratten in der Regel frühestens im Jugendalter mit dem Schicksal dieses Mädchens. Nun ist der Einstieg auch jüngeren Lesern möglich.
"Anne Frank - Die Geschichte eines jüdischen Mädchens", lautet der Titel des Buches, das die englische Autorin Josephine Poole verfasst und Angela Barrett illustriert hat. Seit Ende vergangenen Jahres ist es in deutscher übersetzung erhältlich. 20 Originalillustrationen des Buches sowie mehrere Skizzen zeigt das Troisdorfer Bilderbuchmuseum ab Sonntag in der Remise der Burg Wissem.

Die Gefühle und Gedanken, die das jüdische Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren seinem Tagebuch anvertraut hat, haben schon viele Herzen bewegt. Am 6. Juli 1942 versteckt sich Anne mit sieben weiteren Menschen im Hinterhaus der Frank'schen Firma in Amsterdam. Rund zwei Jahre leben sie dort auf engstem Raum. Drei Tage nach dem letzten Eintrag, wird am 4. August 1944 das Versteck verraten, und SS-Leute verhaften die acht Untergetauchten. Anne Frank stirbt 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide an Typhus.

"Erstmals wird die Geschichte einem jüngeren Publikum nahe gebracht", sagte Museumsleiterin Maria Linsmann. Die Kosten für die Ausstellung in Höhe von 2 500 Euro hat die Stiftung der Kreissparkasse "Für uns Pänz" übernommen. Zwar mag sich mancher fragen, ob es sinnvoll ist, die Geschichte von Anne Frank Kindern schon in jungen Jahren zugänglich zu machen.

Mirjam Pressler, die das Buch ins Deutsche übersetzt hat, geht im Vorwort auf eben diese Frage ein. Das Problem sei, dass die Figur der Anne Frank idealisiert sei. In dem Buch aber erfahren die kindlichen Leser Anne Frank als ganz normales Mädchen, eben nicht als Symbolfigur.

"Die Geschichte von Anne Frank beginnt mit einem gewöhnlichen kleinen Mädchen, so einem, neben dem du in der Klasse sitzen konntest", lautet der erste Satz des Buches. Einfühlsam wird der Lebensweg des jüdischen Mädchens dargestellt. Fotos und Zeittafeln dokumentieren den Weg. Um zu verdeutlichen, dass es sich nicht um ein Einzelschicksal handelt, zeigen Fotos und Texte in der oberen Etage die Geschichte zweier jüdischer Familien aus Troisdorf. Zudem findet der Besucher allerlei zu der Entstehungsgeschichte des Tagebuchs. Die neueste Ausgabe des Tagebuchs, ebenfalls betreut und übersetzt von Mirjam Pressler, ist die umfangreichste.

Bei der Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr aber liest Pressler nicht aus dem Tagebuch, sondern aus ihrer Anne-Frank-Biografie "Ich sehne mich so". Die Ausstellung ist bis 14. September zu sehen.

(26.08.2006)