KULTUR: Sehenswerte Ausstellungen und ein Konzert

Das berÜhrt Kinder tief

Geschichte der Anne Frank sensibel illustriert
Ausstellung wendet sich besonders an Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse. VON ANDREAS HELFER

Troisdorf - Kann man sich ein sperrigeres Thema für ein Kinderbuch vorstellen als den Holocaust? Wohl kaum, denn die entsetzliche Dimension des Massenmords lässt sich denkbar schwer in Texte und Bilder fassen. Dennoch sind jetzt im Bilderbuchmuseum Burg Wissem beeindruckende Wege zu sehen, wie das Thema kindgerecht aufbereitet werden kann.

Am Sonntag beginnt die Ausstellung "Anne Frank - die Geschichte eines jüdischen Mädchens, in dessen Zentrum ein Bilderbuch steht, das Josephine Poole (Text) und Angela Barrett (Illustration) im vergangenen Jahr vorlegten. Sie erzählen in knappen Texten und ruhigen Bildern die Geschichte des Mädchens und seines weltberühmten Tagebuchs - von der Geburt 1929 über die Stigmatisierung durch den Judenstern über das Versteck in einem winzigen Amsterdamer Hinterzimmer und ihrem Typhus-Tod in einem Konzentrationslager 1945. Barrett hat dazu ein trauriges und graues Amsterdam gezeichnet. Die Leiden und ängste seiner jüdischen Bürger spiegelt sie in den sorgfältig dargestellten Zügen der Gesichter.

In der Remise des Museums sind bis zum 14. September Originalzeichnungen und Skizzen zum Buch zu sehen, wie auch ein überblick über Jugendbücher zum Thema. Auf den Boden der Remise haben die Kuratorinnen Elisabeth Hohmeister und Gabriele Schröder die Umrisse des Verstecks von Anne Frank malen lassen, eines etwa sieben Quadratmeter grossen Raums, in dem Anne Frank zeitweise mit sieben anderen Menschen eingepfercht war.

Eng arbeiteten Hohmeister und Schröder mit den Referendaren des Studienseminars Troisdorf zusammen: Die angehenden Lehrer entwickelten drei Wegweiser samt Fragestellungen, mit denen Schüler der ersten bis sechsten Klassen durch die Ausstellung geführt werden können. Norbert Floerken vom Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf steuerte Texte und Materialien für Schautafeln bei, mit denen sich der Holocaust bis in die Region verfolgen lässt. Etwa zur Troisdorfer Familie Levy, deren Haus an der Kirchstrasse in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November in Brand gesteckt, und die später nach Polen verschleppt wurde. Mitglieder der jüdischen Familie Bernauer indes wurden auf einem Bauernhof in Donrath versteckt und überlebten.

Zur Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr hat Museumsleiterin Maria Linsmann einen ganz besonderen Gast gewinnen können: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin und übersetzerin Mirjam Pressler, die sowohl das Bilderbuch aus dem Englischen, als auch die aktuelle Ausgabe des Tagebuchs von Anne Frank aus dem Niederländischen übertragen hat.

In einem traurigen und grauen Amsterdam lässt Bilderbuch-Illustratorin Angela Barrett die Geschichte von Anne Frank (Mitte) und ihrem berühmten Tagebuch lebendig werden. REPRO: ANDREAS HELFER

Kölner Stadtanzeiger, Rhein-Sieg-Ausgabe, 25.8.2006