Das Deportationslager Müngersdorf

Walter-Binder-Weg, Stadtwald

Das preussische Fort V mit seinen Kasematten wurde 1874 errichtet und diente seit 1879 als "Festungsgefängnis - Köln Fort V" der "Königlichen Militär-Behörden-Garnison-Besatzung". Im ehemaligen Fort V und dem angrenzenden Bereich befand sich während des zweiten Weltkrieges das sogenannte "Judenlager Müngersdorf". Hier wurden die aus ihren Häusern und Wohnungen vertriebenen Juden konzentriert und in die NS-Vernichtungslager abtransportiert.

Die Verordnungen gegen die Juden, die schon 1933 in Kraft traten, sollten langsam, aber stetig ein Ghetto aus Paragraphen rund um die jüdischen Mitbürger erreichten, um sie so aus dem "Volkskörper" zu isolieren. Am 13. März 1933 durften Juden nicht mehr im öffentlichen Dienst beschäftigt werden. Alle jüdischen Lehrkräfte an städtischen Schulen wurden sofort beurlaubt, Rechnungen jüdischer ärzte wurden nicht mehr vergütet und schon am 17. Mai legte der Kölner Oberbürgermeister fest:
"Arzneimittel, deren Hersteller Juden sind, sind nur noch zu verordnen, wenn andere gleichwertige Präparate nicht vorhanden sind."

Nach 1938 überschlugen sich die Verordnungen gegen die Juden. So musste jeder männliche Jude zusätzlich zu seinem Vornamen, den Namen "Israel" (d.h. Gottesreiter!) und jede Jüdin den Namen Sara (d.h. Fürstin!) hinzunehmen. Im April 1939 wurde den Juden das Wohnen bei nichtjüdischen Vermietern verboten, 1941 durften Juden nicht mehr in den Kölner Vororten wohnen. Sie mussten 1942 Schreibmaschinen, Ferngläser, Fotoapparate und ihre Fahrräder abgeben und die Wohnungen mit einem Davidstern kenntlich machen. Der Beginn des Krieges, insbesondere die 1941 beginnenden Gefechte mit Russland, liess die "braunen" Gewalttäter immer weiter nach der Lösung der Judenfrage drängen. - Es begannen die grossen Deportationen.

Gegen Ende des Jahres 1941 und zu Beginn des nächsten Jahres wurden alle Juden, die noch in Köln wohnten, in den Kasematten und Baracken des Fort V zusammengepfercht, um sie von dort aus in die Vernichtungslager zu schicken. Die Unterkünfte im Fort V waren widerliche Schmutzlöcher und alles andere als menschenwürdig. Von den Wänden rann das Wasser herunter, Nässe und Kälte trieben ihr furchtbares Werk an den Gefangenen. Lediglich die Pfarrchronik der Gemeinde St. Wendelin, die seiner Zeit Pfarrer Leo Ditges schrieb, gibt eine ungefähre Vorstellung über die Gefangenschaft der Juden in Fort V.

In dem Lager hinter Fort V waren bis zu 2.500 Juden aus dem Bezirk Köln - Aachen untergebracht, welche alle im September abtransportiert wurden. Zum Ende des Jahres 1944 begannen die Nazis auch gegen die "Mischehen" zwischen Juden und Christen vorzugehen. Sie wurden mit einem Mal zusammengetrieben und nach etwa 6 Wochen verschleppten Gestapo-Mitarbeiter einige kranke, arglose Nichtarier aus dem Lager nach Theresienstadt. Die zurückgebliebenen christlichen Ehepartner wurden von den Nazis in die Gegend zwischen Elbe und Oder geschickt, während deren Kinder in Familien untergebracht werden konnten. Es kamen auch politische Gefangene, sowie Verfolgte, in das Lager. Es waren meist Abgeordnete der Parteien Zentrum, SPD und KPD. Berichtet wurde auch über mutige Kölner, die Lebensmittel über die Absperrungen ins Lager warfen. Andere gingen ein noch grösseres Risiko ein, indem sie Juden aus dem Lager heraushalfen und sie versteckten.

Über einen Transport nach Auschwitz zitiert Zvi Asaria folgenden Bericht:

"Niemand wusste, wohin es geht. In einem Viehwagen lagen wir aufeinander. Der Durst marterte uns unmenschlich... Wir tranken unseren eigenen Urin... Wir wünschten nur, aus dieser Wagenhölle herauszukommen und wenn das Ende gar Auschwitz heissen sollte... Nach langen Tagen wurde uns endlich Essen gereicht. Aber in dem Kübel, den wir als Abtritt gebrauchten. Wir assen, rasend vor Hunger, aus dem gleichen Kübel... Die Ankunft in Auschwitz empfanden wir sogar als 'Erlösung'. Eine grosse Zahl der Armen, die mit uns verladen waren, mussten wir als Leichen herausschleppen... ."


Fundstelle: http://www.gbg.kbs-koeln.de/denkmal/fortv/deportation.htm: nicht mehr zugänglich 03.10.2012