Schulchroniken Troisdorf 1914-1918 (Auszüge)

Schulchronik Altenrath       

Schulchronik Bergheim (katholisch)       

Schulchronik Troisdorf, Blücherstrasse       

Schulchronik Troisdorf, Kirchstrasse       

Schulchronik Kriegsdorf       

Schulchronik Oberlar (katholisch)       

Schulchronik Sieglar       

Schulchronik Troisdorf, Victoriastrasse (1)    

Schulchronik Troisdorf, Victoriastrasse (2)  

1918 Nov 09 Arbeiter- und Soldatenrat Troisdorf: Aufruf       

Schulchronik Altenrath

1914-1918, Auszüge

 

[Seite 50:] 4 Klassen (1911)

[Seite 57 ff]

[1914]

Altenrath, den 2. August 1914

Laut Verfügung der hohen Behörde wird der Unterricht bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die Kinder sollen während des Krieges bei den Erntearbeiten verwendet werden.

[gez.] Thurn

[31. August 1914:]

Infolge Streitigkeiten zwischen Österreich Ungarn u. Serbien, wurde unser liebes Vaterland als Bundesgenosse Österreichs in einen unheilvollen Weltkrieg verwickelt. Frankreich, Rußland und England treten gegen Deutschland auf. Belgien schließt sich unseren Gegnern an und nun tritt auch Japan, durch England gereizt, in die Schar unserer Feinde. Eine Welt von Gegnern! Auf Gott und unser scharfes Schwert vertrauend gehen wir Deutsche furchtlos in den Kampf. Groß u. mächtig steht unser Vaterland da, ist es doch einig von Nord nach Süd, von Ost nach West. Aller Streit zwischen den Parteien ist begraben. Das Feuer hl. Begeisterung loht mächtig empor. Ja, wahrlich, eine Begeisterung, wie man sie zur Zeit der Freiheitskriege kaum gekannt hat, hat uns Deutsche ergriffen. Da nimmt es kein Wunder, daß unsere braven Truppen schon kurz nach Ausbruch des Krieges die stolzen Festen Lüttich und Namur im Sturm nehmen. Belgien ist heute, 4 Wochen nach Ausbruch des Krieges, unser. Die Franzosen fliehen in das Innere ihres Landes. Sieg auf Sieg erringen unsere braven Truppen. Wolle Gott, daß wir recht bald nochmals siegreich in das stolze u. üppige Paris einziehen!

Heute am 31. August kommt die Kunde, daß die Russen eine schwere Niederlage erlitten haben. Etwa 30.000 Russen mit mehreren Generälen wurden gefangen genommen. Wir freuen uns herzlich darüber und gönnen dem Russischen Bär die Grube[?] von ganzem Herzen. Russisch-Polen ist fast ganz von unseren Truppen erobert. Gleichzeitig dringen unsere Verbündeten überall siegreich gegen Rußland u. Serbien vor.

[gez.] Thurn

[…]

58: Entlassung aller 14jährigen Schüler/innen

[1916]

 

59: Am 23. Mai 1916 wurde der Hauptlehrer Thurn zum Heeresdienst eingezogen.

Gilles, Lehrer

03.06.1916 schulfrei wegen Skagerrak

Im Juni sammeln Kinder 12 Handwagen mit verzinnten Gegenständen.

Viele Kriegsgefangene des Lagers Wahn sind in der Landwirtschaft eingesetzt.

60: Am 10.06.1916 fällt Lehrer Peter Höck bei Ypern.

63: Liste aller Altenrather Kriegstoten (siehe Anlage).

64: Die beiden Kirchenglocken werden beschlagnahmt: Kaum ist eine Maßnahme während des Krieges getroffen worden, die das Volk so bitter empfunden hat, die die Volksseele so tief ergriffen hat, als die Beschlagnahme der Kirchenglocken.

67: Pilot Johann Sauer (26 Jahre) in Palästina gefallen, beerdigt auf dem Friedhof von Nazareth.

 

Schulchronik Bergheim (katholisch)

1914-1918, Auszüge

 

300 Kinder in 6 Klassen

[Seite 19 ff]

[1914]

August 1. Krieg! Nähere Ursache [ist] die Ermordung des österreichischen Kronprinzen zu Sarajewo. Österreich erklärt an Serbien, das nicht volle Genugtuung leisten will, den Krieg (28.7.) [usw.] Das Gefühl der Ungewißheit ist fast kaum zu ertragen, da ertönt Samstag Abend gegen 7 Uhr die Gemeindeschelle und der Flurhüter verkündigt den Mobilmachungsfall. Erster Mobilmachungstag der 2. August. Schon an demselben Abend stellte sich mein zweiter Sohn, der hier auf Urlaub weilte, dem Bezirkskommando zu Siegburg. […]

August 2. Heute morgen in aller Frühe verkündigt der Flurhüter die Einberufung des Landsturms […]

August 4. Lehrer Schürmann hierselbst und Lehrer Hansmanns zu Müllekoven traten heute zu den Fahnen, ebenfalls eine große Anzahl Landsturmmänner, die früh morgens sich mit Gott [verabschiedet] haben […] Rührend war der Abschied, die Männer traten aus einem Hause[?] in das andere zum letzten Händedruck. Gegen 9 Uhr traten alle Einberufenen auf dem Schulplatz an, umgeben von Familien und Freunden. Diese Szene bleibt unvergeßlich. Viele Frauen weinten, andere blieben herzhaft[?]. Die Männer suchten auf die Frauen beschwichtigend einzuwirken: „Nicht jede Kugel trifft“, sagte der eine; „Kirmes sind wir wieder hier“, versicherte der zweite. „Ich bringe auch allen einen Bären mit“, scherzte der dritte, der glaubte, als Gardist nach Russland zu kommen. Alle hatten ihr größtes Vertrauen auf den großen Führer gesetzt, der sich aufrichtig gemacht[?] haben sollte, mit einem Heer von 6 Armeekorps nach Paris zu marschieren. Da erscheint Lehrer Schürmann lächelnden Antlitzes auf der Bildfläche, und im Augenblick herrschte eine ganz fidele Meinung. Alles ordnet sich in Reih und Glied, Lehrer Schürmann übernimmt die Führung, und unter Absingung des Liedes „Muß i denn zum Städtlein hinaus“ ging‘s unter Vorantritt einer dreiköpfigen Musikkapelle und unter dem Wehklagen der Familienmitglieder zur Sammelstelle Siegburg.

[Seite 21]

August 10.  Der Verkehr auf der Bahn steht, da die Militärverwaltung die Bahn für sich in Anspruch genommen [hat]. Unaufhörlich eilen […] Züge der Grenze zu, der Jubel der vorbeifahrenden Streiter ist unbeschreiblich. Unter Absingung von patriotischen Liedern und Hurrarufen fahren sie vorbei, die Wagen sind vielfach mit frischem Grün geschmückt und mit kurzen, humoristischen Aufschriften versehen, wie: „Serbien geht in Scherbien“, „Jeder Schuß ein Ruß, jeder Stoß ein Franzos, jeder Fußtritt ein Brit“, „russischer Kaviar, französischer Sekt, deutsche Liebe, ja, das schmeckt.“

[…]

September 24. Die Kirmesfeier fiel in diesem Jahr aus. Viele Frauen wallfahrten zum Kreuzberg [in Bonn].

[Seite 23]

Dezember 31. […] Von einer Not kann bis jetzt in unserem Orte nicht gesprochen werden, ja, es wird jetzt mehr verdient als vor dem Kriege. Die Geschoßfabrik [in Siegburg] beschäftigt viele Tausende gegen hohen Lohn. Männer und Jünglinge, Frauen und Mädchen suchen u. finden dort oder auf der Pulverfabrik zu Troisdorf Beschäftigung. Manche Handwerker und Kleinbauern, die bis jetzt ihrem Gewerbe nachgingen, arbeiten nun für schönen, höheren Verdienst auf einer dieser Fabriken. Außerdem erhalten die Familien der Einberufenen erhebliche Unterstützungen von Staat, Gemeinde u. Brotherrn. Der hiesige Spar- und Darlehenskassen Verein hat 1.000 M. gespendet, die Fischerei-Bruderschaft beschenkt nicht nur die an der Front stehenden Mitglieder, sondern unterstützt auch noch ihre bedürftigen Familien.

[…]

In den ersten Kriegstagen war überhaupt ein Rennen und Jagen nach Lebensmitteln, daß es als krankhaft bezeichnet werden mußte. In großen Mengen wurden Salz, Reis, Kaffee usw. umgeschlagen. Gewissenlose Händler  machten sich dies zu nutze. So nahm man in Sieglar für ein Pfund Salz 35 Pf[ennige].  Manche Geschäfte wurden infolge dieses Wuchers polizeilich geschlossen. Auch wußte man damals das Papiergeld nicht oder schlecht an den Mann zu bringen, ja, es gab in Bonn Geschäfte, welche gegen Papiergeld nichts verkauften. Es schien, als wenn das Metallgeld von vorsichtigen Leuten festgehalten würde. Besonders fehlte es an Kleingeld, dem später durch die Ein- und Zweimarkscheine abgeholfen wurde.

[1915]

 

[Seite 25]

Eine in der Gemeinde unternommene Geldsammlung ergab 16 – 17.000 M, nicht eingerechnet den größeren Betrag, der bei der Post einging.

[Seite 26]

Die Volks- und Viehzählung für Bergheim-Müllekoven ergab:

Am 1.12.1914 266 Haushaltungen, 20 Pferde, 462 Rinder, 221 Ziegen, 291 Schweine;

Am 1.2.1915 235 Zentner Weizen, 809 Z. Roggen, 915 Z. Hafer;

Am 1.3.1915 1774 Einwohner ohne die Einberufenen.

[Seite 30]

November 16. Zur Zeit 110 russische Kriegsgefangene in der Gemeinde (zumeist Ackerer oder Handwerker), davon 41 in der Industrie. Abends werden sie von der Wache der Sammelstelle in Sieglar zugeführt, diese war bis zu eintretender Kälte eine alte Scheune, von da an ein leer stehendes Fruchtlager. Die Räume sind auf Verlangen der Kommandantur Wahner Heide mit elektrischem Licht und Wasserleitung versehen. Die meisten Russen sind griechisch-katholisch1, 15 katholisch (mit Polen), 2 Juden, die wegen Übervorteilung der andern entfernt werden mußten.

[1916]

 

[Seite 35 ff]

Wie sieht es denn nun im Lande selbst aus? [10 Seiten]

1916 Sept. Herr Lehrer Schürmann, Kompanieführer in dem Reserve-Infanterie-Regiment 28, hat – wie kürzlich die Zeitung berichtete – das Eiserne Kreuz I. Klasse erhalten. Er wurde bald darauf an der Somme zum zweitenmal verwundet, im November zum drittenmal, sodaß ihm der linke Unterschenkel amputiert werden mußte.

[1917]

 

[Seite 47]

Febr.18. Am 1. Fastensonntag fand ein 13stündiges Gebet statt zur Erflehung eines baldigen ehrenvollen Friedens […]

[Seite 51 ff:  Zusammenfassung der Lage, 4 Seiten]

Schulchronik Troisdorf, Blücherstrasse

[1914]

 

239 Kinder in 4 Klassen

August 3. Der Lehrer Gottfried Breuer wurde am 2. Mobilmachungstag zum Heeresdienst berufen.

August. Der Lehrer Paul Geimer wurde als Ersatzreservist am 15. Mobilmachungstage zur Ausbildung nach Coblenz eingezogen.

 

Am Sonntag, den 6. Dez.1914, versammelte sich die Gemeinde Troisdorf im Kaisersaale zum

I. Vaterländischen Abend.

Nach einleitendem Musikstück hielt Herr Bürgermeister Klev vor der überaus zahlreich erschienenen Bürgerschaft die Begrüßungsansprache. Er wies hin auf die schicksalhafte Zeit, die über das deutsche Volk hereingebrochen, auf die Aufgaben, die jedem einzelnen und der Gesamtheit jetzt gestellt seien. Seit Beginn des Krieges habe die Gemeinde ihren vaterländischen Sinn in aufopferungswahrer Hingabe betätigt. Ausharren sei jetzt die Losung im Vertrauen auf das siegreiche deutsche Heer und seinen Kaiser, dem auch wir unsere Treue in der schwersten Stunde besonders zeigen könnten. Nach begeistert aufgenommenem Kaiserhoch sang die Menge „Heil dir, im Siegerkranz“ und die österreichische Nationalhymne.

Über „Deutschland im Weltkriege“ sprach der Redner des Abends, Herr Dr. Braun aus M[önchen]-Gladbach, der in seinem Vortrage den Ursachen des Weltkrieges auf geschichtlichem Wege nachging und

/

den Zusammenschluß der Feinde Deutschlands darlegte. Gedichte trugen vor Herr Schmandt und die Schülerin Meta Siebelhoff. Das altniederländische Dankgebet „Wir treten zum Beten vor Gott [den Gerechten]2“ schloß die Feier.

Weihnachtsbescherungen zum Besten der in unserem Orte untergebrachten Verwundeten – etwa 150 an der Zahl – fanden statt:

Dez.22. im Krankenhaus „St.Josefshaus“ und

Dez.25 im Lazarett der Friedrich-Wilhelms-Hütte.

[1915]

 

Januar 16.  Als Liebesgaben für die Soldaten packten die Kinder 63 Pakete.

[…]

Januar 17. II. Vaterländischer Abend der Gemeinde Troisdorf

Die musikalische Ausgestaltung hatten übernommen der „Troisdorfer Männer-Gesang-Verein“ und der „Männer-Gesang-Verein Cäcilia“. Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag des Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Bacmeister „Dem neuen Deutschland entgegen“. Ein lebendes Bild gab dem Festabend einen wirkungsvollen Abschluß.

/

Jan 23. Den ehrenvollen Tod für das Vaterland erlitt unser lieber Kollege, Herr Lehrer August Giershausen von d. Schule Kirchstraße, gefallen am 15. Januar 1915 auf Frankreichs Boden.

[…]

Januar 27. Heute versammelten sich die Kinder der drei Klassen im obern großen Saale zur gemeinsamen Feier des Geburtstages unseres geliebten Kaisers und Königs Wilhelms II. Die Festansprache hielt Hauptlehrer Friedrich. Er hob darin diejenigen Ereignisse unserer großen Zeit hervor, deren persönliche Zeugen die Kinder selbst waren. Es folgten nun mehrere Lieder und Gedichtvorträge, die von den Schülern der einzelnen Klassen dargeboten wurden. Die Feier dauerte von 10 – 11 Uhr.

Febr. Herr College Gottfried Breuer vom hiesigen System wurde am 18.1. mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

[…]

März 13. Von diesem Tage an werden alle 14 Tage der Bevölkerung Brotkarten ausgegeben. Als Ausgabestellen werden benutzt werden die 4 Schulen Troisdorfs. Der Ausgabebezirk des diesseitigen Systems umfaßt die Straßen: Sieglarer-, Mendener-, Oberlarerstraße, Talweg und Kolonie. Die Ausgabe wird besorgt durch die Lehrerschaft.

[…]

März 16.

Den glanzvollen Tod fürs Vaterland erlitt am 17. Februar 1915 im Sturmangriff bei Tahure unser lieber Amtsgenosse

Lehrer Gottfried Breuer,

Unteroffizier im Inf.-Regt. 68,

Ritter des Eisernen Kreuzes.

Sein gewinnendes Wesen, die freudige Hingabe an seinen Beruf, die tatenfrohe Begeisterung, mit der er in den schweren Kampf zog und opfermutig sein junges Leben dem Vaterland darbrachte, haben ihn in den Herzen aller, die ihn näher kannten und gemeinsam mit ihm wirkten, ein bleibendes Gedenken gesichert.

 

April. Herr Lehrer Bourauel an der Schule Schloßstraße, Vizefeldwebel im Landwehr-Inf.-Reg.25, erhielt das Eiserne Kreuz.

[…]

[1916]

 

Februar 1. Herr Lehrer Fritz Bourauel von der Schule Schloßstraße wurde zum Leutnant befördert, Lehrer Paul Geimer im April ebenfalls zum Leutnant befördert.

Februar 1. Mit Weihnachten 1915 ist in unserem Orte eine Kriegssammlung eingerichtet. Die als Sammlerinnen beauftragten Damen sind auf Ortsbezirke verteilt; die eingezahlten Beiträge werden dem Landratsamte zur Verwendung für Zwecke der Kriegswohlfahrt eingeliefert. Fast alle Samariterinnen sind Lehrerinnen hiesiger Schulen.

[…]

Als im Oktober 1916 das 2. Ersatzbataillon Troisdorf verließ, wurden in den in den Schulen freigewordenen Sälen weibliche Personen untergebracht, die auf der ver-

/

größerten  Pulverfabrik beschäftigt werden.

 

Schulchronik Troisdorf, Kirchstrasse

1914-1918, Auszüge

 

[Seite 80 ff]

Schuljahr 1914/15

 

Seite 80: 469 Kinder, 3 Lehrer, 1 Lehrerin; durchschnittlich 59 Kinder je Klasse.

Seite 81:

Die Herbstferien begannen am 3. August auf Anordnung der kgl. Regierung wegen Ausbruch des Krieges. Durch die politische Lage waren die Gemüter aufs äusserste erregt, und alle vernahmen waren, als Samstag, den 1. August nachmittags 5 Uhr, die Mobilmachung verkündigt wurde, von diesem Druck befreit. Patriotische Kundgebungen setzten sofort ein. Der Unterricht wurde geschlossen morgens um 8 ½  Uhr. In jeder Klasse wurde eine patriotische Ansprache gehalten, ein Hoch auf unseren Kaiser ausgebracht, und dann wurden die Kinder entlassen mit der Ermahnung, jetzt bei der Ernte fleißig zu helfen und recht gesittet sich in der schweren Zeit zu zeigen.

81: Lehrer Josef Schiffelmann musste sich am 3. Mobilmachungstag stellen, Lehrer August Giershausen am 15. August.

Kinder sammeln Gold im Wert von 2.740 Mark, an Gummi 100 kg.

82: Am 10.03.1915 wird Troisdorf Garnisonsort, das 1. Ersatzbataillon des Infanterie-Regiments 160 liegt in den Sälen Schmitz, Mörsch, Thiesen, Höck und Theis.

83: In Troisdorf werden drei Lazarette eingerichtet, Lehrer Körver richtet ein Aufruf an die Troisdorfer, Bücher zu spenden: 300 Bücher kommen zusammen. An Spenden treffen ein: Rotes Kreuz 30 M, Mannstaedt-Gesangverein 20 M, katholischer Jünglingsverein 17 M, RWS monatlich 20 M. Jeder Verwundete erhält zu Weihnachten 1 Pfeife mit Tabak, Taschentücher und 1 Teller mit schönen Sachen.

84: Am Samstag, den 06.12.14 „Erster Vaterländischer Abend“: Musik / Bgm. Klev / Dr. Braun aus Mönchen-Gladbach hält einen Vortrag „Deutschland im Weltkriege“ / Gedichte, vorgetragen von Herrn Schmandt und der Schülerin Meta Siebelhoff.

85: Am 17.01.1915 zweiter „Vaterländischer Abend“ mit dem Troisdorfer Männergesangverein, dem MGV Caecilia und einem Vortrag des Landtagsabgeordneter Walter Bakmeister „Dem neuen Deutschland entgegen“.

 

Am 10.01.1915 wurde Lehrer Giershausen bei Schanzarbeiten im Schützengraben von Remonville3 von einer Schrapnellkugel an dem Kopf getroffen und war alsbald tot. schrieb der Feldgeistliche; ein tüchtiger Soldat, allgemein beliebt starb er den Heldentod für unser teures Vaterland.

86: Vom 13.03.1915 werden alle 14 Tage Brotkarten ausgegeben an den Schulen. Lehrer Körver ist zuständig für die Kölnerstrasse bis Nr. 60, Poststrasse, Faustgasse, Fischergasse und Grüner Weg.

 

Schuljahr 1915/16

 

87: Der Unterricht fiel aus am 04.05. wegen des Sieges der Österreicher in West-Galizien und am 23. Juni wegen [der Rückeroberung von] Lemberg. Am 15.05 Feier 100 Jahre Zugehörigkeit zu Preußen, am 21. 10. Feier 500 Jahre Hohenzollern.

88: Am 20.06.1916 fiel Unterricht aus wegen des Friedens mit Montenegro. Die Metallsammlung ergab 8 M.

Am 28. März [1916] war ein schulfreier Tag in Anerkennung der regen Teilnahme zur Zeichnung der 4. Kriegsanleihe4. Das Ergebnis der Werbetätigkeit der Schule ist [in Mark]:
  1. 1.Kirchstrasse                17.861 

  2. 2.Schloßstrasse        13.500 

  3. 3.Blücherstrasse        3.934 

  4. 4.Viktoriastrasse        10.608 

[Summe:] 45.903

Die von den Schülern gezeichneten Beiträge wurden auf das Kriegssparbuch des Troisdorfer Spar- und Darlehenskassenvereins eingetragen.

89: Am 16.03.1916 fiel bei Tahure5 der Lehrer Gottfried Breuer von der Schule Blücherstrasse [siehe dort].

 

Schuljahr 1916/17

 

90: Am 03.06. war schulfrei wegen des grosssen Seesieges6 über die Engländer am Skagerrak.

91: Am 14.10. wurde Lehrer Esser vom Militär entlassen. Die Sammlung Weißdornfrüchte brachte 1,84 Liter. Der Unterricht fiel auf vom 07.02. bis zum 07.03. wegen Kohlemangel.

 

Schuljahr 1917/18

 

93: Am 20. Juli läuteten mittags von 11 bis 12 Uhr die Glocken [von St. Hippolytus] zu ihrem Abschied. Nur die mittlere Glocke bleibt hier.

99: Am 9. November bildete sich in Troisdorf ein Arbeiter- und Soldatenrat. Er erließ folgenden Aufruf:

[Text siehe Anlage]

[gez.] Brinkmann / Torvet / Naumann

Am 12.12.1918 wurde Troisdorf von englischen Truppen besetzt.

 

Schulchronik Kriegsdorf

[1914]

 

92 Kinder (1913)

Kriegsdorf, den 3.8.1914

Nach vierzigjähriger Friedenszeit lodert wiederum die Kriegsfackel über unserem Vaterlande. Im Osten und Westen bedroht der Feind Deutschlands Grenzen, und aller Voraussicht nach steht ein Weltbrand in Aussicht, wovor der Himmel uns behüten wolle. [usw.] Der Himmel schenke deutschen Waffen den Sieg!

Weyand7 Christian [Schulamtsbewerber]

2.9. Wie alljährlich fand auch in diesem Jahr die Sedan-Feier (inmitten der Kriegswirren) statt. Lieder und Gedichtvorträge wechselten miteinander. Ein Ausspruch behandelte das Wort Moltkes: „Allezeit, treu bereit, für des Reiches Herrlichkeit!“

[1915]

 

27.1.1915 Geburtstag des Kaisers: Nachdem die Kinder dem Festgottesdienst in der Pfarrkirche zu Sieglar beigewohnt hatten, begann um 9 Uhr im festlich geschmückten Schulzimmer die Feier der Schule. Da dieses Fest im Kriege gefeiert wurde, gedachten wir auch unserer Soldaten im Felde. In der Ansprache führte ich die Vaterlandsliebe und die Liebe zum angestammten Herrscherhause dadurch zu heben, indem ich den Kindern sagte, was das Vaterland für uns tut, und was wir dem Vaterland dafür geben. Mit einem Gebet für den Landesherrn und um den Sieg unserer Waffen schloß die Feier.

Kriegsdorf, den 27. Januar 1915

M. Baeß, Lehrer

Wegen des Krieges wurden die 8 Kinder, welche turnusmäßig am 31. März entlassen werden sollten, schon mit dem heutigen Tage entlassen.

K.dorf, 8. März 1915

M. Baeß, Lehrer

 

[1916]

 

Bei einer Explosion in der Pulverfabrik am 28. März verunglückte aus Kriegsdorf das Mädchen Katharina Hoffmann tödlich. Sie und die vielen anderen Unglücklichen sind also auch Kriegsopfer.

[…]

Am 2. Juni war Viehbestandsaufnahme im Interesse der Volksernährung. Sie ergab für:

Kl. Kriegsdorf  92 Stück Rindvieh, 24 Schweine

Gr. Kriegsdorf  81 „  26  „

Haus Rott  46 „  25 „

 

Schulchronik Oberlar (katholisch)

1914-1918, Auszüge

 

[Seite 35 ff]

410 Kinder in 6 Klassen

[1914]

 

Juli 30. Am politischen Himmel steigen schwarze Wolken herauf, die sich zu einem schweren Wetter zusammenziehen. Am 28. Juni wurde in Serajewo (Bosnien) der österreichische Thronfolger Erzherzog8 nebst Gemahlin ermordet. [usw.]

August 3. Von der hiesigen Schule wurden die Herren Gottfried Bernickel und Heinrich Scheiderich zur Fahne einberufen. Herr Scheiderich kam als überzählig zurück, wurde später als felddienstunfähig ausgemustert.

Sept.10. Die Schule hat 404 Kinder: 357 katholische, 47 evangelische.

[…]

10. Sept. „Der Herr Unteroffizier Bernickel ist am 10. September bei Blesmes, südöstlich von Chalon, südlich vom Rhein-Marne-Kanal, durch einen Schuß in das Knie verwundet worden und befindet sich in französischer Gefangenschaft. Er war der tapferste Mann meiner Kompagnie.“ schrieb Hauptmann Blied an Pfarrer Heppekausen in Troisdorf.

[…]

Dezember. Mit Beginn des Krieges ist eine Kinderbewahrschule für solche Kinder ins Leben getreten, deren Väter im Felde stehen und deren Mütter über Tag zur Arbeit gehen. Arbeitsgelegenheit ist solchen Frauen in Troisdorf, in den Werken der Rhein.-Westf.-Sprengstoff-aktiengesellschaft, und in Siegburg in den kgl. Werken geboten. Ein Schulsaal ist als Bewahrschule hergerichtet. Die Kinder erhalten Mittagessen u. Vesperbrot. Unterhalten wird diese Veranstaltung durch freiwillige Gaben, Sammlung des Paramentenvereins und Zuschüssen(!) der Pulverfabrik. Leiter ist der geistliche Rektor Willems.

[1915]

 

Januar 27. Feier des Geburtstages S[eine]r Majestät des Kaisers. Gedichte und Lieder waren dem Ernst der Zeit entsprechend.

 

Schulchronik Sieglar

1914-1918, Auszüge

 

[Seite 100 ff]

548 Kinder in 8 Klassen

[1914]

 

Am 28. Juni wurde der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz-Ferdinand mit Gemahlin in Serajewo in Bosnien meuchlings ermordet [usw.]

/

[…]

Der Kreisschulinspektor Dr. Conradi trat infolgedessen sofort ins Heer ein. Der königliche Landrat Freiherr von Dalwigk ordnete am 2. August die Schließung sämtlicher Volksschulen des Kreises an; diese Kriegsferien dauerten bis zum 24. August. Am 3. August trat Kollege Nieß sofort ins Heer ein. Er kam ins Linienregiment No. 68, 1. Komp[anie]. Am 5. August folgte Lehrer [Matthias] Schmitz. Er wurde Vizefeldwebel im Landwehr Inf[anterie] Reg[iment] No.25, 2.Komp. Belagerungsarmee vor Verdun.

[…]

Unser Dorf stand auch insofern im Zeichen des Krieges, daß in den ersten Wochen jeden Tag Mannschaften

/

eintreten mußten. Die „Elektrische“ 20 Minutenverkehr war fortwährend überfüllt. Trotzdem die Truppenaufmärsche noch nicht  vollendet waren, brachte jeder Tag des August irgendeine Siegesnachricht, sei es vom westlichen, sei es vom östlichen Kriegsschauplatz.

Es folgt eine Chronologie der militärischen Aktionen des August 1914. Am 14.12. wurde Lehrer [Hubert] Gronewald einberufen zum Infanterie-Regiment 69 in Trier.

Auf dem Schlachtfelde starben den Heldentod bis heute [31.12.1914] Heinrich Hahn, Johann Bitz, Peter Lohr als geborene Sieglarer, außerdem noch ein Hildebrand, der zugezogen war.

[1915]

 

Am 11. Mai erhielt Lehrer Schmitz für bewiesene außerordentliche Tapferkeit das Eiserne Kreuz 2. Klasse.

[1916]

 

14. Februar: Lehrer Schmitz zum Leutnant ernannt.

Am Montag, den 30. Oktober, traf hier Trauerbotschaft ein, daß unser junger Kollege Herr Lehrer Hubert Gronewald am 23. Oktober in der Schlacht an der Somme den Heldentod fürs Vaterland gestorben sei [siehe Anlage].

 

 

 

Schulchronik Troisdorf, Victoriastrasse

Hauptlehrer Schöneshöfer: „Chronik für die Kriegszeit“

 

[Seite 53 ff:] Nachdem am 31. Juli, nachmittags, der Kriegszustand erklärt worden war, kam am 1. Aug., nachmittags 6 ½ Uhr, der Mobilmachungsbefehl für uns. Der Bahnhof war schon seit einigen Tagen, erst durch Bahnbeamte, denen man einen Karabiner gegeben hatte, dann durch Landsturmleute bewacht worden, abends die Brücken und Unter- bzw. Überführungen. Mit dem 2. Aug. begannen die Transporte. Der Bahnverkehr wurde einstweilen aufrechterhalten, vom 4. Aug. an aber auf etwa 3-4 Züge beschränkt. Dazu hatten die Züge eine längere Fahrzeit, z. B. nach Cöln über eine Stunde.

Am 5. Aug. fand ein Landes-Buß-Gottesdienst statt. Vom 3. – 5. August fand auf dem Platze vor dem [Hotel] „Kronprinzen“ Pferdemusterung aus allen Bürgermeistereien des Siegkreises statt unter Leitung des Herrn Landrates. Nachmittags wurden auf der Troisdorfer Heide die Pferde abgeschätzt und gekauft, Wagen ebenfalls gekauft, und abends durch Landsturmmannschaften (ohne Waffen u. in Zivil) nach Cöln geführt.

Für die Mobilmachung war der 2. bis 7. August bestimmt. Herr Lehrer Krumme mußte am 2., Herr Ettwig als Ersatz-Reservist am 15. Tage fort. Diejenigen, die sich in Siegburg stellen mußten, wurden meist gegen Mittag nach Troisdorf geführt und dort verladen.

Währenddessen dauerten die Transporte fort, nun besonders gegen Ende der 1. Woche sehr zahlreich zu werden. Sie gehörten meist dem XI. Armeekorps an, einzelne der Garde. Auch Prinz Joachim9 von Preußen passierte am 4. August hier.

Für die Truppen setzte allmählich die Liebestätigkeit ein, erst einzelne, dann zahlreiche Damen, sowie Herren des Ortes beteiligten sich. Am 8. August wurde die Sache organisiert als Angelegenheit des „Roten Kreuzes“. Die hiesigen Hauptlehrer Bause, Koerver, Schöneshöfer, sowie Lehrer Giershausen führten täglich in 4stündigem Wechsel die Aufsicht. 2 grosse Kesselöfen brannten. Hier wurde Kaffee bereitet. In einem nebenstehenden Eisenbahnwagen wurde Brot, Butter, Käse, Wurst, Zitronen zur Darreichung bearbeitet. Der Aufsichtführende mußte fortwährend Blätter gemäß Bestellung vom Block

/

abreißen. Die Stelle des „Roten Kreuzes“ befand sich im Nordwesten des Bahnhofsgeländes, dem Wasserturm schräg gegenüber. Auch deutsche Flüchtlinge aus Belgien kamen an. Sie hatten eben[?] das nackte Leben und die Kleider, die sie auf dem Leibe hatten, gerettet.

Eine Ortsgruppe des „Roten Kreuzes“ war gegründet worden, am 9. August auch eine solche des „Vaterländischen Frauenvereins“. Am selben Tag passierte eine deutscher Landesfürst, angeblich der Großherzog von Sachsen-Weimar, die hiesige Station, allero[?] er beim Halten des Zuges auf- und abspazierte.

Hierorts hatte man 2 Lazarette eingerichtet und sie nebst dem Krankenhaus dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt, das eine war im Kasino der Friedrich-Wilhelms-Hütte, das andere im Lager- und Packraum der Zelluloidfabrik10.

13. Aug.: 693 französische Gefangene passierten in Richtung Cöln.

15. Aug. österreichische Motorbatterien in derselben Richtung, beide hielten längere Zeit hier.

Die Transporte, die in der 2. Woche besonders zahlreich waren (an einzelnen Tagen 40 und mehr Züge) hörten vom 17. August an auf.

Am 21. Aug. kam die Siegesnachricht der Lothringen-Schlacht, bald nachher Longwy und Namur.

Ende August begannen neue Transporte, diesmal von Westen, auch wieder XI. Armeekorps. Mit Waffen, Fahnen, Uniformstücken etc. der Feinde geschmückt, brachten diese Truppen heiteres Leben. Als am Abend des 2. September die Siegesnachricht Verdun-Reims kam, fuhr gerade Prinz Joachim von Preußen zurück nach Osten. Auf dem Bahnhof wurde ihm eine kleine Ovation bereitet. Gewaltigen Enthusiasmus lösten die beiden Hindenburgschlachten aus, durch die Ostpreußen befreit wurde.

Am 9. Okt. verkündete abends Glockengeläute den Fall von Antwerpen.

Anfang November begann ein stärkerer Bahnverkehr, auch die Fahrzeit wurde allmählich abgekürzt.

In Cöln auf dem Neumarkt waren eine Anzahl französischer Geschütze eine Zeitlang ausgestellt.

/

Die Fortbildungsschule ruhte einstweilen, wurde am 8. November wieder eröffnet (bis 31. Mai).

In den Schulen wurden die Handarbeitsstunden zum Strümpfestricken benutzt. Die Geldmittel waren ziemlich gering. Endlich bewilligte die Gemeinde 500 M., davon erhielt die evangelische Schule ein Sechstel.

17. Dez.: Großes Glockengeläute: Die Russen mußten weichen auf Warschau zu.

In Wahn war ein großes Gefangenenlager eingerichtet mit Franzosen, Engländern, Belgiern und Russen.

Zu Weihnachten schickte die Gemeinde jedem Gemeindeglied in Uniform ein Weihnachtspaket. In den Lazaretten fanden Weihnachtsfeiern statt. Zu den Feiern in der Pulverfabrik und dem Krankenhause war ich eingeladen.

Ende November wurde für die Verwundeten eine Schreibstube im Krankenhause eingerichtet. Die hies[igen] 4 Hauptlehrer kamen abwechselnd Dienstag bis Freitag von 4 – 6 Uhr dorthin, um sich den Verwundeten aller Lazarette zur Verfügung zu stellen. Ich hatte am Mittwoch dort Dienst, habe aber nie etwas zu tun gehabt. Auch Sonntags mußte einer da sein. Bald nach Weihnachten ging die Einrichtung ein.

Der hiesige Kegelklub „Kasinogesellschaft“ stellte seine Kasse für Bedürftige zur Verfügung, dies wurde sehr benutzt und spendete viel Segen. Der Flottenverein stellte auch 150 M bereit. Der hies. Lokomotivführerverein überwies einen größeren Betrag zur Beschaffung von Briketts für arme Familien. Die betr. Familien wurden durch den kathol. und evang. Pfarrer ausgesucht. Die evangel. Liste mußte durch mich nachkontrolliert werden.

Die Nikolausgaben der evangel. Kirche wurden gesammelt und in 4 Kisten nach Koblenz geschickt zur Liebesgaben-Sammelstelle, je 2 waren für Truppen bestimmt, die noch wenig oder gar keine Liebesgaben bekommen hatten, die 2 anderen für ein Truppenlazarett. Nur für den[!] beiden ersten haben wir Antwort über die Verwendung bekommen.

Ferner fand eine Sammlung für Ostpreußen statt. Ein

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Wagen sammelte Wollsachen, Geld etc.

Gewaltige Neubauten wurden an der Geschoßfabrik und dem Feuerwerkslaboratorium ([Siegburg-] Brückberg) begonnen, ebenso auf der Rhein[isch] Westf[älischen] Sprengstoff Akt[ien-] Ges[ellschaft]11 in Troisdorf. Letztere wurde dadurch instandgesetzt, statt täglich 4.000 kg nun 53.000 kg Pulver herzustellen. Die Beschäftigung der Werke war eine ungeheure, die Arbeiterzahl vermehrte sich stetig, die Einwohnerzahl nahm schnell zu; besonders viele Frauen und Mädchen wurden beschäftigt und fingen hier an. Zur Zeit des Schichtwechsels war eine rasche[?] Völkerwanderung zum und vom Bahnhof. Die elektrische Bahn legte für diese Zeit mehrere Sonderzüge ein.

Westlich Spich  begann im Winter 1914/15 der Bau einer Zeppelinhalle. Fertig, wurde sie parzellenförmig in der Farbe der Felder bemalt. Einige 100 m entfernt wurden Abwehrkanonen aufgestellt.

Kaisergeburtstag [27. Januar] 1915 wurde nur in Schule und Kirche gefeiert.

Um die Abwässer geeignet fortleiten zu können, baute die Rh. Westf. Sprengstoff A.G. einen Kanal zur Sieg. Er geht durch die Viktoriastrasse; dort ist auch die tiefste Stelle, gegenüber dem Westtor der Schule (ca. 8 m tief); Sträflinge aus Siegburg wurden dabei beschäftigt.

Am 1. Februar [1915] war Getreidezählung. Bald darauf wurden für jede Person Brotkarten ausgegeben. Erstmalige Ausgabe zuerst gültig für 14 Tage, seit12          für 4 Wochen. Der Ort war in Bezirke aufgeteilt. Ich hatte den 4. Bezirk: Emil-Müllerstr., Stationsweg, Kronprinzenstr., Wilhelmstr., Kölnerstr.61 bis Schluss. Zum ersten Mal trug ich die Karten in jedes Haus; von da an wurden sie an den betr. Samstagen von 2 – 4 Uhr im unteren westlichen Schulsaale ausgegeben. Eine Lehrerin half mir 1 Jahr lang.

12. Februar: Glockengeläute: Winterschlacht in Ostpreußen, daher am 22. Februar schulfrei.

Mittlerweile wurden überall Kriegsgefangene zu gewerblichen und mit Sommerbeginn auch landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen, so auf der Friedrich-Wilhelms-Hütte, ebenso Russen beim Kanalbau auf der Troisdorfer Heide.

10. März: Troisdorf wird Garnison, das 2. Ersatz-Bataillon des 160. Infant[erie-] Reg[iments] aus Bonn erhält hier seinen Sitz. Die Soldaten liegen in den Sälen, Offiziere in Bürgerquartieren. Auch Sieglar und Oberlar, ferner einige Säle in Siegburg werden benutzt. Das Bataillon zählt durchschnittlich 1.500 Mann.

[…]

Ende Juli wurde Kork gesammelt und eine Kiste voll nach Koblenz geschickt, da man in Feindesland eine Mineralquelle ausnutzen wollte.

[…]

Im Laufe des Frühjahrs und Sommers wurde immer mehr Ersatz aus den älteren Jahrgängen eingezogen, dazu auch der Jahrgang 1895 anfangs Mai. Endlich wurden auch die „dauernd untauglichen“ noch einmal nachgemustert. Ich mußte am 1. Oktober hin und wurde wiederum „d. u.“ erklärt.

[…]

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Im Winter 1916/17 entstand eine große Kartoffelnot. Deshalb mußten als Ersatz Steckrüben gegessen werden. Die Gemeinde hatte eine Anzahl Waggons kommen lassen und vorher unter Mitwirkung der Schüler eingewintert.

[…]

Am 12. Februar wurden die bisher „dauernd untauglichen“ der Gemeinde Troisdorf nachgemustert. Schreiber dieses wurde „g.v.e.“13 befunden. Am 5. März eingezogen, bei der 5. Komp[anie] 4. Landsturm Inf[anterie] Ers[atz] Bat[aillon] in Neunkirchen/Saar eingestellt, am 29. März zur 2. Komp. nach Saarbrücken versetzt auf die Bataillons-Post-Abt.: Geldsendungen für russische Kriegsgefangene. Infolge Reklamation am 17. April entlassen, begann er den Unterricht am 21. April wieder. […]

Am 8. Juni wurde eine ganze Anzahl Lehrer wieder eingezogen, darunter Herr Lehrer Ettwig von hies[iger] Schule.

Die Nachrichten über Herrn Krumme bleiben aus. Nach Mitteilung seines Onkels datiert die letzte Nachricht von ihm vom 16. April 1917. Da damals ein großer Angriff der Franzosen stattfand, wird er dabei vielleicht den Heldentod gestorben sein.

[…]

Schulchronik Troisdorf, Victoriastrasse

1914 – 1918, Auszüge

 

[Seite 101 ff]

219 Kinder in 4 Klassen

[1914]

21. Sept. Lehrer Krumme wurde verwundet: Schuß in den Ballen der rechten dicken Zehe.

1915

22. Februar: Schulfrei wegen des glänzenden Sieges des Feldmarschalls Hindenburg an den Masurischen See über die Russen (über 100.000 Gefangene).

1. Mai: Übernahme der Vertretung in Friedrich-Wilhelms-Hütte, da Herr Lehrer Veller als Rekrut eingezogen war (bis 30. Juni).

[1916]

3. März: Herr Lehrer Ettwig, der als Garnisondienstfähiger einstweilen entlassen wurde, begann wieder den Unterricht.

[1917]

8. Juni: Herr Lehrer Ettwig wurde militärisch eingezogen.

[1918]

Am 18. Januar teilte mir der Herr Bürgermeister mit, daß die amtliche Nachricht eingelaufen sei, wonach Herr Lehrer Krumme am 19. April 1917 im Westen gefallen ist. Das Lehrerkollegium widmete ihm am nächsten Tage in der „Troisdorfer Zeitung“ einen Nachruf.

28. März – 9. April: Osterferien. Der 8. Kriegsanleihe wegen waren die Ferien, die bis zum 17. April dauern sollten, verkürzt worden.

1918 Nov 09        Arbeiter- und Soldatenrat Troisdorf: Aufruf14

 

Bürger Troisdorfs und Umgebung!

Das furchtbare Schicksal, das über das deutsche Volk hereingebrochen ist, hat zu einer elementaren Bewegung der Arbeiter u. Soldaten geführt. Am 9.11.18 hat sich für Troisdorf und Umgebung ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet.

Eine neue Zeit hebt an. Die jetzige Umwälzung war notwendig, um im letzten Augenblick die Selbstregierung des Volkes, die Entwicklung der Zustände ohne allzu schwere Erschütterung zu erledigen, bevor die feindlichen Heere die Grenzen überfluten oder nach dem Waffenstillstand die demobilisierten deutschen Truppen das Chaos herbeiführen. Der Arbeiter- und Soldatenrat wird strenge Ordnung sichern. Plünderungen und Ausschreitungen werden streng bestraft. Die Sicherheit der Person und des Eigentums wird verbürgt. Die Soldaten werden durch Soldatenräte sich selbst regieren u. die Disziplin aufrechterhalten. Offiziere, die sich den Anforderungen der veränderten Zeit nicht widersetzen, sollen ungestraft ihren Dienst versehen. Wir rechnen auf die schaffende Mithilfe der gesamten Bevölkerung. Jeder Arbeiter an der neuen Freiheit ist willkommen. Alle Beamten bleiben in ihren Stellungen.

Grundlegende soziale u. politische Reformen werden unverzüglich ins Werk gesetzt. Der Austausch der Lebensmittel wird rationell organisiert werden.

Arbeiter und Bürger Troisdorf, vertraut dem großen und gewaltigen, das sich in diesen schicksalsschweren Tagen sich vorbereitet. Helft alle mit, daß sich die unvermeidliche Umwälzung rasch, leicht und friedlich vollzieht. In dieser zeit des sinnlosen, wilden Mordens verabscheuen wir alles Blutvergiessen. Jedes Menschenleben soll heilig sein. Dann fort die Rache[?] und wirkt an dem Aufbau der neuen Welt.

Auf der revolutionären Grundlage, die jetzt gegeben ist, werden die Waffen zur Einheit zurückgeführt.

Es lebe die deutsche Republik!

Es lebe der Friede!

Es lebe die schaffende Arbeit aller Werktätigen!

Der Arbeiter- u. Soldatenrat von Troisdorf und Umgebung

Brinkmann Torvert Naumann

 

 

1Eigentlich müsste es heissen: „russisch-orthodox“.

2Text: Adrianus Valerius als Dankgebet für die niederländischen Siege, 1597 - Übersetzung von Joseph Weyl , 1877.

3heute Gemeinde Tailly im Departement Ardennes.

4Die 4. Kriegsanleihe brachte Deutschland ca. 12,1 Mio. Mark. Alle neun Anleihen ergaben 98 Mio M., wegen der Ausgaben von 173 Mio. M. ergab sich eine Schuld von 75 Mio. M.

5Tahure war ein Dorf im Departement Marne und wurde im 1. WK völlig zerstört.

6Es kann weder von einem deutschen noch von einem britischen Sieg gesprochen werden.

7„gefallen in Rumänien“ – handschr. Nachtrag in der Schulchronik.

8Hier ist im Text eine grössere Lücke.

9Joachim Franz Humbert von Preußen (* 17. Dezember 1890 in Berlin; † 18. Juli 1920 in Potsdam) war der sechste Sohn des deutschen Kaisers Wilhelm II. und dessen ersten Ehefrau, Kaiserin Auguste Viktoria.

10d.i. die spätere Dynamit-Nobel AG.

11abgekürzt RWS, die spätere Dynamit-Nobel AG (ab 1926).

12Hier ist eine Lücke in der Vorlage.

13d.i. „garnisonverwendungsfähig Ersatzheer“

14Fundstelle: Chronik der Schule Kirchstrasse 1886-1935, S. 99 f; in Stadtarchiv Troisdorf, Bestand A 970.

 

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