Die Geschichte der Villa Langen oder "des Turms" ist untrennbar verbunden mit der Geschichte des Troisdorfer Ortsteils Friedrich-Wilhelms-Hütte. Deswegen zu Beginn ein Auszug aus einer neueren Heimatgeschichte:

Geschichte der Friedrich-Wilhelms-Hütte

1824 kaufte der Ober-Geometer des Oberbergamtes Bonn Johann Wilhelm Windgassen von der preussischen Domänenverwaltung die Mühlen in Eschmar und Sieglar. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, zwischen Siegburg und Eschmar im Bereich der Siegebene eine Schmelze, eine Eisenverhüttungsanlage, zu errichten. Die Antriebsenergie Wasser war vorhanden, Holz (Kohle) und Eisenerz fehlten, waren aber aus dem Pleistal und den reichen Wäldern herbeizuschaffen [...]. Er entschloss sich, eine neue Eisenhütte mit Hochofen, Walz- und Reckwerk im Bereich der Gemeinde Obermenden zu bauen. Zu dem Zweck kaufte er 1825 von der Gemeinde Obermenden 15 ha Gras- und Waldland zwischen Agger, Sieg und Mühlengraben. Die preussische Regierung genehmigte das Vorhaben.

1838 stieg Geometer Johann Luzian Peters, ein Kollege Windgassens, mit seinem Bruder Johann Georg Peters, Kaufmann aus Frankfurt/M., in die neue Gewerkschaft Friedrich-Wilhelms-Hütte ein. [Windgassen starb 1852.]

Johann Jakob Langen, ein Kölner Kaufmann, ersteigerte 1843 den gesamten Hüttenbesitz für 28.350 Taler; vorher hatte er bereits die Wassergerechtsame am Mühlengraben und die beiden Fruchtmühlen zu Sieglar und Eschmar einschliesslich der Frucht für 68.000 Taler erworben.

Langen brachte das Hüttenunternehmen wieder in Gang und gab seinem 20jährigen Sohn Emil 1844 zunächst eine Teilprokura und 1846 die Leitung.

Emil Langen, eine dynamische Persönlichkeit, brachte nicht nur die Hütte wieder in Schwung; er versuchte auch, das Umfeld zu organisieren. [...]

1861 liess Langen eine evangelische Privatschule errichten, die auch katholische Schüler besuchen konnten. Diese Schule wurde 1866 als öffentliche Volksschule anerkannt. [...]

1864 richtete Emil Langen in der Kaserne der Friedrich-Wilhelms-Hütte einen Betsaal für die evangelischen Arbeiter und ihre Angehörigen ein, die vom Siegburger Pfarrer betreut wurden.

Beim Bau der Sieg-Eisenbahnlinie hatte Emil Langen auch seine Finger im Spiel, er fungierte als Schriftführer im Comité für die direkte Cöln-Siegburg-Frankfurter-Eisenbahnlinie. 1859 wurde das Teilstück Deutz - Hennef in Betrieb genommen. 1861/62 hatte auch Troisdorf seinen Haltepunkt und eine erste Station. Die Gemeinden in Troisdorf und Sieglar und Generaldirektor Langen finanzierten das Stationsgebäude. Langen stellte mit einer Privatbahn eine Verbindung von Troisdorf zu seinem "Sieg-Rheinischen-Bergwerks- und Hütten-Akten-Verein" her, die in dem Moment überflüssig wurde, als 1871 die Rheinstrecke betriebsbereit war. [...]

1868 schied Emil Langen aus seinem Amt aus, übernahm die Leitung eines Werkes in Salzgitter. Dort verunglückte er 1870 tödlich.

1911 kam es zur Fusion der Sieg-Rheinischen Hütten AG mit den Mannstaedt-Werken Köln-Kalk zum Façon-Eisen-Walzwerk Louis Mannstaedt & Cie.."


nach: SCHULTE, Kleine Geschichte der Stadt Troisdorf

Zeitleiste

1824 Jun 24 Emil Langen in Solingen geboren

1843 J. J. Langen, sein Vater, kauft die stillgelegte Hütte

1846 Langen übernimmt die Leitung der Hütte

1848 Jun 11 Langen heiratet Julchen Lauterjung

1849 Mai 21 Carl Jacob Langen geboren in FWH

1850 Sep 13 Anna geboren in FWH

1854 Mär 11 Emil (junior) geboren in FWH

1857 Jul 28 August Walther geboren in FWH

1857 Jul 28 Hermine ("Mimi") geboren in FWH

1861 Jun 17 Alfred geboren in FWH

1863 Nov 25 Max geboren in FWH

1867 Langen verlässt die Firma

1868 Langen beteiligt an der Gründung einer Hütte in Salzgitter

1870 Familie Langen zieht aus der Villa aus

1870 Okt 01 Langen stirbt durch einen Unfall am Hochofen [René]


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