Einleitung

Das Kind muss einen Namen haben.

In Gottes Schöpfung steht geschrieben,

dass sich die Menschen sollen lieben.

Wo dieses dann Gestalt gewinnt,

der Mann wird Vater durch das Kind.

Nun ist der Vorgang meist vergnüglich.

Doch kritisch wird es, wenn bezüglich

des Individuums Namen streiten

die Paten, die zur Tauf´ geleiten,

auch Eltern, Tanten, Onkel, Basen,

wer sonst noch steckt hinein die Nasen.

Der Name lebenslang dich plagt.

Was du willst, das war nicht gefragt.

Nun ward - beweist die Aktenlage -

nach fast einhundertjähr'ger Plage,

nach vielen und vielfält 'gen Wehen

und hundertfachem Ratsgeschehen

und dutzendfachem Zeugungsdrange -

die Schwangerschaft, auch die währt lange -

ein neunundsechz'ger Kind geboren.

Und aller Welt kam es zu Ohren:

trotz vieler Väter sei's legal.

Doch wie soll 's heissen ? Welche Qual

bei so viel Vätern, Prätendenten,

bei tausenden von Argumenten,

gelehrten und aus Volkes Sinnen:

wie ist da Eintracht zu gewinnen ?

Wie aus der vielen Köch' Gebrodel

im Vor-, im Haupt-, im Nachgemodel

das Kind zu seinem Namen kam,

den man dann zu den Akten nahm,

das sei, zu jede Vergnügen,

ohn' übertreibung, ohne Lügen

mit Fleiss gesammelt, hingeschrieben,

den Bürgern und dem Kind zulieben.


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