Namensvorschläge zwischen November 1966 und August 1969

Namen und ihre Herkunft aus dem Plan Siegburg - Troisdorf

Wir sehen hier ab von der historischen Tatsache, dass Troisdorf bis zur Selbständigwerdung der Gemeinde am 18.1.1900 als Vogtei zu Siegburg gehört hatte. Aber schon bald danach gab es die eine oder andere überlegung zu einem Zusammenschluss mit der einen oder anderen Nachbargemeinde, allerdings ohne greifbare Ergebnisse. Ernsthaft wurden Verhandlungen zwischen Troisdorf und Siegburg erst, als Mitte der sechziger Jahre abzusehen war, dass es bald eine kommunale Gebietsreform geben werde.

Für solche Pläne gab es die Namensvorschläge "Siegburg", "Gross-Siegburg" und "Sülz-Agger-Sieg-Stadt", Bezeichnungen, die man, hauptsächlich psychologisch, kommentieren könnte. Ich verzichte hier darauf; weil aus den Plänen ja nichts wurde.

Namen und ihre Herkunft aus dem Plan Troisdorf - Sieglar

Am längsten und eingehendsten wurden die Pläne einer Vereinigung von Troisdorf und Sieglar erwogen, erörtert, diskutiert, berechnet, variiert, je nach Standpunkt der sich äussernden aus allen möglichen Blickwinkeln leidenschaftlich, sachlich, hämisch, sarkastisch, nüchtern, ortsbezogen, wissenschaftlich, pseudo-wissenschaftlich, kurz mit allen Regungen befrachtet, deren ein Mensch fähig ist.

Ich verweise auf die Gruppierungen (s.u.) und stecke hier nur Grenzen ab, innerhalb deren sich die Anteilnahme bewegte.

Also war zu erwarten, dass "Troisdorf', "Sieglar", "Troisdorf Sieglar", "Gross-Troisdorf"', "Gross-Sieglar" erfunden würden, ebenso aber auch " Siegtal", "Aggermünd", "Friedensweiler" und Ochslar oder Hütroalsi.

Namen, die weder dem Plan Siegburg-Troisdorf noch dem Plan Troisdorf-Sieglar zuzuordnen sind.

Beim besten Willen kann ich einige Namensvorschläge nicht unter den beiden Plänen einordnen. Dabei bleibt es der Phantasie der Leserin oder des Lesers unbenommen, nach Belieben zu interpretieren, was die Namensschöpfer wohl auch getan haben, was aber bis heute ihr Geheimnis geblieben ist. Eine Wertung der Vorschläge "Herrenberg", "Goldacker" und "Feuerberg" liegt mir aber auch fern.

Gruppierungen der vorgeschlagenen Namen

nach bestehenden Bezeichnungen

Da tauchen selbstverständlich auf : "Troisdorf', "Gross-Troisdorf', "Sieglar", Gross-Sieglar", Troisdorf-Sieglar. über Zweckmässigkeit, Eingängigkeit und Verwendbarkeit ist trefflich gestritten worden.

Lage-Namen

Dieses ist eine Gruppe, die ursprünglich viele Fluren und Orte bezeichnen halfen, wie ein Blick in unser neues Postleitzahlbuch lehren könnte. Dies ist übrigens überall auf der Welt und in allen Sprachen so.

Hierher gehören: "Siegmünden", - übrigens bei einem Preisausschreiben des SPD - Ortsverbandes Sieglar als 1. Preis prämiert und mit DM 100.- an Herrn Erwin Liebig, Spich, Zedernweg 5 vergeben worden. Ein 2. Preis ging mit DM 75.- an Herrn Hilarius Schmitz, Sieglar, Hüttenstr. 8 für seinen Vorschlag "Siegtal".

Weiter gehören in diese Gruppe: "Aggermünd", "Aggersiegstadt", Siegdorf", "Siegstadt", "Siegheide", "Siegheidestadt", "Siegmünde", "Siegau", "Siegfeld", "Siegmund".

Kombinationsnamen

Hier könnten auch einige der vorgenannten Vorschläge stehen, doch sind die Kombinationen anderer, mehr künst licher Art und meiner Meinung nach daher getrennt aufzuführen. Es sind : "Tro-Si-AI-Hü", "Hütroalsi", "Troislar", "Trois-Siegstadt" und "Sieg-Troisburg".

Von historischen Bezügen oder Formen abgeleitete Namen

"Trutheslar", "Lardorf', "Lara", Auelgau".

Vorschläge nach Personennamen

Hierhin fallen : "Nobelau", "Nobelstadt", "Nöfertown".

Reine Phantasie-Namen

Ich schränke ein, dass ich diese Bezeichnungen dafür ansehe und betone ausdrücklich, dass ich niemandem zumute, mir hierin zu folgen. "Friedensweiler", "Agger-Sieg-Vereinigung", "Goldagger", "Heimstadt" und "Grünstadt" erschliessen sich mir nicht.

Namen humoristischer oder satirischer Art

Obwohl für diese Gruppe nur eine Bezeichnung belegt ist, nämlich "Ochslar", - ich bin mir auch nicht sicher, ob das ein guter Witz gewesen wäre -, habe ich mich für diese eigene Gruppe entschieden. Das muss begründet werden.

Eine der schönsten, ortsverbindenden Gepflogenheiten der Bürgerinnen und Bürger der zehn Ortsteile von Troisdorf ist die Tatsache, dass sie alle, zum Teil seit Jahrhunderten einen übernamen besitzen, sie mögen Ureinwohner oder Zugezogene, Menschen deutscher oder anderer Sprache sein. Wer in Troisdorf wohnt, ist ein Windbeutel, nach Original-Mundart "ne Wönkböggel". Der Sieglarer ist "ne Oorss" = Ochse - wenn eine übersetzung überhaupt den Sinn zu treffen vermag. Den Oberlarer nennt man "ne Sandhas" - ob die weibliche Form "Sandhäsin" auch vorkommt, weiss ich nicht, Oorssin jedenfalls ginge mir nicht über die Zunge.

In Spich wohnen bekanntlich die "Bleimöps", in Kriegsdorf die "Lehmträtscher", in Altenrath die "Ströpper". Dies mag früher ehrenrührig gemeint gewesen sein, trifft aber heute sicher nicht mehr zu.

Die jüngste der Benennungen trifft die "Hötter Puddeler", nach dem Puddelofen der Mannstaedt-Werke. Enthalten ist darin auch eine Anspielung auf das "Puddele" = sich im Staub wälzen, wühlen.

Gewiss alt sind die "Eischmere Bottemellech", die "Möllekovve Kröh" und die "Bercheme Fräusch" = Frösche.

Ich führe diese Namen hier zur allgemeinen Kenntnisnahme, aber auch wegen des für mich unverständlichen Befundes auf, demzufolge diese Begriffe so wenig benutzt wurden, um einen neuen Stadtnamenvorschlag zu entwickeln.

Zugegeben ist es schwierig, hier schöpferisch tätig zu werden. Ein "Wönkböggelsborrech" könnte mir ebensowenig gefallen, wie ich einem "Sandhasenoorssfeld" etwas abgewinnen könnte. Also will ich es belassen, wie es war. - - -

Aber reizvoll wäre es gewesen. [in der Tat! - dä Säzzer]

Namen, die im Raum schwebten, aber nicht bezeugt sind, soweit die bisher verfügbaren Quellen reichen

Nach Namen von verdienstvollen verstorbenen Personen

Ich schicke voraus, dass es sich bei allen vier Abschnitten dieses Kapitels um willkürliche Herausnahmen handelt, die mit der einzigen Absicht erstellt wurden, der Leserin, dem Leser, vorzüglich denen aus Troisdorf - aber auch Auswärtige sind berufen -, Gelegenheit und Raum zu geben für weitere Entwürfe.

Da hätte es die " (Wilhelm)-Engländer-Heide" geben können, desgleichen die "Windgassenschmelz", ein "Lindlauingen", die "Klevburg", ein "Hamacherrode", ein "Hageneck", ein "Dr. Anton-Schönen-Bruch" und ein "Nöferrath". Wem die erwähnten Namen nicht geläufig sind, der möge im Quellen- und Literaturverzeichnis nachsehen Die Namen hier alle zu erklären, sprengte den Rahmen dieser Broschüre.

Nach Namen von verdienstvollen lebenden Personen, in Auswahl

Sicher problematischer wären die Vorschläge mit den Namen verdienstvoller lebender Personen gewesen. Dennoch seien, nur, um sie einmal abzuhorchen - vielleicht kommt ja der eine oder die andere einmal zur Ehre eines Strassennamens -, einige genannt: wie hätten sie gefunden: "Ludwigslust", "Dederichsheim", "Nöbelfeld", "Gerhardusanger", "Kasbachtal", "Jaaxthausen", "Nöferrath", "Haasenbroich", "Buschhoven", "Bieberburg" ?

Namen nach bekannten örtlichkeiten

Weniger zum Widerspruch Reizendes wäre aus der Reihe zu entnehmen gewesen, die bekannte örtlichkeiten zur Grundlage eines neuen Stadtnamens hätten ergeben können, als da sich angeboten hätten: "Altenforstsand", "Heidekrautheim", "Unterste-Fahr-Wasser", "Ravensbergfindling", "Telegrafenhöhe", "Bitzbaumholder", "Sandhasenheim", "Hohlsteinbrunn", "Wissenmoor" und "Schirmhofhausen".

Namen nach böswilligen Unterstellungen

Ausgesprochen böswillig kamen mir Namen vor wie "Klüngelsheim", "Windbeutelfurt" und "Protzenhöhe". Ich schäme mich ihrer und verschweige weitere.

Wer diese Liste von ca. 70 Namen noch erweitern möchte, kann oder will, möge sie in den folgenden Freiraum, der Nachwelt zum Bedenken, niederschreiben.

Was ich - ich bekenne es freimütig - nicht geschafft habe, nämlich Vorschläge mit den Namen verdienstvoller Frauen, ist sicher ein grosser Mangel. Umso wertvoller wäre es, wenn diesem Mangel abgeholfen werden könnte.

Versuch einer Klassifizierung de r Namen nach Motivationen

Parteiisch

Parteiisch wäre "Lardorf".

Historisch

Historisch könnte man "Schirmhofhausen" einordnen.

ästhetisch

ästhetisch empfinden mit mir sicher viele Troisdorferinnen und Troisdorfer eine Bezeichnung wie "Telegrafenhöhe", allein schon wegen des fast versartigen Wortrhythmusses.

Rational

Eine rationale Namensprägung ist sicher "Siegstadt".

Gemischtlage

Bei der Gemischtlage sehe ich viele Möglichkeiten, kann mich aber für keine als Musterbeispiel entscheiden.


© by nf; est. 2001, updated 17.01.2005