Warum Nobelstadt ?

Mitte des kommenden Jahres ist es soweit! Nachdem bereits der Landtag von Nordrhein-Westfalen eine Gesetzesvorlage der Regierung (Drucksache 850) in erster Lesung hinter sich gebracht hat, wird die Neuordnung des Bonner Raumes von "oben her" vollzogen. Sieglar, Troisdorf, Altenrath und Friedrich-Wilhelms-Hütte werden im Zuge dieser Neuordnung zu einer Stadt zusammengeschlossen.

Aber wie soll diese Stadt heissen?

In der vorgenannten Drucksache schlägt die Landesregierung den Namen Troisdorf vor.

Der SPD-Ortsvereinsvorstand sowie SPD-Ratsfraktion in Sieglar sind nicht dieser Meinung und begründen das wie folgt:

1. Würde der Name der neuen Stadt Troisdorf heissen, müssten Sieglar, Friedrich-Wilhelms-Hütte und Altenrath, welche zweifellos einen klangvolleren Namen mitbringen, für immer das Gefühl haben, eingemeindet worden zu sein.

2. Die Vertreter der beiden grössten Gemeinden haben in allen bisher gemeinsam geführten Gesprächen auf der Beibehaltung ihres Namens bestanden. Würde einer der beiden - z. B. Troisdorf - als Sieger hervorgehen, wäre die Arbeit im neuen Stadtrat für lange Zeit einer Belastung ausgesetzt, welche sich nur zum Nachteil der Bürger dieser Stadt auswirken würde.

3. Eine neutrale Namensgebung für die neue Stadt würde den Landtag der unangenehmen Aufgabe entheben, einen Namen zu bestimmen.

Aus diesem Grunde veranstaltete die Sieglarer SPD einen Wettbewerb zur Ermittlung eines neuen Stadtnamens mit grossem Erfolg. Unter den ersten drei prämiierten erscheint der Name Nobelstadt. In der Ratssitzung der Gemeinde Sieglar am 17. Oktober schlug die SPD-Fraktion dem Rat vor, mit einer kleinen Kommission über eine neutrale Namensgebung mit Vertretern von Regierung und Parlament in Düsseldorf zu verhandeln. Die SPD-Fraktion kam gleich mit dem Vorschlag Nobelstadt, wobei auch der Name Siegmünden in Erwägung gezogen wurde.

Die CDU-Fraktion stimmte diesem Antrag zu, behielt sich aber vor, bis zur nächsten Ratssitzung ebenfalls einen Namensvorschlag mitzubringen. Man ging an diesem Abend nach Hause mit dem zufriedenen Gefühl, gemeinsam ein Stück weitergekommen zu sein.

Aber es kam anders. In der Ratssitzung am 28. Oktober [1968] fehlte der CDU-Fraktion nicht nur ein eigener Namensvorschlag, sondern sie zerstörte auch durch ihre Stimmenmehrheit alle gehegten Hoffnungen auf ein gemeinsames Handeln in der Namensfrage. Die CDU-Fraktion stützte sich auf einen Ratsbeschluss vom Dezember 1966, dessen Inhalt alle politischen Kräfte von Gemeinde, Kreis und Land bereits zum alten Eisen getan hatten.

Was auch immer die CDU in Sieglar zu dieser Haltung bewegt haben mag, sei es Uneinigkeit bei der Findung eines eigenen Namensvorschlages, die Angst, einem SPD-Antrag zuzustimmen oder billige politische Effekthascherei bei einigen Alt-Sieglarern - sie hat durch ihre Mehrheit wahrscheinlich für immer einen Kompromissweg verbaut, an dessen Ende nur Gutes für den Bürger der neuen Stadt herauskommen konnte.

SPD-Ortsvereinsvorstand und Ratsfraktion trafen ihre Entscheidung für den Namen Nobelstadt, weil das grosse Werk der Dynamit Nobel bereits den Namen des grossen Erfinders und Humanisten Alfred Nobel trägt und im hiesigen Gebiet nicht zuletzt im kommunalen Bereich für einen gewissen Wohlstand gesorgt hat und auch, weil der "weltweite Klang" des Namens Troisdorf, der nur in Verbindung mit der Firma Dynamit Nobel zustande kam, durch die Neubezeichnung Nobelstadt noch übertroffen werden kann.

aus: Mitteilungsblatt des Ortsvereins Sieglar der SPD, Nov.1968, S.10.


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