1933 April 20 Sitzung des Gemeinderates von Sieglar i

Die erste Sitzung des Gemeinderates

Erhebender Verlauf. - Alle Beschlüsse einstimmig gefasst. - Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Hitler zu Ehrenbürgern ernannt.

Festlich geschmückte Strassen grüssten die unendlichen Menschenmassen, die aus Anlass der ersten Sitzung des neugewählten Gemeinderates aus den umliegenden Dörfern nach hier gekommen waren. Einen ebenso überwältigenden Eindruck hinterliess der festlich geschmückte Saal Schumacher in seiner nationalen Farbenpracht und dem saftigen Grün, das die Bilder des Reichspräsidenten von Hindenburg und des Reichskanzlers Hitler umgab. Lange vor Beginn war der grosse Saal von allen Ständen der Bevölkerung besetzt. Aber immer kommen noch neue Scharen, sodass, als die Vereine mit ihren Fahnen einmarschierten, bereits ein beängstigendes Gedränge herrschte. Die Feier wurde durch Lautsprecher auch noch nach anderer Stelle übertragen.

Nach einem schneidigen Marsch der SA-Kapelle begrüsste Staatskommissar Hörschii alle geladenen Gäste und Erschienenen aufs herzlichste, besonders die Geistlichkeit, die Lehrerschaft, sowie die anwesende Mutter des erschossenen SA-Mannes Franz Müller und nicht zuletzt den etwas verspätet eintreffenden neuen Landrat Dr. Buttlar und wies auf die Bedeutung der nationalen Erhebung hin.

Kreisleiter Hoffstätter gedachte in warmen Worten des Mannes, dessen Geburtstag wir heute feierniii, und derjenigen Kameraden, die für die nationale Erhebung ihr Leben lassen mussten.

Staatskommissar Hörsch nahm dann die Verpflichtung der neugewählten Gemeindeverordneten vor, nachdem er vorher in einer kurzen Ansprache auf den Sinn und die Bedeutung der Zusammenkunft hingewiesen hatte, und bat alle, ihrerseits alles Trennende zu vermeiden und alles einzusetzen zum Wohle unserer schönen Heimat und des geliebten Vaterlandes.

Die zu erledigenden Punkte der Tagesordnung fanden schnell ihre Erledigung. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Die zu Beigeordneten, Ortsvorstehern und in die einzelnen Kommissionen vorgeschlagenen Herren wurden anerkannt. Der Antrag, Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Hitler die Ehrenbürgerrechte zu verleihen, wurde mit Beifall angenommen.

Herr Wester (Zentrum) richtet dann einige Worte an die Festversammlung und betonte besonders, dass sie bereit und willens sind[!], an dem nationalen Aufbau mitzuarbeiten und für den Frieden und Zusammenarbeit im neuen Gemeinderat einzutreten.

Herr Arenz gab seitens der Bürgervereinigung die Erklärung ab, im Sinne der nationalen Bewegung mitzuarbeiten für ein neues und starkes Vaterland.

Herr Schorr (N.S.D.A.P.) betonte, dass das alte System nun endgültig in unserer Gemeinde gebrochen und eine neue Zeit angebrochen sei. Grosse und schwere Aufgaben würden ihrer harren, aber durch tatkräftiges Zusammenarbeiten getreu dem Grundsatze "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" werden dieselben doch zu lösen sein. Er gab dann noch bekannt, dass die nationalsozialistischen Ortsvorsteher auf jede Aufwandsentschädigung verzichten würden und liess seine Ansprache mit dem Horst-Wessel-Lied ausklingen.

[Landrat Buttlar spricht.]

Als Vertreter der Lehrervereinigung sprach dann noch Herr Reik, dass sie es als ihre heiligste Pflicht betrachten, am Wiederaufbau Deutschlands mithelfen zu dürfen und die Jugend zu brauchbaren Mitgliedern des Staates heranzubilden.

Staatskommissar Hörsch stattete zum Schlusse allen seinen Dank ab und bat, sich einmütig hinter die nationale Regierung zu stellen. Mit dem Deutschlandlied und dem Radetzkymarsch fand die Feier ihren Abschluss.

Viel zur Verschönerung der Feier trug der MGV "Sängerbund" bei, der mit seinen Liedern "Niederländisches Dankgebet" und "Sturmerwachen" sowie dem "Radetzkymarsch" der Weihestunde das richtige Gepräge gab. Aber auch der SA-Kapelle gebührt für ihre schneidigen Märsche höchste Anerkennung.

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Bei Anbruch der Dunkelheit bewegte sich ein nicht endenwollender Fackelzug durch die festlich geschmückten und illuminierten Strassen, an dem sich die Behörden und sämtliche Vereine der Grossgemeinde Sieglar beteiligten. Im Anschlusse hieran fand im Saale Schumacher ein "Deutscher Abend" statt.


iFundstelle: Zeitung vom 21.4.33.

iiHervorhebungen im Original.

iiid.i. Adolf Hitler.