1933 Juli 01 Pfarrer Robert Werr (Spich): "Ein schwarzer Tag" i

Ein schwarzer Tag am 1.7.1933, an dem eintrat, was wir lange vermutet hatten. Freund Peter Schmitz empfing den Pfarrer mit der Nachricht, dass Polizeibeamte am Tore des Pfarrhauses meiner harrten. Landjäger Schumacher und Polizeibeamter Eiermann standen dort und erklärten, beauftragt zu sein, Vermögen, Bücher usw. des katholischen Jünglings- und Jungmänner-Vereins sowie Mitgliederlisten und andere Bücher in Sicherheit zu stellen. Sie bedauerten, dafür bestimmt zu sein und solche Pflicht tun zu müssen. Ich stellte ihnen das Gewünschte, wenn auch mit innerem Widerstreben und peinlicher Stimmung, zur Verfügung. Das Geld wurde nach Sieglar übermittelt und die Turngeräte in dem verschlossenen, polizeilich gesicherten Sälchen in "Sicherheit" gestellt, vor uns. Sobald die Massnahmen, welche in letzter Linie zeigen sollten, wer die Macht hat und wozu man eventuell fähig und bereit ist, wieder zurückgenommen wurden, setzten unsererseits Versuche ein, Geld und Gerät zurückzuerhalten. Erst nach 14 Tagen wurde alles wieder freigegeben nach Schritten beim Bürgermeister- und Landratsamt; dabei einem persönlichen Schreiben an den Regierungspräsidenten. "Gute Ratschläge" auf Vereinigung der DJK (Deutsche Jugendkraft) mit dem hiesigen WLV (Westdeutschen Leichtathletik-Verband) wurden höflich und in gefälliger, aber entschiedener Form abgelehnt.


iFundstelle: Aufzeichnungen des Robert Werr 1926-1943, in: Sammlung Dederichs.