1933 Jul 9 Staatskommissar Josef Reinartz, Antrittsrede[1]

 

Deutsche Männer - deutsche Frauen !

Durch Ihre grosse Anteilnahme an meinem heutigen Ehrentage verpflichten Sie mich zu grossem Danke, den ich Ihnen hiermit abstatte. Sie beweisen mir aber auch durch diese Anteilnahme, dass Sie mit der Massnahme der nationalsozialistischen Regierung einverstanden sind, mich auf den höchsten Posten innerhalb der Gemeinde Troisdorf's zu berufen. Sie beweisen mir aber auch dadurch, dass Sie Willens sind[,] sich geschlossen hinter mich zu stellen[,] wenn es heisst, den Willen des Führers in die Tat umzusetzen. Ausgerüstet mit dem Vertrauen meiner Parteileitung und meiner vorgesetzten Behörde, des Herrn Landrates[,] übernehme ich gern dieses Amt und verspreche Ihnen zum Danke hiermit, dass ich dieses Amt als Ihr Treuhänder, sorgsam wie ein vorsorglicher Familienvater[,] verwalten werde. Meine Hand demjenigen, der sich in Erneuerungs- und Aufbauwillen hinter mich stellt, aber die harte Faust der Revolutionsgesetze allen denen, die sich zum Schaden der Allgemeinheit gegen mich und dadurch gegen den Willen der Regierung stellen. Meine Amtshandlungen werden immer und immer getragen sein von dem Wahlspruch (und Fundamentalsatz) meiner Partei:

"Gemeinnutz vor Eigennutz"

Wenn aber Gemeinnutz vor Eigennutz gehen soll, ist es vor allen Dingen erforderlich, dass sich jeder Deutsche, gleich welchen Standes oder Ranges er ist, in die grosse Schöpfung unseres Führers und Volkskanzlers, (Adolf Hitler), die Volksgemeinschaft[,] einfügt.

Derjenige, der es nicht tut, derjenige, der sich heute noch nicht mit dem Nationalsozialismus befasst, wird[,] wie bisher, so auch in Zukunft die Herrschaft Hitlers als Diktatur[2] empfinden, auch wenn er glaubt, sonst ein guter Deutscher zu sein. Nur derjenige, der sich mit dem innersten Wesen unserer Weltanschauung befasst[,] wird die Zukunft begreifen und wird sie schon heute voraus sehen.

Der sich aber mit diesem tiefen Wesen unserer Weltanschauung befasst[,] wird begreifen, dass der Nationalsozialismus nichts schweres, nicht unfassbares ist, sondern dass nur eines notwendig ist, die tiefe innere Umwandlung des eigenen Ichs, die Beherrschung des mammonistischen, des jüdischen Geistes (schlicht Egoismus), der das heutige Geschlecht beherrscht, mit einem Wort: die Gleichschaltung des einzelnen in die grosse Volksgemeinschaft aller Deutschen[,] die guten Willens sind, das Vaterland wieder aufzurichten. Es mit zurückziehen von dem Abgrunde[,] an den es ein unbeschreiblicher Parteienwirrwarr gebracht hat.

Dieses Parteiwesen oder Unwesen ist aus. Die letzte Säule des alten Systems ist gebrochen. Als Sieger aus 14jährigem Kampf ging Adolf Hitler hervor und damit seine Bewegung, die in kurzer Zeit die Bewegung des Deutschen Volkes sein wird.

Nicht jeder[,] der sich beruflich gleichschaltet[,] ist dadurch Nationalsozialist. Die Gleichschaltung bedingt doch in erster Linie, dass sich jeder Beruf in den Willen des Führers einschaltet, der gewissermassen als Marschroute bei seiner Amtsübernahme allen Deutschen folgenden Satz mit auf den Weg gab:

"In erster Linie helfen wir dem deutschen Bauer und gleichlautend[3]damit dem deutschen Arbeiter."

Dieser Satz ist so markant, so klar und deutlich, dass er keinerlei Deutung bedarf. Trotzdem sehe ich es heute als erforderlich an[,] manchen gewerblichen Mittelständler zu warnen. Die Gleichschaltung bedeutet nicht, dass Gegenstände des täglichen Bedarfs, soweit sie nicht landwirtschaftliche Veredlungsprodukte sind, nach und nach mit den Preisen in die Höhe rutschen (dürfen).

Dieses bedeutet eine Vorwegnahme der Lebensverbesserung, die dem deutschen Bauer[n] und Arbeiter zugedacht war, die aber im schroffen Widerspruch zu dem Leitsatze unseres Führers steht.

Die Worte des Volkskanzlers lassen nur eine Deutung zu[,] und die heisst nach meiner Auffassung:

Wir versichern[,] den Mittelstand zu halten, aber wir können ihm eine Besserung seiner Lage erst zusagen, wenn er dem Willen der nationalsozialistischen Regierung nicht zuwider handelt.

Ob der Mittelstand sich halten wird, ist in der Zeit des Umbaus aller Berufsschichten eine Frage des eigenen Willens. Findet er sich gemeinsam, schaltet er unter sich zuerst einmal den Eigennutz aus, denkt und handelt er im Sinne Adolf Hitlers, so darf ich wohl sagen: Die Zukunft ist auch ihm gesichert.

Jede Arbeit hat einen Anfang. Der Aufbau des Deutschen Reiches auch, aber falsch ist es, wenn die Arbeit sich nicht organisch fortsetzt. Geht es dem deutschen Arbeiter und Bauern besser, geht es den anderen Berufen - ob freie oder gewerbliche - besser. Denn niemand ist ein besseres Mittel zur Ingangsetzung der Wirtschaft als der deutsche Arbeiter, der den weitaus grössten Teil seines Einkommens dem Räderwerk der Wirtschaft wieder zuführt.

Zuerst Bauer und Arbeiter, dann von selbst alles andere.

Wenn der eine oder andere glaubt, sich dem Nationalsozialismus entziehen zu können, irrt er sich. Ihm kann es passieren, dass er als Volksverräter öffentlich gebrandmarkt wird. Der uns zuwider handelt, ist nicht nur ein schlechter Deutscher, sondern auch ein schlechter Christ. Denn ich bin der Meinung, dass der Nationalsozialismus auch (zum grossen Teil) aus dem Katechismus gelernt werden kann. Nur darf es bei uns nicht wie (nur) ein Lippenbekenntnis sein. Das Christentum kennt ja auch einen Fundamentalsatz, der unserem Fundamentalsatz nicht nach steht, und der heisst:

"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst".

Wir Nationalsozialisten deuten das Wort "Nächsten", wenn wir es auf unsere Weltanschauung anwenden wie:

["] Liebe jeden Deutschen wie Dich selbst". Nicht wie Dich, nicht wie Deine Familie, Deine Sippe, sondern jeden Deutschen. Sei Christ in allem Tun.

Nach diesen Grundsätzen gedenke ich meines Amtes zu walten; als treuer Diener meiner Führer und der Troisdorfer Bevölkerung, meiner eigenen Heimat.

Aber ich muss verlangen, dass man mich (jeder) in meinem Wollen unterstützt, dass man mir nicht mit Sonderwünschen kommt, und dass so mancher Säumige seinen steuerlichen Verpflichtungen nachkommt.

Wir haben die Steuern nicht gebracht, wir sind aber leider gezwungen[,] sie einzutreiben, damit die Verschwendung der letzten 14 Jahre ihre Abdeckung erfährt. Es gibt aber keinen grösseren Volksfeind, als den unwilligen Steuerzahler, denn er verlässt sich auf die Dummheit der anderen, die ja für ihn mitbezahlen sollen. Hierin kenne ich keine Rücksichten, wenngleich ich unverschuldete Not gerne berücksichtige.

Lassen Sie mich auch jetzt denen danken, die den Willen des Führers so hervorragend unterstützen durch Hergabe von Arbeit. Selten ist in den Jahren nach dem Kriege eine solche Baulust gewesen wie heute[,] und selten sind so viele Verbesserungen an Häusern getroffen worden wie jetzt (in Troisdorf). Allen denen[,] die Vertrauen in die Regierung setzen, namens der Gemeinde meinen herzlichen Dank.

Lassen Sie mich aber auch meinen Dank abstatten der Troisdorfer Industrie. Sie beweist durch die grosse Zahl der Neueinstellungen, dass auch sie Vertrauen hat. Die ganze Einwohnerschaft dankt ihr dieses. Denn Troisdorf hat ein Beispiel an der Nachbarschaft Siegburg und kann ermessen, was es bedeutet, die Industrie zu verlieren. Glauben Sie mir[,] meine Herren von der Industrie, mag in früheren Jahren oft ihr Stand schwer gewesen sein, so haben Sie heute an dem Troisdorfer nationalsozialistischen Arbeiter einen treuen Mitkämpfer im Streite mit[!] der Weltwirtschaftskrise. Alles[,] was er hat[,] wird er einsetzen, um seinen Arbeitsplatz zu behalten und für seine Kinder neu zu erobern. Haben auch Sie deswegen Vertrauen zum Troisdorfer Arbeiter, der gerne mit Ihnen kämpfen will, der noch mehr wie bisher mit Ihnen denken und fühlen will.

Zum Schlusse bitte ich alle Anwesenden[,] auch zu mir und der Verwaltung Vertrauen zu haben. Kein Pfennig wird mehr ausgegeben, der nicht 10 Mal umgedreht ist. Hoch sind die Verpflichtungen[,] die der Gemeinde an Lasten und Zinsen aufliegen. In Zukunft wird gespart und wieder gespart. Lange Jahre hatten wir die geringste steuerliche Belastung (im Siegkreise)[,] und so soll es wieder werden.

Verlangen Sie von mir nicht, dass ich mich abschliesse, denn nur in Verbindung mit den weitesten Volksschichten habe ich gelernt[,] mit ihnen zu fühlen. Wenn ich mein Tagwerk mit dem Bewusstsein geschlossen habe, meine Pflicht getan zu haben, so verargen Sie es mir bitte nicht, wenn ich mich wie bisher unter meine Freunde begebe. Eine Freude in Ehren, werden Sie mir auch in Zukunft nicht wehren. Ich bin und bleibe[,] der ich war, ein Troisdorfer.

 

Ich beschliesse meine Ausführungen[,] indem ich Sie bitte mitzuhelfen. Sorgen wir alle dafür, dass unseren Kindern wieder eine Heimat gewahrt ist. Gerade diese sollen Achtung vor den jetzigen Deutschen haben. Sie hatten einst ihre Heimat, Ihr Vaterland durch Parteiwirtschaft verkommen lassen, aber sie haben sich auch eine neue geschaffen, jeder einzelne auf seinem Posten und unter der Führung des Kanzlers des deutschen Volkes[,] Adolf Hitler[.]

 

Heil Hitler[!]

 


     [1] Fundstelle: StaT, X II 874, masch.schr. Redemanuskript mit handschr. Ergänzungen und Änderungen.

     [2] handschr. verbessert aus "Diktator".

     [3] Der Buchstabe "t" ist handschr. durchgestrichen.