[1933 Sep 19] Leonhard Roedel: Bericht über meine Zeit im SA-Heim i

Am 19. September 1933 wurde ich von der SS und Polizei Troisdorfs verhaftet und in das Gelände des SS Heims gebracht. Hier wurde ich von einem Landjäger aus Spich vernommen. Von da aus kam ich in das SA-Heim in Troisdorf, Stationsweg. Hier gab es zur Einführung [...] Schläge mit der Hundepeitsche; als Begleitung lief ein Motorrad, damit man das Geschrei nicht hören konnte. Die Schläger bei mir waren Stämmler, Karl, jetzt wohnhaft Fr.W.Hütte, Schiffgen, Karl, jetzt wohnhaft Spich und Bernauer aus Troisdorf; der letzt genannte ist verstorben. Dieser Vorgang wurde bei jeder Vernehmung gemacht. Es ist auch in den 10 Tagen, die ich im SA-Heim war, dreimal vorgekommen, wo ich zweimal am Tage dieses erlebte.

Als Vernehmungsbeamter war Kriminalkommissar Gieseler. Dieser Mann hatte eine besondere Methode:[...] Er hatte nämlich einen Gummiknüppel und schlug mir auf den Hinterkopf, bis ich taumelig war. Dann sollte ich ein Phantasie-Protokoll unterschreiben, was ich verweigerte. An einem Tag, da war der Polizeiwachtmeister Walter Müller der Mann, der seine Kraft zeigte; ich wurde von ihm so mit der Hundepeitsche geschlagen, bis er nicht mehr konnte. Da kam Kommissar Gieseler dran und dann Müller, bis beide erschöpft waren. Am Schluss sagte dieser Mann, als ich auf der Erde lag und alle Viere von mir streckte: „Dir Kommunistenschwein soll man den Kopf zermalmen!“ und setzte mir den Fuss auf den Kopf.

Den ganzen Tag musste ich mit Gesicht und Fussspitzen und erhobenen Händen an der Wand stehen. Hier hatte man einen Spruch an die Wand geschrieben:

„Heil Hitler! Heil Moskau! Rot Front!“

Sagte ich „Heil Hitler!“, so war die Antwort: „Du Kommunistenschwein wagst es, „Heil Hitler!“ zu sagen?!“

[Dann] wurde ich gezwungen, den anderen Spruch zu lesen; diese Antwort lautete: „Du Kommunistenschwein wagst, dieses heute noch zu sagen?!“ Dann gab es Prügel mit der Hundepeitsche. Der Prügelheld war Paul Breitenbach, jetzt wohnhaft in Lohmar. [...]

Bei der Einlieferung ins Siegburger Gefängnis [am 26.9.33] hatte ich blutunterlaufene Augen von den Schlägen, die ich von Kommissar Gieseler auf den Kopf bekommen habe. Protokollführerin war die frühere Angestellte Fräulein Müller aus dem Bürgermeisteramt Troisdorf.

28.2.33-5.9.33 illegal

19.9.33-20.3.34 Haft


iSammlung Roedel; Photo von L.R. siehe Abb. 190.