1933 Sep 25 Beigeordneter Steinmetz an den Landrat i

Der Bürgermeister

als Ortspolizeibehörde

II. J. Nr.3628

Troisdorf, den 25. September 1933ii

Betr. Stimmungsbericht

Verfg. vom 28. Juli 1933 III. J.Nr.L666

An den Herrn Landrat

in Siegburg

Landrat zu Siegburg

Eing. 30.SEP 1933

III. L. Nr. …. Anl…

Seit meiner letzten Berichterstattung ist eine Aenderung in der allgemeinen Lage nicht zu bemerken gewesen. Die Beschäftigung in der hiesigen Industrie hat angehalten. Nennenswerte Einstellungen sind dagegen nicht erfolgt. Auch im Kleingewerbe, im Handwerks- und im gewerblichen Mittelstande sind bemerkenswerte Ereignisse nicht zu berichten.

Besondere Wirtschaftsereignisse und Massnahmen von Bedeutung sind nicht zu verzeichnen. Die Bekämpfung der Schwarzarbeit und die Ausschaltung der sogenannten Doppelverdiener hat zwar gute Fortschritte gemacht, jedoch zu dem gewünschten Erfolg noch nicht beigetragen.

In politischer Hinsicht hat sich auch seit meiner letzten Berichterstattung nichts Besonderes ereignet. Die staatsfeindlichen Parteien sind nicht hervorgetreten. Vermutliches Wiederaufleben der KPD hat zu einer grösseren Untersuchungsaktion Anlass gegeben, die heute noch nicht abgeschlossen ist. Im S.A. Heim befinden sich eine Anzahl ehemaliger Kommunisten aus Troisdorf und Sieglar in Haft zwecks Vernehmung durch Beamte des Staatspolizeiamtes Köln. Ein abschliessendes Ergebnis liegt noch nicht vor. Von den übrigen staatsfeindlichen Parteien ist nichts bemerkt worden.

Der Staatsgedanke wird durchweg bejaht und die Stimmung der Arbeiterschaft ist zufriedenstellend. Uebergriffe seitens der Geistlichkeit sind nicht zu berichten. Die Beamten- und Lehrerschaft steht geschlossen hinter der nationalsozialistischen Regierung, deren Massnahmen willig und gründlich durchgeführt werden.

Vorschläge für gesetzgeberische oder verwaltungsmässige Massnahmen allgemeiner Art, sowie Wünsche und Aenderungen sind meinerseits nicht zu machen. Das Verhalten der Wehrverbände zueinander ist im Allgemeinen gut.

Das Verhalten der Erwerbslosen und Wohlfahrtsempfänger ist angesichts der grossen Unterstützungsaktion gut.

Die Presse hat sich der heutigen Regierung angepasst.

Die Beteiligung der Bevölkerung an den nationalen Veranstaltungen ist gut.

Besondere Wahrnehmungen von im Auslande sich aufhaltenden Kaufleuten über ihre Eindrücke, Erfahrungen und Wahrnehmungen insbesondere bezgl. der Judenhetze, sind von mir nicht gemacht worden.

Besondere Stimmen aus der Landwirtschaft, die übrigens hier wenig vertreten ist, liegen nicht vor.

[gez.] Steinmetz


iARSK, LRS 3260, Bl.1 r. und v.

iiIm Original ist das Datum „25. Mai 1933“ eingetragen; dies scheint jedoch ein Fehler zu sein.