1933 Dez 17 Fritz Flörken an seine Cousine Sarah in den USA i

Troisdorf, den 17.Dezember 1933

Liebe Cousine Sarah und Familie !

Das Weihnachtsfest und das neue Jahr ist nahe, darum übermittle ich Euch die herzlichsten Weihnachtsgrüsse und zum Jahreswechsel die besten Wünsche.

Wir hoffen Euch noch alle bei bester Gesundheit.

Wir bitten Euch, unser langes Schweigen zu verzeihen.

Recht herzlichen Dank für Euer letztes Schreiben. Einen ganz besonderen Dank an Gordon für das schöne Buch, welches er an Norbert schenkte. Norbert wird an Gordon noch selbst schreiben.

Das laufende Jahr hat für unser Vaterland eine völlige Umgestaltung gebracht. Ich hatte Euch damals geschrieben, dass wir nahe am Bürgerkriege standen. Nur durch die Machtübernahme unseres Führers Adolf Hitler sind wir vor dem furchtbaren Chaos verschont geblieben. Die politischen Parteien sind aufgelöst. Alle Personen, die sich durch ihre Parteitätigkeit strafbar fühlten, sind soweit sie noch konnten ins Ausland geflüchtet. Bezeichnend ist, dass bei den staatsfeindlichen Parteien die Juden die Führung hatten und jetzt im Auslande noch weiter gegen Deutschland arbeiten.

Dia Umgestaltung verlief gegenüber der Revolution von 1918 sehr ruhig. Die weitere Entwicklung brachte ein geeintes Volk im deutschen Vaterlande, eine straffe Führung[,] die bei der letzten Wahl das Vertrauen des Volkes fast einstimmig erhalten hat. Bis heute ist die Erwerbslosenzahl fast bis zur Hälfte gesunken. Neuer Lebensmut und Freude ist bei der Bevölkerung wieder eingekehrt. Den noch in Not stehenden Volksgenossen wird durch das Winterhilfswerk Nahrung und Kleidung gegeben.

Jeder Deutsche hilft und spendet, soweit er in der Lage ist. Eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt ist überall bemerkbar, diese bringt wieder Leben in den Geschäftsgang und so weiter greift ein Teil in den anderen.

Geschäftlich sind wir zufrieden, ebenso was unsere Gesundheit betrifft. In der Familie hatten wir wieder einen Sterbefall [...]


iFundstelle: Sammlung Flörken.