1934 April 12 Das Generalvikariat an den Regierungspräsidenten wg. Böhm i

Erzbistum Köln

J.-Nr. B/808/33

Köln, den 12. April 1934

An den Herrn Regierungspräsidenten in Köln

Zu der Beschwerde gegen Herrn Pfarrer Böhm in Sieglar verweisen wir zunächst darauf, dass diejenigen Beschwerdepunkte, die bereits mehrere Monate zurückliegen, von Herrn Bürgermeister Hörsch Anfang Juni v.J. mündlich auf dem hiesigen Generalvikariat vorgetragen wurden. Bereits mit Schreiben vom 14.6.33 konnten wir auf Grund eingehender Nachprüfungen Herrn Bürgermeister Hörsch mitteilen, dass es sich bei dem Vorwurf der Deutschfeindlichkeit des Herrn Pfarrers Böhm wohl um missverstandene oder missverständliche Aeusserungen handele, die allerdings in gegenwärtigen Zeiten wegen der Gefahr der Missdeutung unangebracht erscheinen.

Herr Pfarrer Böhm habe ausdrücklich versichert, dass jede deutschfeindliche Regung von ihm als gegen sein Gewissen verstossend angesehen werde. Es wurde Herrn Pfarrer Böhm damals kirchenbehördlich nachdrücklichst Zurückhaltung in seinen Reden auferlegt.

Zu den unter dem 3.2.34 neu erhobenen Vorwürfen hat Herr Pfarrer Böhm Stellung genommen und sie im wesentlichen zurückgewiesen. Insbesondere die ihm zugeschriebene Bemerkung über Separatismus, für die sich ausser dem einen genannten Lehrer kein Zeuge finden werde, weist er als durchaus unwahr zurück. Auch hinsichtlich des W.H.W. sind gemäss unseren Feststellungen die Abmachungen über die Durchführung des Hilfswerkes nicht von Herrn Pfarrer Böhm ausser acht gelassen worden, sondern seitens der Ortsgruppe des W.H.W. Beispielsweise ist Herr Pfarrer Böhm nur ein einziges Mal zu einer Sitzung des Verteilungsausschusses eingeladen worden. Gemäss einer dem Pfarramt vorliegenden Quittung des Ortswalters hat der kirchliche Mütterverein für die Winterhilfe gearbeitet und die von ihm hergestellten Kleidungsstücke dem Ortsausschuss abgeliefert.

Dass der grösste Teil der Bevölkerung gegenüber Herrn Pfarrer Böhm feindlich eingestellt sei, wird von dem Herrn Pfarrer, soweit wir beurteilen können, mit Grund bestritten. Die Angelegenheit unterliegt nochmaliger genauer Nachprüfung. Wir werden gegebenenfalls je nach dem Ergebnis und mit Rücksicht auf die dem Pfarrer offensichtlich von einer bestimmten Stelle wiederholt in den Weg gelegten Schwierigkeiten dem Pfarrer einen Stellenwechsel nahelegen.

Das Erzbischöfliche Generalvikariat

[gez.] [Unterschrift]


iFundstelle: Kopie im StaT, Bestand 12.8.1.