1934 Juni 20 Generalstaatsanwalt Hamm: Anklageschrift gegen Odenthal u.a., Auszug i

Abschrift

Der Generalstaatsanwalt.

O.J. 26/34

Hamm (Westf.), den 20.6.34

Hochverratssache!

Pressesache!

Haft zu 1 - 11!

Geheim !

Ausländer zu 10 !

Anklageschrift !

[...] 4. der Volkswirt Dr. Mathias Odenthal in Troisdorf, Adolf-Hitlerstrasse 1, geboren am 6.8.96 in Mondorf, Siegkreis, verheiratet, in dieser Sache seit dem 21.12.33 im Gerichtsgefängnis Aachen in Untersuchungshaft, Strafregisterauszug ist eingefordert, [...] werden angeklagt, zu Aachen und anderwärts im Inlande, teilweise auch im Auslande, in nicht rechtsverjährter Zeit bis zum Dezember 1933 teilweise fortgesetzt und gemeinschaftlich handelnd das hochverräterische Unternehmen, mit Gewalt die Verfassung des Reiches zu ändern, vorbereitet zu haben, wobei die Tat

  1. sämtlicher Angeschuldigten

darauf gerichtet war, zur Vorbereitung des Hochverrats einen organisatorischen Zusammenhalt herzustellen oder aufrecht zu erhalten,

  1. der Angeschuldigten S[...], A[...], Z[...], M[...], K[...], F[...] und N[...]

auf Beeinflussung der Massen durch Verbreitung von Schriften gerichtet war,

  1. der Angeschuldigten S[...], W[...], A[...], Odenthal, Z[...], L[...], B[...], P[...] und M[...]

auch im Auslande begangen worden sind.

[...]

Wesentliche Ergebnisse der Ermittlungen

[...]

  1. Dr. Odenthal war von 1918 bis Juli 1932 Mitglied der SPD. Von 1926 bis 1930 war er Vorsitzender des Kreises Siegburg der S.P.D. In der gleichen Zeit war er kommunalpolitischer Berichterstatter der Rheinischen Zeitung in Köln. Im Juli 1932 und im November 1932 kandidierte er auf Drängen von Parteimitgliedern für die Reichstagswahl; im März 1933 war er auch für die Gemeinderatswahl von der S.P.D. vorgeschlagen. Vom 13. März bis zum 8. oder 12. Juni 1933 befand er sich in Schutzhaft.

[...]

Die Angeschuldigten Odenthal, L[...], B[...] und M[...] sind zunächst durch ihre Teilnahme an einer der beiden Eupener Versammlungen [am 24.9.33 oder 26.11.33] stark belastet. Die Begründungen, die diese Angeschuldigten für ihre Reise nach Eupen geben, sind unglaubwürdig. Odenthal hat sich zunächst dahin eingelassen, er sei von vornherein darüber orientiert gewesen, dass in Eupen eine Emigrantenversammlung geplant sei und er sei mitgefahren, um sich einen Einblick in die Verhältnisse der Emigranten zu verschaffen. Diese ihn nicht unerheblich belastende Darstellung hat er nunmehr in seiner Eingabe vom 20.4.1934 bezeichnenderweise dahin abgeschwächt, dass er mitgefahren sei, um sich nach Arbeitsmöglichkeiten umzuschauen.

[...]


iFundstelle: NRW Staatsarchiv Münster.