1934 Juli 12 Der Landrat an den Regierungspräsidenten wg. Hörsch i

Entwurf

Der Landrat

I L 551 pers.

Siegburg, den 12.7.34

An den Herrn Reg. Präs.

Betrifft: Bürgermeister HöRSCH, Sieglar

ohne Verfügung

In einem von dem Kreispropagandaleiter Kettenuss gegen den Rechtsanwalt Lenders in Siegburg beantragten Verfahren hat der Angeklagte Rechtsanwalt Lenders folgendes ausgesagt:

Mir ist auf zuverlässige Weise mitgeteilt worden, dass im SA-Heim in Sieglar ii ganz schwere Misshandlungen vorgekommen sind.

Insbesondere ist mir zuverlässig mitgeteilt worden, dass der am 5.12.33 verstorbene Anton Hamacher aus Troisdorf oder Sieglar, derart in dem Eiskeller des SA-Heimes ausgepeitscht worden ist, dass ihm die Eingeweide zerrissen wurden. Durch die ärzte Dr. Hargan iii und Dr. Wiersberg wurde eine öffnung in die Seite des Hamacher gemacht, um durch diese künstliche öffnung den Koth abzuführen. Trotzdem ist Hamacher an der Misshandlung gestorben.

Der Bruder des Vorgenannten, Philipp Hamacher in Spich (Zeppelinhalle), ist an demselben Tage, an welchem Anton Hamacher misshandelt worden war, in das SA-Heim eingeliefert worden.

[Ihm wurde die Nahrung verweigert, er wurde an den Händen aufgehängt, ausgepeitscht und zum Schein erschossen.]

Bei den vorgeschilderten Misshandlungen [...] sind die Täter SA- und SS-Leute gewesen. Hörsch war wie gesagt bei diesen Vorkommnissen lebhaft beteiligt.

[Landrat möchte disziplinarische Massnahmen gegen Hörsch] so lange anhalten, wie dies vertretbar ist. [Er bittet um Weisung, wenn sofort Massnahmen ergriffen werden sollten.]

Hpt. iv

Wv. nach Abgang

[gez.] Buttlar


iFundstelle: Personalakte J. Hörsch, ARSK, LSK 1819, Bll 110 ff.

iiRichtig: Oberlar.

iiiRichtig: Harzem.

ivAbkürzung für Haupenthal.