1934 Sep 28 Urteil des Erbgesundheitsgerichts Köln i

nicht-öffentliche Sitzung des Erbgesundheitsgerichts (EGG)

102 XIII / 802 / 34

anwesend:

Amtsgerichtsrat Schrader (Vorsitzender)

ärzte: Med. Rat Dr. Engering

Prof. Dr. Pesch

Sachverständiger Hans Lewenstein erstattet Gutachten gemäss Blatt 5 der Akten.

es wurde anliegender Beschluss verkündet:

Im Namen des deutschen Volkes !

Das EGG Köln erliess am 28.9.34 (Schrader, Engering, Pesch) folgenden Beschluss

M[...] leidet an Schizophrenie (§ 1Abs.2, No.2).

Sie ist somit erbkrank und gemäss § 1 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses unfruchtbar zu machen.

[Kosten]

Gründe:

[Nach dem Bericht des Sachverständigen] ist in der Familie der Erbkranken eine erbliche Belastung nicht festgestellt worden. Die Erbkranke hat am 11.12.33 ein Kind geboren. Einige Zeit danach wurde sie auf der Strasse auffällig. Sie befand sich in einem hochgradigen Erregungszustande. [...] Sie hatte einen erheblichen Rededrang, sprach unverständliche Worte, führte Selbstgespräche, deklamierte und sprach 'Wortsalat', hörte auch Stimmen, mit denen sie sich unterhielt. [Nach dem Abklingen wurde sie Anfang März 1934 entlassen, aber am 20.3.1934 wieder in Köln eingeliefert und sofort nach Galkhausen verlegt, von dort im April 1934 entlassen. Am 4.6.1934 wurde sie wieder in Bonn eingeliefert [...] in hochgradigem Erregungszustand. Hier halluzinierte sie wieder, zeigte hochgradige Inkohaerenz im Gedankenablauf bis zur vollkommenen Sprachverwirrtheit und einen erheblich gesteigerten Rededrang. Der Affekt ist häufig inadaequat, oft grimassiert sie auch. Nach dem Gutachten des Sachverständigen handelt es sich um Schizophrenie. Eine Wochenbettpsychose kommt nicht in Frage, weil mit der Entbindung infolge der seitdem verflossenen Zeit kein Zusammenhang mehr besteht.

In übereinstimmung mit dem Sachverständigen hält das EGG für erwiesen, dass die Ehefrau M[...] an Schizophrenie leidet. M[...] ist demnach erbkrank im Sinne des § 1 Abs. 2, Ziffer 2, des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Da nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, das die etwaigen weiteren Nachkommen der fortpflanzungsfähigen Erbkranken an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden, war gemäss § 1 des Gesetzes ihre Unfruchtbarmachung, wie geschehen, zu beschliessen.

[zu den Kosten]

[gez.] Schrader

[gez.] Engering

[gez.] Pesch

1934 Sep 28 Verzicht auf Beschwerde (Formblatt) ii

In Sachen M[...] Az. ... verzichte ich auf das mir nach § 9 des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zustehende Beschwerderecht. Köln, den 28/9 34 [gez.] M[...] [gez.] L[...]

1934 Sep 04 Bestellung einer Pflegerin für M. iii

Das Amtsgericht Köln, Abt. 20 [= Vormundschaftsgericht] bestellt als Pflegerin für M[...] die Frau Helene B[...], Herwarthstr.17

1934 Sep 28 Nebenkosten des Sachverständigen iv

Berechnung der Entschädigung des ärztlichen Sachverständigen in der EGG-Sache der M[...] Sachverständigengebühr: 6 RM Eisenbahn: 2,50 RM Strassenbahn: 0,50 RM

1934 Sep 28 Zeugengebühr

M[...] und Schwester Mondorf Fahrtkosten: 3,95 RM


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